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Dürfen Bank Kundendaten verkaufen?

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Neue Ertragsquelle oder Teufelswerk

Nutzung und Verkauf von Kundendaten durch Banken und Sparkassen

Kundendaten

Sind die Nutzung und der Verkauf von Kundendaten durch Banken und Sparkassen eine attraktive neue Ertragsquelle oder ethisch-moralisch oder gar juristisch bedenklich?

Barclays Bank will aus Daten Geld machen

Neulich hatten mein Bloggerkollege Boris Janek und ich einen kleinen Disput auf Twitter. Es ging um die Ankündigung von Barclays, Kundendaten anonymisiert zu verkaufen.

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Ende Juni hatte die Bank ihren Kunden mitgeteilt, dass sie zukünftig Daten über Kontotransaktionen anonymisiert mit den Daten anderer Kunden auszuwerten werde, um daraus umfassende Informationen über das Ausgabenverhalten von Konsumenten in Großbritannien zu erhalten und diese an andere Unternehmen zu verkaufen.

Boris Janek hat die Meldung in einem Tweet aufgegriffen, auf den ich dann geantwortet habe, worauf er in seiner Antwort diese Aktion mit verbrecherischen Aktivitäten gleichsetzte.

Hier unser kurzer Dialog:

Neue Ertragsquelle oder Verbrechen?

Der Verkauf von Kundendaten (anonymisiert oder nicht) ist in anderen Branchen (z.B. Telefongesellschaften) längst eine übliche und attraktive Ertragsquelle. Vor kurzem ging durch die Presse, dass nach dem Willen der Politik selbst Einwohnermeldeämter Daten (und zwar nicht anonymisiert und ohne Zustimmung) zu Geld machen sollten.

Im Kern des Disputes zwischen Janik und mir gilt es zu beurteilen, ob eine solche Nutzung von Kundendaten durch Banken, wenn schon nicht im juristischen, so doch zumindest im moralisch-ethischen Sinne verwerflich oder einwandfrei ist.

Ich stehe da auf einem sehr eindeutigen Standpunkt: Die Nutzung und der Verkauf von Daten, die aus Kundentransaktionen gewonnen werden, ist nicht nur eine interessante und hochattraktive Möglichkeit für Banken und Sparkassen, zusätzliche Ertragsquellen zu erschließen, sondern kann darüber hinaus den Kunden sogar Vorteile bringen, wenn eine Koppelung, z.B. mit händlerfinanzierten mobilen Rabatt-oder Sonderangeboten erfolgt. Beispiele hierfür habe ich hier ja schon vorgestellt, z.B. in Form der Social Media Kreditkarte oder der Möglichkeit des Transaktionsmarketings.

Kritische Diskussion um Datenschutz

Nun soll dies kein Persilschein für die Banken sein. Natürlich gibt es einige Voraussetzungen, die zu beachten sind. Derzeit kocht die Diskussion um Datenschutz und Datensicherheit im Zuge von NSA hierzulande ja ziemlich hoch, wobei die bevorstehende Bundestagswahl eher zur Polemisierung als zur Versachlichung beiträgt.

Aber damit will ich die ernstzunehmenden Bedenken von Verbrauchern nicht einfach vom Tisch wischen. In einer weltweiten Umfrage mit über 10.000 Teilnehmern (auch in Deutschland) hat Big Brother Watch vor kurzem interessante Ergebnisse dazu veröffentlicht. Demzufolge sagen zwei Fünftel (41%) der weltweit Befragten, dass Sie die Sammlung großer Mengen an personenbezogenen Daten für interne Zwecke bei großen Unternehmen kritisch sehen. Allerding sehen auch rund ein Drittel (29%) darin Vorteile für sich. Von den in Deutschland Befragten nehmen 39% eine kritische Position ein, 22% sehen eher Vorteile und 30% sehen weder Vor- noch Nachteile.

Voraussetzungen

Barclays regelt die Verwendung der Daten in seinen Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Ob dies hierzulande ausreichen würde, vermag ich als Nichtjurist nicht zu beurteilen, zumal die diesbezüglichen Einschätzungen sich selbst zwischen Fachjuristen und den Datenschutzbeauftragten der einzelnen Bundesländer zum Teil erheblich voneinander unterscheiden. Vor einiger Zeit gab es ja bereits einen großen Aufschrei, als die Hamburger Sparkasse Kundenprofile für Marketingzwecke nutzen wollte.

Meine klare Empfehlung wäre, die Kunden einzubeziehen, d.h. in jedem Fall ausführlich darüber zu informieren, was eine Bank mit welchen Daten wie vorhat und auch über die Vor- und Nachteile ausführlich aufzuklären. Dort wo es gesetzlich notwendig ist, gilt es natürlich auch das formale Einverständnis der Kunden einzuholen.

Die Chancen dafür, dass Kunden ihre Daten frei geben, stehen nach meiner Einschätzung immer dann gut, wenn entsprechende Transparenz vorhanden ist und für die Kunden damit ausreichende und wahrnehmbare Vorteile verbunden sind.

Ihre Meinung?

Wie stehen Sie zu diesem Thema? Was halten Sie von den Aktivitäten von Barclays? Sehen Sie eher neue Ertragsperspektiven oder glauben Sie, dass sich die Banken bei uns nicht an das Thema ran trauen werden?

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Über den Autor

Dr. Hansjörg Leichsenring

Dr. Hansjörg Leichsenring befasst sich seit über 30 Jahren beruflich mit Banken und Finanzdienstleistern. Nach Banklehre und Studium arbeitete er in verschiedenen Positionen, u.a. als Direktor bei der Deutschen Bank, als Vorstand einer Sparkasse und als Geschäftsführer eines Online Brokers.

Als Experte für Digitalisierung, Innovation und Vertrieb hält er Vorträge bei internen und externen Veranstaltungen im In- und Ausland und bietet Banken und Finanzdienstleistern Dienstleistungen im Bereich (Interims)Management sowie Beratung/Consulting an.

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2 Kommentare

  1. Michel Lemont am

    Das Thema ist nicht neu und die Ankündigung von Barclays fällt für mich – vor allem da es aus UK kommt, unter die Rubrik „Alter Hut“.
    Die Nutzung von Kundendaten bei Banken und Sparkassen ist ein Tabuthema, aber Infrastrukturen, die mit Bankdaten arbeiten, verkaufen Daten ja schon lange. So verwendet zum Beispiel VOCA Link als zentraler Clearer für den britischen Zahlungsverkehr die Transaktionsdaten, um Entwicklungen im Bereich der Gehälter und Pensionen darzustellen. Diese Auswertungen erfolgen ohne Kundenbezug und damit absolut neutral. Warum sollten Finanzinsitute solche Informationen nicht nutzen dürfen, wenn keine individuellen Kundendaten veröffentlicht werden? Bei jeder Bestellung im Internet geben Kunden vielfach ihre Daten preis und diese werden kreuz und quer ausgewertet und natürlich auch verkauft. Diese Vorgehensweise mit Kokain, Prostitution und Waffenhandel gleichzusetzen ist sehr extrem!

  2. Michael B. Bußhaus am

    Ich glaube die Frage ist auch, bringt die Auswertung und der Verkauf dem Kunden ein Mehrwert. Wenn es so läuft wie bei Payback, wo ich zielgerichtet Rabattgutscheine bekomme, finde ich es Ok. Wenn ich dann aber Angebote bekomme, die völlig am Thema vorbei sind, finde ich es nicht gut.

    Jedes gute PFM sieht derartige anonymisierte Auswertungen heute bereits vor, allerdings ohne Datenverkauf.

    Wenn die Kunden mitgenommen und aufgeklärt werden und sie frei entscheiden können, warum nicht?

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