Wie Banking-Plattformen wirklich funktionieren können

Von der Theorie in die Praxis

Abonnieren Sie den kostenlosen Bank Blog Newsletter

In den vergangenen Monaten wurde viel über Open Banking und offene Bankenplattformen diskutiert. Es steht außer Frage, dass die Plattformökonomie nach dem Vorbild großer Technologieanbieter wie Amazon oder Google die Finanzindustrie verändern wird.

Open Banking und offene Bankenplattformen

Immer mehr Banken denken über Plattformmodelle nach.

Partner des Bank Blogs

Atruvia ist Partner des Bank Blogs

Neue Geschäftsmodelle, eine bessere Kundenbindung und personalisierte Angebote bestimmen im Zeitalter der Digitalisierung, wer erfolgreich ist oder wer im schlimmsten Fall den Anschluss an den Wettbewerb verliert. Doch während agile, nutzerorientierte B2C-Plattformanbieter mit App-Stores in der Apple- und Android-Welt erfolgreich am Markt agieren, tun sich Finanzunternehmen schwerer mit der effektiven Umsetzung des Bank-as-a-Plattform-Konzeptes.

Über Jahre gewachsene IT-Legacy-Strukturen und stark regulierte Prozesse schaffen Hürden für den Schritt ins offene Finanzzeitalter. Dazu kommt, dass oft noch die geeignete Strategie fehlt, um eine Zusammenarbeit zwischen Banken, FinTechs, Entwicklern und anderen Akteuren wie etwa Universitäten wirklich effizient und zum Vorteil aller umzusetzen. Denn darum geht es letztlich bei der Plattformökonomie: Innovation durch Kollaboration. Kaum eine Bank wird den Transformationsprozess hin zu einem digitalen Finanzlösungsanbieter in den kommenden Jahren allein bewältigen können. Es braucht kreativen und innovativen Input – etwa von jungen Startups – um die Produktentwicklung zu beschleunigen.

Das Beste aus zwei Welten auf einer Plattform

Mehr als 91 Prozent der Banken gehen einer Capgemini-Studie zufolge davon aus, dass sie künftig mit FinTechs zusammenarbeiten werden. Aber auch die wendigen FinTechs profitieren, indem sie über Plattformen Zugang zu einer großen Basis etablierter Banken erhalten und ihre Technologielösungen somit besser zu den potenziellen Nutzern bringen können.

Eine Kollaboration vieler verschiedener Akteure bietet also viele Vorteile für die Beteiligten. Doch dieses Potenzial kann nur ausgeschöpft werden, wenn die Plattform auch allen Teilnehmern uneingeschränkt offensteht. Folgende Kriterien tragen dazu bei, dass eine Plattform in der Finanzindustrie erfolgreich funktionieren kann:

Unabhängigkeit von einzelnen Finanzinstituten

  • Standardisierte Entwickler-Ökosysteme,
  • Offene Schnittstellen (REST-APIs),
  • Low-Code-Entwicklung,
  • Skalierbare Cloud-Umgebungen sowie
  • App-Store als zentraler Marktplatz.

Unabhängigkeit von einzelnen Finanzinstituten

Eine Bankenplattform und die dort entwickelten Innovationen sollten prinzipiell allen Teilnehmern zugänglich sein. Dies bedeutet, dass Banken, FinTechs oder auch freie Entwickler und Hochschulen ohne Einschränkung partizipieren können – sowohl von den Ressourcen als auch den fertigen Applikationen. Dies klingt logisch, ist aber in der aktuellen Praxis alles andere als Gang und Gäbe. Denn es gibt aktuell eher einen Trend in Richtung bilateraler Partnerschaften, die sich auf konkrete Problemstellungen fokussieren und Innovationen nicht in größerer Breite und Vielfalt fördern. Hier gilt es, ein Mindset der offenen Innovation zu entwickeln und dieses auch im Unternehmensalltag zu leben. Dies bedeutet auch, dass Banken die Geschäftsfelder definieren, in denen Innovationsbedarf besteht, und gezielt angehen.

Standardisierte Entwickler-Ökosysteme

Die meisten Banken arbeiten heute noch mit Individualsoftware, die sie über Jahrzehnte hinweg implementiert haben. Daraus entstanden sind komplexe IT-Gebilde, die sich nur schwer in die Zukunft heben lassen. Der Trend geht daher verstärkt in Richtung Standardsoftware, die sich leichter an neue Anforderungen anpassen lässt. Dieses Prinzip sollten sich Initiatoren von Bankenplattformen zunutze machen und auf standardisierte Entwickler-Ökosysteme setzen. In einer einheitlichen Umgebung finden sich unterschiedliche Nutzergruppen schneller zurecht. Sie können effektiver und effizienter Applikationen entwickeln, die in unterschiedlichen Systemen einsetzbar sind anstatt in nur einem Finanzinstitut.

Offene Schnittstellen (REST-APIs)

So genannte Application Programming Interfaces (APIs) – sprich offene Schnittstellen für die Anwendungsprogrammierung – sind der Schlüssel für die Anbindung neu entwickelter Applikationen in bestehende Kernbankenlösungen. APIs ermöglichen es den Anwendungen, miteinander zu interagieren und Daten auszutauschen. Eine besondere Ausprägung der offenen Schnittstellen sind REST-APIs, wobei das REST-Paradigma dafür sorgt, dass bestimmte Softwarefunktionen öffentlich zugänglich sind, während der übrige Teil einer Anwendung oder eines Systems geschützt werden.

Dadurch können und müssen externe Entwickler nicht tief ins Kernsystem einer Bank oder eines anderen API-Inhabers vordringen und dort Veränderungen vornehmen. Vielmehr lassen sich neue Services und Produkte wie zum Beispiel Chatbots, Kreditabwicklungsangebote oder Online-Banking-Portale innerhalb weniger Tage in bestehende IT-Infrastrukturen von Finanzinstituten einbinden – selbst wenn sie in Legacy-Umgebungen integriert werden, die über Jahre gewachsen sind. Der technische Austausch funktioniert aber auch in der anderen Richtung deutlich effizienter – auch Banking-Anwendungen lassen sich besser in die Lösungen von FinTechs, Online-Zahlungsdienste-Anbietern und anderen Marktakteuren integrieren.

Low-Code-Entwicklung

Low-Code-Umgebungen werden aktuell immer beliebter, ermöglichen sie doch eine deutlich schnellere Erstellung von Applikationen als die traditionelle Software-Entwicklung, bei der Code von Grund auf neu geschrieben wird. Beim Low-Code-Ansatz lassen sich Anwendungen und Workflows mittels vorgefertigter visueller Komponenten per Mausklick oder Drag-&-Drop kombinieren. So können zum Beispiel Bankprozesse entworfen oder Basisdienste wie Authentifizierung und Autorisierung über die entsprechenden Bausteine angelegt werden. Auch die Struktur von Datenbanken und der Zugriff darauf können definiert werden. Die daraus entstehenden Applikationen lassen sich auf Knopfdruck einsetzen, so dass auch Kosten und Aufwand für Deployment, Setup und Training sowie Projektlaufzeiten sinken.

Skalierbare Cloud-Umgebungen

Um größtmögliche Flexibilität und Leistungsfähigkeit zu gewährleisten, sollten Bankenplattformen auf die Ressourcen aus der Cloud zurückgreifen. So muss keine neue IT-Infrastruktur erworben und installiert werden. Auch in punkto Sicherheit sind Cloud-Services mit Rechenzentren in Deutschland heute auf dem neuesten Stand, sodass auch Institutionen wie die BaFin den Einsatz von Cloud-Lösungen maßgeblich unterstützen und durch entsprechende rechtliche Rahmenbedingungen fördern. Haben sich Finanzinstitute für den Einsatz der Cloud entschieden, sollten sie einen Dienstleister wählen, der die Anbindung und den Zugriff möglichst nahtlos gestaltet, ohne dabei laufende Geschäftsprozesse zu unterbrechen. Ebenso sollten etablierte Kernbankenanwendungen oder digitale Kundenkanäle nicht von Grund auf ausgetauscht werden müssen.

App-Store als zentraler Marktplatz

Das von Apple und Google bekannte Prinzip des App-Stores sollten sich auch Betreiber von Bankenplattformen zunutze machen. Denn Finanzinstitute und deren Kunden können nur von Innovationen profitieren, wenn sie schnell und einfach darauf zugreifen können. Gleichzeitig sind App-Stores ein wichtiges Tool für FinTechs und unabhängige Entwickler, um ihre Anwendungen einem breiten Nutzerkreis zugänglich zu machen und sie zu monetarisieren. Geschult durch den täglichen Umgang mit Consumer-Apps auf ihrem Smartphone können sich Nutzer aus dem Ökosystem schnell und einfach orientierten und intuitiv die Anwendung finden, die ihrer Anforderung entspricht. Gleichzeitig sehen sie auf einen Blick, welche App ihnen noch fehlt, und können dies als Feedback in das Plattformökosystem zurückgeben.

Der Schlüssel zum Erfolg lautet Innovation durch Kollaboration

Die oben genannten Kriterien für offene Bankenplattformen verdeutlichen, dass die Umsetzung mit heute vorhandenen Technologien machbar wäre. Ebenso gibt es bereits erste Praxisprojekte, welche unternehmenseigene Daten über Schlüsseltechnologien wie REST-APIs für Banken, FinTechs sowie externe Entwickler und Hochschulen zugänglich machen und ihnen damit deutlich mehr Möglichkeiten bieten. Nun ist es an den einzelnen Akteuren im Finanzsektor, diese Grundlagen und Tools zu nutzen und in der Kollaboration mit anderen eigene erfolgreiche Innovationen auf diesen Plattformen zu entwickeln, um sich für die Zukunft zu rüsten. Denn wenn sie es nicht tun, dann tut es der Wettbewerb.

Über den Autor

Martin Häring

Als Chief Marketing Officer (CMO) ist Martin Häring für das weltweite Marketing von Finastra verantwortlich, einem der größten Finanzsoftwarehersteller der Welt.

Vielen Dank fürs Teilen und Weiterempfehlen


Mit dem kostenlosen Bank Blog Newsletter immer informiert bleiben:

Anzeige

Get Abstract: Zusammenfassungen interessanter Businessbücher

Kommentare sind geschlossen

Bank Blog Newsletter abonnieren

Bank Blog Newsletter abonnieren