Abfrage der Nachhaltigkeitspräferenzen: Das WIE ist entscheidend

Kundenbedürfnisse treffen auf Produktangebot

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Die Einstiegshürde in das Thema nachhaltiges Investieren erscheint derzeit hoch. Nach einem Jahr Abfrage der Nachhaltigkeitspräferenzen ist bei vielen Anlegern und Verantwortlichen Ernüchterung eingetreten. Doch was bremst nachhaltige Anlageformen wirklich?

Abfrage der Nachhaltigkeitspräferenzen bei der Geldanlage

Seit einem Jahr muss bei der Anlageberatung auch eine Abfrage zu den Nachhaltigkeitspräferenzen des Kunden bei der Geldanlage erfolgen.

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Viele Kundinnen und Kunden verirren sich im Dschungel der Nachhaltigkeit und wollen am Ende die vermeintliche Komplexität nachhaltiger Investmentlösungen nicht. Dennoch wachsen die Assets in nachhaltige Geldanlagen weiter, denn Vielen wird klar: Mindeststandards für nachhaltige Unternehmensführung sind auch für die Rendite notwendig.

Seit einem Jahr nun müssen Anlageberater gemäß MiFID II im Rahmen einer Anlageberatung die Nachhaltigkeitspräferenzen im Kundengespräch abfragen. Das Ziel ist, Aspekte der Nachhaltigkeit in die Finanzberatung einzubeziehen und Kapitalströme in nachhaltige Investitionen zu lenken. Jedoch scheint sich die Abfrage zu einer zunehmend großen Hürde zu entwickeln, die Beratungen eher belastet. Oftmals ist es für Berater wie auch Kunden gleichermaßen verwirrend, was denn nun nachhaltig ist oder welche Lösungen zu den individuellen Präferenzen der Anleger passen (oder regulatorisch passen dürfen).

Der Begriff Nachhaltigkeit hat viele Facetten

Dies liegt keineswegs an mangelndem Kundenwillen, denn viele Kunden haben sehr klare Vorstellungen, wie oder ob sie ihr Erspartes nachhaltig anlegen wollen und sind auch an Themen wie Klima und Sozialem interessiert. Gleichzeitig ist Nachhaltigkeit in der Geldanlage für viele jedoch ein sehr individuell belegter Begriff. Was für den einen nachhaltig bedeutet, muss für den anderen nicht nachhaltig sein. Darüber hinaus ist das Thema mit vielen Emotionen und Wertediskussionen verbunden.

Und schon stecken wir im schönsten Begriffsdilemma, was für Anlageberater und Kunde gleichermaßen belastend und hinderlich ist. Dies bestätigt auch die Veröffentlichung „Regulatorische und systembedingte Barrieren im Bereich Nachhaltig Geldanlagen in der Anlageberatung im Retail Banking“ des Lehrstuhls für Sustainable Finance der Universität Kassel.

Und das ist nur ein Grund, warum es mit einer bloßen Abfrage nicht getan ist. Reines Abfragen bietet keinen Mehrwert: nicht für die Beratung, nicht für die Kunden und auch nicht für die Umleitung von Kapitalströmen.

Integration von ESG-Kriterien in die Geldanlage

Zielführender wäre es, neben einer einheitlichen Definition von nachhaltigen Investitionen auch klarzustellen, dass eine gewisse Integration von ESG-Kriterien zu jeder verantwortungsvollen Geldanlage beziehungsweise Investitionsentscheidung dazugehört.  Diese Klarstellung ist notwendig, damit die Anleger entscheiden können, in welcher Form und Ausprägung Nachhaltigkeitskriterien für sie eine Rolle spielen und was zu ihren derzeitigen Bedürfnissen passt.

Vielfach suggeriert die Abfrage der Nachhaltigkeitspräferenzen, dass Nachhaltigkeit ein Extra in der Geldanlage sei, für das man sich entscheidet oder auch nicht.

Genau genommen ist das falsch, denn auch in der reinen Rendite-Risiko-Betrachtung werden ESG-Kriterien in der einen oder anderen Form berücksichtigt und sei es ausschließlich im Rahmen des Risikomanagements, wie bei vielen Artikel-6-Produkten.

Risiko-Rendite-Betrachtung bei ESG-Anlagen

Sehr sicher haben Kunden eine klare Meinung, ob sie eine reine Risiko-Rendite-Betrachtung – und die damit eher untergeordnete Integration von ESG-Kriterien – präferieren oder ob für sie auch von Belang ist, welche Auswirkungen die eigene Geldanlage auf Umwelt- und soziale Kriterien hat. Vielleicht ist man auch interessiert, Investitionen in Projekte oder Unternehmen zu tätigen, die zu einer Transition beitragen oder auf dem Weg dorthin sind oder man möchte in schon nachhaltig ausgerichtete Geschäftsmodelle investieren.

Ausgehend von den daraus resultierenden Vorstellungen können die unterschiedlichen Ausgestaltungen – von Ausschlusskriterien über Screeningansätze bis hin zu Best in Class und Impact – zielgerichtet erläutert und in den Gesamtkontext der Geldanlage gesetzt werden.

Natürlich gibt es auch Menschen, die mit dem Thema wenig bis gar nichts anfangen können oder nicht interessiert sind, gleichwohl wollen auch diese Anleger möglichst umfassend alle Risiken und Chancen betrachtet wissen und dazu gehören neben vielen anderen auch die Nachhaltigkeitsrisiken und -chancen.

Nicht das „Ob“, sondern das „Wie“ ist entscheidend

Für alle Kunden ist das WIE wichtig zu verstehen. Wie werden Nachhaltigkeitskriterien integriert und welche Auswirkungen hat das auf die Anlagestrategie und damit verbunden die eigene Geldanlage? Dieses WIE spiegelt sich in den Präferenzen wider.

Somit kommen wir weg von der hinderlichen Diskussion rund um Rendite oder Nachhaltigkeit beziehungsweise von der Frage „Ist Ihnen Nachhaltigkeit in ihrer Geldanlage wichtig? hin zu „WIE ist Ihnen die Integration von Nachhaltigkeitsaspekten in Ihrer Geldanlage wichtig?“.

Die Präferenzabfrage ist also weniger eine Frage nach dem OB, sondern vielmehr nach dem WIE.

Die Produktpalette ist für alle Ausprägungen gut gefüllt

Wenn wir aus dieser Brille auf das Produktangebot schauen, dann ist tatsächlich ein Angebot für alle Ausprägungen und Kundenbedürfnisse da. So erklärt sich auch, dass das Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) in seinem Marktbericht 2023 zu dem Ergebnis kommt, dass der Markt für verantwortungsvolle und nachhaltige Geldanlage wächst. Es scheint also, als gäbe es ein Angebot für die unterschiedlichen Kundenbedürfnisse.

Wichtig ist vor allen, dass wir für die Umleitung von Kapitalströmen alle Stakeholder an Bord brauchen und es gilt zu akzeptieren, dass es unterschiedliche Wege und Beiträge gibt, um die gesetzten Ziele zu erreichen.

Über den Autor

Inka Winter

Inka Winter ist Chief Sustainability Officer der Fürstlich Castell'schen Bank, der ältesten Privatbank Bayerns. In ihrer Rolle ist sie für die ESG-Strategie und die Integration von Nachhaltigkeit in die Geschäfte und Prozesse der Bank verantwortlich. Zuvor war CEO des Frankfurter Start Ups ESG Screen17 GmbH sowie in verschiedenen Positionen für die Deutsche Bank tätig.

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