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Wie bewertet man eigentlich ein FinTech?

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Interview mit Antoine Baschiera, CEO von Earlymetrics

Immer mehr FinTech-Startups suchen die Zusammenarbeit mit etablierten Finanzdienstleistern. Für Banken stellt sich dabei die Frage, wie man die richtige Auswahl trifft. Ein Gespräch über die Bewertung von FinTechs mit Antoine Baschiera, CEO von Early Metrics, einer Ratingagentur für Startups.

Kooperationen mit FinTechs

Immer mehr etablierte Finanzdienstleister denken über Kooperationen mit FinTech-Startups nach

Die Reaktion der Banken auf den FinTech-Trend lässt sich als 3-K-Strategie umschreiben: Kopieren, kooperieren oder kaufen. Bei den letzten beiden Möglichkeiten stellt sich – neben der strategischen Bewertung des Leistungsangebots – die wirtschaftliche Bewertung eines FinTechs. Weder möchte man, dass sein Partner nach kurzer Zeit vom Markt verschwindet, noch will man die Katze im Sack kaufen. Doch öffentlich zugängliche Daten sind in der Regeln nicht vorhanden. Wie also kann man ein Startup bewerten?

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Interview mit Antoine Baschiera, Günder einer Ratingagentur für FinTechs

Antoine Baschiera hat dieses Dilemma erkannt und daraus ein eigenes Geschäftsmodell kreiert. Der gelernte Ingenieur und ehemalige Finanzanalyst war bei PwC und L’Oréal tätig, bevor er 2014 Early Metrics gründete, eine Rating-Agentur für Start-ups und innovative KMUs.

Antoine Baschiera, CEO Early Metrics

Antoine Baschiera ist CEO von Early Metrics

Die unabhängige Agentur hat sich zum Ziel gesetzt, mehr Transparenz in den weltweit stark wachsenden Startup-Bereich zu schaffen. Sie analysiert das Wachstumspotenzial von jungen Unternehmen u.a. mit Hilfe nicht-finanzieller Kennzahlen. Early Metrics arbeitet für Unternehme, Institutionelle Investoren und Private-Equity-Häuser. Die Firma hat Büros in London, Paris und Tel Aviv.

Antoine Baschiera gibt Auskunft darüber, wodurch sich ein erfolgreiches Startup auszeichnet, wie man ein Startup bewerten kann, das kaum Daten veröffentlicht und was er anders macht als klassische Ratingagenturen.

Der Erfolg eines Startups beruht auf drei Säulen

Der Bank Blog: Sie haben unzählige Startups bewertet und analysiert. Haben Sie dabei den Schlüssel zum Erfolg eines Startups entdeckt?

Antoine Baschiera: In der Tat haben wir ein gewisses Muster erkannt. Es gibt drei Säulen, auf denen der Erfolg eines Startups beruht:

  • Ein starkes Team.
  • Ein innovatives Projekt.
  • Ein breiter und erreichbarer Markt.

Der wichtigste Faktor ist dabei das Team. Es ist besser ein großartiges Team und ein nicht so gutes Projekt zu haben als ein großartiges Projekt und ein nicht so gutes Team. Das trifft vor allem auf junge Unternehmen zu.

Der Bank Blog: Startups haben keine Veröffentlichungspflichten wie börsennotierte Unternehmen. Dementsprechend gibt es keine öffentlichen Informationen zu den Startups. Woher nehmen Sie Ihre Informationen?

Antoine Baschiera: Wir haben drei Hauptquellen für unsere Analyse:

Die erste Quelle ist das Startup selbst. Das Management füttert uns mit Informationen und gibt uns Einblick in ihr Geschäftsmodell.

Die zweite Quelle ist unsere hauseigene Recherche und die dritte Quelle ist unsere eigene Erfahrung. Im Laufe der Zeit hat sich hier bei uns ein riesiges Archiv an Ratings angesammelt.

Die dritte Quelle ist nicht zu unterschätzen. Wenn nämlich jemand behauptet, sein Startup habe 1 Millionen Kunden, dann durchschauen wir ihn sofort. Wir wissen ganz genau, wie ein Unternehmen mit 1 Millionen Kunden aussieht.

Der Bank Blog: Hat schon mal jemand versucht Sie zu täuschen, um sich ein besseres Rating zu erschleichen? Woher wissen Sie, dass die Informationen stimmen?

Antoine Baschiera: Wir wissen es, weil wir mit jedem Startup einen Vertrag abschließen. Wenn das Unternehmen danach falsche Informationen liefert, macht es sich strafbar.

Aber der wichtigste Grund, warum die Startups mit uns kooperieren: es liegt in ihrem Interesse. Es bringt ihnen nichts, wenn sie mit einem falschen Rating an einen Investor herantreten. Dieser ist auch nicht dumm und langfristig könnte es den Ruf des Startups zerstören.

Und letztlich ist es sehr schwer, uns hinters Licht zu führen. Wir haben schon so viele Unternehmen analysiert und bewertet, dass wir ein gutes Gefühl dafür haben, wie es dem Unternehmen geht. Übrigens schauen wir auch nicht nur auf Zahlen und Daten, sondern auch auf das Team, das Geschäftsmodell und die Kompetenz der Mitarbeiter.

Wir vermeiden den Interessenkonflikt traditioneller Ratingagenturen

Der Bank Blog: Wie viele Startups haben Sie schon bewertet?

Antoine Baschiera: Mehr als 1.100 Startups. Die Mehrheit davon aus Europa und Israel. Übrigens hat Israel eine sehr starke Startup-Kultur und hat viele Startups im Verteidigungs- und Cleantech-Bereich.

Der Bank Blog: Die traditionellen Ratingagenturen wie S&P sind während der Finanzkrise ziemlich auf die Nase gefallen. Das Vertrauen in Ratings ist geschädigt. Wie wollen Sie das Vertrauen in Ihre Ratings aufbauen?

Antoine Baschiera: Wir wissen natürlich, dass die herkömmlichen Ratingagenturen ein Vertrauensproblem haben und genau deshalb handeln wir nicht wie die alten Hasen. Wir tun genau das Gegenteil.

Wir haben einen komplett anderen Ansatz bei unserem Geschäftsmodell.

Die traditionellen Ratingagenturen leiden unter einem Interessenskonflikt, weil ihre Kunden die Unternehmen sind, die sie bewerten. Mit anderen Worten: S&P wurde von Lehman Brothers und Co. bezahlt, um ein Rating zu erstellen – das ist ein klassischer Interessenskonflikt.

Also haben wir uns entschieden niemals Geld von den Startups zu nehmen, die wir bewerten. Stattdessen sind unsere zahlenden Kunden Investoren, Banken und Konzerne wie Visa oder Airbus, die an gewissen Startups interessiert sind und ein Rating haben wollen.

Weiterhin ist unser Ansatz nicht so Datengetrieben. Eine Excel-Tabelle sagt wenig aus über ein Unternehmen in diesem frühen Stadium. Wir fokussieren uns deshalb mehr auf das Management, das Geschäftsmodell und den Markt, den das Startup erreichen möchte. In Wirklichkeit sind nur etwa 10 Prozent unserer Analyse reine Zahlen.

Der Bank Blog: Und funktioniert Ihr Ansatz?

Antoine Baschiera: Ja, und wir haben sogar Beweise dafür. 70 Prozent der Startups, die von uns ein Top-Rating bekommen haben, haben in den folgenden zwei Jahren den Markt „outperformed“.

FinTech ist das größte Segment bei Startup-Analysen

Der Bank Blog: Kommen wir zu unserem Kernthema: FinTechs. Wie ist da der Stand der Dinge?

Antoine Baschiera: In der Tat wächst das FinTech-Segment derzeit sehr schnell. Vor allem in den letzten 2 Jahren ist die Zahl stark angestiegen – Tendenz steigend.

Da wir auch große Banken als Kunden haben, bekommen wir oft Anfragen, bestimmte FinTechs zu bewerten und zu analysieren.

Etwa 15 bis 20 Prozent aller Startups, die wir analysiert haben, waren FinTechs. Damit ist FinTech das größte Segment.

Mit Early Metrics wollen wir global erfolgreich werden

Der Bank Blog: Nun zu Ihnen, Early Metrics. Wie groß sind Sie zurzeit und welche Pläne haben Sie mit Ihrer Rating Agentur?

Antoine Baschiera: Derzeit besteht unser Team aus 30 Leuten, bis Ende des Jahres werden wir aber schon fast 50 sein. Wir planen, unsere Reichweite zu erhöhen und zu einem Global Player zu werden.

Zurzeit fokussieren wir uns auf Europa, wollen es aber nicht dabei belassen. Wir wollen verstärkt auch Startups in den USA und in Asien bewerten, weil dies vielversprechende Märkte sind.

Der Bank Blog: Sie sind ja selbst noch ein Startup. Haben Sie Investoren? Schreiben Sie schwarze Zahlen?

Natürlich haben wir auch Investoren, aber überwiegend finanzieren wir uns nicht mit externen Geldern. Wir waren in der Lage schon in der Frühphase große Kunden an Land zu ziehen, die uns einen stabilen Umsatz garantieren.

Außerdem haben wir es geschafft, von Tag 1 unser Geschäftsmodell zu monetarisieren.

Der Bank Blog: Wie steht es um die Konkurrenz?

Antoine Baschiera: Es gibt sicherlich auch andere Rating Agenturen, die sich auf Startups konzentrieren. Allerdings ist der Markt noch recht jung und die traditionellen Ratingagenturen fokussieren sich eher auf etablierte Unternehmen.

Unsere indirekten Konkurrenten sind eigentlich klassische Beratungsfirmen wie die „Big Four“ (Deloitte, EY (Ernst & Young), PricewaterhouseCoopers (PwC) und KPMG); Anm. d. Red.).

Faktisch sind sie aber keine Konkurrenten, sondern eher Geschäftspartner. Denn wenn jemand von den Big Four mal ein Startup bewerten muss, dann werden sie eher an uns weiterreichen als die Bewertung selbst vorzunehmen. Damit sind die Big Four eher Kunden.

Der Bank Blog: Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview wurde mit Unterstützung von Fintech-Insider geführt.

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Über den Autor

Dr. Hansjörg Leichsenring

Dr. Hansjörg Leichsenring befasst sich seit über 30 Jahren beruflich mit Banken und Finanzdienstleistern. Nach Banklehre und Studium arbeitete er in verschiedenen Positionen, u.a. als Direktor bei der Deutschen Bank, als Vorstand einer Sparkasse und als Geschäftsführer eines Online Brokers.Als Experte für Digitalisierung, Innovation und Vertrieb hält er Vorträge bei internen und externen Veranstaltungen im In- und Ausland und bietet Banken und Finanzdienstleistern Dienstleistungen im Bereich (Interims)Management sowie Beratung/Consulting an.

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