Facebooks neue Kryptowährung Libra auf dem Prüfstand

Lesenswertes über Banking KW 25-2019

Kaum ein Thema bewegte die internationale Finanzszene in der dieser Woche so stark wie Facebooks Ankündigung, eine eigene neue Kryptowährung auf den Markt zu bringen. Doch wie revolutionär oder gar disruptiv ist Libra wirklich?

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Im heutigen Wochenrückblick auf interessante Beiträge aus der internationalen Welt des Bankings steht Facebooks neue Kryptowährung Libra. Der Bank Blog berichtete hierzulande bereits im Mai als einer der ersten über das Ziel, Anfang 2020 ein eigenes digitales Zahlungssystem in 12 Ländern einführen zu wollen. Wie an dieser Stelle dann vergangene Woche berichtet, wurden mit Ebay, Visa, Mastercard, Paypal, Spotify und Uber namhafte Gründungsmitglieder für das geplante Stablecoin-Ökosystems gewonnen werden. Die mit diesen Namen verbundene Aufmerksamkeit führte dann zum kurzfristigen Hype um das Thema.

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Die Blockchain-Technik könnte mit Libra Mainstream werden. Klar, dass einige schon wieder von der Disruption des Bankings und vom Ende der etablierten Finanzinstitute sprechen.

Läutet Libra das Ende des traditionellen Bankings ein?

In seiner Vorstellung schreibt Facebook ambitioniert: „Die Mission von Libra ist es, eine einfache globale Währung und finanzielle Infrastruktur für Milliarden von Menschen zu schaffen.“ Gemeint sind damit allerdings vor allem Menschen ohne eigenes Bankkonto. Ein Problem in vielen Ländern, allerdings nicht im deutschsprachigen Raum.

Die Betreibergesellschaft Libra Association ist in der Schweiz zu Hause und soll – kaum zu glauben – eine unabhängige non-profit Organisation sein. Libra soll mit einer eigenen Libra-Blockchain funktionieren, die als Open Soruce angelegt sein soll. Gegenüber Bitcoin & Co. soll Libra geringere Kursschwankungen aufweisen und sich so als alltägliches Zahlungsinstrument nutzen lassen. Erreicht werden soll das durch eine Kopplung an einen Korb aus staatlichen Währungen, wie Dollar, Euro oder Yen. Die Zahlungen sollen über die Messengerdienste des Unternehmens (WhatsApp, Facebook Messenger und Instagram) angeboten werden.

Das Konzept von Libra wird in einem offiziellen Whitepaper ausführlich vorgestellt.

Mehr dazu hier: Zum Libra Whitepaper

Die 11 interessantesten Erkenntnisse zu Libra

Chris Skinner hat sich die Frage gestellt, ob Libra ein Game-Changer ist und was es insbesondere für Banken bedeutet.

Mehr dazu hier: So, Facebook launched a currency …

10 Erkenntnisse rund um Libra

Wird die Blockchain-Economy nun durch die Facebook-Economy ersetzt? Zehn Erkenntnisse aus Libra liefern vorläufige Antworten.

Mehr dazu hier: 10 Takeaways from the Facebook Libra announcement

Was müssen Banken mehr fürchten: Libra oder Calibra?

Parallel zu Libra will Facebook auch eine Digitale Wallet einführen. Calibra soll eine in die Facebook-Welt integrierte digitale Brieftasche werden. Während Libra den Charakter einer Währung hat, könnte Calibra ein von Banken unabhängiges Bezahlsystem werden. Dahinter steckt das Potenzial für Facebook, immense Mengen an neuen Daten und einen Vorteil gegenüber anderen Konkurrenten, einschließlich traditioneller Banken, zu erhalten, erst recht, wenn diese Daten mit anderen Facebook-Daten kombiniert werden.

Mehr dazu hier: Facebook’s Libra Cryptocurrency Is Not Banking’s Biggest Threat

Drei zentrale Fragen zu Libra

Das Ziel von Facebook, Libra als Kryptowährung und nicht nur als neues Zahlungssystem einzuführen, birgt eine Reihe äußerst komplexer Herausforderungen. Die drei wichtigsten, die Facebook angehen muss, sind die zur Regulierung, zu Datenschutz und Vertrauen sowie zur zukünftigen Positionierung von Facebook.

Mehr dazu hier: Facebook’s Libra Needs To Answer Three Questions

Fazit: Noch sind viele Fragen offen

Noch sind viele Details offen. Erinnert sei daran, dass Libra nicht der erste Versuch von Facebook ist, eine eigene Währung einzuführen. Das 2010 gestartete Experiment mit Facebook Credits war nicht wirklich erfolgreich und wurde 2012 wieder eingestellt. Ob das mit Libra anders wird, bleibt abzuwarten. Die Einbindung starker Partner lässt dies jedoch vermuten.

Während Apple und Google sich (bisher) dafür entschieden haben, Partnerschaften mit Banken einzugehen, verdeutlichen Libra und Calibra Facebooks Ambitionen über den Zahlungsverkehrsbereich als Wettbewerber in angestammten Domänen von Finanzdienstleistern vorzustoßen. Die Kombination aus Libra und Calibra ermöglicht es dem sozialen Netzwerk, auf einfachem Weg auch Kredite, Geldtransfers und E-Commerce bereitzustellen.

Das verdeutlicht den Regulierungsbedarf in den Bereichen Blockchain und Kryptowährungen zum Schutz der Finanzstabilität und der Kunden. Erste Reaktionen der Finanzaufsicht machen dies deutlich. Banken jedenfalls sind gut beraten, sich mit eigenen Lösungen – am besten im Verbund mit anderen Instituten – zu positionieren.

Entscheidend für den Erfolg einer jedweden Währung ist letztlich das ihr geschenkte Vertrauen. Hier hat Facebook sicherlich noch am meisten zu tun.

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Weitere interessante Themen der Finanzwoche

Es gab aber durchaus noch weitere interessante Beiträge, die sich lohnen, gelesen zu werden:

Bank von England warnt vor Cyberattacken

Die  Bank of England (BoE) warnt Banken vor den Gefahren eines staatlich finanzierten Cyberangriffs, der ihre Aufzeichnungen über Monate hinweg verfälschen könnte.

Mehr dazu hier: BoE issues cyber attack warning

Nordeuropäische Banken setzen auf RPA

Zwei der größten nordischen Banken, die Nordea und die Danske Bank, gehen davon aus, dass sie die Zahl ihrer Mitarbeiter in den Abteilungen Compliance und Finanzkriminalität erheblich reduzieren und stattdessen auf Robotik und künstliche Intelligenz zurückgreifen werden.

Mehr dazu hier: Nordic banks to cut compliance staff in favour of robots

Zur Zukunft von Gesichtserkennung

Die Gesichtserkennungstechnologie wurde Mitte der sechziger Jahre entwickelt und erstmals in den siebziger Jahren kommerziell eingeführt. Seitdem hat sie enorme Fortschritte gemacht. Aktuell wird sie als wichtiges Feature insbesondere bei der mobilen Authentifizierung angesehen. Angesichts der deutlich verbesserten Leistung und Benutzerfreundlichkeit ist es jedoch wichtig zu verstehen, was Gesichtserkennung kann und was nicht.

Mehr dazu hier: Convenience vs Security: The future of facial recognition

Berichte aus Banken und FinTechs

Auch in der vergangenen Woche gab es einige Berichte über Aktivitäten in der Finanzbranche sowie einzelner Institute, die ich Ihnen nicht vorenthalten möchte.

Kontoeröffnung per Selfie

Kunden der britischen Bank NatWest können jetzt innerhalb weniger Minuten auf ihrem Handy ein Girokonto eröffnen, indem sie einfach ein Selfie machen.

Mehr dazu hier: NatWest introduces selfie-powered current account opening

Lloyds erweitert mobile App um Drittbanken

Kunden von Lloyds, Halifax und Bank of Scotland können ihre Spar- und Kreditkartenkonten anderer Anbieter in der Lloyds-App sehen.

Mehr dazu hier: Lloyds app now lets customers see savings and credit card accounts from other banks

Zurück zum Geldstandard?

Glint Pay, ein in London ansässiges Unternehmen, das mit physischem Gold sofortige Zahlungen mit einer Debit-Mastercard ermöglicht, hat eine private Finanzierung in Höhe von 5 Mio. GBP erhalten. Damit soll die Expansion in den USA vorangetrieben werden.

Mehr dazu hier: Gold payments firm Glint Pay receives £5m funding

Und noch eine neue Bank für Teens

Dave, ein FinTech-Start-up aus Los Angeles, bietet ein Digital-only-Konto, das jungen Menschen helfen soll, den Überblick über die eigenen Finanzen zu behalten.

Mehr dazu hier: Dave Banking launches checking account

Ripple investiert in Old-School-Payment

Das Blockchain-Startup Ripple will im Rahmen einer zweijährigen Partnerschaft bis zu 50 Millionen US-Dollar in MoneyGram investieren. Ziel ist die gemeinsame Nutzung von Ripples XRP-Digitalwährung für grenzüberschreitende Zahlungen und die Abwicklung von Devisen.

Mehr dazu hier: Ripple buys stake in MoneyGram

Digitale Plattform für Baufinanzierungen

Der US-Ableger von HSBC hat das Startup Roostify beauftragt, eine Plattform für digitale Wohnungsbaukredite aufzubauen, die die Kombination der neuesten Technologie mit einem „human-centric“ -Ansatz verspricht.

Mehr dazu hier: HSBC Bank USA partners Roostify for digital mortgage platform

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Über den Autor

Dr. Hansjörg Leichsenring

Dr. Hansjörg Leichsenring ist Herausgeber des Bank Blogs und der Finanzbranche seit über 30 Jahren beruflich verbunden. Nach Banklehre und Studium arbeitete er in verschiedenen Positionen, u.a. als Direktor bei der Deutschen Bank, als Vorstand einer Sparkasse und als Geschäftsführer eines Online Brokers. Als Experte für Strategien in den Bereichen Digitalisierung, Innovation und Vertrieb ist er gefragter Referent und Moderator bei internen und externen Veranstaltungen im In- und Ausland.

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