Bitcoins am Geldautomaten?

Fragen an Carmine Evangelista, CTO bei Auriga

Bitcoins und andere digitale Kryptowährungen einfach am Geldautomaten beziehen? Das geht, ist aber nicht ganz so einfach, wie bei normalem Geld, wie Aurigas CTO Carmine Evangelista im Interview erläutert.

Bitcoins aus dem Geldautomaten

Bitcoins und andere Kryptowährungen gibt es auch am Geldautomaten.

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2017 war für Kryptowährungen im Allgemeinen und für Bitcoin im Besonderen ein echtes Hype-Jahr. Die Kurse gingen erst kräftig nach oben, um dann wieder steil abzufallen. Auf jeden Fall haben die vielfältigen Diskussionen dafür gesorgt, dass inzwischen rund 88 Prozent der Verbraucher die virtuellen Zahlungsmittel kennen oder zumindest davon gehört haben.

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Und in dem Maße, in dem das Thema Popularität erlangt, wird es grundsätzlich auch für Banken interessant. So hat Auriga vor kurzem eine Anwendung vorgestellt, mit denen sich Kryptowährungen am Geldautomaten beziehen und handeln lassen. Was bei uns noch nach Zukunftsmusik klingt, ist woanders schon gang und gäbe. Weltweit gibt es rund 2.000 Geldautomaten mit Bitcoin-Funktionalität. Allein bei unserem Nachbarn, der Schweiz, stehen mehrere Hundert, unter anderem dank eines Pilotversuchs der Schweizer Bahn, an deren Ticketautomaten man Bitcoins kaufen kann. Im ersten Jahr haben bereits rund 6.000 Kunden davon Gebrauch gemacht.

Interview mit Carmine Evangelista über Bitcoins am GAA

Auriga, ein Anbieter von Software und Anwendungslösungen für den Bankensektor, hat kürzlich eine Lösung zum Bezug und Handel von Bitcoins am Geldautomaten vorgestellt. Mit dem Chief Technology Officer Carmine Evangelista habe ich mich über Blockchain, Bitcoins und die neue Anwendung unterhalten. Der studierte Informatiker verantwortet die technische Entwicklung im Unternehmen und unterstützt den CEO bei der Entwicklung der Geschäftsstrategie. Er ist zudem Mitglied verschiedener Branchenorganisationen wie der Nexo Standards.

Carmine Evangelista, Chief Technical Officer Auriga

Carmine Evangelista ist Chief Technical Officer bei Auriga, einem Anbieter von Software und Anwendungslösungen für den Bankensektor.

Distributed Ledger sind die eigentliche Innovation

Der Bank Blog: Bitcoin und andere Kryptowährungen wurden in den letzten Jahren gehypt. Inwiefern wird der Gebrauch von digitaler Währung die Zukunft des Finanzwesens verändern?

Carmine Evangelista: Die Finanzmärkte werden durch das Aufkommen von Kryptowährungen mit Fragen nach der Funktionsfähigkeit der digitalen Währungen konfrontiert. Dennoch sind diese derzeit eher noch ein spekulatives Handelsinstrument. Ein Einbruch des Marktwertes hätte keine großen Auswirkungen auf die Finanzbranche. Dadurch würde wohl weder die Stabilität noch die Kreditwürdigkeit von Banken besonders beeinträchtigt werden.

Die Blockchain-Technologie, die hinter Kryptowährungen steckt, bietet allerdings diverse Vorteile und wird die Zukunft des Finanzwesens gestalten. Beispielsweise durch die Fähigkeit, Beziehungen innerhalb von Unternehmen mithilfe von Smart Contracts effizient zu verwalten. Ich halte die DLT (Distributed-Ledger-Technologie) für die wahre disruptive Innovation in naher Zukunft. Unter bestimmten Voraussetzungen werden dann auch Kryptowährungen einen zusätzlichen Anreiz bieten können.

Eine Regulierung von Kryptowährungen könnte Stabilität bieten

Der Bank Blog: Denken Sie, dass sich Bitcoins oder andere Kryptowährungen als gängiges Zahlungsmittel durchsetzen werden und somit dem normalen Geld Konkurrenz machen?

Carmine Evangelista: Ja, das könnte in absehbarer Zeit passieren. Das hängt vor allem davon ab, ob digitale Währungen die Sicherheit von Transaktionen und Investitionen gewährleisten können. Momentan gelten Kryptowährungen noch als Spekulationsobjekt und nicht als elektronische „Alternative“ zu Geld, da die Mechanismen, die den wahren Wert der Kryptowährung bestimmen, nicht transparent genug sind.

Eine Regulierung könnte die gewünschte Stabilität bieten. Doch das widerspricht einigen der Konzepte des Permissionless Ledger – dem zugrundeliegenden Prinzip von Kryptowährungen. Auch besteht das Risiko, dass durch Kryptowährungen illegale Geschäfte vereinfacht und so gefährliche Märkte für die Allgemeinheit zugänglich werden. Darüber hinaus müssen Probleme, wie der hohe Energieverbrauch beim Bitcoin-Mining, der weder ökonomisch noch ethisch vertretbar ist, gelöst werden. Hier muss erst noch ein ausgewogener Ansatz gefunden werden.

Kauf und Verkauf von Kryptowährungen am GAA

Der Bank Blog: Bald soll eine neue Lösung von Auriga für Geldautomaten auf den Markt kommen, die Bitcoins unterstützt. Wie kann man sich das vorstellen?

Carmine Evangelista: Wir arbeiten aktuell mit InBitCoin, einem italienischen Unternehmen, das Lösungen und Produkte für den Einsatz von Bitcoin entwickelt, zusammen. Gemeinsam entwickeln wir eine komplette technologische Lösung, die den Kauf und Verkauf von Kryptowährungen an traditionellen Geldautomaten ermöglichen soll. Diese Geldautomaten werden von Aurigas WWS-Modul verwaltet, während über eine Integrationsschicht die Verbindung zu Kryptowährungsbörsen herstellt wird.

Einfach erklärt: Die Lösung wird in der Lage sein, einen einfachen Mechanismus zur Verfügung zu stellen, um am traditionellen Geldautomaten mit Kryptowährung handeln zu können. Zudem wird man sein Kryptogeld im Krypto-Wallet speichern und aufbewahren sowie Transaktionen verwalten können, wobei Transparenz und Rückverfolgbarkeit gewährleistet werden.

Der Bank Blog: Kann man an diesen Automaten nur mit Bitcoin oder auch anderen Kryptowährungen handeln?

Carmine Evangelista: Neben Bitcoin kann man auch mit anderen Arten von Kryptowährungen handeln. Natürlich kann es erforderlich sein, dass dann mehr als eine Kryptobörse integriert werden muss. Grundlage für den Handel mit Bitcoins oder allgemein mit Kryptowährungen ist volles Vertrauen in die Institution, die die Transaktion ausführt, da digitale Vermögenswerte Betrug erleichtern können. Unser Fokus liegt auf der korrekten Verwaltung des Handels mit Kryptowährungen, indem wir die vertrauenswürdigsten Handelsplätze auf dem Markt auswählen und technologische Funktionen zur Verbesserung der Sicherheit bieten, völlig unabhängig von der Art der Kryptowährungen.

Bitcoin-Handel am Geldautomaten ist sicher und einfach

Der Bank Blog: Über welche Funktionen verfügen Geldautomaten, die mit dieser Bitcoin-Lösung ausgestattet sind?

Carmine Evangelista: Unsere Lösung basiert auf Technologien, die kein Hardware-Upgrade der Geldautomaten erfordern. Auriga bietet Hardware-unabhängige Lösungen, die von allen Geräten unterstützt werden. So können unsere Geldautomaten beispielsweise Wallet-Informationen, typischerweise als QR-Code, auf der Quittung ausdrucken. Wir senden die richtigen Informationen allerdings lieber auf elektronischem Weg direkt an den Kunden, etwa über unserer mobilen Anwendung.

Der Bank Blog: Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein für den Kauf bzw. den Verkauf von Bitcoins am Geldautomaten?

Carmine Evangelista: Der Bitcoin-Handel am Geldautomaten ist dank hoher Sicherheitsanforderungen recht simpel. Besitzt der Kunde bereits ein digitales Wallet, benutzt er dies für die gekauften Bitcoins, ansonsten kreiert unsere Omnichannel-Banking-Lösung WWS (WinWebServer) ein neues Wallet – digital oder in Papierform. Anschließend wählt der Kunde den Kaufbetrag in Bitcoins oder Fiatgeld. Das System berechnet daraufhin selbstständig die Rahmenbedingungen für die Transaktion an den verfügbaren Börsen (aktueller Wechselkurs, die Registrierungskosten für den Vorgang in der Blockchain etc.). Es wird immer die beste Möglichkeit für den Handel gewählt.

Als Bezahlsysteme stehen dem Kunden derzeit Barzahlung, Kartenzahlung und Lastschriftverfahren zur Verfügung. Nach der Bestätigung des Vorgangs transferiert WWS die erworbenen Bitcoins in das digitale Wallet des Kunden. Abschließend wird der Vorgang in der Blockchain registriert. Dies kann einige Zeit in Anspruch nehmen, abhängig vom Status der Blocks und den angebotenen Registrierungsgebühren. Hier braucht der Kunde etwas Geduld.

Da beim Verkauf sichergestellt werden muss, dass während des Vorgangs Bitcoins nicht doppelt ausgegeben werden, sind höhere Sicherheitsvorkehrungen nötig. Deshalb kann das Geld erst ausgezahlt werden, wenn WWS auf ein vertrauenswürdiges Wallet zurückgreifen oder mehrere Block-Meldungen abgewartet hat. Die Transaktion dauert dadurch etwa 20 bis 30 Minuten, bevor der Kunde sein Geld überwiesen oder ausgezahlt bekommt. Darüber hinaus ist der Verkauf von Bitcoin nur mit einem digitalen Wallet in der mobilen Anwendung möglich.

Für Bitcoin-Geldautomaten ist eine BaFin Genehmigung erforderlich

Der Bank Blog: Wie sieht die rechtliche Lage zum Betreiben von Bitcoin-Geldautomaten in Deutschland, Österreich und der Schweiz aus? Wer darf Bitcoin-Geldautomaten betreiben?

Carmine Evangelista: Für den Betrieb von Bitcoin-Geldautomaten benötigt man in Deutschland eine Genehmigung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Allerdings wurde Bitcoin bereits 2011 als Finanzinstrument eingestuft und unterliegt damit hohen regulatorischen und technologischen Anforderungen. Bis BaFin Kryptowährungen als Währung anerkennt oder Sonderregelungen dafür entwickelt, bleiben deutsche Bitcoin-Geldautomaten also erst einmal unwahrscheinlich.

In Österreich und der Schweiz sieht dies anders aus: In der digitalen Strategie der Österreichischen Bundesregierung ist Bitcoin als „Meilenstein der Digitalisierung“ fest verankert, untersteht aber nicht der Finanzmarktaufsicht. Für den Betrieb eines Bitcoin-Automaten kann es jedoch, je nach Antragsteller, eine Konzessionspflicht geben. Schweizer Bitcoin-Automaten-Betreiber benötigen eine Zulassung von der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (FINMA), die sie aber gerne erteilt. Deshalb steht in der Schweiz auch das größte Bitcoin-Automaten-Netzwerk Europas – zu finden in den Ticketautomaten der Schweizer Bundesbahn.

Der Bank Blog: In welchen Ländern oder Regionen sehen Sie das meiste Potential für Bitcoin-Geldautomaten?

Carmine Evangelista: Manche Regionen sind digitaler als andere, auch innerhalb eines Landes. Das hängt vom grundsätzlichen Interesse an elektronische Transaktionen ab. So ist die Nachfrage beispielsweise in größeren Städten größer als in der Kleinstadt – zumindest in Italien. Es kann überall einen Wunsch nach Bitcoin-Geldautomaten geben. In Ländern, in denen elektronische Bezahlung schon Standard ist, ist auch der Kryptowährungshandel weiterverbreitet. Es ist aber davon auszugehen, dass in naher Zukunft, wenn die auf der Blockchain basierenden Dienste ausgeweitet werden, der Handel mit Kryptowährungen überregional ansteigen wird.

Der Bank Blog: Vielen Dank für das Gespräch.

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Über den Autor

Dr. Hansjörg Leichsenring

Dr. Hansjörg Leichsenring befasst sich seit über 30 Jahren beruflich mit Banken und Finanzdienstleistern. Nach Banklehre und Studium arbeitete er in verschiedenen Positionen, u.a. als Direktor bei der Deutschen Bank, als Vorstand einer Sparkasse und als Geschäftsführer eines Online Brokers. Als Experte für Digitalisierung, Innovation und Vertrieb hält er Vorträge bei internen und externen Veranstaltungen im In- und Ausland und bietet Banken und Finanzdienstleistern Dienstleistungen im Bereich (Interims)Management sowie Beratung/Consulting an.

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