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Test der Beratungsqualität in den Filialen von Banken und Sparkassen

50 Prozent der Bankarbeitsplätze in Deutschland werden wegfallen

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Auswirkungen der Digitalisierung auf Arbeit und Führung

Zunehmende Digitalisierung der Arbeit

Die Digitalisierung der Arbeit macht auch vor Banken und Sparkassen nicht halt
© Shutterstock

Die Digitalisierung verändert nicht nur Organisationen und Geschäftsmodelle, sondern auch die Art und Anzahl der Arbeitsplätze in der Finanzwirtschaft. Viele werden entfallen, einige werden sich stark verändern und gänzlich neue werden entstehen.

Die fortschreitende Digitalisierung betrifft nicht nur Produktionsunternehmen, auch der Finanzwirtschaft stehen große Umwälzungen bevor. Viele der traditionellen Arbeitsplätze bei Banken werden entfallen, einige werden sich stark verändern und gänzlich neue werden entstehen. Dieser Beitrag beschäftigt sich mit der Frage, welche Bankarbeitsplätze von Maschinen ersetzt werden und wie Arbeit sich in den kommenden zwanzig Jahren verändern könnte.

Vielzahl an Arbeitsplätzen durch Digitalisierung gefährdet

Die Auswirkungen der Digitalisierung und Automatisierung auf die Arbeitskräfte werden zurzeit von den verschiedensten Institutionen thematisiert. Eine Studie für den US-amerikanischen Arbeitsmarkt (Frey/Osborne (2013): The Future of Employment) besagt, dass in den kommenden zwanzig Jahren knapp die Hälfte aller Arbeitsplätze Robotern und Computern zum Opfer fallen werden. Dabei handelt es sich nicht nur um unqualifizierte blue-collar-Jobs, sondern auch um qualifizierte white-collar-Arbeitsplätze. Nicht nur Lastwagenfahrer müssen um ihre Arbeit fürchten, auch Banker sind betroffen. Inwieweit die verlorenen Arbeitsplätze durch neue ersetzt werden können, lässt sich nur schwer einschätzen. Sicherlich werden durch die Digitalisierung neue Arbeitsplätze entstehen, von denen man heute noch keine Vorstellung hat – dies hat uns die Geschichte der Industrialisierung gelehrt. Dennoch gehen die meisten Studien von einem Netto-Verlust von Arbeitsplätzen aus. Hier muss gesellschaftspolitisch überlegt werden, wie die Verlierer entschädigt werden können.

Ganz allgemein lässt sich über die Zukunft der Arbeit sagen, dass viele Aufgaben, die heute noch von menschlicher Arbeitskraft erledigt werden, von Maschinen oder Algorithmen übernommen werden. Dies sind automatisierbare, häufig vorkommende Arbeiten mit hohem Datenvolumen. Hier sind Maschinen dem Menschen eindeutig überlegen. Jobs, die auch zukünftig von Menschen übernommen werden, betreffen neuartige Aufgaben und Situationen. Aufgrund der fehlenden Vergangenheitsdaten sind zur Lösung dieser Probleme Menschen besser geeignet als Maschinen. Dennoch wird auch bei solchen Aufgaben eine Kombination von Mensch und Maschine die besten Ergebnisse liefern.

Trends der Digitalen Arbeit von morgen

Im Jahr 2015 hat die Universität St. Gallen zusammen mit Shareground eine Studie „Arbeit 4.0“ veröffentlicht, die einige Trends der Digitalen Arbeit aufzeigt. Dabei wird unterschieden zwischen den Auswirkungen auf die Organisation, die Arbeit und die Führung.

Organisation der Arbeit verändert sich

Die heute noch übliche Organisation löse sich auf, neue Arbeitsplätze besäßen keine eindeutige organisationale Zugehörigkeit. Nicht mehr die Organisationszugehörigkeit der Fachkräfte leite ihre Loyalität, sondern allein die fachliche Expertise. Zusätzlich würden hoch qualifizierte Fachkräfte nicht mehr eingestellt, sondern „on-demand“ beauftragt und die komplexen IT-Systeme geben Abläufe und Organisationsformen vor. Aus Kostengründen werde die Organisation an die Software angepasst und nicht umgekehrt.

Neue Formen der Zusammenarbeit

Bei der Arbeit wandelt sich die Rolle des Menschen vom Ausführen der Arbeitsleistung zum Überwacher der Maschinen. Verschiedene Formen der Zusammenarbeit würden zukünftig koexistieren: Menschen, die Maschinen steuern, Maschinen als Kollegen bis hin zu Mensch-Maschine-Systemen, also einer Verschmelzung oder der vollständigen Übernahme durch Maschinen. Analysen würden übergangsweise durch Crowdworker im Akkord erbracht, langfristig jedoch gänzlich digitalisiert. Die Fähigkeit, riesige Datenmengen sinnvoll zu kombinieren und zu interpretieren, bleibe jedoch eine menschliche Schlüsselqualifikation. Auch kreative Tätigkeiten und nicht-lineares Denken blieben eine menschliche Domäne, ebenso wie die personenbezogenen Dienstleistungen. Aus diesen Trends ergibt sich Selbstmanagement und technisches Können als Kernqualifikationen der zukünftigen Arbeitskräfte.

Führung wird (noch) anspruchsvoller

Für die Unternehmensführung ergäben sich aufgrund der genannten Trends verschiedene Herausforderungen. Dazu zähle, dass physische Büros nur noch temporär genutzt würden, standardisierte Tätigkeit intuitive Bedienbarkeit der IT-Benutzeroberflächen erfordern und sich die Bindung zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber auflöse. Die flexiblen Arbeits- und Kooperationsformen erschwere die systematische Personalentwicklung. Führungskräfte müssten lernen als Motivator zu agieren, nicht als Kontrolleur, da die Präsenzkultur von einer Ergebniskultur ersetzt werde. Das zunehmende Innovationstempo verlange von den Führungskräften sowohl eine Effizienzsteigerung im profitablen Kerngeschäft als auch die Transformation bestehender Geschäftsmodelle.

Bankgeschäfte im Zeichen von Arbeit 4.0

Welche Auswirkungen haben diese Entwicklungen nun auf das Bankgeschäft im Besonderen? In meinem letzten Beitrag an dieser Stelle hatte ich argumentiert, dass Banken überflüssig werden, sofern sie es kurzfristig nicht schaffen, sichere und benutzerfreundliche Banking-Plattformen zu etablieren. Bei aller Kritik an der vermeintlichen Unfähigkeit der Banken, sich bei der Digitalisierung gegenüber FinTechs zu behaupten, muss auch gesagt werden, dass in den letzten dreißig Jahren der Bankbetrieb bereits stark automatisiert und digitalisiert wurde. Viele qualifizierte Arbeitskräfte wurden bereits eingespart. Die Servicemitarbeiter wurden durch Kontoauszugsdrucker ersetzt, Überweisungen werden online, teilweise mit einem Foto der Rechnung, getätigt und Kassierer wurden von Geldautomaten abgelöst. Dennoch stehen alle Kreditinstitute unter enormem Kostendruck, der auf den intensiven Wettbewerb und die andauernde Niedrigzinsphase zurückzuführen ist. Dementsprechend sollten die Banken die Digitalisierung als Chance zur mittel- bis langfristigen Kostensenkung begreifen, auch wenn hohe Anfangsinvestitionen und ein grundsätzliches Überdenken ihres Geschäftsmodells notwendig sind.

Unterschiedliche Wahrscheinlichkeiten der Automatisierung von Bankarbeitsplätzen

Aus der o.g. Frey/Osborne-Studie wurden für verschiedene Bankarbeitsplätze die Wahrscheinlichkeiten ihrer Automatisierung abgeleitet (Schüffel (2016). Nach den vorherigen Ausführungen überrascht es nicht, dass Buchhalter, Kreditsachbearbeiter, Kreditanalysten, Kassierer und Mitarbeiter zur Dateneingabe mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ihre Jobs an Maschinen verlieren werden. Sofern diese Aufgaben nicht schon heute von Maschinen erledigt werden, wird dies in naher Zukunft passieren. Aber auch höher qualifizierte Arbeitsplätze werden zunehmend von Computern übernommen. Dazu zählen Mitarbeiter in der Verwaltung, Volkswirte und persönliche Finanzberater. Mit einer mittleren Wahrscheinlichkeit der Übernahme ihres Jobs durch Robo-Advisor können Finanzberater noch hoffen, dass Kunden die persönliche Beratung bei Geldgeschäften weiterhin höher schätzen, als die objektivere, computergesteuerte Beratung. Laut Studie sind die Arbeitsplätze im Bankmanagement und der Finanzanalyse am wenigsten gefährdet. Bei den Analysten sehe ich die Wahrscheinlichkeit jedoch höher. Bereits heute werden Analysen automatisiert und die Ergebnisse sind teilweise besser als bei den menschlichen Analysten.

Inhalte der Arbeit verändern sich

Die Hypothese scheint sich zu bestätigen, dass sich wiederholende, mit großen Datenmengen verbundene Aufgaben zu einem großen Teil automatisiert werden. Für die Zukunft rechne ich auch in den Bereichen damit, in denen das Vertrauen in Menschen momentan noch höher ist als in Computer. Dies betrifft z.B. Anlageberater sowie Finanz- und Ratinganalysten, da Maschinen keine dem Menschen eigene Vorlieben oder Neigungen aufweisen und bei dem vorhandenen Datenmaterial objektivere und bessere Ergebnisse liefern. Klar ist jedoch, dass die verbleibenden Bankarbeitsplätze sowohl hohe IT- als auch ökonomische Kenntnisse erfordern. Die Managementebene muss lernen, ergebnisorientiert und nicht anwesenheitsorientiert zu führen, was Studien zufolge der Arbeitseinstellung der Generation Y entgegenkommt.

Mindestens 50 Prozent der Bankarbeitsplätze werden entfallen

Meines Erachtens werden in den kommenden 20 Jahren in Deutschland sogar mehr als 50 Prozent der Bankarbeitsplätze entfallen. Niedrigzins und Kostendruck werden zu weiteren Filialschließungen und Fusionen führen. Der Bundesverband deutscher Banken rechnet sogar mit Fusionen und Übernahmen nicht nur innerhalb der drei Bankengruppen Großbanken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken, sondern mit gruppenübergreifenden Instituten.

Als Problem der Anpassung der Banken an die neuen Gegebenheiten könnte sich die strenge Regulierung ergeben, die – geht es nach dem Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht – noch weiter verschärft werden soll. Anstatt die kleinen, neuen Wettbewerber der Banken ebenfalls vollumfänglich dieser überbordenden Aufsicht zu unterwerfen, sollten die Aufseher adäquate, einheitliche Regeln schaffen. FinTechs fördern nicht nur den Fortschritt, sondern ersetzen teilweise auch diejenigen Arbeitsplätze, die bei den Banken wegfallen werden. Die Bankenaufsicht steht vor der schwierigen Aufgabe, einerseits die berechtigten Ansprüche an Sicherheit und Risikotragfähigkeit zu erfüllen und andererseits die Zukunftsfähigkeit der Banken und FinTechs nicht zu untergraben.


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Über den Autor

Prof. Dr. Andreas Buschmeier

Andreas Buschmeier ist promovierter Volkswirt und Professor an der BA Fulda. Neben seiner Tätigkeit als Studienleiter berät er mittelständische Unternehmen in ihrer Kommunikation mit Kapitalgebern. Banken unterstützt er in Fragen zu Geschäftsmodellen und Digitalisierung. In seinem Buch „Ratingagenturen – Wettbewerb und Transparenz auf dem Ratingmarkt“ hat er ein eigenes Ratingmodell entwickelt und dies Politik und Aufsichtsbehörden vorgestellt. Zusätzlich veröffentlichte er diverse Buchbeiträge und Zeitschriftenartikel. Erfahrungen im Bankgeschäft sammelt er seit 1990, als Hochschuldozent ist er seit 2003 tätig.

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