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Motivationsarbeit 2.0

Warum richtiges Loben zu guter Führung gehört

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Motivation durch richtiges und regelmäßiges Loben? Klar, was sonst? Wohl jede Führungskraft beherzigt das im Alltag. Zufriedene Mitarbeiter machen das Arbeiten doch gleich viel angenehmer. Oder steckt der Teufel womöglich doch im Detail des täglichen Auf und Abs?

Motivation durch Loben als Bestandteil guter Führung

Aufrichtiges Loben kann Mitarbeiter motivieren.

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Es war ein wunderschöner Montagmorgen, die Sonne schien und die Vöglein zwitscherten. Larissa Becker war sich sicher, dass dies ein guter Tag werden würde. Auch wenn das fröhliche Rundschreiben der HR-Abteilung nichts Gutes verhieß.

Ist Ihr Team voll motiviert?“, war da zu lesen. Und: „Steigern Sie doch schlummernde Potentiale und werden Sie mit Ihrer Abteilung noch erfolgreicher!“

Larissa freute sich sehr über das kleine Wörtchen „noch“, auch wenn sie insgeheim wusste, dass dieses Schreiben an alle Führungskräfte ergangen war. Nun ja, möglicherweise hatte man bei dieser Formulierung gerade an sie als Vorzeigechefin gedacht.

Lob ist wichtig für die Motivation

„Loben Sie doch mal, gerne auch kleine Erfolge.“, empfahl HR weiter, um mit der Empfehlung zu enden: „Nehmen Sie hie und da auch etwas Druck von Ihren Leuten, sie werden es Ihnen in der Zukunft mit umso mehr Enthusiasmus danken.“

„Großartig!“, dachte Becker. Gerade in Zeiten einer Pandemie und einer schwierigen geopolitischen Lage waren gute Nachrichten umso wichtiger. Also würde sie heute bei der Teambesprechung mit Lob nicht sparen und sich jede – auch wenn noch so konstruktive – Kritik verkneifen.

Larissas Team war eine Gruppe von hochspezialisierten Vertriebsexperten, die in der Bank gut vernetzt waren und täglich ausgezeichnete Arbeit lieferten. Es war selbstverständlich, dass sie Erfolge auch entsprechend würdigte, wenn zugegebenermaßen auch nur mit einem zufriedenen Kopfnicken. Immerhin führte sie ja keine Kita, sondern hochprofessionelle Spezialisten.

In Larissas Heimat pflegte man zu sagen: „Nicht getadelt ist genug gelobt!“. Sie musste zugeben, dass dies ein ziemlich überkommenes Führungskonzept war, wenngleich es bislang hervorragend funktioniert hatte. Warum also nicht mal was Neues ausprobieren?

Theorie und Praxis

Mit diesen guten Vorsätzen – und der sehr dringlichen HR-Empfehlung im Rücken – eröffnete Becker hoffnungsfroh die Montagsbesprechung.

„Guten Morgen, wie sieht die aktuelle Lage aus? Welche Fortschritte macht unser IT-Projekt?“, flötete Clarissa in ihrer freundlichsten Stimmlage.

Die Verantwortliche hatte sich per Videokonferenz zur Besprechung zugeschalten und berichtete mit schnarrender Stimme aus dem Lautsprecher.

„Tja, da gibt es leider eine Verzögerung. Der Projektleiter hat mir letzte Woche mitgeteilt, dass es zu Ressourcenverschiebungen gekommen ist und wir mit einer massiven Umplanung unserer Projekte rechnen müssen.“

Das war ein Schlag in die Magengrube, denn das IT-Projekt beeinflusste alle Bereiche von Larissas Abteilung.

„Und haben Sie schon nachgefragt, was wir tun können, um dennoch im Zeitplan zu bleiben? Die Bereitstellung von externen Dienstleistern vorgeschlagen?“

„Hmmmm. Nein?“, dröhnte die Antwort aus der Elektronik.

„Oder eine Umplanung von Kapazitäten aus nicht so wichtigen Projekten vorgeschlagen?“

Diesmal kam die Antwort noch zögerlicher: „Neeeein?“

Es war so ein Moment, in dem Larissa – wäre es ein anderer Tag gewesen – doch etwas lauter geworden wäre. Doch HR und den guten Vorsätzen zuliebe blieb sie gelassen und ruhig.

„Fantastisch!“, meinte sie mit ehrlicher Stimme und lächelte gezwungen in die basserstaunten Gesichter ihres Teams. Ein „Weiter so!“ musste sie sich verkneifen, auch wenn es gerade jetzt zur Motivation ziemlich beigetragen hätte.

Noch mehr Probleme …

„Okay, ich kümmere mich selbst darum. Wie sieht es denn mit dem Rechtsgutachten aus dem Legal Departement aus, das wir vor einem Monat angefordert haben?“

Alle Anwesenden richteten ihre Augen auf Markus, dem Verantwortlichen für diesen Bereich.

„Leider benötigt Legal mehr Details als von uns geliefert.“, setzte Markus sich räuspernd zur Berichterstattung an. „Die Sachlage hat sich doch komplexer dargestellt, als angenommen!“

„Und haben Sie schon die erforderlichen Unterlagen nachgereicht?“, fragte Larissa mit Engelszungen.

„Ähhhh, noch nicht. Ich wusste ja nicht, dass es so dringend ist!“, meinte Markus etwas bockig.

„Gut, gut, gut!“, meinte Becker, die sich zunehmend unwohl in ihrer lobenden Phase fühlte. „Man kann ja nicht an alles denken, wie? Wir wollen ja auch nichts überstürzen.“

Markus schien die feine Ironie von Larissas letztem Satz entgangen zu sein, denn er lehnte sich mit einem Kopfnicken zufrieden zurück.

Becker atmete tief ein. Sie brauchte jetzt gute Nachrichten. Für ihr Karma, für ihr Selbstbewusstsein und für ihren sensiblen Blutdruck.

Und was machen die Vertriebszahlen?

„Was machen denn die Verkaufszahlen?“, fragte sie optimistisch in die Runde. Eigentlich kannten die Zahlen in den letzten Jahren nur einen Trend: den nach oben. Was sollte in diesem Segment schon schief gehen?

Die Sales-Managerin meldete sich umgehend zu Wort.

„Zum ersten Mal seit Langem…“, begann sie optimistisch. „Zum ersten Mal seit Langem sind unsere Verkaufszahlen rückläufig. Minus drei Prozent im Kommerzkundensegment und minus zwei Prozent bei den Privatkunden.“

Alle Augen waren angespannt auf Larissa gerichtet, die nun mit der flachen Hand auf den Tisch schlug.

„Das ist ja hervorragend!“, presste sie durch ihre leicht bläulichen Lippen. „Großartig, bitte machen Sie so weiter!“

Auch wenn das Meeting wohl kein voller Erfolg war, die Anerkennung von HR war Larissa an diesem Tag sicher.

Über den Autor

Michel Lemont

Michel Lemont ist seit mehr als 35 Jahren in Bankenwesen tätig. Er war in verschiedenen Bereichen der Finanzindustrie tätig, unter anderem im Vertrieb, im Marketing und zuletzt im Umfeld des Zahlungsverkehrs. In seinen Aufgabenbereich fallen unter anderem regulatorische Themen, das Management von Zahlungsverkehrs-Infrastrukturen sowie die Arbeit in nationalen und internationalen Gremien im Bereich Payments. Ein besonderes Anliegen sind ihm Innovationen im Bankenbereich und das "Querdenken". Michel Lemont ist Autor des Buches „Bankers have more fun“ und betrachtet das Bankwesen gerne von der humoristischen Seite. Er ist verheiratet und Vater einer Tochter.

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