ESG-gebundene Kredite für Unternehmen boomen

Banken profitieren vom Thema Nachhaltigkeit

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Das Thema Nachhaltigkeit etabliert sich in Wirtschaft und Gesellschaft. Wie eine Studie zeigt, profitiert davon auch die Bankbranche. So steigt das globale ESG-Emissionsvolumen rasant. Für den Aufbau von ESG-Kompetenz sind drei Faktoren erfolgskritisch.

Trends, Studien und Research zum Firmenkundengeschäft, Corporate und Investment Banking

Studien und Research zu Trends und Entwicklungen im Firmenkundenbereich der Banken, inklusive Corporate und Investment Banking.

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Das Thema Nachhaltigkeit ist in der Finanz- und Bankenbranche angekommen. Sogenannte ESG-Produkte, bezogen auf die Aspekte Environmental, Social und Governance, bestimmen zunehmend die Finanzwelt. Zunächst war der Fortschritt im Asset-Management bemerkbar, dann auch im Corporate-Banking. Es zeigt sich, dass Firmenkunden immer mehr auf Kredite und Anleihen setzen, deren Konditionen auch vom Erreichen bestimmter ökologischer, sozialer oder ethischer Ziele abhängen.

Der Anstieg ESG-gebundener Kredite für Unternehmen in den letzten Jahren ist enorm – innerhalb von zwei Jahren hat sich das Volumen in Europa vervierfacht. Der globale Anstieg war noch höher. Das zeigt eine neue Studie der internationalen Unternehmensberatung Bain & Company.

Nachhaltige Kredite nehmen zu

Die Entwicklung von ESG-gebundenen Krediten in Europa im Zeitraum von 2015 bis 2019 zeigt ein starkes Wachstum. Während sie 2017 noch rund 27 Milliarden Euro ausmachten, waren es zwei Jahre später bereits über 100 Milliarden Euro – allein in Europa. Das globale ESG-bezogene Emissionsvolumen summierte sich auf 268 Milliarden Euro. Das entspricht zwar erst einem Prozent aller Unternehmensanleihen, zeigt aber das große Wachstumspotenzial.

Entwicklung Volumen ESG-gebundener Kredite in Europa (2015-2019)

Die Entwicklung von ESG-gebundenen Krediten in Europa.

Entwicklung hängt mit Kundenansprüchen zusammen

Den Entwicklungen zufolge sei es nur eine Frage der Zeit bis sich nachhaltige Finanzierungen im Alltag etablieren. Dies sei weiterhin verbunden mit den sich verändernden Kundenansprüchen. Von den Kreditinstituten werden folglich auch entsprechende Finanzierungslösungen erwartet.

Auf diese Weise würden Banken die Chance der Neupositionierung bekommen und somit auch die Chance, neue Kunden und Marktanteile zu gewinnen. Banken sollten sich daran anpassen und das Thema Nachhaltigkeit in ihren Strategien verankern.

Geringeres Ausfallrisiko, besseres Image

Bevor die Bankenbranche von nachhaltigen Finanzierungen profitiert, stellen sich allerdings neue Herausforderungen durch ESG-Kredite. Grund dafür ist der Mehraufwand, der durch die zusätzliche Prüfung der Kundenangaben im Hinblick auf Nachhaltigkeit entsteht. Die Studie zeigt jedoch: Der Aufwand lohnt sich. Das zeige ein Vergleich der Risikokosten der 25 größten europäischen Banken mit denen der europäischen Mitglieder der Global Alliance for Banking on Values, einem Netzwerk von weltweit mittlerweile mehr als 60 auf Nachhaltigkeit spezialisierten Instituten. So lagen die Risikokosten der angeschlossenen europäischen Banken über die vergangenen fünf Jahre um ein Drittel unter denen der Top 25.

Finanzielle Erfolge werden durch Nachhaltigkeit verbucht, indem der Energieverbrauch und Abfallmengen gesenkt werden und die eigene Marke durch ESG-Initiativen gestärkt wird. Dies ist vor allem bei führenden Banken angekommen – dort fließe das Thema Nachhaltigkeit bereits seit einigen Jahren in den Kreditrisikoprüfungsprozess hinein. Zusätzlich würden so potentielle Imageschäden verhindert, die durch die Finanzierung nicht ESG-konformer Assets entstehen könnten.

Noch kein einheitlicher Standard für Unternehmen

Eine weitere Hürde ist die Vielzahl unterschiedlicher Reportingrichtlinien, die durch den Druck aus Politik und Öffentlichkeit entstanden sind. Demnach gibt es bisher keinen einheitlichen Standard im Hinblick auf ESG-Konformität für Unternehmen. Die Bandbreite reicht beispielweise vom Ausschluss kontroverser Branchen bis hin zum sogenannten Impact Investing für Banken oder Investoren.

Für die Bankenbranche stellt sich die Frage, was unternommen werden kann, damit Greenwashing-Vorwürfe vermieden werden können, da es bislang keine einheitliche Strategie für die Messbarkeit einer ESG-Strategie gibt. Aus den Studienergebnissen kann geschlossen werden, dass die frühzeitige Verankerung messbarer Ziele in der Strategie und darauf ausgelegte Reportingprozesse sinnvoll sind.

Drei erfolgskritische Faktoren für ESG-Kompetenz

Banken sollten sich demnach zügig intensiv mit nachhaltigen Finanzierungen befassen und mit entsprechenden Kompetenzen punkten, um sich die attraktivsten Kunden aussuchen zu können. Da Banken weltweit aufgefordert werden, ihre ESG-Kompetenz auf- beziehungsweise auszubauen und dabei vor allem das Kreditgeschäft in diese Richtung zu entwickeln, müssen folgende drei Faktoren für den Erfolg beachtet werden:

  1. Passende Produkte,
  2. Kundenspezifische Beratung sowie
  3. Ansprechende Kundenerlebnisse.

1.     Passende Produkte

Nachhaltige Kredite müssen die ESG-Bedingungen erfüllen. Dabei sind eindeutige Ziele und passende Kennzahlen unverzichtbar, damit der Fortschritt beispielweise bei der Reduzierung von CO2-Emissionen messbar wird. Zudem sind einfache Monitoring- und Reportprozesse notwendig.

2. Kundenspezifische Beratung

Die Etablierung von Nachhaltigkeitsinitiativen in Finanzierungen bedarf bei vielen Unternehmen noch der Unterstützung. Gerade bei größeren Firmenkunden ist eine fachkundige, spezifische Beratung eines ESG-Spezialisten hilfreich, wohingegen bei kleineren Kunden auf digitale Lösungen zurückgegriffen werden kann.

3. Ansprechende Kundenerlebnisse

Beim Thema Nachhaltigkeit ist die Umsetzung von ESG-Finanzierungen nur ein Teil des Ganzen. Je früher die Umstellung im Unternehmen beginnt, desto eher können solche Kredite ins Gesamtkonzept der Banken etabliert werden und sich als strategischer Partner beweisen.

ESG bietet Chancen im Wettbewerb

Klar ist: Je fitter Banken beim Thema ESG-Trends werden, desto größer seien ihre Chancen auf einen dauerhaften Wettbewerbsvorsprung in einem wachstumsstarken und profitablen Geschäftsfeld. Es entstünde eine klassische Win-win-Situation. Mehr ESG-Finanzierungen würden zugleich mehr ökologischen, sozialen und ethischen Fortschritt in unserer Gesellschaft bedeuten.

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Über den Autor

Sophie Conrad

Sophie Conrad ist freie Mitarbeiterin des Bank Blogs. Als Studentin der Medienwissenschaft und Politik, Wirtschaft, Gesellschaft war sie bei dem Westdeutschen Rundfunk in Dortmund tätig und schreibt nun als freiberufliche Autorin, unter anderem für die Dortmunder und Castroper Ruhr Nachrichten.

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