DIN 77230 für die private Finanzanalyse – Ganzheitlich gut beraten

Auswirkungen für Banken und Kunden

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Im Februar 2019 ist die neue DIN für die private Finanzanalyse veröffentlicht worden, ein Standard für die Bewertung der privaten Vermögenssituation. Durch das einheitliche Vorgehen soll die Beratungsqualität gesteigert werden. Das hat Auswirkungen auf Banken und auf Kunden.

DIN 77230 für die Bewertung der privaten Vermögenssituation bei der Finanzberatung

Die neue DIN 77230 für die private Finanzanalyse dient als Standard für die Bewertung der privaten Vermögenssituation bei der Finanzberatung.

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Nicht nur Unternehmen, sondern auch Privathaushalte sind gut beraten, ihre finanzielle Situation im Blick zu behalten und zu planen, um auch in Zukunft ihren Lebensstandard zu erhalten oder ausbauen zu können. Und wie immer ist eine solide Analyse notwendige Voraussetzung für eine gute Planung. Hier setzt die DIN 77230 „Basis-Finanzanalyse für Privathaushalte“ seit ihrer Veröffentlichung am 5. Februar 2019 neue Maßstäbe. Sie folgt auf die DIN SPEC 77222 aus dem Jahr 2014. Erstmals besteht nun ein allgemein akzeptierter Standard für die Analyse der privaten Vermögenssituation.

Für Finanzdienstleistungsunternehmen und -vermittler bietet dies das Potenzial, die Beratungs- und Vertriebsprozesse nachhaltig zu prägen – weg vom singulären Produktverkauf und hin zur ganzheitlichen, transparenten und einheitlichen Analyse und einer darauf aufbauenden Beratung. Und für die Verbraucher bringt die Norm das gute Gefühl und die Sicherheit mit sich, eine fachlich standardisierte Basis für ihre Finanz- und Vermögensplanung zu erhalten und dabei auf die Qualität der DIN vertrauen zu können.

Basis-Finanzanalyse von Experten entwickelt

Die Basis-Finanzanalyse wurde von Fachexperten, Wissenschaftlern und Verbraucherschutzorganisationen unter Anleitung des Deutschen Instituts für Normung (DIN) über einen mehrjährigen Zeitraum entwickelt. Sie ist für jeden Privathaushalt anwendbar und liefert objektive und messbare Ergebnisse zum Schutz der Verbraucher. Sie dient der Eigeninformation, aber auch als Orientierungshilfe bei der Umsetzung finanzieller Entscheidungen. Die DIN 77230 legt das Verfahren zur Durchführung einer Finanzanalyse für einen Privathaushalt fest. Sie verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz und umfasst die folgenden Bereiche:

  • Absicherung, z. B. Haftungsrisiken, Risiko aus dem Verlust/Beschädigung von Hausrat
  • Vorsorge, z. B. Kostenrisiko Krankheit, Arbeitskraftverlust, Altersvorsorge
  • Vermögensplanung, z. B. Aufbau Liquiditätsreserve, Schaffung von Eigenkapital für eine eigengenutzte Immobilie, Ausbildungssparen Kinder, Verschuldung

Drei Stufenziele der Finanzplanung

Da der Haushalt in der Regel nicht über unbegrenzte finanzielle Mittel zur Schließung aller finanziellen Lücken verfügt und sämtliche monetärer Ziele erreicht, erfolgt die Finanzanalyse unter Berücksichtigung von drei Bedarfsstufen:

  • Bedarfsstufe 1: Sicherung des finanziellen Grundbedarfs,
  • Bedarfsstufe 2: Erhaltung des Lebensstandards sowie
  • Bedarfsstufe 3: Verbesserung des Lebensstandards.

Bei der Basis-Finanzanalyse werden die individuellen Risiken bzw. Finanzthemen des Haushalts identifiziert und in eine eindeutige Rangfolge gebracht. Danach wird für jedes relevante Finanzthema eine bedarfsgerechte Orientierungsgröße (Sollwert) auf Basis der Haushaltsdaten ermittelt und/oder festgelegt. Mit der Erfassung der Istwerte (Leistungen und Ansprüche aus bestehenden Versicherungsverträgen, Kapitalanlagen etc.) und dem Abgleich mit den Sollwerten endet die DIN-Analyse.

Der Privathaushalt erhält als Ergebnis einen transparenten Überblick über seine finanzielle Situation. Darüber hinaus liefert die Finanzanalyse eine objektive und verständliche Grundlage für eine darauf aufbauende Finanzberatung.

Fort- und Ausbildung in Sachen DIN

Als regionaler Bildungsverband der Versicherungs- und Finanzwirtschaft sehen wir in der Norm auch einen wertvollen Beitrag zur Stärkung der Berufsbildung in unserer Branche. Gemeinsam mit einer Zertifizierungsfirma, die an der Entwicklung der DIN beteiligt war, haben wir daher bereits am Tag der Normvorstellung einen Ausbildungslehrgang zu dem Thema durchgeführt – als erster Anbieter in Deutschland. Denn die DIN muss nicht nur gelesen und verstanden werden, sondern auch die Gesprächsführung muss von der Kundenansprache bis zum individuellen Analyseergebnis geübt werden. Dabei hilft die praktische Anwendung der Norm anhand handlungsorientierter Musterfälle. Auch an dieser Stelle ist es uns als Hamburger Finanzplayer gelungen, einen wichtigen Impuls in der Finanzwirtschaft an vorderster Front zu setzen. So hoffen wir, dass die DIN an vielen Stellen mit Leben gefüllt wird und so einen Beitrag zur Verbesserung der Beratungsqualität möglichst vieler Menschen leistet.

Auch wenn die Norm die Kennzeichnung „Basis“ trägt, darf die hohe fachliche Komplexität des Regelwerks nicht unterschätzt werden. Eine Anpassung der Beratungsprozesse wird hierfür notwendig sein. Mittlerweile bieten einige Softwarehersteller DIN-konforme Finanzanalyseprogramme an. Daneben wird die Ausbildung der Analysten und Berater in dem Regelwerk notwendig sein, um sich gegenüber den Kunden als nach dem DIN-Standard zertifizierter Berater empfehlen zu können.


Der Beitrag erschien als Teil des Jahrbuchs 2019/20 des Vereins Finanzplatz Hamburg e.V.. Das Jahrbuch können Sie hier herunterladen oder als Hardcopy bestellen.

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Über den Autor

Marcus Janßen

Marcus Janßen ist geschäftsführender Vorstand, Berufsbildungswerk der Versicherungswirtschaft Hamburg (BWV) e.V., einem gemeinnützigen Verein zur Förderung der beruflichen Bildung. Der Betriebswirt und Wirtschaftsjurist kümmert sich seit vier Jahren um die Aus- und Weiterbildung in der Hamburger Versicherungswirtschaft und verantwortete vorher bei der DATEV eG das Thema „Private Finanzanalyse und -planung“. Als gelernter Bankkaufmann leitete Marcus Janßen auch einige Jahre das Referat „Bankausbildung“ an der Akademie des Genossenschaftsverband Bayern e.V..

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