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Ein Banker in den besten Jahren

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Dieser Mann sah gut aus!


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Befinden sich Bankmanager mit Mitte 50 in den besten Jahren oder gehören Sie bereits zum alten Eisen? Was zählen Erfahrung und breites Know-how? Einige nachdenkliche und doch humorvolle Gedanken zum Start ins Wochenende.

Banking mit einem Augenzwinkern

Lustiges, Humorvolles und mitunter auch Nachdenkliches für Banker
© Shutterstock

Ich blickte in ein entschlossenes und doch sanftes Gesicht. Mit stahlbauen Augen, einem kantigen Kinn und einem Mund, der keine leeren Versprechen machen würde. Der Teint war gesund und der Bartwuchs gepflegt. Ein Bild von einem Mann eben. Und in den besten Jahren, sozusagen.

„So sehen Sieger aus!“, wollte ich rufen, doch ich hielt an mich, denn in unserem Innersten sind wir Banker doch nur scheue Rehe und überbordende Emotionen sind unsere Sache nicht. Stattdessen erspähte ich die ersten grauen Haare bei meinem Gegenüber und ich zwinkerte ihm vertraulich, sozusagen vorsorglich aufbauend, zu.

„Tempus fugit.“, rief ihm der Bildungsbürger in mir zu, „Die Zeit verrinnt.“

Schon wollte ich mich zum Gehen umdrehen, als eine harte Stimme mich innehalten ließ.

„Nun sei mal nicht so verdammt gönnerhaft, ja?“ An seiner Mimik konnte ich erkennen, dass er nicht zum Scherzen aufgelegt war.

„Wie bitte? Ich meine, ich wollte doch nur …“

„Quatsch mit Soße!“, meinte der Schönling. „Ich kann diese nichtssagenden Höflichkeiten von uns Mitteleuropäern schon nicht mehr ertragen. Sei ein Mann und sage gerade heraus, was du denkst! Du bist schließlich Führungskraft, das verpflichtet.“

Ein Bankmanager vor dem Spiegel

Der Blick in einen Spiegel offenbart mitunter tiefe Einblicke

Diese Aussage traf mich mitten ins Herz. Der Kerl war nicht nur gutaussehend, er war auch eloquent und ein Hellseher! Woher wusste er, was mich seit geraumer Zeit quälte? Woher wusste er von meinen Schmerz, wenn ich an die neuen Umgangsformen bei uns Bankern dachte? Woher wusste er von meinem Zweifel betreffend der neuen Banker – Etikette? Alles mitbekommen, aber bloß nichts Kontroverses sagen!

Aber nicht mit mir. Wer die Wahrheit hören will, der kriegt sie von mir gesagt.

„Na gut. Dann reden wir eben Tacheles. Du hast halt ein paar graue Haare mehr. Was soll´s?“

„Ein paar graue Haare?“ Mein Gegenüber machte eine abfällige Geste. „Damit könnte ich wohl leben. Gestern noch hatte mein Haar die virile Anmutung frisch geförderten Rohöls – so schwarz und glänzend war es. Und heute?“ Er fuhr sich verzweifelt durch das eben noch perfekt gestylte Haar. „Heute ähnelt die Farbe meiner Haarpracht eher einer Schlammpfütze denn samtig schwarzer Seide.“

„Und das macht dich traurig?“

„Es macht mich zumindest nicht glücklich.“, hörte ich seine trotzige Reaktion. „Ist dir klar, dass unsere neue Marketingleiterin deine Tochter sein könnte? Oder der Fuhrparkmanager dein Sohn? Du wirst alt, Alter.“

„Ein herzliches Dankeschön auch dafür.“, gab ich zynisch zurück.

In der Tat war ich mit meinem Alter etwas eigen. Kritische Stimmen gaben mir Mitte Fünfzig, aber die nette Dame in der Cafeteria sprach mich immer mit „Junger Mann“, einer alpenländischen Verniedlichungsformel für ausgewachsene Buben, an.

Ich liebte sie, die nette Dame.

Die drei emotionalsten Sätze sind:

  1. Ich liebe Dich
  2. Du hast Gewicht verloren
  3. Du siehst zehn Jahre jünger aus

Eben, ich war gefühlt irgendetwas zwischen vierzig und fünfzig, hatte gerade den Anflug meiner persönlichen Idealfigur und liebte mich selbst ziemlich. Das Leben konnte nicht besser werden, oder? Von wegen, sie könnte meine Tochter sein!

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„In Wirklichkeit gehörst Du bereits zum alten Eisen, Junge. Finde Dich damit ab.“, insistierte er weiter.

Da war sie wieder, die neue Ehrlichkeit zwischen Freunden und Bankern.

Während ich ihn musterte – meine Gegenüber musste ähnlich alt sein wie ich selbst – gestand ich mir ein, dass es jüngere Kolleginnen und Kollegen auf meiner Hierarchieebene gab.

Und wenn schon! Hatten sie meine Erfahrung?

Nein.

Verfügten sie über mein internationales Netzwerk?

Noch nicht.

Hatten sie das breite Spektrum meines Knowhows?

Nein, sie waren eher Manager und Verwalter, aber was soll´s?

Die Finanzindustrie war auf Experten wie mich angewiesen. Wer sonst sollte denn die kritischen Projekte managen oder strategischen Entscheidungen aufbereiten? Die Studienabgänger? Das Top-Management? Dass ich nicht lache!

Zugegebener Maßen hatten die kürzlich über uns hereingebrochenen Rationalisierungswellen den einen oder anderen Mitstreiter meines Alters anstellungstechnisch dahingerafft. Die meisten waren zwar finanziell mehr oder weniger versorgt, doch die Traurigkeit in ihren Augen sprach deutlich über ihren mit dem Beruf verlorenen gegangenen Lebensinhalt.

„Denkst du wirklich, dass ich meine besten Jahre im Job hinter mir habe?“, fragte ich leise.

Die neue Banker-Etikette würde nun ein geziertes kurzes Schweigen vorsehen, gefolgt von einem freundlichen Wetterausblick für die nächste Woche. Es könnte auch das gequälte „Na, na“ eines glattgebügelten Karrieristen werden, dem ich mit meinen unangebrachten Emotionen den Tag versaut hätte. Gegenwärtig hätte ich mir tatsächlich Stille als Antwort gewünscht.

„Klar.“, meinte der Beau kurz angebunden, während er seine Frisur wieder in Topform brachte und sich anschickte, diesmal mich einfach stehen zu lassen.

„Danke!“, sagte ich kurz angebunden. Anscheinend war es nicht weit her mit seiner Empathie. Aber ich musste mir erst kürzlich sagen lassen, dass Einfühlungsvermögen ebenfalls zum alten Eisen der Führungsinstrumente gehörte und nicht mehr „State of the art“ war. Er war also mit seiner kurzen Analyse voll auf der Höhe der Zeit.

Zumindest einer von uns.

Ich blickte ihm nochmals tief in die blauen Augen und drehte mich grußlos zum Gehen um.

Diese morgendlichen Selbstgespräche vor dem Spiegel müssen jetzt aber ein Ende haben!

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Über den Autor

Michel Lemont

Michel Lemont ist seit mehr als 35 Jahren in Bankenwesen tätig. Er war in verschiedenen Bereichen der Finanzindustrie tätig, unter anderem im Vertrieb, im Marketing und zuletzt im Umfeld des Zahlungsverkehrs. In seinen Aufgabenbereich fallen unter anderem regulatorische Themen, das Management von Zahlungsverkehrs-Infrastrukturen sowie die Arbeit in nationalen und internationalen Gremien im Bereich Payments. Ein besonderes Anliegen sind ihm Innovationen im Bankenbereich und das "Querdenken". Michel Lemont ist Autor des Buches „Bankers have more fun“ und betrachtet das Bankwesen gerne von der humoristischen Seite. Er ist verheiratet und Vater einer Tochter.

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