Blockchain in der Praxis – Hype oder Disruption?

Wie Banken mit neuen Technologien echten Kundennutzen schaffen

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Die Blockchain-Technologie ist für viele nicht mehr als die Basis von hochspekulativen Kryptowährungen. Doch die Technologie erfordert für Banken das Überprüfen eigener Geschäftsmodelle. 

Wie Banken mit Blockchain-Technologien Kundennutzen schaffen

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Die Blockchain-Technologie hat in den letzten Jahren nicht nur im Rahmen der Nutzung durch Kryptowährungen, sondern insbesondere als Möglichkeit der unveränderbaren, hochsicheren Speicherung von Daten sowie der Möglichkeit einer verteilten Datenhaltung ohne „Treuhänder“ an Bedeutung gewonnen. Durch diese Technologie können Daten unter Umgehung von Intermediären ausgetauscht und so hocheffiziente und vollautomatisierte Geschäftsprozesse geschaffen werden. In einer Vielzahl von Geschäftsprozessen kann das die Rolle von Banken als Finanzintermediäre in Frage stellen.

Die Disruption von Banken ist bereits Realität

Mit der Einführung von Ripple 2012 wurde ein weltweites Zahlungsnetzwerk eingeführt, das den internationalen Zahlungsverkehr effizienter und kostengünstiger gestalten soll. Der Zugang zu diesem Echtzeit-Zahlungssystem ist zwar auf Banken beschränkt, aber damit wird das heute noch weithin genutzte System von Korrespondenzbankbeziehungen überflüssig.

Einzelne Unternehmen operieren im Rahmen der „Industrie 4.0“-Themen zunehmend mit blockchain-basierten Geschäftsprozessen auf Basis digitaler Identitäten („Internet of Things“), in der Bezahlvorgänge über Wallets direkt auf der Blockchain anstelle über Konten bei Banken erfolgen. Zum Beispiel kann damit nicht nur die Miete eines Autos, sondern auch die Nutzung einzelner Ausstattungselemente wie Kommunikations-/Entertainmentsysteme oder Allrad volumens- und zeitgenau abgerechnet werden. Dieser Trend wird durch die Einführung von digitalem Zentralbankgeld verstärkt.

Banken schaffen eigene Plattformen

Mit „we.trade“ haben Anfang 2019 eine Reihe europäischer Banken ein Ökosystem auf Blockchain-Basis an den Markt gebracht. Die Plattform bringt erfolgreich kleinere und mittelständische Unternehmer zusammen und ermöglicht einen einfachen Zugang zu Supply Chain Finance-Produkten wie Zahlungsgarantien und Rechnungsfinanzierungen. Mit we.trade können heute die Kunden von 16 führenden Banken in 15 Ländern auf einer sicheren Basis Käufe und Verkäufe abwickeln. Neben der papierlosen Abwicklung bietet we.trade das Vereinbaren der Liefer- und Zahlungsinformationen und Hinterlegen in „Smart Contracts“. Die Lieferzustände werden automatisiert verfolgt und die entsprechenden Zahlungen vollautomatisch durchgeführt.

Vereinfachungen durch Blockchain-basierte Plattform we.trade

Vereinfachungen im Verkaufsprozess durch Blockchain-basierte Plattform „we.trade“

Während die Vertragsabwicklung zwischen den Kunden auf we.trade komplett über die Blockchain erfolgt, ist der Zahlungsverkehr noch konventionell angebunden, d.h. als sogenannte Triggerlösung.

Derartige Lösungen haben den Nachteil, dass der Blockchain-basierte Geschäftsprozess die Besonderheiten des heutigen Zahlungsverkehrs (Clearing- und Settlement-Zeiten, Finalitätsbedingungen) kennen und ggf. berücksichtigen muss.

Die geplante Nutzung von Wertüberträgen auf Basis von digitalen Währungen kann hier weiteres Optimierungspotenzial bieten. Damit würde der bestehende konventionelle Zahlungsverkehr überflüssig werden.

Verknüpfung von Blockchain und traditionellem Banking

Die Industrie nutzt zunehmend die Möglichkeiten der Blockchain-Technologie zur Digitalisierung von Anlagen und Maschinen. Durch die digitale Vernetzung dieser Anlagen (z.B. Übermittlung von Maschinendaten zur Ermittlung des Bedarfs von Verbrauchsmaterialien oder Wartungsanforderungen) können nun auch digitale „Pay-per-Use“ -Modelle etabliert werden. Dabei werden die Maschinen- und Finanzdaten zusammengebracht.

UniCredit hat für die Umsetzung von derartigen Konzepten ein Produkt entwickelt, in dem die digitale Identität der Anlage mit einem Konto bei UniCredit verknüpft wird, über das dann die entsprechenden (konventionellen) Zahlungsströme laufen. Die Anlage selbst kann near-time Zahlungen senden und empfangen. Damit wird die Anlage zum virtuellen Profitcenter, dessen Daten ohne aufwändige Verarbeitungen in Finanz- und Controllingsystemen sofort verfügbar sind.

Der rechtliche Rahmen fehlt noch oft

Um Plattformen wie we.trade international erfolgreicher zu machen, muss die Nutzung der Blockchain-Technologie in einem internationalen Rechtsrahmen geregelt werden. Nur so können komplexe multilaterale Vertragswerke vermieden werden. In Europa sind bereits eine Reihe von Regelungen initiiert worden. Zur Unterstützung des weltweiten Handels wären jedoch auch internationale Regelungen erforderlich.

Fazit: die Technologie muss echten Mehrwert schaffen

Wie die Beispiele zeigen, muss die Nutzung der Blockchain-Technologie einen echten Mehrwert für Kundinnen und Kunden schaffen, um Akzeptanz zu finden. Hier stehen die weitgehende Automatisierung von Prozessen und die Kommunikation von Maschinen im Vordergrund. Arbeitsaufwändige Ausnahmeprozesse sollten durch den Einsatz der Technologie komplett eliminiert werden. Das gilt auch für die Rolle von Intermediären. We.trade ist ein gutes Beispiel für diese Entwicklung: die Rollen der Banken in Bezug auf KYC, AML und dem Zugang zu Finanzprodukten bleiben erhalten, die Rolle des Treuhänders der Daten entfällt heute schon und die des Zugangs zum Zahlungsverkehr perspektivisch.

Über den Autor

Manfred Richels

Manfred Richels ist Managing Director in der Produktentwicklung Im Global Transaction Banking der UniCredit. Hier verantwortet er Projekte zur Nutzung innovativer Technologien und dem Gestalten neuer Geschäftsmodelle. Zudem vertritt er die UniCredit in einer Reihe von nationalen und internationalen Gremien. Zuvor war er in leitenden Funktionen in der UniCredit Group und einer Unternehmensberatung tätig. Seit 2016 beschäftigt er sich mit Blockchain-Technologie und der Nutzung in Produkten für Firmenkunden.

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