Wie werden Banken zu „smarten“ Unternehmen?

Künstliche Intelligenz und Blockchain für die Bank der Zukunft

Die Automatisierung der Prozesse spielt bei der Digitalisierung der Banken eine zentrale Rolle. Ziel ist eine intelligente („smarte“) Gestaltung der Prozesse unter Nutzung der heute verfügbaren und sinnvoll einsetzbaren Technologien.

Künstliche Intelligenz und Blockchain für die Bank der Zukunft

Künstliche Intelligenz und Blockchain sind wichtige Schlüsseltechnologien für die Bank der Zukunft.

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Vor dem Hintergrund der Digitalisierung nahezu aller Geschäftsbereiche spielt die Automatisierung der Prozesse eine zentrale Rolle. Es geht jedoch nicht um Automatisierung per se, sondern um eine intelligente („smarte“) Gestaltung der Prozesse unter Nutzung der heute verfügbaren und sinnvoll einsetzbaren Technologien.

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Das Interesse von Banken an neuen Technologien wie Künstliche Intelligenz (KI) und Blockchain ist in letzter Zeit stark gestiegen. Durch den Einsatz dieser Technologien erhoffen sich die Institute nicht nur Effizienzsteigerungen und Kosteneinsparungen, sondern auch bessere Angebote für ihre Kunden. Dabei sind die Hauptanwendungsfelder von KI und Blockchain neben der Betrugs- und Geldwäscheprävention insbesondere die Automatisierung und Optimierung von Prozessen.

Obwohl das Interesse groß ist, riskieren deutsche Banken jedoch den Anschluss an die in- und ausländische Konkurrenz. So machen FinTechs zunehmend mit Geschäftsmodellen unter Einsatz von KI und Blockchain auf sich aufmerksam. Im Folgenden erläutern wir, welche Potenziale der Einsatz von KI und Blockchain bietet und wie diese Technologien helfen können, deutsche Banken wieder wettbewerbsfähig zu machen.

Computergestützte Entscheidungen durch Künstliche Intelligenz

KI ist die Fähigkeit von Computern oder computergesteuerten Robotern, Aufgaben zu lösen, die normalerweise mit höheren intellektuellen Verarbeitungsaufgaben von Menschen in Verbindung gebracht werden. Das Ziel von KI ist es, dass Computer menschliche Vorgehensweisen der Problembearbeitung imitieren, um so Aufgaben effizienter zu lösen.

Für Banken ergibt sich daraus eine Vielfalt von neuen Möglichkeiten: So kann KI dazu genutzt werden, die Kundenberatung mittels virtuellem Berater zu automatisieren, indem beispielweise ein maschineller Dialog mit einem Kunden geführt wird, in dem Fragen und Antworten rund um das Leistungsportfolio der Bank beantwortet werden. KI muss aber nicht zwingend den Menschen ersetzen. So kann KI auch als Entscheidungsunterstützung in Beratungsgesprächen eingesetzt werden, indem dem Berater relevante Informationen KI-gestützt zugespielt werden oder die KI sogar Empfehlungen gibt. In Service-Prozessen bzw. in Service-Centern ist KI bereits heute vielfach im Einsatz. Aufgrund des Verständnisses der natürlichen Sprache kann KI Service-Prozesse (teil-)automatisieren. Hierzu gehört sowohl das Routing von Kundenanliegen an den richtigen Ansprechpartner als auch das Identifizieren einer passenden Problemlösung.

Durch die Verwendung von KI und der daraus resultierenden (Teil-)Automatisierung lassen sich insbesondere die operativen Kosten von bisher arbeitsintensiven Prozessen reduzieren (z.B. Identitätsprüfung). Dies gelingt jedoch „nicht ohne große Veränderungen, wie der Neugestaltung des Filialnetzes und der Erweiterung des digitalen Fußabdrucks“ die, laut einer Studie von Accenture bereits jetzt erkennbar sind.

Fälschungssicherheit durch Blockchain-Technologie

Blockchain ist, vereinfacht ausgedrückt, eine dezentrale, fälschungssichere Datenbank. Die Fälschungssicherheit wird nicht mehr durch eine zentrale und übergeordnete Instanz garantiert, sondern ist durch kryptographische Verfahren und Konsensmechanismen von vornherein „eingebaut“.

Für Banken entsteht durch die Verwendung von Blockchain eine Reihe von Vorteilen. So können über die Blockchain beispielsweise Daten in Echtzeit und fälschungssicher ausgetauscht werden. Darüber hinaus entsteht die Möglichkeit, automatisierte und sich selbst kontrollierende Verträge (Smart Contracts) abzuschließen, wodurch in vielen Bereichen Transaktionskosten gesenkt werden können. Potenzielle Anwendungsfelder sind die Automatisierung von Schuldscheinemissionen sowie die Vereinfachung und Beschleunigung grenzüberschreitender Handelsfinanzierungen.

Beim Einsatz der Blockchain müssen die Banken jedoch die unterschiedlichen Ausgestaltungsmöglichkeiten der Infrastruktur beachten. Neben komplett dezentralen Blockchain-Anwendungen kann die Technologie auch so gestaltet werden, dass die Infrastruktur nur für das Unternehmen zugänglich ist, sodass blockchain-basierte „Business Networks“ entstehen. Da solche unternehmensinternen Blockchains sich nicht nur hinsichtlich ihrer technischen Architektur, sondern auch bezüglich ihrer Funktionalitäten von offenen Blockchains unterscheiden, müssen Banken von vornherein eine klare Vorstellung davon haben, welche Prozesse automatisiert werden sollen und welche Ausgestaltungsform am besten zum jeweiligen Prozess und Unternehmen passt.

Der Wille ist da – aber der Weg?

Der Wille in der deutschen Finanzbranche, Veränderungen anzugehen, ist unverkennbar. Dennoch bestehen große Hürden, die die Einführung von KI und Blockchain verzögern oder gar verhindern können. Generell ist daher eine schrittweise Einführung der neuen Technologien ratsam, damit schnelle und messbare Resultate entstehen können. Um dies zu realisieren, sollten Banken die folgenden Aspekte beachten:

  • Qualität und Wachstum der Datenbasis
  • Skalierbarkeit der Infrastruktur
  • Beachtung organisatorischer Auswirkungen

Qualität und Wachstum der Datenbasis

Sowohl KI als auch Blockchain basieren zu einem großen Teil auf Algorithmen, die Daten analysieren, um Entscheidungen zu treffen. Brauchbare Ergebnisse können aber nur bei einer qualitativ guten und ausreichend großen Datenbasis erzielt werden. Die Banken müssen daher dieselben Qualitätsanforderungen an die Datenbasis wie an die eingesetzten Algorithmen stellen und sicherstellen, dass neue Daten vollständig und korrekt aufgezeichnet werden.

Skalierbarkeit der Infrastruktur

Um KI- und Blockchain-Anwendungen sinnvoll nutzen zu können, müssen unternehmensinterne Infrastrukturen geschaffen werden, die große Datenmengen bewältigen können. Hierzu sind die meisten Banken noch nicht in der Lage. Institute, die die neuen Technologien einsetzen wollen, müssen deshalb ihre internen IT-Systeme skalierbar machen, um nicht nur große Datenmengen zu analysieren, sondern auch die stetig wachsenden Datenmengen bewältigen zu können.

Beachtung organisatorischer Auswirkungen

Die Anwendung von KI und Blockchain bedeutet auch neue Anforderungen an die Mitarbeiter von Banken. Die Automatisierung von Prozessen mithilfe neuer Technologien erfordert u.a., dass Mitarbeiter bestimmte technische Skills entwickeln und sich an neue Prozesse anpassen, um weiterhin sinnvoll im Unternehmen eingesetzt werden zu können. Banken müssen sich daher im Klaren sein, dass der Einsatz von KI und Blockchain nicht ohne die Unterstützung von Mitarbeitern und umfangreiche Umschulungsmaßnahmen funktioniert.

Kreditinstitute können den Einsatz von KI und Blockchain meistern, wenn sie sowohl die technologischen als auch die menschlichen Aspekte bei der Anwendung der neuen Technologien berücksichtigen. Gelingt dies, können Banken die enormen Potenziale der Technologien nutzen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.


Dr. Nadine Ostern - Frankfurt School of Finance & Management

Dr. Nadine Ostern

Dr. Nadine Ostern ist Koautorin des Beitrags. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin des ProcessLab an der Frankfurt School of Finance & Management. Ihre Forschung beschäftigt sich mit der Digitalisierung anhand neuester Technologien.

 

Wie werden Banken zu „smarten“ Unternehmen?

Die Konferenz „Prozessautomatisierung: Von smarten Prozessen zu smarten Unternehmen“ (13. ProcessLab-Konferenz) bietet eine Plattform für den Erfahrungsaustausch zur Transformation der Banken. Im Vordergrund stehen dieses Mal zwei zentrale Technologien, die die Bankenwelt verändern werden: Künstliche Intelligenz und Blockchain.

ProcessLab-konferenz der Frankfurt School of Finance am 6.6.2019

Die ProcessLab-Konferenz der Frankfurt School of Finance findet am 6. Juni 2019 in Frankfurt statt.

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Über den Autor

Prof. Dr. Jürgen Moormann

Jürgen Moormann ist seit 1995 Professor für Bankbetriebslehre an der Frankfurt School of Finance & Management. Lehr- und Forschungsschwerpunkte sind Strategieentwicklung, Business Engineering und Prozessmanagement in Banken. 2005 Gründung des ProcessLab - ein auf das Prozessmanagement in der Finanzbranche ausgerichtetes Forschungscenter der Frankfurt School. Visiting Professor an der University of Colorado at Colorado Springs, der University of New South Wales, der Queensland University of Technology und der University of Hong Kong. Seit 2014 ist er Inhaber der Concardis-Stiftungsprofessur für Bank- und Prozessmanagement. Er st Mitglied des Aufsichtsrates der Karis AG, Darmstadt, und Vertrauensdozent der Friedrich-Naumann-Stiftung, Berlin. Berufsausbildung bei der Commerzbank AG in Kiel (1977-1979). Studium der Betriebswirtschaftslehre an den Universitäten Kiel und Zürich (1980-1985). Von 1986 bis 1989 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Finanzwirtschaft der Christian-Albrechts-Universität in Kiel. Promotion. Anschließend fünf Jahre Tätigkeit in der Unternehmensberatung. Lehrauftrag an der European Business School, Oestrich-Winkel (1992-1994).

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