Der digitale Euro kommt!

Digitale Währungen auf dem Vormarsch

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Der digitale Euro ist in aller Munde. Das ist kein Wunder, denn der EZB-Rat wird zeitnah beschließen, ob und gegebenenfalls wie er zur Einführung kommen könnte. Dabei kann er sich der Unterstützung der EU-Politik sicher sein und bereits in 5 Jahren Wirklichkeit werden.

Einführung des digitalen Euro wird kommen

Mit der Einführung des digitalen Euro ist mittelfristig zu rechnen.

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Beim digitalen Euro handelt es sich um ein wahrlich bedeutendes Projekt. Die Research-Abteilung von Morgan Stanley schätzt, dass bis zu € 837 Mrd. – dies entspricht immerhin rund 8 Prozent der aktuellen Bankeinlagen der Eurozone – zu einem digitalen Euro wechseln könnten und dieser Betrag insofern von den Konten der Banken abgezogen würden. Berechnungsbasis von Morgan Stanley war dabei die Annahme, dass in der Eurozone alle Bürger ab 15 Jahren € 3.000 in eine Art digitale Geldbörse einzahlen, die dann der Kontrolle der Europäischen Zentralbank unterliegt. Kurzfristig erscheint dies ambitioniert, mittelfristig aber nicht.

Steigende Bedeutung von Kryptowährungen

Die Bedeutung privater Crytocurrencies wie Bitcoins etc. wächst beständig, und sogar JP Morgan meinte kürzlich, dass man an Kryptowährungen als Anlageklasse nicht mehr herum käme. Das von Facebook angestoßene Projekt Libra – inzwischen in Diem umbenannt – hat große Aufmerksamkeit auf sich gezogen.

Insofern kann es nicht verwundern, dass zwei Drittel aller Zentralbanken weltweit mit digitalen Währungen experimentieren und sich, wie die EZB, ein Bild zu diesem wichtigen Thema machen wollen. Allen voran die People’s Bank of China, die vor einiger Zeit ein regionales Pilotprojekt gestartet hat, und die schwedische Riksbank, wo traditionell eine geringe Tendenz zu Barzahlungen besteht. In den Bahamas ist der digitale Sand Dollar bereits eingeführt.

Deutsche skeptisch gegenüber digitalem Euro

Die Deutschen hingegen sind nicht mehrheitlich davon überzeugt, dass ein digitaler Euro wirklich notwendig ist. Laut Johannes Beermann vom Vorstand der Bundesbank haben sich rund 56 Prozent der befragten Haushalte skeptisch zur Einführung eines digitalen Euro und zur Frage geäußert, ob ein digitaler Euro tatsächlich einen veritablen zusätzlichen Nutzen zu den bestehenden Bezahloptionen bietet. Vor allem gilt dies für starke Bargeldnutzer, die allerdings fast überall auf der Welt graduell zurückgehen. 77 Prozent der von der Bundesbank befragten Haushalte gaben an, noch nie etwas vom digitalen Euro gehört oder gelesen zu haben.

Bezahlverhalten verändert sich rasant

Eine Studie der EZB hat sich mit dem Bezahlverhalten nach COVID auseinandergesetzt. Demzufolge haben 46 Prozent der befragten Haushalte in der Eurozone erklärt, auch nach Ablauf der Pandemie “sicherlich” weiterhin weniger bar zu zahlen. 41 Prozent meinten, dies sei “vermutlich” der Fall, während nur 13 Prozent zu ihrem Zahlungsverhalten von vor der Krise zurückkehren wollen.

Für mich steht fest, dass sich das Bezahlverhalten mit großer Geschwindigkeit verändert. Diese Entwicklung sehen wir bereits seit geraumer Zeit, und sie wird sich auch nicht mehr umdrehen lassen. Die Pandemie hat diesen Veränderungsprozess noch einmal signifikant verstärkt.

Und hieraus leite ich ab: Wenn die Zentralbanken keine digitalen Währungen anbieten und sich solchen eigenen Angeboten verweigern würden, die Konsumenten aber vermehrt digital bezahlen wollen, dann werden die Bürger notgedrungen andere Angebote außerhalb der Zentralbanken zur digitalen Bezahlung annehmen.

Ob diese alternativen Angebote die Privatsphäre der Konsumenten genauso achten, wie wir dies bei den nicht ökonomisch, sondern am Allgemeinwohl orientierten Zentralbanken unterstellen können, ist mehr als fraglich. Schlussendlich könnte eine Inaktivität der Zentralbanken deren geldpolitische Souveränität in Frage stellen mit all den negativen Auswirkungen, die dies auf unsere Finanzverfassung und -Ordnung ausüben würde.

Banken beim digitalen Euro nicht vergessen

Dem stelle ich aber ein großes ABER gegenüber. Bei allem Verständnis und Offenheit gegenüber von Zentralbanken herausgegebenen digitalen Währungen darf dieses Projekt das traditionelle Bankensystem nicht untergraben. Hierauf ist gegebenenfalls bei der Kalibrierung allergrößter Wert zu legen, und genau dies muss nach meiner Überzeugung im Mittelpunkt der Verhandlungen der Zentralbanken stehen und ihre Überlegungen maßgeblich leiten.

Über den Autor

Dr. Andreas Dombret

Dr. Andreas Dombret war von 2010 bis 2018 Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank und u.a. für die Bereiche Banken- und Finanzaufsicht, Finanzstabilität und Märkte zuständig. Er ist in einer Vielzahl von Ausschüssen sowie in verschiedenen ehrenamtlichen Funktionen tätig. Zuvor absolvierte er – nach Banklehre und Studium - verschiedene berufliche Stationen bei der Deutschen Bank, Rothschild und Bank of America.

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