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Berat´ mich, Robby!

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Ein virtuelles Beratungsgespräch aus der Zukunft

Banking mit einem Augenzwinkern

Lustiges, Humorvolles und mitunter auch Nachdenkliches für Banker
© Shutterstock

Wird Anlageberatung in Zukunft von Robotern durchgeführt? Bank Blog Kolumnist Michal Lemont beschreibt, wie ein virtuelles Beratungsgespräch mit einem Robo Advisor aussehen könnte.

Kritisch beäugte ich mich im Spiegel. Wer war der sonderbare Herr, der mir da entgegenblickte? Ich mochte ihn nicht kennen, auch wenn weit entfernt eine gewisse Ähnlichkeit mit diesem Lemont da war. Sogar die erfrischende Nassrasur, die mich sonst zumindest aufweckte, wenn nicht gar manchmal mobilisierte, half heute nichts. Zu schwer lastete diese unaussprechliche Bürde auf mir. Dies bezeugten auch die ersten Angstschweißperlen auf meiner sonst so sorgenfreien Denkerstirn.

Jetzt war er doch gekommen, der Tag, an dem sich alles ändern würde.

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Denn heute musste ich eine abgereifte Lebensversicherung wieder veranlagen. Gerade mal 40.000 Euro und ein paar Zerquetschte – meine gesamte Altersvorsorge – waren es, und meine Bankberaterin würde ob dieser vernachlässigbaren Größenordnung nicht gerade in Euphorie verfallen. Tatsächlich hatte ich noch eine persönliche Betreuerin, die, jung wie sie war, mit ausgefallenen und kreativen Anlagetipps bisher meinen Alltag bereichert hatte.

Um der Wahrheit die Ehre zu geben: früher war alles einfacher. Man griff zum Sparbuch und freute sich über Zinsen, mit denen man zumindest die Inflation abzudecken versuchte. Ganz Verwegene setzten auch schon mal auf gebundene Sparbücher, die dann etwas mehr abwarfen. Man fühlte sich wie ein kleiner Kapitalist, wenn man die Zinsen von 131,57 Euro (kaufmännisch abgerundet) gutgeschrieben bekam. Und wer ganz mutig und etwas durchgeknallt war, wagte sich an Anleihen und die eine oder andere Aktie eines bedeutenden deutschen Automobilbauers. Aber, wie gesagt, da brauchte es schon etwas mehr als reinen Mut.

Heutzutage blickte man in die ratlosen, aber zuversichtlichen Augen der Veranlagungsexperten der Banken und wusste implizit, dass man den Fehler gemacht hatte, nicht reich genug geboren worden zu sein. Zumindest für eine sinnvolle und ertragreiche Veranlagung.

Kurz und gut: meine persönliche Betreuerin hatte sich infolge der zunehmenden Komplexität des Marktes von ihrem Job – und somit auch indirekt von mir – verabschiedet. Sie hatte eine zukunftsträchtigere Herausforderung im Bereich „mieten, kaufen, wohnen“ angenommen und war Maklerin geworden.

Mich hingegen ließ sie mit einer Terminvereinbarung zu einem Veranlagungsgespräch zurück, die mir nicht ganz geheuer erschien. Meine Bank, innovativ wie sie ist, setzt neuerdings bei Personen meiner Vermögensklasse (wenig schmeichelhaft als „the less rich“ bezeichnet) auf Roboter-Beratung und das würde ich heute auch bekommen. Veranlagungstipps von einer Maschine.

Nun, warum nicht.

Digitaler Trend: Robo Advice

Robo Advice liegt voll im Trend der Digitalisierung der Finanzdienstleistung
© Shutterstock

Zuerst eine Klarstellung: ich bin ein Technik-Aficionado. Meine größte Freude ist es, wenn ich meine Heimkinoanlage über eine App ansteuern kann, selbst wenn ich tausende Kilometer entfernt bin. Hab das auch schon mal probiert, meine Schwiegermutter, die uns im Urlaubsfall nun deutlich weniger oft unser Haus hütet, kann das bezeugen. Also wird mir ein kleiner Roboter doch wohl keine Sorgen bereiten.

Und tatsächlich, die erste Zusammenkunft mit meinem elektronischen Berater fand in der anheimelnden Umgebung eines kleinen Büroraumes statt, welcher einem spontan die Assoziationen „Boris Becker“ und „Besenkammer“ in Erinnerung bringen würde.

„Guten Tag!“, bellte mir der etwa einen Meter hohe schwarz/weiße Roboter entgegen, der am winzigen Schreibtisch vorbeirollte, um mich – noch etwas holprig – zu begrüßen.

„Grüß Gott.“, antwortete ich höflich und wohl auch etwas verlegen, da ich nicht wusste, ob man mit einer Maschine auch Hände schüttelt. Ich entschied mich dagegen.

„Aha. Ein Andersgläubiger. Ha-Ha. Bitte nehmen Sie Platz!“

Nun war ich begeistert. Man hatte meinen Gesprächspartner auf eine witzig-lockere Kommunikation programmiert. Das Beratungsgespräch schien vielversprechend zu starten. Noch während ich mich in den Besucherstuhl zwängte, der an die Klassenzimmerausstattung in Volksschulen gemahnte, rollte mein Berater auf seine Position hinter dem Schreibtisch zurück. Das Möbelstück hatte vermutlich nur die Funktion, dem menschlichen Kunden eine vertraute Atmosphäre zu vermitteln.

„Sie haben einen exotischen Akzent“, schnarrte mich mein Gegenüber an. „Sind Sie Brasilianer oder Schwede?“

Ich hatte schon vom berühmten Small-Talk-Modul dieser Modelle gehört, aber nun konnte ich mich höchstpersönlich von der Leistungsfähigkeit der Virtuellen Intelligenz überzeugen.

„Tatsächlich bin ich Österreicher!“, meinte ich nicht ohne Stolz und doch bemüht, mit möglichst wenig Akzent zu sprechen.

„Macht ja nichts. Nobody is perfect.”, scherzte das mehrsprachige Kommunikationsmodul. „Was kann ich für Sie tun?“

„Also, ich hätte da einen größeren Geldbetrag, den ich gerne so veranlagen möchte, dass zumindest die Inflation mit den Erträgen abgedeckt ist.“

„Da empfehle ich Ihnen ein Sparbuch mit Nullkommazwei Prozent Verzinsung, aber täglich fällig. Top Kondition!“

„Sehr großzügig, aber da es doch um 40.000 Euro geht, habe ich mir schon etwas mehr an Ertrag erwartet.“ Vermutlich klang meine Stimme etwas traurig, denn Robby, wie ich meinen elektronischen Gesprächspartner beschlossen hatte zu nennen, begann, den Raum mit optimistischer Fahrstuhlmusik zu beschallen.

„Aber sagen Sie das doch gleich. Für solche Beträge kommen doch völlig andere Instrumente zum Einsatz. Gebundenes Sparbuch mit Nullkommavier Prozent Verzinsung, Laufzeit zwölf Monate. Top Kondition!“

Bildete ich mir das nur ein, oder versuchte Robby zu lächeln?

„Auch dieses Angebot erscheint mir nicht passend!“, beharrte ich. „Ich bin auch gerne bereit, etwas Risiko in meinem Portfolio zu akzeptieren.“

„Aber sagen Sie das doch gleich. Für solche Kunden kommen doch völlig andere Instrumente zum Einsatz. Unser exklusiver Publikumsfond mit Top Konditionen!“

Das entsprach nun schon eher meinen Vorstellungen.

„Und von welcher Performance sprechen wir bei diesem Fonds?“

Robby legte seinen schwarz-weißen Kopf etwas schief, so als würde er alle Bits und Bytes an einer Stelle konzentrieren wollen. Eine Sekunde lang hatte ich den Eindruck, Robby hätte mich angeknurrt. Aber das war sicher nur eine lockere Schraube.

„Performance lag bei Nullkommanull Prozent, war aber auch ein mieses Jahr! So wie die Jahre davor.“

„Tja, auch da werden wir nicht zusammenkommen.“ Ich zuckte wie beiläufig die Schultern.

„Wie wäre es mit Immobilien? Wir bieten auch günstige Kredite an.“

„Keine Immobilien!“, kürzte ich die Sache ab.

„Gold?“

„Kein Gold!“

„Kunst? Der Kunstmarkt ist im Aufwind.“

„Danke, aber nein.“

Kann ein Roboter hasserfüllt schauen? Meiner höchst persönlichen Meinung nach war Robby auf dem besten Weg, diese menschliche Empfindung mir gegenüber darzustellen.

„Dann vielleicht ein Investment in Oldtimer? Der Markt ist im Aufwind.“

Ich wiegte bedächtig den Kopf und fragte mich, wie lange es brauchen würde, bei Robby eine Platine zum Schmelzen zu bringen.

„Nein, eher doch nicht.“

Robby blickte traurig zu Boden. Er wusste, er hatte versagt. Sein Small-Talk-Modul suchte nach einer lockeren Phrase, doch alles was er sagen konnte war ein aufrichtiges „Schade“.

Und weil man aufhören soll, wenn es am schönsten ist, stand ich auf und wandte mich zum Gehen, nicht ohne zuvor tröstend Robby´s blechernes Köpfchen zu tätscheln.

„Ein Österreicher halt.“ Das war das letzte, was ich von meinem kleinen Beratungsroboter hörte, während die Türe hinter mir ins Schloss fiel.

Also mich hat die Virtuelle Intelligenz überzeugt. Ich investiere jetzt in eine Firma, die Roboter entwickelt.

Mehr von Michel Lemont gibt es hier:

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Über den Autor

Michel Lemont

Michel Lemont ist seit mehr als 35 Jahren in Bankenwesen tätig. Er war in verschiedenen Bereichen der Finanzindustrie tätig, unter anderem im Vertrieb, im Marketing und zuletzt im Umfeld des Zahlungsverkehrs. In seinen Aufgabenbereich fallen unter anderem regulatorische Themen, das Management von Zahlungsverkehrs-Infrastrukturen sowie die Arbeit in nationalen und internationalen Gremien im Bereich Payments. Ein besonderes Anliegen sind ihm Innovationen im Bankenbereich und das "Querdenken". Michel Lemont ist Autor des Buches „Bankers have more fun“ und betrachtet das Bankwesen gerne von der humoristischen Seite. Er ist verheiratet und Vater einer Tochter.

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