Firmenkundengeschäft der Banken steht weiter unter Druck

Intensiver Wettbewerb mindert Wachstum und Erträge

Zunehmender Wettbewerb und nicht ausgeschöpfte Potentiale kennzeichnen das Firmenkundengeschäft der deutschen Banken. Trotz steigender Kreditnachfrage nehmen Erträge und Profitabilität weiter ab.

Trends, Studien und Research zum Firmenkundengeschäft, Corporate und Investment Banking

Studien und Research zu Trends und Entwicklungen im Firmenkundenbereich der Banken, inklusive Corporate und Investment Banking.

Abonnieren Sie den kostenlosen Bank Blog Newsletter

Die deutsche Wirtschaft hatte in den vergangenen Jahren beständiges Wachstum zu verzeichnen. Nach einer Analyse der Unternehmensberatung Bain & Company sind die Erträge und Gewinne der Banken im Firmenkundengeschäft dennoch  immer weiter zurückgegangen.

Partner des Bank Blogs

Hootsuiteist Partner des Bank Blogs

Die anhaltenden Niedrigzinsen und zusätzliche Kosten für Regulierung und Digitalisierung belasten das Kreditgeschäft. Doch ein guter Teil der Ertrags- und Gewinnschwäche sei hausgemacht, so die Analyse.

Durch die nachlassende Konjunktur in Deutschland steige zudem die Notwendigkeit, Vorsorge für ausfallgefährdete Kredite zu treffen. Das wiederum wird die Rentabilität des Corporate-Bankings weiter schmälern.

Immer mehr Kredite mit immer geringerer Marge

Besonders deutlich zeigt sich diese Entwicklung im Kreditgeschäft mit Firmenkunden. Seit nunmehr fünf Jahren steigt das Kreditvolumen und erreichte im ersten Halbjahr 2018 mit 1,12 Billionen Euro einen neuen Höchststand. Trotz wachsender Kreditvolumina sind Zinsüberschuss und Kreditmarge jedoch branchenweit rückläufig. Die Kreditmarge fiel im ersten Halbjahr 2018 mit 1,2 Prozent auf einen historischen Tiefststand.

Während Sparkassen und private Kreditbanken im vergangenen Jahr leicht zulegen konnten, ist der Marktanteil der Genossenschaftsbanken geringfügig zurückgegangen. Über alle Institutsgruppen hinweg erweisen sich Kredite an Mittelständler mit einem Umsatz von jährlich 25 bis 250 Millionen Euro als entscheidender Treiber.

Schwache Profitabilität des Firmenkundengeschäfts

Der Analyse zufolge sind die Erträge im ersten Halbjahr 2018 noch einmal gesunken und liegen unter dem Wert des Finanzkrisenjahrs 2009. Der Profitabilitätsindex verharrt auf einem sehr niedrigen Niveau. Die Eigenkapitalrentabilität vor Steuern konnte im ersten Halbjahr 2018 mit 11 Prozent oberhalb der Eigenkapitalkosten stabilisiert werden.

Entwicklung Erträge und Gewinne im Firmenkundengeschäft seit 2007

Erträge und Profitabilität im deutschen Firmenkundengeschäft nehmen weiter ab.

Stabilisierung der Kosten

Auf der Kostenseite gab es dagegen Fortschritte. Im ersten Halbjahr 2018 wurde die Zunahme des Verwaltungsaufwands gestoppt, in der Folge stabilisierte sich die Cost-Income-Ratio. Hier zeigten die laufenden Restrukturierungsprogramme sichtbare Erfolge. Die Einsparungen ermöglichen eine Kompensation der steigenden Aufwendungen für Zukunftsprojekte insbesondere im Zuge der Digitalisierung.

Entwicklung der Cost Income Ratio im Firmenkundengeschäft

Seit vielen Jahren steigende Cost Income Ratio im Firmenkundengeschäft der Banken.

Auch die Kosten für die Kreditrisikovorsorge bewegen sich nach einem Anstieg im zweiten Halbjahr 2017 wieder unterhalb der langjährigen Durchschnittswerte.

Verbesserungspotenzial wird nicht ausgeschöpft

„Vorhandene Potenziale werden – insbesondere im Cross-Selling nicht vollumfassend genutzt.“ – Dr. Christian Graf, Bain & Company

Manche Institute würden die Bedürfnisse ihrer Kernkunden nach Ansicht der Studienautoren noch immer nicht richtig kennen. Das beträfe vor allem das Provisionsgeschäft. Dort schwächt in jüngster Zeit zudem die verhaltene Nachfrage nach Kapitalmarkt- und Absicherungsprodukten die Erträge.

Eine andere von Bain vor kurzem veröffentlichte Studie hat Möglichkeiten aufgezeigt, wie Banken trotz schwieriger Rahmenbedingungen ihr Firmenkundengeschäft krisenfest aufstellen können. Zu den wichtigsten Stellhebeln zählen demnach

  • ein strafferes Produktportfolio,
  • die Digitalisierung sämtlicher Standardprozesse sowie
  • ein systematisch gesteuerter Vertrieb.

Noch liegt in diesen Themen erhebliches Verbesserungspotenzial. Banken, die ihre Möglichkeiten hier ausschöpfen, könnten demzufolge durchaus ambitionierte Wachstumsziele erreichen. Sie müssten ihre Strategie im Firmenkundengeschäft allerdings mittel- und langfristig ausrichten. Kurzfristig einfach an der Preisschraube zu drehen genüge nicht.

Bitte bewerten Sie den Artikel mit Hilfe der Sternchen

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne Bewertung: 4,88 Stern(e) - 8 Bewertung(en)

Vielen Dank fürs Teilen und Weiterempfehlen


Mit dem kostenlosen Bank Blog Newsletter immer informiert bleiben:

Über den Autor

Dr. Hansjörg Leichsenring

Dr. Hansjörg Leichsenring ist Herausgeber des Bank Blogs und der Finanzbranche seit über 30 Jahren beruflich verbunden. Nach Banklehre und Studium arbeitete er in verschiedenen Positionen, u.a. als Direktor bei der Deutschen Bank, als Vorstand einer Sparkasse und als Geschäftsführer eines Online Brokers. Als Experte für Strategien in den Bereichen Digitalisierung, Innovation und Vertrieb ist er gefragter Referent und Moderator bei internen und externen Veranstaltungen im In- und Ausland.

Anzeige

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wir freuen uns, dass Sie den Bank Blog schätzen. Die hohe Qualität der Beiträge weiterhin sicherzustellen, ist uns ein wichtiges Anliegen. Qualität kostet jedoch Geld und kann nicht nur über Werbung finanziert werden. Sie können uns unterstützen, indem Sie ein Premium Abonnement des Bank Blogs abschließen. Damit sind zahlreiche Vorteile für Sie verbunden, u.a. freier Zugang zu allen kostenpflichtigen Inhalten, Werbefreiheit und schnellere Ladezeiten. Und Sie tragen dazu bei, dass wir den hohen Anspruch an unsere Arbeit auch in Zukunft halten können. Vielen Dank!

Der Bank Blog Premium

Noch kein Premium-Leser?

>>> Hier klicken <<<

Der Bank Blog Premium

Noch kein Premium-Leser?

>>> Hier klicken <<<

Bank Blog Newsletter abonnieren

Bank Blog Newsletter abonnieren