Anzeige

Test der Beratungsqualität in den Filialen von Banken und Sparkassen

Wenn Banker fliegen!

1

Holzklasse statt Luxus auf Dienstreisen

Banking mit einem Augenzwinkern

Lustiges, Humorvolles und mitunter auch Nachdenkliches für Banker
© Shutterstock

Viele Menschen verreisen gerne. Doch gilt dies auch für Dienstreisen? Leider sind die „guten alten Zeiten“ auch in dieser Hinsicht vorbei. Statt Luxus ist Holzklasse angesagt, sehr zum Verdruss so mancher Bankmanager.

Hand aufs Herz: wer verreist denn nicht gerne? Wer mag sie nicht genießen, die Freuden eines kleinen Abenteuers? Man lernt fremde Länder und Menschen kennen, taucht in deren Kultur ein und schwelgt in exotischen kulinarischen Genüssen.

Heute kommt man schneller von einem Kontinent zu einem anderen, als man früher brauchte, um von der Hauptstadt in die Provinz zu fahren. Selbst der deutsche Dichterfürst Goethe war verzaubert von seiner Reise nach Italien.

Und dann auch noch der Jackpot: was, wenn der Arbeitgeber all das bezahlt?

Endlich kann man die Füße hochlegen und in Luxus schwelgen.

Ach ja? Kann man?

Obwohl in der „guten, alten Zeit“ Dienstreisen und im speziellen Flugreisen in Banken nur einigen wenigen Auserwählten vorbehalten waren, reiste man damals tatsächlich mit Stil. Business Class hieß nicht einfach nur ein Gläschen Champagner serviert zu bekommen, sondern echte persönliche Betreuung. Wer in den weichen Ledersitzen der ersten Reihen versank, durfte sich auf eine angenehme, entspannte Reise freuen. Man wollte das Zeug zu Hause haben, so gut war der Sitzkomfort. Mit formidabler Beinfreiheit und mit einer Sitzbreite die, auch in Inch angegeben, sogar dem Pykniker als ausreichend erschien.

Heute ist es eher doch so, dass man sich selbst in der Business Class aus seiner Komfortzone begeben muss, um bedingungslos von dieser Fortbewegungsart angetan zu sein. Ein Gutteil des Stresses bleibt auch bei einer Aufzahlung von – sagen wir 50 Prozent des Holzklasse-Tickets – für die Geschäftsvielflieger gegeben.

Dienstreisen für Bankmanager

Dienstreisen für Bankmanager sind heute auch nicht mehr das was sie mal waren
© Shutterstock

Die Anreise zum Flughafen, meist über heftig frequentierte Autobahnen, ist schon mal kein Zuckerschlecken, und am Flughafen angekommen ist es dann auch nicht viel besser.

Denn die hochnotpeinlichen Security-Checks bleiben auch den Passagieren der gehobenen Reiseklassen nicht erspart. Wer Economy fliegt und keinen Vielfliegerstatus hat, dem steht überhaupt keine Bevorzugung beim Einchecken zu. Aber Menschen sind erfinderisch.

So haben vor allem die langen Warteschlangen vor den Gepäckaufgabeschaltern der Fluglinien dazu geführt, dass viele Reisende das Wort „Handgepäck“ neu definieren. Über das Internet ist man mit einem Online–Check-In rasch auf einen Sitzplatz gebucht und erspart sich das demütigende und unproduktive Schlange stehen bei der Aufgabe des Reisegepäcks.

Man hat ja nur Handgepäck.

Und nur drei Stück davon. Maximal vier.

Es kann schon sein, dass das größte davon die Ausmaße eines Faltkanus hat – zugegebenermaßen zusammengefaltet. Während die geschätzten Mitreisenden nun ob des Staus beim Boarding leise zu murren beginnen – man hat ja Stil und nennt den Warteschlangen-Anstehvermeider nicht gleich einen krummen Hund – lächelt das Kabinenpersonal inhaltslos und geht dem Herrn mit dem Kanu zur Hand, um sein Ding unterzubringen. Also das präsumtive Boot.

Trotz mannigfaltiger Anstrengungen der Flugbegleiter ist es nicht möglich, das ein Meter lange und obszön breite Gepäckstück in den dafür vorgesehenen Stauräumen unterzubringen. Also entschließt man sich, das sperrige Teil unter die Sitze zu packen, was dazu führt, dass der an sich schon enge Platz für die Füße der betroffenen Reisenden noch enger wird.

Während ein Scherzkeks meint, so würde man wohl mit gut verpackten Rohrbomben verreisen, sind die anderen Fluggäste schon in eine tiefe Lethargie verfallen. Nur ein älterer Herr wagt es zu hinterfragen, ob es sich hier tatsächlich um „Handgepäck“ handle, einige Indikatoren sprächen doch massiv dagegen. Was wiederum den biblischen Zorn des Angesprochenen hervorruft.

„Ich halte es in meiner Hand! Also ist es Handgepäck!“, knurrt er dem dreisten Frager ins Gesicht, nach dem Motto: wo diese Aggression herkommt, ist noch mehr.

Zwischenzeitlich wird der Herr, der den geschmacklosen Rohrbombenwitz abgesondert hat, vom Sicherheitspersonal abgeführt und einer (unverständlicher Weise ergebnislosen) hochnotpeinlichen Leibesvisitation unterzogen.  Doch das ficht das Kabinenpersonal nicht an, denn man beginnt, den Multihandgepäckstückinhaber liebevoll zu umsorgen und verstaut die restlichen drei Handköfferchen in den dafür vorgesehenen Stauräumen –  nicht ohne die bereits dort befindlichen Gepäckteile anderer Fluggäste ordentlich auf ihre Knautschfähigkeit zu testen. Erst das leise Geräusch von brechendem Plastik aus einem der gequetschten Trolleys führt dazu, dass die Flugbegleiter von ihrem Versuch ablassen, das Runde ins Eckige zu stopfen.

Wer glaubt, der Rest des Fluges sei nur noch Routine, der irrt. Die Segnungen der Billigflugluftfahrt führen unweigerlich dazu, dass auch spontan Entschlossene den Flieger nach London nehmen, um mal ordentlich auf den Shopping-Putz zu hauen. Man spricht zwar kein Englisch, ist dafür aber nicht maulfaul. So sitzt Hausmeister (auf gut neudeutsch Facility Manager) Krupke mit seinem 45 Euro Last-Minute-Ticket neben der Bankmanagerin Zietlof-Valberg, die, dank der rigiden Travel Policy ihres Arbeitgebers, nun auch in der Economy platznehmen darf.

Sparen ist angesagt in der Finanzwirtschaft. Zumindest wenn der Flug weniger als fünf Stunden dauert. Ihr Ticket, anders als das ihres Sitznachbarn, war für wohlfeile 894 Euro im unternehmensinternen Reisebüro zu haben. Es ist nur zu verständlich, dass der zaghafte Versuch von Herrn Krupke, mit dem er sich anschickt, das Eis zu brechen: „Na Frölein, wohin fliegen Sie denn?“ die hübsche Blondine kalt lässt.

Doch all das nimmt man gerne in Kauf, für die lukullischen Genüsse, die auf Reiseflughöhe von preisgekrönten Airlines geboten werden. Natürlich nur gegen Aufpreis in der Economy-Klasse. Frau Krupke, ebenso Facility Manager wie der ihr angetraute Gatte, und auf anderen Seite von Frau Zietlof-Valberg sitzend, ist keine Anfängerin. Denn sie hat vorgesorgt und ein paar Stullen für die Reise eingepackt. Einzig die Versorgung mit liquiden Mitteln ist nicht autonom darstellbar, weil an den Sicherheitschecks die Weinkartons und Bierdosen aus dem Handgepäck gnadenlos ausselektiert wurden.

Diese Kleingeister von der Security!

Frau Krupke greift sodann notgedrungen auf die dargereichte Bordverpflegung zurück – die flüssige, versteht sich – und kommt äußerst gut gelaunt in Heathrow an. Dass Facility Manager Krupke der einzige Fluggast ist, der dem Piloten für die gelungene Landung frenetischen Applaus spendiert, ist eigentlich traurig. Wo sind die alten Zeiten, als die Menschen vom Experiment Fliegen noch so begeistert waren, dass sie jede erfolgreiche Landung feierten?

Auf dem abendlichen Retourflug wird Frau Zietlof-Valberg den Krupkes wieder begegnen. Deren Shopping-Trip wird so erfolgreich gewesen sein, dass sich die Eheleute gezwungen sehen, einen Klein-Schrankkoffer anzuschaffen, um die Beutestücke in die Heimat schaffen zu können. Und wohin kommt ein Schrankkoffer im Flugzeug?

Richtig: ins Handgepäck.

Ich wünschte, es wäre alles nur Fiktion.

Anzeige

Bitte bewerten Sie den Artikel mit Hilfe der Sternchen

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (14 Stern(e), Durchschnitt: 4,43 von 5)

Danke fürs Teilen

Über den Autor

Michel Lemont

Michel Lemont ist seit mehr als 35 Jahren in Bankenwesen tätig. Er war in verschiedenen Bereichen der Finanzindustrie tätig, unter anderem im Vertrieb, im Marketing und zuletzt im Umfeld des Zahlungsverkehrs. In seinen Aufgabenbereich fallen unter anderem regulatorische Themen, das Management von Zahlungsverkehrs-Infrastrukturen sowie die Arbeit in nationalen und internationalen Gremien im Bereich Payments. Ein besonderes Anliegen sind ihm Innovationen im Bankenbereich und das "Querdenken". Michel Lemont ist Autor des Buches „Bankers have more fun“ und betrachtet das Bankwesen gerne von der humoristischen Seite. Er ist verheiratet und Vater einer Tochter.

1 Kommentar

  1. Sehr, sehr treffend!!

    Das gilt aber nicht für die Cracks von McK.., Örnst’n’jang, BoschtnConsald, etc……

    Die haben nur die Sparwelle empfohlen…

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Kostenloser Newsletter für aktuelle Banking Trends

Für mehr Informationen hier klicken

Anzeige

Weihnachtswünsche für Banker