Bankencheck: So gesund sind Deutschlands Banken

Der Apotheker

Nostradamus und das Ende der Banken

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Im Traum kommen einem mitunter die seltsamsten Erscheinungen. Diesmal ist es Nostradamus, seines Zeichens Apotheker und berühmt für seine Prophezeiungen. Und er spricht über das Ende der Banken und dessen Ursachen.

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Der laue Augustabend neigte sich seinem Ende zu. Die Sonne ging in einem malerischen Szenario unter, ein milder Wind hatte vom Norden her die Hitze des Tages verweht und die Nacht würde die erhoffte Abkühlung bringen.

Es war schlicht und einfach schön. Überhaupt war vieles grandios an diesem Tag. Die Zahl der Corona-Neuinfektionen war zurückgegangen, die Wirtschaft boomte trotz Krise und viele Betriebe hatten die Kurzarbeit zurückgefahren.

Das Leben konnte doch wunderbar sein. Morgen würde ein weiterer erfolgreicher Tag werden, da war ich mir sicher.

Optimistisch gelaunt legte ich mich zu Bett und schlief rasch ein.

„He, du schnarchst!“

Unsanft wurde ich wenig später von einer rauen Stimme geweckt. Ich konnte mich gar nicht daran erinnern, dass meine Frau über einen so markanten Bariton verfügte. Und dass sie mit unverkennbar französischem Akzent sprach.

Nostradamus erscheint

Erschrocken fuhr ich hoch und meine Augen versuchten sich, an die Dunkelheit zu gewöhnen. Da war jemand in meinem Schlafzimmer, der nicht hier hingehörte! Langsam schärfte sich mein Sehvermögen und ich konnte die Person, die neben mir und meiner Gattin aufrecht in unserem Bett saß erkennen.

Ich war nach meinen Erfahrungen mit den nächtlichen Besuchen von Indiana Jones und Gordon Gekko ja schon einiges gewohnt. Doch sah ich mich einem ernst dreinschauenden älteren Herrn gegenüber, dessen gewaltiger Rauschebart ihm bei jedem ZZ Top-Lookalike Wettbewerb einen der vordersten Plätze gesichert hätte.

„Wie jetzt?“, stammelte ich schlaftrunken und versuchte, die Erscheinung – von der starke esoterische Gerüche nach Myrrhe und Weihrauch ausgingen – einzuordnen. Ich hatte dieses Gesicht schon einmal gesehen. Und auch die mittelalterliche Tracht machte mich stutzig.

„Seid Ihr am Ende gar…“, ich konnte es nicht glauben, wer mir da gegenüber saß!

„Ja, Michel! Ich bin es, Michel!“

„Michel de Nostradame!“, vervollständigte ich den berühmten Namen. „Was für eine Ehre, Meister.“ Um der Wahrheit die Ehre zu geben, ich hatte keine Ahnung, wie ein weltberühmter Prophet, auch wenn er nun schon mehrere Jahrhunderte tot war, korrekt anzusprechen sei.

Als könnte er meine Gedanken lesen (aber vielleicht konnte er das ja auch?) beruhigte er mich und bot mir freundschaftlich das „Du“ an.

„Meine Freunde nennen mich Michel, in den USA gerne auch Mike! Ich habe übrigens eine Prophezeiung für Dich.“

Michel machte eine theatralische Pause und blickte mir finster in die Augen.

„Stehst Du eher auf Centurien oder darf es auch Prosa sein?“

„Bitte Prosa!“, wählte ich wie aus der Pistole geschossen, ganz so als würde ich mir meinen Lieblings-Burger in einem Drive-In bestellen.

„Ist mir auch lieber!“, feixte Nostradamus. „Ist weniger Arbeit!“

Das Ende der Banken ist gekommen

„Also: das Ende der Banken ist gekommen.“, sagte er mit fester Stimme.

„Aha!“, antwortete ich, wenngleich ich ob meiner Einfallslosigkeit zu dieser schwerwiegenden Wahrsagung etwas einsilbig vorkam.

Nostradamus schien wegen meiner Reaktion auch ein klein wenig enttäuscht.

„Ja, also, das heißt: die Branche, so wie ihr sie heute kennt, wird nicht mehr lange bestehen!“

„Typisch Nostradamus.“, dachte ich bei mir. Und zuckte im selben Moment zusammen, da er ja meine Gedanken lesen konnte.

„Ich meine…“, sagte ich nun laut, „Ich meine, das Ende der Banken wurde ja schon oft vorhergesagt.“ Und da ich die Enttäuschung in Michels Augen sehen konnte, fügte ich noch rasch ein „Entschuldigung“ hinzu.

„Ja, aber diesmal kommt es wirklich! Banking is necessary, but banks are not! Das sagte sogar Bill Gates, nachdem ich ihm auch erschienen bin.“

„Okay…“, ich tastete mich empathisch an die Vision des großen Wahrsagers heran.

„Und was soll nun das Ende der Banken auslösen?“, fragte ich keck. „Ich meine, was wird konkret die Finanzbranche um die Ecke bringen? Sind es die Start-Ups, die an allen Ecken aus dem Boden schießen und den Banken Konkurrenz machen? Oder die vielen Regularien, die das Geschäft erschweren. Oder die massenhaften Filialschließungen? Oder die lang anhaltende Niedrigzinsphase, die den Profit auffrisst?“

„Es werden die Banken selbst sein, die sich obsolet machen!“, orakelte Nostradamus und machte mit der Hand eine wischende Bewegung, so als würde er ein Fenster putzen. „Sie sind zu statisch, zu unflexibel, zu wenig innovativ! Es fehlen ihnen die Visionen! Stattdessen setzen sie auf simples Cost-Cutting, anstatt wieder auf die Bedürfnisse der Menschen zu hören!“

Was ist dran am Ende der Banken?

So ganz falsch lag der Apotheker aus dem 16. Jahrhundert ja nicht. In vielen Kreditinstituten wird mehr Energie auf Kostenrechnung und Regulatorik verwendet, als für Produktentwicklung und zielgerichtete Kundenansprache. Aber das ließe sich doch alles ziemlich rasch ändern – oder nicht?

Gerade wollte ich Michel diese Erkenntnis entgegnen und wandte mich ihm wieder zu, als ich unverhofft in die verschlafenen Augen meiner Frau blickte!

„War Harrison Ford wieder da? Oder Gordon Gekko aus Wallstreet? Du führst Selbstgespräche!“, murmelte sie leise und in der von ihr gewohnten Stimmlage.

„Nein, diesmal war es Michel de Nostradame.“, flüsterte ich und wischte die Weihrauch- und Myrrhe-Krümel von unserem Bettzeug.

„Nostradamus! Na super!“, antwortete meine Frau und schlief umgehend wieder ein.

Über den Autor

Michel Lemont

Michel Lemont ist seit mehr als 35 Jahren in Bankenwesen tätig. Er war in verschiedenen Bereichen der Finanzindustrie tätig, unter anderem im Vertrieb, im Marketing und zuletzt im Umfeld des Zahlungsverkehrs. In seinen Aufgabenbereich fallen unter anderem regulatorische Themen, das Management von Zahlungsverkehrs-Infrastrukturen sowie die Arbeit in nationalen und internationalen Gremien im Bereich Payments. Ein besonderes Anliegen sind ihm Innovationen im Bankenbereich und das "Querdenken". Michel Lemont ist Autor des Buches „Bankers have more fun“ und betrachtet das Bankwesen gerne von der humoristischen Seite. Er ist verheiratet und Vater einer Tochter.

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