Die „Heimat-Bank“ als regionales Netzwerk

Bedeutung von Plattform-Banking für Regionalbanken

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In Zeiten der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Transformation geraten auch Regionalbanken unter Druck. Geht es bei der Frage nach der Zukunft von regionalen Banken nur um Wirtschaftlichkeit oder auch um gesellschaftliche Relevanz und Zukunftsfähigkeit?

Netzwerke und Plattform-Banking für Regionalbanken

Zur Bedeutung von Plattform-Banking für Regionalbanken

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Ein Blick auf die Anzahl und die wirtschaftliche Entwicklung von Konsumgenossenschaften seit der Währungsreform 1948 zeigt, dass der Trend rückläufig ist und sich eine oligopolistischen Marktstruktur etabliert hat.

Bei regionalen Banken ist ebenfalls deutlich erkennbar, dass sich die Konzentration durch Fusionen aktuell beschleunigt. Zudem sinkt jüngst die kumulierte Anzahl der Mitglieder von Kreditgenossenschaften.

Deshalb stellt sich die Frage: Ist das singuläre „Bank“-Geschäftsmodell einer regionalen Bank noch gesellschaftlich relevant und wirtschaftlich zukunftsfähig?

Meine Bank gehört mir; aber brauche ich eine eigene Bank?

Glaubt man der aktuellen Kommunikation einzelner regionaler Banken, so gehört mir als Genossenschaftsmitglied „meine Bank“ und ich werde „gefördert“. Doch woran lässt sich der Fördererfolg erkennen?

Wie bei anderen Rechtsformen auch, wird der Geschäftsbetrieb einer Genossenschaft nicht aus Selbstzweck betrieben, sondern dient der Unterstützung seiner Mitglieder, die laut gesetzlicher Definition durch den Geschäftsbetrieb erfolgt. Der Nutzen für Unternehmen, Selbständige oder auch Mitarbeitern und deren Hauswirtschaft stellt demnach genau diese Förderung dar. Damit grenzt sich die Genossenschaft deutlich von anderen Rechtsformen ab. Eine Ausrichtung ausschließlich auf die Erzielung einer Gewinnausschüttung ist nicht zulässig, denn sogenannte Dividendengenossenschaften bezwecken keine zulässige Mitgliederförderung.

Was einer nicht vermag, dass vermögen viele…

Auf einer der vielen Seiten der Veröffentlichungen zu Genossenschaften in Deutschland ist zu lesen: „Bei der Genossenschaft dient das Unternehmen der Nutzung durch die Mitglieder. Und wie diese Nutzung aussieht, hängt wiederum von den Mitgliedern ab.“ Also ist es an den Mitgliedern, das Angebot ihrer regionalen genossenschaftlichen Bank zu hinterfragen und unter den aktuellen veränderten Rahmenbedingungen dieses neu zu gestalten und einzufordern.

Jeder, der in dem genossenschaftlichen Umfeld tätig ist, kennt diesen Satz. Er dient dem philosophischen Überbau des genossenschaftlichen Verbundes, indem er den Bezug zum „immateriellen Kulturerbe der Menschheit“ herstellt. In diesem Beitrag soll nicht die genossenschaftliche Idee grundsätzlich in Frage gestellt werden. Im Gegenteil, die Genossenschaft kann besonders in Zeiten des aktuellen gesellschaftlichen, ökologischen, technologischen und wirtschaftlichen Wandels eine Antwort auf Versorgungsicherheit, gesellschaftliche und wirtschaftliche Teilhabe sowie die Anforderungen an eine nachhaltige Entwicklung im Sinne der EU-Taxonomie und der Nachhaltigkeitsberichterstattung liefern.

Eine Genossenschaft dient zwei Hauptgruppen

Die Legaldefinition im Gesetz umfasst traditionell zwei Hauptbereiche, denen die Genossenschaft dienen soll:

  1. Unter der Förderung des Erwerbs der Mitglieder ist die Förderung von Unternehmen, Selbständigen oder auch Mitarbeitenden zu verstehen, die bei ihrer Erwerbstätigkeit unterstützt werden.
  2. Die Förderung der Wirtschaft der Mitglieder bezieht sich traditionell auf die Hauswirtschaft der Mitglieder, also die Verbraucher, die die Genossenschaft nutzen.

Einkaufs-, Produktions-, Absatz-, Konsumgenossenschaften

Unabhängig von der Art der Wertschöpfung und der Wertschöpfungsstufe ist der Fördererfolg für Mitglieder zentraler Zweck einer Genossenschaft. Anders gesagt, nur wenn die Nutzung der Einrichtungen der Genossenschaft für seine Mitglieder von Vorteil ist, wird sie Mitglieder halten und werben können.

Wenden sich die Mitglieder ab, kann die Genossenschaft wirtschaftlich nicht überleben und verschwindet mittel- oder langfristig vom Markt. Insofern ist es für die Organe der Genossenschaft wichtig, den Förderzweck so zu erfüllen, dass bei den Mitgliedern tatsächlich ein relevanter Fördererfolg eintritt.

Heimatgenossenschaft als regionales Netzwerk

Wir erleben aktuell eine Transformation in Unternehmungen und privaten Haushalten, die unter anderem nachhaltige Aspekte, globale politische Veränderungen und technische Entwicklungen betrifft. Welche drängenden Themen lassen sich nur von vielen gemeinsam lösen? Es lohnt ein Blick auf die Zielsetzung des Europäischen Green Deals. Genossenschaften können einen Beitrag zum Erhalt der Wirtschaft und zur Weiterentwicklung der sozialen, gesellschaftlichen und nachhaltigen Werte in unserer Gesellschaft leisten.

Wir erleben aktuell zeitgleich eine digitale und nachhaltige Transformationsphase in Unternehmungen und privaten Haushalten. Welche drängenden Themen lassen sich nur von vielen gemeinsam lösen? Es lohnt ein Blick auf die Zielsetzung des Europäischen Green Deals unter dessen Agenda die EU-Taxonomie und zukünftige nicht finanzielle Berichterstattungspflichten zur nachhaltigen Entwicklung verpflichtend werden. Genossenschaften können einen Beitrag zum Erhalt und zur Weiterentwicklung der sozialen, gesellschaftlichen und nachhaltigen Werte in unserer Gesellschaft leisten. Dazu gehören konkret:

  • Umsetzung einer Kreislaufwirtschaft und neuer Geschäftsmodelle;
  • Unterstützung bei der Unternehmensnachfolge;
  • Unterstützung bei der regionalen, allgemeinen Versorgungsicherheit;
  • Aufbau einer Infrastruktur zur Reduktion des Ausstoßes von Treibhausgasen und der Abfallproduktion;
  • Förderung von bezahlbarem Wohn- und Lebensraum sowie bezahlbarer Betreuung von Älteren und Kindern;
  • Sicherstellung von hochwertiger digitaler Datenversorgung und Anbindung in den Regionen;
  • Bereitstellung einer Datenbank als Vertrauensraum für den abgestimmten Zugriff Dritter auf Prozess- und Zustandsdaten der Mitglieder;
  • Förderung von Beschäftigungsverhältnissen nach den sozialen Mindeststandards;
  • Dauerhafte Förderung von Menschen in den Regionen für die Klimawandelanpassung;
  • Erhalt der (Wasser-)Ressourcen, Schutz der regionalen Ökosysteme und der Biodiversität;
  • Nachhaltige Digitalisierung und Förderung von Aus- und Weiterbildungen.

Anschließend ist im Kontext der Genossenschaften darüber nachzudenken, ob diese Weiterentwicklung von den bestehenden Strukturen in Form einer vertikalen (Erhöhung der Fertigungstiefe) oder horizontale Integration (Fusion von Unternehmen) entsteht soll oder c. eine Neugründung zu bevorzugen ist.

Die Beantwortung der Frage: „Welcher Fördererfolg?“

Der Erhalt der Heimat oder des persönliches Umfeldes ist Menschen generationenübergreifend wesentlich und wichtig. Die Lehren, beispielsweise aus dem Hochwasser im Ahrtal, dem Krieg in der Ukraine, sind eindeutig und unbequem. Ein weiter so, kann es dort, wie auch anderswo in den Regionen nicht geben. Zudem erleben wir global eine Rejustierung des vernetzten Welthandels, was bzgl. der Sicherstellung von Warenverfügbarkeit bereits heute Auswirkungen bis in die Regionen hat. Umzusetzende Ziele in den Regionen sind ausreichend vorhanden und der Staat wird nicht alles regeln und umsetzen können. Es braucht privates und privatwirtschaftliches Engagement, welches über Kreditvergaben und eine Genossenschaft, die ein singuläres „Bank-Geschäftsmodell“ verfolgt, hinausgeht.

Wer die Beantwortung dieser Fragen nach dem gesellschaftlich relevanten Fördererfolg aus dem alleinigen Blickwinkel eines Mitglieds einer regionalen Bank  mit „Plattform-Banking“ in Form von „Frag Friedrich, Henry, Wilhelm, oder Teo“ beantwortet, verkennt die veränderte Lebensrealität der Mitglieder in den Regionen und die wirklichen Herausforderungen unserer Zeit. Brauchen wir zukünftig jeweils eine regionale Heimatgenossenschaft um relevanten Förderfolg erlebbar und messbar zu machen?

 

Über den Autor

Dr. Peter Lender

Dr. Peter Lender ist geschäftsführender Gesellschafter der DIGUM GmbH; Gründer der Digitalisierungsakademie.com und der Geschäftsmodell-Werkstatt.com ; Entwickler des Digitalisierungsaudits und des Nachhaltigkeitsaudits; Autor des Buches „Digitalisierung-klargemacht“ und Herausgeber des T4Magazins.

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