Chancen und Herausforderungen für Genossenschaftsbanken im Jahr 2024

Blick auf Wettbewerbssituation, Ergebnistreiber und strategische Prioritäten

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Die Genossenschaftsbanken bewegen sich aktuell in einem wirtschaftlichen und gesellschaftlichen anspruchsvollen Umfeld. Für die genossenschaftliche FinanzGruppe ergeben sich daraus Chancen und Herausforderungen zugleich.

Perspektiven für Volks- und Raiffeisenbanken im Jahr 2024

Perspektiven für Volks- und Raiffeisenbanken im Jahr 2024.

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Die Welt rückt weiter auseinander, politische und soziale Unterschiede werden größer. Hinzu kommen eine historisch hohe Inflation und eine sehr schnelle Zinswende. Kein einfaches Umfeld also, auch nicht für Genossenschaftsbanken.

Ein Thema, welches auch im Jahr 2024 unsere höchste Aufmerksamkeit erfordert, ist der digitale Euro. Die Europäische Zentralbank (EZB) arbeitet intensiv daran, in wenigen Jahren ein neues, digitales Zahlungsmittel zur Verfügung zu stellen. Wir stehen dem Projekt offen gegenüber und befürworten einen digitalen Euro als digitalen Zwilling zum Bargeld. Die Pläne der EZB, ein von ihr betriebenes Zahlungssystem aufzubauen und jedem Bürger ein Girokonto bei der Zentralbank einzurichten, hätte allerdings spürbare Auswirkungen auf die Banken – beispielsweise auf die Volumina und Erträge aus Kundeneinlagen, auf die Erträge aus dem Zahlungsverkehr sowie auf das Kreditangebot und damit den Finanzierungsbedingungen der Wirtschaft.

Kundenschnittstelle langfristig sichern

Neben der Nutzung der Chancen in den klassischen Kerngeschäftsfeldern der Genossenschaftsbanken – arbeiten wir weiter daran, unsere Kundenschnittstelle langfristig zu sichern und neue Ertragsquellen zu erschließen. Mit dem operativen Start von amberra, unserem Innovationsbeschleuniger zum Aufbau eines genossenschaftlichen Ökosystems, werden wir nun unser Kerngeschäft sukzessive um neue Angebote und Dienstleistungen in den Lebenswelten unserer Kunden erweitern und anreichern. Hohe Priorität hat darüber hinaus auch die Nutzung digitaler Zugangswege zu unseren Mitgliedern und Kunden sowie der Möglichkeiten von Künstlicher Intelligenz mit ganz konkreten Anwendungsfällen in zahlreichen Bereichen der Bank.

Mit der Kundeninteraktion über ein „State of the art“ digitales Banking gilt es insbesondere Effizienzen im Privat- aber auch im Firmenkundengeschäft zu heben. Unsere Mitglieder und Kunden erwarten heute – gelernt auch aus anderen Lebensbereichen – die digitale Erledigung ihrer Bankgeschäfte. Dieses Bedürfnis gilt es zu erfüllen. Inzwischen ist es zum Beispiel auch möglich, digital Geschäftsanteile zu erwerben und Mitglied einer Genossenschaftsbank zu werden. Darüber hinaus führt die Digitalisierung zu freiwerdenden Ressourcen im Kundengeschäft, die für die Beratung und die Hebung von Potenzialen genutzt werden können. Hohe Potenziale sehen wir vor allem im Private Banking, die wir in der genossenschaftlichen FinanzGruppe aktiv angehen wollen. Aber auch im Firmenkundengeschäft gilt es Potenziale zu heben – unter anderem über die neuen Vertriebschancen im Thema Nachhaltigkeit.

Regulierung sollte Geschäftstätigkeiten ermöglichen, nicht verhindern

In dieser anspruchsvollen Zeit sind Banken noch mehr auf verlässliche und angemessene Rahmenbedingungen angewiesen. Die Regulatoren sollten Banken daher stärker in ihrer wichtigen Rolle als Zukunftsgestalter und Motor in regionalen Wirtschaftskreisläufen betrachten und nicht mit weiteren Anforderungen belasten. Lange haben für kleine regionale Banken fast dieselben Berichtspflichten gegolten wie für große international aufgestellte Banken; immerhin sind inzwischen erste Differenzierungen für kleine Häuser vorgenommen worden. Zugleich aber kommen wieder neue Anforderungen hinzu, die den Instituten die gerade gewonnenen Freiräume wieder nehmen. Als aktuelles Beispiel sei hier nur die Einführung der EU-Lieferkettenrichtlinie genannt. Die Einhaltung etwa von Nachhaltigkeitszielen in der gesamten Lieferkette ist nur möglich, wenn die Richtlinie für Banken und Kunden verständlich, umsetzbar und handhabbar ist.

Auch wenn durch die Europawahlen die gesetzgeberischen Maßnahmen der EU-Kommission im Jahr 2024 unterbrochen werden, müssen wir sehr wachsam sein, welche Entwicklung die Überlegungen in Brüssel zu einer Überarbeitung der Richtlinie zum Krisenmanagement und zur Einlagensicherung nimmt. Mit aller Kraft werden wir in der Interessenvertretung auch weiterhin gegenüber der Politik und den Regulatoren deutlich machen, dass wir die Vorschläge der Kommission, die darauf abzielen, die Arbeit von institutssichernden Systemen unmöglich zu machen, mit Verweis auf unser sehr gut funktionierendes Sicherungssystem ablehnen.

Arbeitskräftemangel verlangt nach neuen Konzepten

Die demografische Entwicklung und der daraus resultierende Arbeitskräfte- und insbesondere Fachkräftemangel ist in der Breite des deutschen Mittelstandes angekommen. Auch wir Genossenschaftsbanken spüren das. Einem strategischen Personalmanagement messen wir deshalb höchste Bedeutung zu – sowohl auf Ebene der genossenschaftlichen FinanzGruppe als auch bei jeder einzelnen Bank. Im Jahr 2024 werden wir daher unsere Anstrengungen erhöhen, die Genossenschaftsbanken als attraktive Arbeitgeber in der Region noch sichtbarer zu machen, und zwar nicht nur für angehende Auszubildende, sondern auch für neue Zielgruppen wie Hochschulabsolventen verschiedener Fachrichtungen und Quereinsteiger. Auch Hochschulabsolventen sollen unsere Bankengruppe stärker als zukunftsorientierten Arbeitgeber mit vielfältigen Entwicklungsmöglichkeiten wahrnehmen.

Die nachhaltige Transformation chancenorientiert mitgestalten

Darüber hinaus werden die Zukunftsaufgaben wie die Transformation der Wirtschaft zur Nachhaltigkeit, die fortschreitende Digitalisierung und die Anpassung an den demografischen Wandel in diesem Jahr ein Schwerpunkt unserer Arbeit bilden. Nachhaltigkeit ist das beherrschende Thema der kommenden Dekaden. Die Europäische Kommission hat den ehrgeizigen Green Deal ins Leben gerufen, der darauf abzielt, Europa zum ersten klimaneutralen Kontinent zu machen. Hierfür wurde von ihr der Aktionsplan zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums entwickelt. Damit einhergehend werden im Bereich der Regulierung Aufsichtsvorschriften für Finanzdienstleister formuliert, die klima- und umweltrelevante Risiken stärker berücksichtigen. Vorschriften zur Offenlegung von Nachhaltigkeitsinformationen und zur Rechnungslegung werden erweitert.

Die Wertschöpfungsketten sowohl der Finanz- als auch der Realwirtschaft werden auf die Wahrung der Menschenrechte, des Umwelt- und insbesondere des Klimaschutzes ausgerichtet. Die Umsetzung dieser komplexen und ambitionierten regulatorischen Maßnahmen stellt Banken vor teils große Herausforderungen, die eine entsprechende Qualifizierung personeller Ressourcen erfordern und die Entwicklung technischer und organisatorischer Strukturen notwendig machen. Auch sind die erforderlichen Daten und Informationen zu sammeln, aufzuarbeiten und bereitzustellen. Für die deutschen Genossenschaftsbanken bedeutet die Regulierung fraglos einen großen Aufwand. Jedoch bietet die Transformation unserer Wirtschaft hin zu mehr Nachhaltigkeit auch große Chancen für unsere Gruppe.

Der Investitionsbedarf ist enorm. Die Genossenschaftsbanken begleiten die deutsche Wirtschaft und hier insbesondere die kleinen und mittelständischen Unternehmen, zum Beispiel das Handwerk und die Landwirtschaft, als Transformationspartner und verlässlichen Kreditgeber bei ihren Investitionsvorhaben und -erfordernissen. Durch die regionale Verwurzelung und die enge Verflechtung mit der Realwirtschaft und insbesondere dem Mittelstand ist unsere Gruppe prädestiniert dafür, die sich ergebenden Chancen aktiv zu nutzen.

Mit den anstehenden Herausforderungen und Chancen im Blick entwickeln wir unser genossenschaftliches Geschäftsmodell konsequent entlang des Bedarfs unserer Mitglieder und Kunden weiter und nutzen aktiv Marktchancen. Damit sichern wir unsere Wettbewerbsstärke und blicken mit Zuversicht auf das Jahr 2024.


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    Über den Autor

    Marija Kolak

    Marija Kolak ist Präsidentin des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR). Zuvor war die Diplom-Kauffrau Mitglied des Vorstandes der Berliner Volksbank.

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