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München, Kopenhagen und London im Mobile Payment Test

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Ohne Bargeld durch drei europäische Großstädte

Bezahlen in Europa

In vielen europäischen Ländern ist das Bezahlen ohne Bargeld üblich und verbreitet

Wie weit kann man in Europa ohne Bargeld kommen? Das hängt ganz davon ab, in welchem Land man unterwegs ist. Ein virtueller Tag durch drei europäische Großstädte zeigt den Unterschied zwischen Deutschland und den europäischen Nachbarn Dänemark und Großbritannien.

Es gibt Länder, da ist es Gang und Gäbe, ohne Bargeld durchs Leben zu laufen und einen Kaffee per Kreditkarte zu bezahlen, den eigenen Beitrag für ein Gemeinschaftsgeschenk den Freunden direkt per Smartphone zu überweisen oder beim Bäcker mit dem Smartphone zu bezahlen. Was woanders funktioniert, sucht man in Deutschland weitgehend vergebens. Hierzulande ist Bargeld immer noch das „Zahlungsmittel Nummer 1″ im stationären Handel.

Drei Länder, drei Städte, ein Tag und der Versuch, ohne Bargeld zu bezahlen

Vor kurzem stand Ralf Ohlhausen, Chief Strategy Officer bei der PPRO Group, dem Bank Blog in einem Interview Rede und Antwort zum Thema Real Time Payments. Nun hat die Firma einen Test in drei europäischen Großstädten durchgeführt, um herauszufinden, wie man dort ohne Bargeld im normalen Tagesablauf bestehen kann.

Begleiten Sie Kai aus München, Stella aus Dänemark und Ben und Patricia aus London an einem ganz normalen Tag.

7:32 Uhr München

Kai (42) ist fast immer im Stress, was wohl an Job und Familie liegt, die er unter einen Hut kriegen muss. Auf dem Weg zur Arbeit setzt er die Kinder in der Schule ab – ein Zwischenstopp beim Bäcker ist dabei Pflicht, um den Nachwuchs und auch sich selbst zu versorgen. Doch ohne Bargeld geht nichts, Bäckereien in Deutschland nehmen nur Bares.

Frühmorgens in München

Ohne Cash keine Brötchen: Münchens Bäcker wollen Bargeld

Die Deutschen lieben ihr Bargeld

Über die Hälfte ihrer Einkäufe zahlen die Bundesbürger der Summe nach in bar. Bezogen auf die Zahlungsvorgänge sind es nach Angaben der Bundesbank sogar knapp 80 Prozent – mit nur leicht fallender Tendenz. Rund ein Drittel der Umsätze werden mit der girocard (der früheren EC-Karte) beglichen.

7:46 Uhr Kopenhagen

(23 Jahre). Sie hat zwar keine Kinder, ist aber schon sehr früh mit ihrem Hund unterwegs gewesen. Zu lange für ihr knappes Zeitbudget morgens. Kaffee und Tebirkes (Mohnbrötchen) müssen trotzdem sein. Stella bezahlt bargeldlos per E-Wallet.

E-Wallet beim Bäcker in Kopenhagen

In Kopenhagen kann man die Brötchen beim Bäcker mit einer elektronischen Brieftasche bezahlen

Auch in Dänemark schlendern die Menschen nicht locker zur Arbeit, eilig haben es auch hier die meisten, etwa Stella

Bargeld ist teuer

In Dänemark sind kleinere Geschäfte, Tankstellen oder Restaurants nicht mehr dazu verpflichtet, Geldscheine und Münzen als Zahlungsmittel zu akzeptieren. Das spart Kosten,  weil das Geld nicht mehr gezählt und gerollt werden muss, und die Fahrt zur Bank entfällt ebenfalls.

7:56 Uhr London

Auch Ben (32 Jahre) und Patricia (31 Jahre) sind in Eile, weil sie den Snooze-Knopf mal wieder zu oft hintereinander gedrückt haben. Das Frühstück muss ausfallen, der Kaffee auf dem Arbeitsweg aber nicht. Zwar ist die Schlange im Coffee-Shop in der Nähe von King’s Cross sehr lang, da dort aber so gut wie alle Kunden kontaktlos per Debit-Karte bezahlen, sind sie fünf Minuten später mit Cappuccino und Vanilla Bean Macchiato wieder auf der Straße.

Bargeldlos bezahlen im Londoner Coffee-Shop

In Londoner Coffee-Shops kann man den Kaffee zum Mitnehmen ohne Probleme mit einer Karte bezahlen

NFC in Deutschland

In Deutschland waren Ende 2015 rund 80.000 Kassenterminals NFC fähig, darunter die meisten Tankstellen, Discounter, große Supermarktketten und Drogerien. Das entspricht aber gerade einmal gut zehn Prozent aller Kassenterminals in Deutschland.

8:03 Uhr London

Ben und Patricia trennen sich am Bahnhof, sie nimmt den Bus, er die Tube. Beide zücken beim Einsteigen ihre Handys und halten sie in die Nähe der angebrachten NFC-Terminals. Dabei ist es egal, dass Ben ein Android-Telefon und Patricia ein Apple iPhone hat. Im Londoner Nahverkehr werden unterschiedlichste Bezahlmöglichkeiten mit NFC unterstützt.

Londoner U-Bahn akzeptiert NFC-Payments

In London können Tickets für U-Bahn und Busse kontaktlos via NFC-Payment bezahlt werden

Ticket per Smartphone ja, kontaktlos nein

In Deutschland gibt es derzeit keinen einzigen Verkehrsverbund, der kontakloses Bezahlen anbietet. Allerdings nimmt zumindest  der Kauf von Tickets per App so langsam Fahrt auf.

8:08 Uhr Kopenhagen

Stella geht die zwei Kilometer zur Uni gern zu Fuß und genießt noch ein paar ruhigere Minuten, bevor der Trubel am Institut losgeht. Auf dem Weg dorthin schnappt Sie sich noch ihre Lieblingszeitschrift von einem kleinen Kiosk. Hier bezahlt sie schnell per App. Einen Tick länger als das Bezahlen dauert nur der Schwatz mit der Besitzerin.

Bezahlen per App in Kopenhagen

In Kopenhagen akzeptieren sogar Zeitungskioske das Bezahlen per mobiler App

Deutsche haben Sicherheitsbedenken

88 Prozent der von PriceWaterhouseCooper Befragten fürchtet, dass Daten gehackt und missbraucht werden könnten. Mit dem Mobile Payment zum gläsernen Kunden zu werden, gibt 74 Prozent zu denken. 72 Prozent sehen die Gefahr, sich durch das mobile Bezahlen schneller zum Kauf verleiten zu lassen.

12:00 Uhr München

Schlag 12 Uhr geht Kai mit seinen Kollegen zum Mittagessen.  Heute zieht es sie in einen nahegelegenen Biergarten, um die ersten Sommertage zu genießen. Essen und Getränke sind top, doch beim Bezahlen vergeht dem Kellner kurz seine gute Laune. Die Kollegen zahlen getrennt, zwei mit girocard, einer mit Kreditkarte und einer mit Bargeld. Wenigstens haben heute alle ihr Zahlungsmittel dabei, sonst wird es immer besonders kompliziert mit dem Zurückzahlen.

In bayerischen Biergärten benötigt man Bargeld

Im bayerischen Biergarten ist nur Bares Wahres. Bargeldloses Bezahlen trübt die Stimmung

girocard beliebtestes elektronisches Zahlungsmittel

Mehr als die Hälfte der Zahlungen im deutschen Einzelhandel erfolgt bar (52,4 Prozent des Bruttoumsatzes). Elektronisch zahlen die Deutschen am liebsten mit der girocard (23,2 Prozent). Die Kreditkarte kommt auf 5,7 Prozent.

12:45 Uhr Kopenhagen

Zwischen Vorlesung und Seminar bleiben Stella 15 Minuten. Auf dem Weg zur Cafeteria poppt eine Nachricht auf Ihrem Smartphone auf, die Miete ist in drei Tagen fällig. Über die App Mobile Pay transferiert Stella den fälligen Betrag, während sie sich in der Schlange anstellt. Viel Zeit ist nicht mehr zum Essen, ein Sandwich sowie Apfel und Getränk wandern nach dem kontaklosen Bezahlvorgang in ihren Rucksack.

Von unterwegs mobil bezahlen

Überweisen von unterwegs ist in Kopenhagen kein Problem und dank mobiler Apps schnell erledigt

„Es gibt für alles eine App“

In Dänemark hat sich „Mobile Pay“ bereits als Standard durchgesetzt. In Deutschland buhlen immer noch unzählige Anbieter um die Gunst der Kunden. Auch die Sparkassen haben jüngst angekündigt, mit „YOMO“ vor allen Dingen die internetaffine Nutzerschaft anzusprechen.

13:37 Uhr London

Bei Patricia überschneiden sich Termine, das Mittagessen mit den Kollegen muss ausfallen. Per Liefer-App bestellt sie Sushi ins Büro, bezahlt wird mit PayPal. Ben bespricht beim Business-Lunch die neue Geschäftsstrategie mit einem anderen Abteilungsleiter. Das Essen bezahlt er mit seiner Firmenkreditkarte.

Lunch in London mit PayPal bezahlen

Ins Büro gelieferte Lunchpakete können in London einfach mit PayPal bezahlt werden

Mit PayPal zahen die Deutschen online am liebsten

Wenn Deutsche online einkaufen, zahlen sie am liebsten mit PayPal. Die Zahlung per Kredit-/girocard lag ihier im Jahr 2015 laut Statista bei 17% – ein sehr geringer Anteil im europäischen Vergleich. Es ist anzunehmen, dass durch die Senkung des „Interbankenentgelds“ die Krediktkartennutzung und -akzeptanz in Deutschland zukünftig stark zunehmen wird.

14:17 Uhr Kopenhagen

Endlich etwas Freizeit für Stella. Im Internet sucht sie nach einem passenden Geburtstagsgeschenk für ihre Mutter. Die 100 Euro für den eBook-Reader sind ihr aber alleine zu viel. Per Messenger stimmt Sie sich schnell mit ihren beiden Geschwistern ab, die natürlich wie immer ideenlos sind. Zu Dritt ist aber auch für Studenten der eBook-Reader drin. Stella bestellt das Gerät, ihre Geschwister überweisen ihr per Swipp-App – eine Direktüberweisungs-App dänischer Banken – sofort ihren Anteil, damit Stella den Betrag nicht vorstrecken muss.

Peer-to-Peer-Payment in Dänemark

Dänische Banken bieten Sofortüberweisung per mobile App an

Fintechs – Das Erwachen der Macht 

In Deutschland wie international buhlen mittlweile geschätzte 12.000 Finanz-Start-ups um die Gunst der Bankkunden. Diese so genannten Fintechs locken auch zahlreiche Investoren an, die momentan Milliarden in die kleinen Unternehmen investieren.

15:09 Uhr München

Super-Gau im Büro, die Kaffeemaschine ist kaputt. Kai macht sich auf den kurzen Weg zu Starbucks und holt für sich und die Kollegen Kaffee. Er bezahlt mit der Starbucks-App, die er sich vor ein paar Monaten eingerichtet hat. Da das Zurückbezahlen zwischen den Kollegen immer im Chaos endet, verabreden sie lediglich, dass beim nächsten Mal eben ein anderer Kollege den Kaffee besorgt.

Kaffee bezahlen mit der Starbuchs App

Starbucks bietet auch in München das einfache mobile Bezahlen mit der hauseigenen App an

Geld teilen wie ein Foto auf Facebook

Anwendungsbereiche für Peer-to-Peer-Zahlungen weisen viele Parallelen zu sozialen Netzwerken auf. Sie werden daher immer interessanter für Internetgiganten wie Facebook, Twitter, Google oder Amazon. Eines zeichnet sich damit schon heute klar ab: Finanzmanagement nach Social-Media-Manier führt dazu, dass der Einfluss von Banken wie auch des Staates zurückgedrängt wird und das Machtgefüge sich zugunsten der Kunden verschiebt.

16:02 Uhr London

Ben verbringt als Arsenal-Fan viele Stunden im Fußball-Stadion, das ist nicht so Patricias Ding. Um ihr eine Freude zu machen, reserviert Ben per London Theatre Tickets-App zwei Karten für „Mamma Mia!“, ganz spontan, heute Abend, 20 Uhr. Augen zu und durch, bezahlt wird natürlich direkt über die App durch Eingabe seiner Kreditkartendaten.

Musical Ticket per App kaufen und bezahlen

In London kann man Musical Tickets ohne Probleme per mobiler App kaufen und bezahlen

E-Wallets fehlt es an Mehrwertdiensten

Es gibt ja bekanntlich „für alles eine App“ und auf deutschen Smartphones tummeln sich im Durchschnitt über 15 Zusatzprogramme. Was für Vielfalt und Bequemlichkeit auf dem Handy sorgt, kehrt sich bei Payment-Apps in das Gegenteil, weil die Konsumenten Sorge haben, den Überblick über ihre Finanzen zu verlieren.

17:43 Uhr München

Kai ist auf dem Weg nach Hause und sieht glücklicherweise noch die WhatsApp-Nachricht seiner Frau. Er soll noch Eier mitbringen, sonst müssten die versprochenen Pfannkuchen ausfallen. Im Supermarkt ist die Bezahlung per EC-Karte erst ab 15 Euro möglich, Kai hat aber nur einen Karton Bio-Eier in der Hand. Also muss wieder Bargeld her. Da bemerkt Kai, dass er sein Portemonnaie im Büro liegen hat lassen. Letzter Ausweg Smartphone-App. Kai hat mal gelesen, dass es für seinen Supermarkt eine Smartphone-App gibt. Doch der Kassierer ist ahnungslos, außerdem ist im Supermarkt der Handy-Empfang so schlecht, dass sich der AppStore nicht öffnet. Da Kai öfter dort einkauft, darf er die Eier ausnahmsweise anschreiben lassen.

Kontaktloses Bezahlen im Supermarkt

Manche Supermärkte in München bieten bereits kontaktloses Bezahlen per Smartphone an

Payback Pay vor Deutschlandstart

Jetzt mischt sich auch noch ein Anbieter von Mehrwertdiensten ein. Der Ansatz, Loyality-Angebote mit Bezahlfunktionen zu verknüpfen, ist allerdings neu. Er könnte zu einer ernst zu nehmenden Alternative für klassische Payment-Anbieter avancieren.

19:13 Uhr London

Patricia und Ben treffen sich in einem Pub. Die Überraschung mit den Musical-Karten gelingt, schnell bezahlen Sie kontaktlos per Debit Card ihr Bier und dann ab zum Novello Theatre.

Kontaktloses Bezahlen in Londoner Pubs

In vielen Londoner Pubs kann das Bier kontaktlos, z.B. per Debit-Karte bezahlt werden

Enorme Akzeptanz von EC-Karten in Deutschland

In Deutschland existieren viele Namen für diese Form der Kartenzahlung: girocard, Scheckkarte oder schlichtweg Bankkarte. Die Funktionalität ist selbstverständlich allen gleich: Mit ihr kann man nahezu überall in Deutschland bargeldlos zahlen und auch Bargeld abheben – mittlerweile sogar auch schon an der Supermarktkasse.

19:57 Uhr München

Die Pfannkuchen waren ein voller Erfolg, die Kinder fallen glücklich ins Bett, Diana und Kai bringen noch die Wohnung auf Vordermann. Am nächsten Tag soll Diana die Kinder am Morgen in Kindergarten und Schule bringen. Dabei müssen für einen Ausflug 15 Euro bar bezahlt werden. Kais Portemonnaie liegt immer noch im Büro, Diana bricht also noch einmal zum Geldautomaten auf und hebt Bargeld ab. Der Automat spuckt als kleinsten Schein 100 Euro aus. Na, hoffentlich kann die Lehrerin den am nächsten Tag wechseln…

Bargeldbezug am Geldautomaten

Immerhin gibt es in Deutschland ein riesiges Netz an Geldautomaten zur Bargeldversorgung

Der 500 EUR-Schein wird abgeschafft

Die Diskussion, Bargeld komplett abzuschaffen, nimmt immer wieder Fahrt auf. Ende 2018 ist zumindest schon mal der 500 EUR-Schein Geschichte. Das hat die EZB entschieden, um damit die Aktivitäten von Geldwäschern und Terroristen zu erschweren.

21:27 Uhr Kopenhagen

Puh, Schluss mit Lernen für heute. Stella verabredet sich spontan per Messenger mit Freunden zum Besuch des Lieblings-Clubs. Die Gesamtrechnung am Ende des Abends begleicht ein Freund per Kreditkarte, die anderen steuern ihren Anteil mit wenigen Handgriffen per Mobile By bei – einer peer-to-peer Bezahl-App der Danske Bank.

Bezahlen mit Kreditkarte in Kopenhagen

In fast allen Kopenhagener Bars und Restaurants kann problemlos mit Kreditkarte bezahlt werden.

Lösung in Sicht?

Im Gegensatz zu Ländern wie Dänemark gibt es in Deutschland derzeit noch keine Peer-to-Peer Bezahl-App, die den direkten Austausch von Geldern in Echtzeit unterstützen kann. Vielleicht wird eine solche Funktion durch die bankenübergreifende online-Bezahlart paydirekt irgendwann in Deutschland eingeführt werden.

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Über den Autor

Dr. Hansjörg Leichsenring

Dr. Hansjörg Leichsenring befasst sich seit über 30 Jahren beruflich mit Banken und Finanzdienstleistern. Nach Banklehre und Studium arbeitete er in verschiedenen Positionen, u.a. als Direktor bei der Deutschen Bank, als Vorstand einer Sparkasse und als Geschäftsführer eines Online Brokers.Aktuell bietet er Banken und Finanzdienstleistern Dienstleistungen im Bereich (Interims)Management und Beratung/Consulting an und vertritt die Firma Meniga, einen innovativen Anbieter von White-Label-Lösungen für Persönliches Finanz Management (PFM) im deutschsprachigen Teil Europas.Darüber hinaus hält er Vorträge bei internen und externen Veranstaltungen im In- und Ausland.

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