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Führungsverhalten und Fische

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Analogien und Gegensätze

Fische führen

Kann man in Punkte Führung und Leadership etwas von Fischen lernen? Britische und US-amerikanische Forscher sagen „ja“.
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Vor kurzem erschienen zwei Beiträge einer Forschergruppe zum Thema Führungs- und Sozialverhalten bei Fischen. Gibt es da möglicherweise Erkenntnisse, die sich auf uns Menschen übertragen lassen?

Was ist eigentlich Führung?

Gablers Wirtschaftslexikon definiert Führung wie folgt:

„durch Interaktion vermittelte Ausrichtung des Handelns von Individuen und Gruppen auf die Verwirklichung vorgegebener Ziele; beinhaltet asymmetrische soziale Beziehungen der Über- und Unterordnung.“

Die Bundeszentrale für politische Bildung (immerhin eine Institution, die aus Steuermitteln finanziert wird) liefert eine recht altertümliche Definition:

„Führung bedeutet die Ausübung von Autorität, Macht und Herrschaft. Sie hat die Aufgabe, Orientierung zu schaffen, Koordinierungs-, Regel- und Steuerungsleistungen zu erbringen, zu kontrollieren und Verantwortungs- sowie Repräsentationspflichten zu übernehmen.“

Umgangssprachlich würde man sagen „Wer führt, bestimmt wo es langgeht“. Beide Definitionen entstammen wohl einem eher überholten Verständnis von Führung und Führungsrollen. „Ober schlägt Unter“ spiegelt diese alte Sichtweise gut wieder und ist leider in vielen Unternehmen und im besonderen Maße leider auch bei vielen Finanzdienstleistern noch Realität.

Letztlich geht es dabei natürlich auch um die Frage, wer die Verantwortung für die aus der Führungsrolle heraus zu treffenden Entscheidungen trägt. Damit scheint es im Bankbereich allerdings nicht mehr weit her zu sein, wie die Prozesse und Urteile um die Fehlentscheidungen der Vorstände von HSH Nordbank und Bayerischer Landesbank zeigen: Führungsentscheidung und Führungsverantwortung klaffen hier weit auseinander, aber das ist ein anderes Thema…

Fische und Führung?

Der Begriff der Schwarmintelligenz wird ja häufig auch in Zusammenhang mit Fischschwärmen genannt: Kleinere Fische vermögen schon mal größere oder stärkere Angreifer durch gemeinsam abgestimmte Bewegungschoreografien in die Irre zu führen oder abzuschrecken. Diese sind kein Zufall sondern Ergebnis von Führung. Britische und US-amerikanische Forscher berichten in der britischen Royal Society, dass es in Fischschwärmen klar definierte Führer und Geführte gibt.

Schwarmintelligenz bei Fischen

Tausende von Sardinen im Meer zeigt eindrucksvoll, wie Fische sich zu Schwärmen bündeln und damit Angreifern ein völlig anderes Bild vermitteln können.
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Führer und Geführte

Bei Fischen wechseln Führer und Geführte unter bestimmten Bedingungen. Die Untersuchungen zeigen, dass Fische, die normalerweise anderen zeigen, wo es langgeht, auch mal anderen folgen – wenn sich das für sie auszahlt. Allerdings zeigt die Untersuchung auch, dass es Fischen, die normalerweise folgen, schwer fällt, die Führungsrolle zu übernehmen. Dagegen fällt es Führenden leichter, die Rolle eines Geführten zu übernehmen.

Die Untersuchung zeigte weiter, dass die Teams bei der Nahrungssuche am effektivsten waren, wenn die einzelnen Gruppenmitglieder ihrer angestammten Rolle treu bleiben konnten.

Parallelen und Gegensätze

Sowohl bei Fischen wie bei Menschen ist das Ergebnis von Gruppenaktivitäten dann besser, wenn wenige starke Führer und viele bereitwillige Geführte an diesen beteiligt sind.

Bei Fischen ist die Fähigkeit zum Führen bei Fischen grundsätzlich angeboren und nicht erlernt. Wenn natürlich vorgegebene Rollen vertauscht werden, kann es daher zu Konflikten kommen.

Bei Menschen machen Incentives, wie z.B. höhere Gehälter, Führungspositionen interessant und sorgen dafür, dass auch Menschen, die ihrer Natur nach keine Führer sind, durchaus in Führungspositionen gelangen. Konflikte entstehen insbesondere dann, wenn diese Menschen nicht über die notwendigen Führungsqualitäten verfügen.

Insgesamt dürfte aber die Sozialisation bei Menschen einen durchaus starken Einfluss auch auf das Führungsverhalten haben. Führung ist demzufolge erlernbar, was jedoch nicht zwangsläufig bedeutet, dass jeder dies lernen kann.

Moderne Führung ist anders

Moderne Führung ist ein integrativer und iterativer Prozess mit viel Kommunikation in alle Richtungen und einer möglichst offenen Hierarchie. Stichworte in diesem Zusammenhang sind:

  • Integration von Schwarmintelligenz.
  • Implementierung kollaborativer Strukturen.
  • Reduktion der tatsächlichen und der gefühlten Hierarchien.
  • Dezimierung von Regelwerken.
  • Abreißen interner Silos und des damit verbundenen Denkens.
  • Digitale Transformation fördern.
  • Den Kundenfokus in den Vordergrund stellen.

Dabei können Rollen (nicht aber Verantwortungen) durchaus wechseln. Die beobachtete Flexibilität der Fische in ihren Führungsstrukturen geht Menschen häufig ab, obwohl gerade moderne Führung (z.B. in Projekten) diese strukturelle Flexibilität erfordert. Hier können Menschen wohl durchaus etwas von Fischen lernen. Was meinen Sie?

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Über den Autor

Dr. Hansjörg Leichsenring

Dr. Hansjörg Leichsenring befasst sich seit über 30 Jahren beruflich mit Banken und Finanzdienstleistern. Nach Banklehre und Studium arbeitete er in verschiedenen Positionen, u.a. als Direktor bei der Deutschen Bank, als Vorstand einer Sparkasse und als Geschäftsführer eines Online Brokers.Aktuell bietet er Banken und Finanzdienstleistern Dienstleistungen im Bereich (Interims)Management und Beratung/Consulting an und vertritt die Firma Meniga, einen innovativen Anbieter von White-Label-Lösungen für Persönliches Finanz Management (PFM) im deutschsprachigen Teil Europas.Darüber hinaus hält er Vorträge bei internen und externen Veranstaltungen im In- und Ausland.

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