Was Führungskräfte von James Bond und Ambidextrie lernen können

Agilität braucht Stabilität

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Globale Vernetzung, neue Technologien und Digitalisierung bringen etablierte und langjährig erfolgreiche Unternehmen zunehmend unter Handlungsdruck, sich neu auszurichten. Ambidextrie kann dabei unterstützen, wie das Beispiel James Bond verdeutlicht.

James Bond, Ambidextrie und modernes Management

James Bond ist ein gutes Beispiel für modernes Management in Zeiten der Veränderung.

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Wie können Unternehmen ihre Innovationsfähigkeit steigern, und zugleich das laufende Geschäft absichern, den inneren Zusammenhalt und die Motivation der Beschäftigten aufrechterhalten? Ein aktueller Lösungsansatz lautet: Ambidextrie.

Bei der Gestaltung der ambidextren Organisationen kommt der Führung eine entscheidende Bedeutung zu. „Führung von Menschen“ wird anspruchsvoller, komplexer und vielschichtiger und gewinnt in einer Zeit der Disruption weiter an Bedeutung. Aus diesem Grund braucht es ein den neuen Herausforderungen angemessenes „ambidextres“ Führungsverständnis.

Wie bleiben Unternehmen im Zeitalter der Disruption erfolgreich?

Mit Wandel umzugehen ist seit jeher eine zentrale Herausforderung der Unternehmensführung. Wir erleben gerade in vielen Branchen disruptive Umbrüche, deren Ausgang heute noch nicht absehbar sind. Die Corona-Krise hat diese Entwicklung weiter befeuert.  Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung gilt die Fähigkeit von Unternehmen, sich schnell und vorausschauend auf sich verändernde Umweltbedingungen einzustellen, als der zentrale Erfolgsfaktor.

In diesem Zusammenhang wird gegenwärtig viel über die Bedeutung von Agilität zur Bewältigung des disruptiven Wandels diskutiert. Unbestritten ist, dass Unternehmen ein zunehmendes Maß an Flexibilität und Innovationsfähigkeit aufweisen müssen. Neuer Studien zeigen jedoch, das chronisch ‚fluide‘ Unternehmen zu Desintegration neigen. Unternehmen stehen also nicht nur vor der Aufgabe, sich an das ständig verändernde Umfeld anzupassen, sie müssen gerade in disruptiven Zeiten auch die innere Stabilität und den sozialen Zusammenhalt sicherstellen.

Es geht um die zentrale Frage: Wie können die Unternehmen ihre Innovations- und Veränderungsfähigkeit steigern, ohne die Performance im laufenden Geschäft zu vernachlässigen und die gewachsene Identität des Unternehmens zu zerstören? Wie gelingt der Spagat zwischen Flexibilität, Entdecken und Innovation auf der einen Seite und der Stabilität und Effizienz auf der anderen Seite?

Ambidextrie als Lösungsansatz

Einen zeitgemäßen Lösungsansatz für diese Problemstellung liefert das Konzept der Ambidextrie. Der Begriff Ambidextrie kommt aus dem Lateinischen: ambo bedeutet „beide“, dexter heißt „rechte Hand“. Ambidextrie bedeutet Beidhändigkeit und beschreibt die Fähigkeit, gleichzeitig das bestehende Kerngeschäft effizient voranzutreiben (Exploitation oder Ausnutzung von Bestehendem) als auch innovativ neue Geschäftsfelder zu entwickeln (Exploration oder Erkundung von Neuem).

Ambidextrie ist gewissermaßen synchrone Arbeit auf verschiedenen „Baustellen“: Das, was man heute tut, fortsetzen und sich zugleich auf neue Zukunftsfelder begeben. Ambidextrie ist ein Phänomen, das vor allem in dynamischen Umfeldern mit schnellen und starken Veränderungen bedeutsam ist.

Innovation braucht Stabilität – Die Erfolgsformel von James Bond

Geschüttelt, nicht gerührt – rasante Fahrzeuge – Uhren mit Sprengfunktion – attraktive Bond-Girls lassen unweigerlich auf den berühmtesten Geheimagenten der Filmgeschichte schließen: James Bond. Aber obwohl vieles über die Jahrzehnte hinweg gleichgeblieben ist, wird bei näherer Betrachtung deutlich, dass sich vieles entsprechend dem vorherrschenden Zeitgeist verändert hat. Wenn man die letzten Bond-Filme (mit Daniel Craig) mit den ersten Filmen (mit Sean Connery) vergleicht, wird schnell deutlich, welchen gravierenden Wandel die Filmfigur vollzogen hat.

Diese Anpassungsfähigkeit zeigt sich am Wandel der Gegner. Anfangs entspricht das Gut/Böse-Schema noch den Fronten des Kalten Kriegs. Später geht die Bedrohung von größenwahnsinnigen Privatpersonen oder vom organisierten Verbrechen aus.

Auch das Frauenbild hat sich über die Jahre dramatisch verändert. Insgesamt steigt die Qualifikation der Frauen in den Bond-Filmen kontinuierlich an. In dem 1979 erschienene Film ist seine Kollegin bereits promoviert und damit erstmals höher qualifiziert als der Titelheld selbst. Richtig angekommen ist die Emanzipation in den 1990ern, als Bond mit Judi Dench in der Rolle von „M“ eine weibliche Chefin bekommt.

Doch trotz dieser kontinuierlichen Erneuerung sind die Bond-Filme in einem ebenfalls ganz außergewöhnlichen Maße konstant dieselben („identisch“) geblieben. Diese Mischung von Stabilität als auch Innovationsfähigkeit ist die Erfolgsformel der Bond-Filme

Ambidextrie braucht Führung

In einer Metaanalyse aller bislang vorliegenden empirischen Studien konnte ein Team um die Managementforscherin Paula Junni zeigen, dass Ambidextrie positiv mit der Unternehmensleistung zusammenhängt. Zu einem ähnlichen Befund kommt die Professorin Rita McGrath von der renommierten Universität Stanford. Langfristig erfolgreiche Unternehmen sind ihren Untersuchungsbefunden zufolge sowohl „rapid adopters“ als auch „champions in stability“. Dabei fanden beide Forscherinnen heraus, dass den Führungskräften bei der Entwicklung eines ambidextriefähigen Unternehmens eine zentrale Bedeutung zu kommt. Oder anders formuliert: Führung darf man gerade in disruptiven Zeiten nicht aus den – beiden – Händen geben!

Führung ist die Instanz, die im Spannungsfeld zwischen Stabilität (Exploitation) und Innovation (Exploration) das Unternehmensruder in der Hand und den Kurs stets im Auge behalten muss. Unternehmen brauchen gerade in Zeiten der Veränderung Führungskräfte, die entscheiden, wann der Prozess der Stabilisierung im Fokus steht und wann es gilt, dass System mit Impulsen zum Aufbruch zu Neuem, Innovativem zu bewegen. Da dies Führung insgesamt komplexer, anspruchsvoller und vielschichtiger macht, muss es daher das Ziel sein im Rahmen eines angemessenes Führungsmodells die Ambidextriefähigkeit der Führungskräfte systematisch weiter zu entwickeln. Im Sinn einer langfristig orientierte Führungskräfteentwicklung gilt es darauf zu achten, dass die Führungskräfte sich schon zu Beginn ihrer Karriere mit dem wichtigen Thema Ambidextrie bewusst auseinandersetzen. Die Entwicklung der Meta-Kompetenz Ambidextrie gilt es durchgängigen von der Rekrutierung über die Qualifizierung des Führungsnachwuchses bis hin zur Weiteentwicklung der Führungskräfte zu integrieren.

Nutzen von Ambidextrie für die Praxis

Betrachten Sie Exploration und Exploitation nicht als Gegensätze, sondern im Sinne von Ambidextrie als zwei sich gegenseitig bedingende Spannungspole. Es geht nicht darum die Spannungspole statisch auszubalancieren, sondern vielmehr darum, sie dynamisch und variable zu fokussieren. Das ist die zentrale Rolle von Führung.

Reden Sie über Wandel und Erneuerung, aber auch darüber, was nicht verändert werden soll, also über das, was sich bewährt hat und bewahrt werden sollte. Das schafft bei den Beschäftigten Innovationsbereitschaft auf einem stabilen Fundament.

Diese Verbindung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gelingt nur, wenn Sie bewusst eine ambidextres Mindset im Unternehmen etablieren.

Über den Autor

Dr. Hans-Joachim Gergs

Dr. Hans Joachim Gergs ist Senior Consultant für Organisationsentwicklung bei Audi. Er unterrichtet in verschiedenen Executive MBA Studiengängen der Business School der Technischen Universität München und hat Lehraufträge der University of London und der Universität Heidelberg. Ferner ist er Partner der Gesellschaft für empirische Organisationsforschung einer Ausgründung der Universität Regensburg. Schwerpunkte seiner Forschungs- und Beratungstätigkeit sind Management und Führung sowie Organisationstheorie und Change Management.

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