Die Wiedergeburt des Zug-um-Zug Geschäfts

Digitales Geschäftsbankengeld in der Wertpapierabwicklung

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Mit dem Gesetz über elektronische Wertpapiere werden heute schon Wertpapiere auf der Blockchain begeben. Um die erhofften Effizienzeffekte zu heben, fehlt aber bisher die Geldseite auf der Blockchain. Wie kann ein digitales Zug-um-Zug Geschäft aussehen?

Digitales Geld ermöglicht Effizienzvorteile für Banken und Kunden

Digitales Geld ermöglicht Effizienzvorteile für Banken und Kunden.

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Im Juni 2021 wurde das Gesetz über elektronische Wertpapiere (eWpG) verabschiedet. Es war nicht der Beginn, sondern das Zwischenergebnis einer langen Entwicklung von Emissionen auf der Blockchain. Bereits 2017 hatte die Commerzbank für die KfW in der Rolle als Emittentin Blockchain-Technologie für die Emission eines Wertpapiers eingesetzt. Damals war allerdings nach deutschem Recht noch die Papierform erforderlich. Dem Aufsichtsratsvorsitzenden der KfW, der damalige Finanzminister Dr. Wolfgang Schäuble, wurde schnell klar, dass die Papierform mit der Blockchain nicht harmoniert und über viele weitere Schritte hinweg bahnte sich die Blockchain den Weg in die deutsche Wertpapiergesetzgebung.

Die Geldseite ist dagegen praktisch leider noch nicht auf der Blockchain angekommen, obwohl die Commerzbank 2019 in einer Transaktion mit Continental und Siemens einen digitalen Euro auf Geschäftsbankenbasis für die Abwicklung eines Blockchain-Wertpapiers genutzt hatte.

Technische Möglichkeiten bei der Abwicklung auf einer Blockchain

Bereits damals wurde deutlich, dass die Effizienz der Technologie in der Abwicklung nur gehoben werden kann, wenn beide Seiten der Abwicklung, Geld und Stücke, auf der Blockchain übertragen werden können. Warum ist das so?

Die Blockchain ermöglicht allgemein gesprochen nicht nur die Abbildung von Informationen, sondern von Werten. Bisher haben wir im Finanzbereich somit auch nur Informationen digital teilen können, beispielsweise einen Kontostand. Durch digitale Informationen können wir extrem schnell kommunizieren, aber es bewegen sich keine Werte. Wenn ein Kontostand an ein anderes Institut kommuniziert wird, bewegt sich deswegen noch kein Geld. Banken verarbeiten digital geteilte Informationen, um daraufhin eine Bewegung von Assets eigenständig vornehmen zu können. Deswegen warten Institute auf die Information von Partnern, um dann eigenständige Überträge vorzunehmen. Die dabei notwendigen Synchronisierungsaufwände sind der Haupttreiber für aktuelle Ineffizienzen bei der Abwicklung von Finanzinstrumenten.

Die Blockchain hat diese Synchronisierungsmechanismen bereits eingebaut und übernimmt die Aufwände für die an sie angeschlossenen Parteien. Diese Eigenschaft ermöglicht es der Blockchain, nicht nur Informationen zu teilen, sondern festzustellen, wer was zu welchem Zeitpunkt besitzt, und somit auch Werte zu übertragen.

Die Digitalisierung der Finanzinstrumente durch die Blockchain

Oft wird behauptet, dass sowohl Wertpapiere als auch Geld bereits volldigital abgebildet sind. Dabei handelt es sich jedoch um eine Halbwahrheit: Das Teilen von Informationen über Wertpapiere und Geld ist bereits vollständig digital, die Wertpapiere und das Geld selbst sind es aber bisher noch nicht gewesen. Das Teilen von Informationen ist lediglich ein Prozess, die Wertpapiere und das Geld sind aber die Produkte selbst. Somit gibt es zwar einen digitalen Prozess; die Blockchain ermöglicht allerdings zusätzlich auch vollständig digitale Produkte. Deswegen sprechen wir in diesem Kontext bei der Blockchain auch von digitalen Wertpapieren oder digitalem Geld. Diese gehen weit über digitale Wertpapierprozesse oder digitale Zahlungsprozesse, die heute bereits weitreichend etabliert sind, hinaus.

Allerdings kann eine Technologie, die die genannten Synchronisierungsmechanismen nicht mitbringt, auch keine digitalen Wertpapiere oder digitales Geld ermöglichen. Und oft werden diese Begriffe heute in öffentlichen Diskussionen aufgeweicht. Gerade sehr zentral orientierte Systeme können nicht die unterschiedlichen Teilnehmer direkt untereinander synchronisieren, sondern sie senden ihren Teilnehmern oft nur Informationen zu, die diese dann wiederum intern verarbeiten müssen. Je zentraler so ein System aufgebaut ist, desto ähnlicher ist es der bisherigen Prozessdigitalisierung. Je dezentraler ein System ist, desto näher ist es an der tatsächlichen Produktdigitalisierung.

Digitales Geld für die Abwicklung digitaler Wertpapiere

Welche Vorteile bieten aber nun digitale Produkte gegenüber digitalen Prozessen – insbesondere beim Einsatz von Blockchain Technologie? Auf einer Blockchain können nicht nur Werte abgebildet, sondern auch Programme ausgeführt werden, die Transaktionen mit diesen Werten vornehmen, die sogenannten „Smart Contracts“. Diese Programme funktionieren allerdings nur mit Produkten, die sich auf der Blockchain befinden. Wenn also ein digitales Wertpapier auf einer Blockchain vorhanden ist, digitales Geld jedoch nicht, so ist es dem Smart Contract nicht möglich, Geld gegen Stücke auf der Blockchain zu tauschen und die Teilnehmer nach diesem Handel zu synchronisieren. Der Übertrag des Wertpapiers auf der Blockchain wird dann erst auf den Übertrag des Geldes in der klassischen Welt warten.

Für die Abwicklung bringt das wenig Vorteile. Wenn das Geld aber ebenfalls als digitales Produkt auf einer Blockchain vorhanden ist, so können Geld und Stücke ausschließlich auf der Blockchain getauscht werden. Das geht erheblich schneller als in der bestehenden Welt, da die Bestände auch für alle Teilnehmer durch die Blockchain synchronisiert werden und nicht wie bisher alle Teilnehmer basierend auf einer Information selbst ein Update vornehmen müssen.

Nachfrage und Gestaltung des digitalen Euro

Die Nachfrage nach einem digitalen Euro zur Abwicklung von Wertpapieren ist bereits heute vorhanden. Viele Marktteilnehmer gehen davon aus, dass es dafür einen digitalen Zentralbankeuro braucht (auch „Central Bank Digital Currency“, CBDC genannt). Dabei wird heute bereits ebenfalls digitales Geschäftsbankengeld für einen Großteil der wirtschaftlichen Prozesse eingesetzt. Solange der digitale Euro durch die Zentralbank noch nicht vorhanden ist, können Geschäftsbanken hier also ein Angebot schaffen, das auf Nachfrage stoßen wird.

Geschäftsbanken sind beim digitalen Geld gefordert

Auch wenn das Potenzial der Blockchain-Technologie für den Finanzbereich mittlerweile in der Breite akzeptiert ist, braucht es noch eine genauere Betrachtung zu den Voraussetzungen, um die erhoffte Effizienz zu heben. Digitales Geld ist hierfür zwar nur eine, aber vermutlich die wichtigste Voraussetzung. Daher braucht es Lösungen, wie Geld auch ohne die Zentralbank auf die Blockchain gehoben werden kann. Und da sich die private Geldschöpfung aus guten Gründen regulatorisch auf wenige Institute beschränkt, ist auch klar, wer hier gefordert ist: die Geschäftsbanken.

Über den Autor

Simon Seiter

Simon Seiter leitet den Bereich Digital Assets bei Hauck Aufhäuser Lampe und verantwortet die Entwicklung aller Digital-Asset-Initiativen und -Produkte. Zuvor war er bei der Deutsche Börse AG für den Aufbau der Infrastruktur für digitale Assets auf Basis der Blockchain-Technologie verantwortlich und arbeitete bei der Commerzbank an Blockchain-Projekten mit Industrie- und Finanzpartnern. Zudem berät er eine Reihe von internationalen Blockchain-Gremien, darunter das World Economic Forum, den Deutschen Bankenverband und Global Digital Finance.

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