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Innovation ist Teamarbeit im genossenschaftlichen Verbund

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Interview zum Innovationsmanagement mit Franz Welter, DZ Bank

Innovation ist Teamarbeit

Der Grundsatz „Innovation ist Teamarbeit“ trifft nicht nur für Banken zu
© Shutterstock

Die digitale Transformation und das damit verbundene Innovationsmanagement ist auch für die Genossenschaftsbanken von hoher Bedeutung. Über die Ziele und Aufgaben habe ich mich ausführlich mit Franz Welter, Innovationsmanager bei der DZ Bank, unterhalten.

Die Bedeutung von Innovationen für Banken und Sparkassen steigen angesichts der fortschreitenden digitalen Transformation und der damit verbundenen Herausforderungen. Im Rahmen einer lockeren Serie über das Innovationsmanagement ausgewählter Banken habe ich bereits Interviews mit Remigiusz Smolinski, Innovationsmanager bei der comdirect bank AG, Sven Möllmann ist Head of Digital Strategy & Innovation bei der ING DiBa, Philip Laucks, Chief Digital Officer der Postbank und Boris Scukanec Hopinski, Chief Digital Officer der HypoVereinsbank geführt.

Innovationsmanagement in der genossenschaftlichen Bankengruppe

Auch in der genossenschaftlichen Bankengruppe gibt es entsprechende Zuständigkeiten. So wurde in der DZ Bank, dem Zentralinstitut für die meisten der Volks- und Raiffeisenbanken, Ende 2015 eine eigene Abteilung für Innovationsmanagement ins Leben gerufen. Die neue Abteilung dient als Evidenzzentrale für Innovation in der DZ BANK Gruppe. Zu ihren Aufgaben gehört es, das strategische Innovationsmanagement weiterzuentwickeln und die einzelnen Innovationseinheiten in den Geschäftsbereichen der DZ Bank sowie in den Tochterunternehmen zu vernetzen.

Die Leitung obliegt Franz Welter, der zuvor bei der Volksbank Bühl zahlreiche innovative Projekte, auch im Zusammenspiel mit der genossenschaftlichen Bankengruppe auf den Weg gebracht hat. Mit ihm habe ich mich über Aufgaben, Inhalte und Besonderheiten des Innovationsmanagement in der genossenschaftlichen Finanzgruppe unterhalten.

Franz Welter, Innovationsmanager DZ Bank

Franz Welter leitet das Innovationsmanagement der DZ Bank

Drei Dinge benötigt man für Innovationen

Der Bank Blog: Welches sind für Sie die drei zentralen Faktoren für ein erfolgreiches Innovationsmanagement?

Franz Welter: Ich halte es für sehr wichtig, dass man sich aus dreierlei Perspektiven mit dem Innovationsmanagement beschäftigt:

  • Innovationsstrategie,
  • Innovationsorganisation und
  • Innovationskultur.

Wird eine dieser drei Perspektiven nicht berücksichtigt, besteht die Gefahr, dass die Innovationsaktivitäten nachhaltig nutzlos bleiben. Hat man beispielsweise keine Innovationsstrategie, startet aber mehrere Innovationsinitiativen oder Kreativitätsworkshops, besteht die Gefahr, dass sich die Aktivitäten in operativer Hektik verlieren und die Ergebnisse nicht die Herausforderungen des Unternehmens adressieren. Hat man eine Innovationsstrategie und das Thema auch organisatorisch richtig geregelt, jedoch nicht die passende Kultur, besteht die Gefahr, dass gute Ideen nie umgesetzt werden, weil sie durch die Kultur gestoppt oder klein gemacht werden.

Man braucht also eine ausgewogene Mischung von ganz unterschiedlichen Instrumenten. Das bedeutet, man sollte sowohl am Innovationsprozess und an Themen wie Trendscouting, Technologiemanagement, Ideenmanagement und neuen Ökosystemen wie Innovation Labs und Inkubatoren arbeiten, aber auch Kooperationen mit FinTechs starten und Maßnahmen zur Förderung einer Innovationskultur initiieren.

Im genossenschaftlichen Verbund gibt es eine Vielzahl an Innovationsaktivitäten

Der Bank Blog: Worin liegen die besonderen Herausforderungen im Hinblick auf die dezentrale Struktur der Genossenschaftsbanken?

Franz Welter: Die genossenschaftliche Finanzgruppe ist dezentral organisiert. In unserem Verbund gibt es mehr als 1.000 eigenständige Unternehmen. Viele dieser Unternehmen haben eigene Innovationsabteilungen. Alleine in der DZ BANK Gruppe gibt neben meinem Team noch ca. zehn weitere Innovationsteams, die in den Töchtern der DZ BANK (wie z.B. der Union Investment, der Bausparkasse Schwäbisch Hall, R+V, Teambank usw.) sowie den Geschäftsbereichen der DZ BANK positioniert sind. Außerdem gibt es Innovationseinheiten bei unserer Rechenzentrale der FIDUCIA GAD IT AG sowie den Verbänden und vielen der größeren Unternehmen im genossenschaftlichen Verbund.

In Bezug auf das Innovationsmanagement bringt das einige Vorteile aber auch Herausforderungen mit sich. Ein Vorteil ist z.B. dass durch die große Anzahl von Unternehmen in unserem Verbund, sehr viele Dinge ausprobiert werden können. Das erschwert es jedoch auch, den Überblick zu behalten, was innerhalb der genossenschaftlichen Gruppe passiert. Außerdem bringt diese dezentrale Organisation natürlich auch Herausforderungen beim Rollout von Innovationsprojekten mit sich. Unterm Strich glaube ich aber, dass wir auf einem guten Weg sind. Alleine in der DZ BANK Gruppe laufen derzeit 90 Innovationsaktivitäten.

Der Bank Blog: Seit wann gibt es Ihr Innovations-Team? Wie viele Mitarbeiter umfasst es?

Franz Welter: Mein Team gibt es seit Oktober letzten Jahres und umfasst mittlerweile vier Kolleginnen und Kollegen sowie einen Trainee. Insgesamt gibt es ca. 50-60 Innovationsmanager in der DZ BANK Gruppe, die über die Fachabteilungen verteilt sind.

Ziel ist die Vernetzung des Innovationsmanagements

Der Bank Blog: Welche Aufgaben hat Ihr Innovations-Team? Und wie grenzt sich das von den Innovations-Aufgaben der Fachabteilungen ab?

Franz Welter: Wir sind zuständig für die Vernetzung der Innovationseinheiten der DZ BANK Gruppe sowie der Vernetzung in der genossenschaftlichen Gruppe. Wir verantworten das Innovationsmanagement und arbeiten schwerpunktmäßig an den Rahmenbedingungen zur Förderung der Innovationsfähigkeit unserer Organisation. Konkret bedeutet das: Produktinnovationen werden von den Fachabteilungen verantwortet, wir arbeiten an den Rahmenbedingungen damit die Innovationsarbeit besser gelingen kann. Im letzten Jahr haben wir z.B. ein Trendscouting zur Beobachtung und Bewertung von Trends und Technologien aufgesetzt. Wir koordinieren Kooperationen mit Acceleratoren und Inkubatoren, organisieren Hackathons. Anfang September ging unser Innovation Lab an den Start.

Innovationsmanagement bei der DZ Bank

Das Innovation Lab der DZ Bank

Der Bank Blog: Wo ist Ihr Innovations-Team angesiedelt? An wen wird berichtet? Wer im Vorstand ist zuständig? Wie kurz (oder lang) ist der Berichtsweg zum Vorstand?

Franz Welter: Wir sind im Bereich Konzernstrategie und Controlling angesiedelt. Allerdings sind die Wege zu allen Vorständen sehr kurz und alle Ressorts haben das Thema Innovation auf der Agenda. So stehen wir in regelmäßigem Austausch mit allen Vorständen.

Der Bank Blog: Verfügt Ihr Innovationsteam über ein eigenes Investitions-Budget?

Franz Welter: Ja, unser Budget wird eingesetzt, um das Innovationsmanagement weiterzuentwickeln – z.B. durch neue Methoden wie die Genohackathons, das Innovation Lab oder Kooperationen mit Acceleratoren und Inkubatoren.

Agiler Entwicklungsprozess für Innovationen

Der Bank Blog: Haben Sie ein Standardvorgehen/eine Checkliste zur Analyse und Prüfung von neuen Entwicklungen, Produktideen, Innovationen etc.? Können Sie uns diese kurz beschreiben?

Franz Welter: Standardvorgehen gibt es nur zum Teil. Zum Beispiel bei der Auswahl der Themen für unser Innovation Lab und bei der Frage, wie diese Ideen im Lab bearbeitet werden. Dafür gibt es einen agilen Entwicklungsprozess, der maßgeblich Ansätze aus der Scrum- und der Lean-StartupMethodik kombiniert.

Die Fachbereiche (und perspektivisch die Unternehmen der DZ BANK Gruppe) können Themen für das Lab einreichen und der Gesamtvorstand wählt Themen aus. Der Fachbereich entsendet anschließend eine Kollegin/Kollegen für drei Monate in das Lab (in Vollzeit). Dort bildet der Experte aus dem Fachbereich ein Team zusammen mit Entwicklern, anderen Experten sowie teilweise Startups/FinTechs. Nach drei Monaten soll entschieden werden, ob das Thema eingestellt, ausgegründet oder in der Linie weiterentwickelt wird. Derzeit läuft unsere Pilotphase mit drei Teams. Wenn alles gut klappt, wollen wir nächstes Jahr drei Durchläufe mit jeweils drei bis vier Teams starten.

Der Bank Blog: Testen Sie neue Ideen mit Kunden? Falls ja, wie?

Franz Welter: Ja, fast alle agilen Methoden sehen ja iterative Prozessmodelle vor. In unserem Lab orientieren wir uns ziemlich stark an der Philosophie Build, Measure, Learn. Es werden also Hypothesen aufgestellt und mit dem Kunden verprobt. Die Art und Weise der Verprobung variiert je nach Problemstellung.

Wir wollen Erfahrungen mit konkreten Blockchain-Projekten sammeln

Der Bank Blog: Welche Bedeutung messen Sie den Trends wie Big Data, Biometrie, Internet der Dinge, Künstliche Intelligenz oder Blockchain-Technologie zu? Gibt es dazu konkrete Projekte?

Franz Welter: Alle der genannten Trends haben eine hohe Bedeutung. Zu einigen Themen haben wir auch in der DZ BANK Gruppe ganz aktuell Projekte laufen. Beispielsweise ein Pilotprojekt der Reisebank mit Ripple. Kürzlich wurde hier die erste internationale Zahlung abgewickelt und die Kollegen haben wichtige Erfahrungen gesammelt, die im Zuge weiterer Blockchain-Projekte helfen werden. Denn natürlich beschäftigt uns das Thema Blockchain auch über dieses konkrete Projekt hinaus.

Das Thema „Künstliche Intelligenz“ ist ebenfalls priorisiert. Vor einigen Monaten haben wir einen Hackathon zu diesem Thema durchgeführt. Ziel war es, dass viele Kolleginnen und Kollegen live ausprobieren können was mit IBM Watson schon funktioniert und wo evtl. noch Grenzen sind.

Und die anderen genannten Trends wie Big Data und Biometrie spielen ja heutzutage in den meisten Banking-Projekten eine wichtige Rolle. Auch unser Robo-Advisor der Union Investment – VisualVest – greift viele der genannten Themen auf.

Der Bank Blog: Welches sind die entscheidenden Aufgaben in Ihrem Bereich für die kommenden 12 Monate?

Franz Welter: In den kommenden 12 Monaten wird ein Schwerpunkt darauf liegen, das Innovation Lab in der Form zu institutionalisieren, dass regelmäßig neue Durchläufe starten. Außerdem werden wir unseren FinTech-Radar weiterentwickeln und in Kürze startet die Kooperation mit dem Tech-Quartier in Frankfurt. Darüber hinaus gibt es natürlich weitere Ideen und Pläne. Aber alles wollen wir noch nicht verraten.

Der Bank Blog: Vielen Dank für das Gespräch

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Über den Autor

Dr. Hansjörg Leichsenring

Dr. Hansjörg Leichsenring befasst sich seit über 30 Jahren beruflich mit Banken und Finanzdienstleistern. Nach Banklehre und Studium arbeitete er in verschiedenen Positionen, u.a. als Direktor bei der Deutschen Bank, als Vorstand einer Sparkasse und als Geschäftsführer eines Online Brokers.Aktuell bietet er Banken und Finanzdienstleistern Dienstleistungen im Bereich (Interims)Management und Beratung/Consulting an und vertritt die Firma Meniga, einen innovativen Anbieter von White-Label-Lösungen für Persönliches Finanz Management (PFM) im deutschsprachigen Teil Europas.Darüber hinaus hält er Vorträge bei internen und externen Veranstaltungen im In- und Ausland.

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