Von Ausnahmezustand zu Ausnahmezustand

Herausforderungen und Chancen für Neobroker im Jahr 2023

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Wer gedacht hatte, mit Corona hätte der Markt schon den Höhepunkt der Turbulenzen gesehen, musste sich 2022 eines Besseren belehren lassen. Herausforderungen kommen 2023 auf die Neobroker aber nicht nur in Bezug auf den Ukraine-Krieg zu.

Ausblick auf die Perspektiven für Neobroker im Jahr 2023

Neobroker im Jahr 2023.

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Einen Blick auf die Herausforderungen für Neobroker im Jahr 2023 zu werfen, fühlt sich an wie „Täglich grüßt das Murmeltier“ zu schauen – tatsächlich haben viele der für die kommenden Monate wichtigsten Themen schon auf der Agenda für 2022 gestanden.

So hatte man sich bereits vor einem Jahr fragen müssen, wie sich wohl die künftige Entwicklung der Kundenzahlen insbesondere bei den Millennials darstellen würde, also den jungen Anlegern, die im ersten Corona-Jahr die Börse und speziell das Trading für sich entdeckt hatten. Wie würden diese „Neulinge“, die aus Mangel an anderen Erfahrungen zwangsläufig den Eindruck hatten, die Börse kenne nur den Weg nach oben, reagieren, wenn die Börse einmal ihr raues Gesicht zeigen würde?

Die jüngsten Zahlen manch eines Neobrokers, der in erster Linie die junge Klientel im Auge hat, geben eine Antwort darauf; sie lassen auf deutliche Rückgänge der Transaktionen in dieser Kundengruppe schließen. In diesem Jahr muss man jetzt die Frage noch etwas anders stellen: Wie groß werden diese Rückgänge ausfallen und wie viele der Kunden haben nach deutlichen Verlusten die Lust an der Börse komplett verloren? Und wie lange hält dieser Trend an? Es deutet sich jedenfalls an, dass in diesem Umfeld diejenigen Anbieter besser dastehen dürften, die erfahrene Trader von ihrem Angebot überzeugen und an sich binden konnten – denn Letztere haben schon einige Turbulenzen am Markt erlebt und wissen daher, dass Krisen kein Grund sein müssen, den Markt zu verlassen, sondern – ganz im Gegenteil – mit großen Chancen einhergehen können. Sie lassen sich nicht von einer plötzlichen Erkenntnis, dass es auch Risiken gibt, aus dem Markt treiben. Und wer auch schon vor Corona aktiv gehandelt hatte, wird das nicht plötzlich wegen rückläufiger Kurse einschränken.

Zinsen als zweischneidiges Schwert

Es geht bei den Perspektiven aber nicht nur um die Kunden, es geht auch um die Märkte selber: Die Frage, welche Gefahren der Entwicklung an den Börsen konkret drohen, dürfte mitentscheidend für die Entwicklung bei vielen Neobrokern im Jahr 2023 sein. Da sind etwa die Zinsen. Sie sind ein zweischneidiges Schwert im wahrsten Sinne des Wortes:

  • Auf der einen Seite haben die Zinswende und die steigenden Zinsen der vergangenen Monate für Unruhe gesorgt – mit höheren Renditen etwa auf festverzinsliche Produkte wie Tagesgeld verliert der vergleichsweise volatile Aktienmarkt an Attraktivität und für Tagesgeld braucht der Anleger keine Neobroker.
  • Auf der anderen Seite sind positive Zinsen grundsätzlich gut für die Geschäftsentwicklung, da nun von den Neobrokern zusätzlich zu den Provisionseinnahmen auch eine positive Zinsmarge erzielt werden kann.

Vielfältige Unsicherheit in den Märkten

Nun wäre es ein Luxusproblem, wenn sich Marktteilnehmer und Broker nur Gedanken über die Zinssituation machen müssten. Doch die Gesamtlage ist deutlich herausfordernder als vor einem Jahr – weil im Februar 2022 ein weiterer Belastungsfaktor hinzukommen ist: der russische Angriff auf die Ukraine. Die historisch schlechte Kombination aus Krieg in Europa, Pandemie, globaler Rezession inklusive Lieferkettenproblematik und Kriegsangst sowie steigenden Zinsen hat die Wirtschaft noch unberechenbarer gemacht.

Die Unsicherheit, die angesichts dessen auf dem Markt lastet, ist beachtlich. Wenn sich aber umfangreichere Entspannungstendenzen andeuten, kann es an den Börsen wieder aufwärts gehen. Dann werden auch die Trading-Aktivitäten wieder zunehmen, und zwar auf breiter Front – wann das sein wird, lässt sich aber nicht seriös prognostizieren.

Nervosität am Markt – vor allem bei Kryptos

Wenn man von Unsicherheit spricht, kommt man an der Kryptobranche nicht vorbei. Diese setzt sogar noch einen drauf. Nach zuletzt immer neuen Insolvenzen und tiefroten Wertentwicklungen bei den Kryptowährungen darf man in Bezug auf 2022 getrost von einem Horrorjahr sprechen. Für die weitere Entwicklung wird entscheidend sein, ob und wann sich der Kryptomarkt erholt – und vor allem wie er wieder das Vertrauen der Anleger gewinnen kann, um ein Comeback zu feiern.

Verbot des Payment for Order Flow vor „Comeback“?

Ein Comeback der aus Sicht der Neobroker eher unerfreulicheren Art lässt sich beim Verbot für das Payment for Order Flow (PFOF) befürchten. Es zeichnet sich ab, dass nach einem Jahr Pause dieses Thema 2023 wieder aufs Tableau kommt. Es wird spannend sein zu sehen, ob die Politik den Schritt eines PFOF-Verbots gehen wird, würde sie doch damit ihre Prämisse konterkarieren, wonach dem europäischen Bürger alle Möglichkeiten eröffnet werden sollen, den Vermögensaufbau in die eigene Hand zu nehmen. Für die Neobroker selber wären die Konsequenzen überschaubar: Sollte dieses bewährte Modell entfallen, werden die Anbieter die zu kompensierenden Kosten über eine Erhöhung der Kundengebühren finanzieren.

Neuerungen bei Geschäftsmodells und Kundenservice

Womit wir bei Finanzierung wären: Die Zeit der großen Fundingrunden im FinTech-Bereich, damit auch bei den Neobrokern, sind vorerst sicherlich vorbei, stabile und nachhaltige Geschäftsmodelle werden wichtig sein und deutlich in den Vordergrund rücken. Hier wird es für die Anbieter darum gehen, für Konstanten zu sorgen. Besagte erfahrene Zielgruppe kann auf der Retailseite eine Konstante sein, die für verlässliche Provisionseinnahmen steht.

Doch auch abseits des Retail-Geschäfts können die Broker punkten, etwa durch eine Erweiterung des Spektrums auf B2B: Ein zweites Standbein, wie justTRADE es mit Whitelabel-Brokerage as a Service anbietet, kann Broker deutlich resilienter aufstellen.

Was auch im Jahr 2023 nicht aus der Mode sein wird: Kunden etwas Neues zu bieten. Bei justTRADE etwa nehmen wir eine wichtige Produktänderung vor. So wird das Mindestordervolumen entfallen, damit erschließen wir uns eine größere Kundengruppe mit einem übergeordneten Ziel: damit wir nach dem deutlichen Umsatzplus des Jahres 2022 und dem (fast) Break-Even auch 2023 mit positiven Nachrichten aufwarten und der allgemeinen Unruhe trotzen können.


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Über den Autor

Ralf Oetting

Ralf Oetting ist Gründer und Geschäftsführer des Neobrokers justTRADE. Zuvor war er Geschäftsführer der OnVista Bank und zusätzlich Alleinvorstand der OnVista AG. Neben Stationen bei internationalen Beratungsgesellschaften, darunter Andersen Consulting (jetzt: Accenture) sowie PriceWaterhouseCoopers, war er in verschiedenen Positionen bei der comdirect Bank AG tätig, u.a. als Geschäftsführer und Chief Operating Officer der comdirect ltd. mit Sitz in London.

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