Krisen müssen geprobt werden!

Viele Unternehmen überschätzen ihr Krisenmanagement

Krisen lassen sich nicht immer vermeiden. Entscheidend für eine erfolgreiche Bewältigung ist es, gut darauf vorbereitet zu sein. Davon sind zwar viele Unternehmen überzeugt, proben aber den Ernstfall zu selten.

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Krisen lassen sich nicht immer vermeiden. Kein Unternehmen und keine Branche sind gänzlich davor gefeit. Gründe für Krisen sind zahlreich, sei es der rasante Wandel der Geschäftswelt, Änderungen der geopolitischen Weltlage oder das Handeln einzelner Mitarbeiter.

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Das breit gefächerte Spektrum potenzieller Bedrohungen kann für Unternehmen sowohl finanzielle Folgen als auch negative Auswirkungen auf Reputation, Markenimage oder Mitarbeiterengagement haben.

Studie zum Krisenmanagement in Unternehmen

Die Unternehmensberatung Deloitte hat in einer Studie untersucht, wie es um das Krisenmanagement in Unternehmen bestellt ist. Dafür wurden weltweit 500 Entscheidungsträger aus den Bereichen Krisen- und Risikomanagement sowie Business Continuity befragt.

Demnach sehen sich 60 Prozent der Führungskräfte immer häufiger mit Krisen konfrontiert, die für die Wirtschaft im Allgemeinen oder ihr Unternehmen im Besonderen ernsthafte Folgen haben können. Dabei ist die Zuversicht der Unternehmen in Bezug auf ihr Krisenmanagement meist höher als es Praxiserfahrungen nahelegen.

Die Studie liefert insbesondere folgende fünf Erkenntnisse:

  1. Die Zuversicht ist größer als die Praxiserfahrung erlaubt.
  2. Das Lernen beginnt meist erst im Ernstfall.
  3. Die Unternehmensführung muss einbezogen werden.
  4. Drittparteien sind zugleich Teil des Risikos und Teil der Lösung.
  5. Die Reaktionsfähigkeit ist entscheidend.

1. Die Zuversicht ist größer als die Praxiserfahrung erlaubt

Ungeachtet der vielfältigen Bedrohungspotenziale sehen sich 90 Prozent der Studienteilnehmer gut aufgestellt und geben an, ein hohes Vertrauen in die eigenen Abwehrkräfte und das Krisenmanagement zu haben.

Allerdings haben lediglich 17 Prozent ihre Fähigkeiten schon einmal im Rahmen einer entsprechenden Simulation praktisch überprüft.

2. Das Lernen beginnt meist erst im Ernstfall

Das Wissen und die Fertigkeiten im Umgang mit Krisensituationen resultieren bei der großen Mehrheit aus vergangenen Vorfällen. 80 Prozent der Befragten hatten in den letzten zwei Jahren mindestens eine konkrete Krise zu bewältigen, wobei sich virtuelle und reale Ereignisse in etwa die Waage hielten.

Ein wirksames Krisenmanagement kann jedoch bereits lange vor einem Vorfall beginnen und sollte idealerweise das Durchspielen entsprechender Szenarien beinhalten, um so Krisen möglichst zu verhindern bzw. ihre Auswirkungen zu minimieren. Es hilft, über die akute Phase hinaus den gesamten „Lebenszyklus“ einer Krise zu beachten, um erste Anzeichen bereits im Vorfeld identifizieren zu können.

3. Die Unternehmensführung muss einbezogen werden

In einer konkreten Krisensituation zählt vor allem die Führungskultur. Das heißt, die aktive Einbindung der Geschäftsleitung ist maßgeblich, auch wenn gerade diese Ebene oft nur wenig Zeit für Prävention und Praxisübungen hat.

Schnelle und angemessene Entscheidungen sind ein wesentlicher Erfolgsfaktor für das Krisenmanagement, findet ein knappes Viertel der Studienteilnehmer. Die Aufgaben in einer Krise müssen entsprechend verteilt und Entscheidungsträger schnell verfügbar sein. 84 Prozent der befragten Unternehmen haben einen entsprechenden Krisenmanagementplan vorbereitet.

4. Drittparteien sind zugleich Teil des Risikos und Teil der Lösung.

Gerade in Zeiten der Digitalisierung und der damit zusammenhängenden Kollaboration rücken externe Parteien – Partner, Zulieferer oder auch Berater – zunehmend in den Fokus: Einerseits können sie das Sicherheitsrisiko erhöhen, andererseits aber auch wichtiger Bestandteil einer Abwehrstrategie sein.

Mit 59 Prozent bezieht deutlich mehr als die Hälfte der Befragten die jeweiligen Drittparteien in das eigene Krisenmanagement ein, entweder durch gemeinsame Initiativen oder durch gegenseitige Audits. Nicht zuletzt können aus Sicht der Studienteilnehmer auch die Kompetenzen externer Krisenspezialisten im Bedarfsfall sehr hilfreich sein.

5. Reaktionsfähigkeit ist entscheidend

Gutes Krisenmanagement ist entscheidend für die Bewältigung einer Krise. Dabei kommt es vor allem auf die Schnelligkeit und die Qualität der Reaktion an. Diese hängt sehr stark von der Vorbereitung und Erprobung des erarbeiteten Krisenmanagements ab. Wichtig ist, die eigenen theoretischen Widerstandskräfte für den Fall einer Krise nicht zu überschätzen. Letztlich komme es auf die Praxiserfahrung an. Daher ist eine Probe des Ernstfalls essentiell.

Der Lebenszyklus einer Krise und deren Management.

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Die Studie „Stronger, Fitter, Better – Crisis Management for the Resilient Enterprise“ hier direkt herunterladen.

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Über den Autor

Dr. Hansjörg Leichsenring

Dr. Hansjörg Leichsenring befasst sich seit über 30 Jahren beruflich mit Banken und Finanzdienstleistern. Nach Banklehre und Studium arbeitete er in verschiedenen Positionen, u.a. als Direktor bei der Deutschen Bank, als Vorstand einer Sparkasse und als Geschäftsführer eines Online Brokers. Als Experte für Digitalisierung, Innovation und Vertrieb hält er Vorträge bei internen und externen Veranstaltungen im In- und Ausland und bietet Banken und Finanzdienstleistern Dienstleistungen im Bereich (Interims)Management sowie Beratung/Consulting an.

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