Banken müssen in Blockchain-Technologien investieren

Steigende Umsätze im Handel mit Kryptowährungen

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Eine aktuelle Analyse zeigt: Die weltweiten Umsätze im Handel mit Kryptowährungen sind stark angestiegen und werden weiter an Bedeutung gewinnen. Banken und Börsen sollten in Blockchain-Technologien investieren, um diesen Zukunftsmarkt zu besetzen.

Studien und Research zu Trends und Entwicklungen zum Einsatz von Technologie in der Finanzdienstleistung

Technologie ist nicht erst seit der Digitalisierung ein wichtiger Faktor für Finanzdienstleister. Im Bank Blog finden Sie Studien zu den wichtigsten Trends und Entwicklungen.

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Im Geschäft mit Kryptowährungen bahnt sich eine Zeitenwende an. Nach den Sturm- und Drangjahren mit enormen Kursschwankungen, in denen insbesondere private Anleger auf unregulierten Onlinemarktplätzen gehandelt haben, beginnt eine Ära der Professionalisierung. Institutionelle Anleger forcieren die Weiterentwicklung von Bitcoin und ähnlichen digitalen Zahlungsmitteln hin zu einer eigenständigen Assetklasse. In welcher Geschwindigkeit sich dieser Wandel vollzieht, zeigt eine aktuelle Marktanalyse der Unternehmensberatung Bain & Company.

Kryptohandelsvolumen explodiert

Danach sind die weltweiten Umsätze allein im Handel mit Kryptowährungen von 2016 bis 2020 von rund 2 Milliarden US-Dollar auf etwa 13 Milliarden US-Dollar gestiegen. Im gleichen Zeitraum explodierte das Handelsvolumen förmlich. Es schnellte von circa 400 Milliarden US-Dollar auf zuletzt rund 9,6 Billionen US-Dollar hoch. Das ist mehr als das Vierfache des Handelsvolumens an den großen deutschen Handelsplätzen Xetra, Börse Frankfurt und Tradegate Exchange im Jahr 2020.

Entwicklung der Umsätze mit Kryptowährungen (2016-2020)

Die weltweiten Umsätze im Handel mit Kryptowährungen haben sich seit 2016 von rund 2 auf etwa 13 Milliarden US-Dollar im Jahr 2020 mehr als versechsfacht.

Dabei entfielen im vergangenen Jahr nur noch 20 Prozent der Kryptotransaktionen auf die vor allem von privaten Anlegern genutzten Marktplätze. Das von institutionellen Anlegern dominierte außerbörsliche OTC-Geschäft („Over the Counter“) vereinigte bereits 35 Prozent des Handels auf sich. Drei Jahre zuvor waren es gerade einmal 5 Prozent gewesen. Noch dynamischer entwickelte sich der Markt für Derivaten: Er stand 2020 für 45 Prozent des gesamten Handelsvolumens.

Professionelle Anleger bevorzugten den OTC-Handel vor allem wegen der höheren Flexibilität. Mit Derivaten sicherten sie sich zunehmend gegen die unverändert bestehenden Ineffizienzen und hohe Volatilität im Markt ab.

Hohe Wachstumsdynamik im B2B-Geschäft

Angesichts des milliardenschweren Engagements institutioneller Anleger ist eine neue Assetklasse im Entstehen begriffen. Dies zeigt auch eine Aufschlüsselung der Umsätze nach Marktteilnehmern. Danach stand das B2C-Geschäft – angefangen beim Käufer einer einzelnen digitalen Währungseinheit bis hin zu vermögenden Day-Tradern – noch für die Hälfte aller Umsätze. Der entscheidende Grund für den im Vergleich zu den Handelsvolumina großen Umsatzanteil liegt in den deutlich höheren Gebühren, die Privatanleger bei Transaktionen zahlen.

Weitere 20 Prozent entfielen auf das B2B2C-Geschäft mit zwischengeschalteten Brokern, insbesondere FinTechs beziehungsweise Neo-Broker. Das reine B2B-Geschäft zwischen professionellen Trading-Unternehmen, Brokern, Banken, Vermögensverwaltern und anderen institutionellen Akteuren vereinigte 2020 bereits rund 30 Prozent auf sich.

Die Studienautoren sind davon überzeugt, dass vor allem das B2B-Geschäft stark zulegen werde. Institutionelle Anleger würden sich im Markt positionieren und erwarten eine leistungsstarke Infrastruktur und ein Angebot auf dem Niveau klassischer Assetklassen.

Chancen für Finanzdienstleister

Entsprechend vielfältig seien die Chancen, die sich für Market Maker, Broker, Asset-Manager sowie weitere Finanzdienstleister ergeben. Das Spektrum reiche vom Gewährleisten eines hochliquiden, kostengünstigen Handels über das Bereitstellen einer sicheren Infrastruktur für die Verwahrung bis hin zum Auflegen von Produkten wie Kryptofonds.

Das Umsatzpotenzial einer vollständigen Kryptowertschöpfungskette sei um ein Vielfaches höher als das, was im Handel steckt. Für etablierte Finanzdienstleister ist dabei von entscheidendem Vorteil, dass sie das Vertrauen institutioneller Anleger haben. Mit einer zügigen Standardisierung könnten sie die Einstiegshürden für große Kunden senken und mit entsprechenden Produkten Risiken und Volatilität begrenzen.

Schnelles Handeln notwendig

Voraussetzung für das Entstehen von Zukunftsmärkten ist die Erarbeitung neuer Regelwerke und die Weiterentwicklung der Technologie. Insbesondere der Energieverbrauch von Kryptowährungen stößt vielerorts auf Kritik. Doch mittlerweile wird mit der Fortentwicklung von Systemen wie Ethereum alles darangesetzt, den Stromverbrauch für die einzelnen Blockchain-Transaktionen zu reduzieren.

Zugleich schaffen staatliche Aufsichtsbehörden rund um den Globus den nötigen Rahmen für eine Professionalisierung des Kryptomarkts. Meilensteine in Deutschland waren beispielsweise die Regelung des Kryptoverwahrgeschäfts sowie das Gesetz über elektronische Wertpapiere, während in der Schweiz mit der DLT-Gesetzgebung (Distributed-Ledger-Technologie) ein wichtiger Schritt nach vorne gemacht wurde. In den USA zeigt sich die Börsenaufsicht SEC inzwischen offen für kryptobasierte ETFs. Zahlreiche Anbieter stehen bereits in den Startlöchern. China wiederum verfolgt einen restriktiven Kurs, das Land arbeitet an einer eigenen elektronischen Währung.

Vielerorts ist damit die Grundlage für eine Erweiterung des Kryptomarkts über den bislang dominierenden Handel hinaus geschaffen. Dessen Basistechnologie, die Blockchain, eröffnet die Möglichkeit, Transaktionen in weiteren Assetklassen wie Immobilien oder Private Equity transparent und sicher abzubilden. Weitere Optionen bestehen perspektivisch in der Erbringung von finanzwirtschaftlichen Dienstleistungen in dezentralen Netzwerken.

Allerdings sei Eile geboten. Die Blockchain-Technologie habe das Potenzial, den gesamten Finanzmarkt fundamental zu verändern. Banken, Börsen und andere Finanzdienstleister sollten daher so schnell wie möglich Know-how aufbauen und diesen Zukunftsmarkt besetzen.

Über den Autor

Dr. Hansjörg Leichsenring

Dr. Hansjörg Leichsenring ist Herausgeber des Bank Blogs und der Finanzbranche seit über 30 Jahren beruflich verbunden. Nach Banklehre und Studium arbeitete er in verschiedenen Positionen, u.a. als Direktor bei der Deutschen Bank, als Vorstand einer Sparkasse und als Geschäftsführer eines Online Brokers. Als Experte für Strategien in den Bereichen Digitalisierung, Innovation und Vertrieb ist er gefragter Referent und Moderator bei internen und externen Veranstaltungen im In- und Ausland.

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