Fünf Herausforderungen für Privatbanken im Jahr 2021

Mehr Qualität, Schnelligkeit, Flexibilität und Individualität

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Unsere Welt ist volatil, unsicher, komplex und ambivalent. Das hat Auswirkungen auf bewährte und neue Geschäftsmodelle im Private Banking und Asset Servicing. Die Ansprüche an Qualität und Schnelligkeit sowie an Flexibilität und Individualität werden sich weiter erhöhen.

Das Jahr 2021 im Banking steht unter Corona-Vorbehalt

Auch im Jahr 2021 werden Banken und Sparkassen vom Corona-Virus „begleitet“ werden.

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Noch vor rund einem Jahr hätte sicherlich niemand daran geglaubt, dass wir in 2020 meist aus dem Homeoffice heraus agieren. Gerade Banken, die für ihre im Vergleich zu modernen Online-Shops antiquierte Infrastruktur bekannt sind, war das sicherlich eine Herausforderung. Aber wir alle haben gesehen: Es geht, und zwar sogar sehr gut.

Und das sich verändernde Arbeits- und Konsumverhalten, welches sich durch die Corona-Pandemie mehr denn je beschleunigt hat, wird uns auch über 2020 hinaus beschäftigen. Genauso wie die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie, sowohl aus Unternehmens- als auch aus Anlegersicht, beides auf der privaten und der institutionellen Seite.

5 Trends für Privatbanken im Jahr 2021

Die folgenden fünf Trends werden Privatbanken im Jahr 2021 nachhaltig prägen:

  1. Geschäftsmodelle hybrid denken,
  2. Stabilität durch reale Vermögenswerte,
  3. Blockchain als Game Changer,
  4. Nachhaltig wachsen,
  5. Innovation braucht physische Begegnung.

1. Geschäftsmodelle hybrid denken

Die digi­tale Transfor­mation der Finanzindustrie erfasst ebenso das Private Banking sowie das kundenzentrierte und smarte Wealth Mana­gement für vermö­gende und hochvermögende Privat­kunden. So hat sich laut einer Studie von Oliver Wyman bei führenden Wealth-Mana­gement-Anbietern die Nach­frage nach Online-Semi­naren nahezu vervierfacht und die Nachfrage nach digitalen Kundenmeetings nahezu verdreifacht. Das bedeutet, dass das bislang etablierte stationäre bzw. lokale Privatkundengeschäft alleine kein Garant mehr für Vertriebserfolge ist.

Modernes Private Banking muss für vermögende und hochvermögende Kunden daher hybrid sein. Das bedeutet, die Produkte müssen digital und lokal vor Ort verfüg- und nutzbar sein. Das gilt zum einen für die Vermögensverwaltung und zum anderen für weitere ganzheitliche und generationenübergreifende Vermögenslösungen, wie etwa die Anlage- und Stiftungsberatung oder die Nachfolgeplanung für Privatkunden. Es reicht jedoch nicht einen Geschäftsbereich alleine hybrid zu denken. Für Banken halte ich es weiterhin für wichtig, ein diversifiziertes Geschäftsmodell zu haben, das Stabilität und Handlungsspielräume sichert.

2. Stabilität durch reale Vermögenswerte

Ein weiterer Makrotrend ist das Niedrigzinsumfeld, wodurch der Run auf Sachwerte bzw. Real Assets anhält. Die Handelshochschule Leipzig (HHL) hat die Rolle realer Vermögenswerte als Beimischung zu verschiedenen Portfolios wissenschaftlich analysiert und festgestellt, dass erstere eine stabilisierende sowie performancesteigernde Wirkung entfalten können. Die Beimischung von Private Equity, Immobilien, Infrastruktur und Gold kann laut HHL-Studie das Risiko- und Renditeprofil eines Portfolios also verbessern.

Diese wissenschaftliche Erkenntnis wird die strategische Asset Allokation vieler Marktteilnehmer im Jahr 2021 nachhaltig prägen, wobei schon jetzt die Nachfrage nach Real Assets sehr hoch ist. Bei institutionellen Investoren wie Pensionskassen und Versicherungen ist derzeit aufgrund von Niedrigzinsen im liquiden Bereich eine hohe Investitionsbereitschaft in reale Vermögenswerte vorhanden. Jedoch mangelt es an genügend Angeboten. Asset Manager, die auf reale Vermögenswerte spezialisiert sind, werden nach neuen Investitionschancen Ausschau halten müssen, um diese Nachfrage zu bedienen. Kurzum: Der Real-Asset-Markt wird 2021 weiter stark wachsen.

3. Blockchain als Game Changer

Eine weitere Innovation, die das Bankgeschäft grundlegend verändern wird, ist Blockchain. Es handelt sich dabei um eine verschlüsselte Datenbank, in der alle Informationen zu einer Transaktion zwischen mehreren Parteien auf deren Computer dezentral gespeichert werden. Ferner werden alle Datensätze ständig miteinander abgeglichen. Dadurch lassen sich einzelne Informationsblöcke nicht unbemerkt verändern. Die Technologie birgt somit weitreichende Chancen für bankinterne Prozesse und Kernbankensysteme sowie für digitale Produkte, hybride Services und vernetzte Lösungen insbesondere im Bereich des Open Banking.

Auch komplette Wertschöpfungsketten im Asset Management und Asset Servicing lassen sich für digitale Assets, wie etwa Krypto-Währungen, selbst in Fondstrukturen, gut darstellen. Hauck & Aufhäuser war hier ein First Mover und hat nach der Gründung einer neuen Krypto-Kapitalverwaltungsgesellschaft einen eigenen Fonds, den HAIC Digital Asset Fund I, aufgelegt und ist als Unternehmen selbst investiert. Der Spezial AIF setzt auf ein diversifiziertes Portfolio mit führenden Kryptowerten, darunter Bitcoin, Ether und Stellar und deckt damit mehr als 90 Prozent des Gesamtmarktes an Kryptowerten ab. Das Potenzial sehen dabei nicht nur wir. Auch andere Anbieter sind dabei, Pilotprojekte im Bereich der Verwahrung und des Managements von digitalen Assets aufzusetzen.

4. Nachhaltig wachsen

Ein weiterer Trend ist ESG. Das mittlerweile bekannte Akronym steht für Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung. Wichtig dabei ist es, den Kunden nicht nur ESG-konforme Produkte zu offerieren. Vielmehr geht es auch darum, das Unternehmen als Ganzes den ESG-Kriterien zu unterwerfen und damit glaubwürdig zu sein. Nur wenn jedes Unternehmen für sich selbst ESG-Kriterien anlegt und umsetzt, wird insgesamt in Deutschland eine Veränderung stattfinden.

Es reicht also nicht, darüber zu reden und andere zu animieren, ESG ernst zu nehmen. Man muss schon selbst den ersten Schritt tun. Das beginnt im Kleinen, zum Beispiel mit E-Bikes für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, womit wir beim für mich sehr wichtigen nächsten Punkt wären: Human Ressource und Talent Management. Hauck & Aufhäuser bildet Führungskräfte und Mitarbeiter regelmäßig gezielt weiter – unter Berücksichtigung der Anforderungen an das Banking von Morgen. All das führt zu einer Bündelung von Wissen und spezifischem Knowhow unterschiedlicher Fachexperten in einer Bank.

5. Innovation braucht physische Begegnung

Das ist, zugegeben, eine nicht immer einfache Aufgabe. Denn unsere Welt ist volatil, unsicher, komplex und ambivalent geworden. VUKA ist das Akronym hierfür, die Corona-Krise und deren Bewältigung sind ein Beispiel. Da sich auch Kundenbedürfnisse und Märkte schneller als je zuvor verändern, wird insbesondere das Organisationsdesign zu einer Schlüsselfrage, die da lautet: Passt unser aktuelles Design noch zum Markt, den man bedienen will?

Beantworten kann die Unternehmensführung diese Frage nur, wenn Unternehmen und Mitarbeiter bereit sind, alle Prozesse aus Kundensicht zu denken und mit dem permanenten Wandel in vernetzten Strukturen umgehen können. Das setzt Mut zum Ausprobieren, Teamfähigkeit und die Bereitschaft eigenverantwortlich zu handeln voraus. In der VUKA-Welt bietet das Home Office in Krisenzeiten wie diesen eine sinnvolle Option zur Absicherung der Geschäftsfähigkeit von Unternehmen.

Jedoch braucht Innovation auch physische Begegnung sowie non-digitale und direkte Kommunikation. Denn nur so lassen sich Qualität, Schnelligkeit sowie Flexibilität und Individualität dauerhaft gewährleisten. Dies ist sicherlich eine der Schlussfolgerungen aus dem Homeoffice Jahr 2020.


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Über den Autor

Michael Bentlage

Michael Bentlage ist Vorsitzender des Vorstands der Hauck & Aufhäuser Privatbankiers AG. Zuvor war der diplomierte Wirtschaftsmathematiker u.a. bei Trinkaus Capital Management, Allianz KAG, der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank sowie in der Geschäftsführung von Activest Investment und BayernInvest tätig.

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