Unternehmenskredite: Sind Banken die besseren FinTechs?

Digitale Optimierung von Geschäftsprozessen

FinTechs drängen verstärkt auf den Markt der Mittelstandsfinanzierungen. Doch klassische Finanzdienstleister halten mit voll digitalisierten Prozessen und viel Erfahrung im Firmenkundengeschäft gegen. Am Ende profitieren die Kunden.

Unternehmenskredite für kleine und mittlere Geschäftskunden

Kleine und mittlere Geschäftskunden erwarten Flexibilität, auch im Kreditgeschäft.

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Unternehmen auf der Suche nach einer passenden Finanzierung werden mittlerweile auch im Internet fündig. Die Angebotspalette reicht von anbieterunabhängigen Finanzierungsvermittlern bis zur Arrangierung von Krediten, bei denen private Investoren als Geldgeber fungieren. Und auch einige Banken mischen bei der Kreditvergabe im Cyberspace schon kräftig mit. Welches Angebot einen Klick lohnt, hängt vor allem vom geplanten Finanzierungsvorhaben ab.

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Kreditmarktplätze: Finanzierungen im Algorithmus

Nach dem Maklerprinzip arbeiten Finanzierungsplattformen: Unternehmen geben ihr Finanzierungsvorhaben online auf der Anbieterplattform ein und erhalten nach Prüfung eine Auswahl von Angeboten von Partnerunternehmen, zum Beispiel Geschäftsbanken oder Leasinggesellschaften. Eines der Hauptversprechen der Finanzierungsplattformen sind, neben dem unabhängigen Produkt- und Anbietervergleich, besonders einfache und schnelle Prozesse. Die Finanzierungsplattfomen setzen dafür auf digitalisierte Antragsstrecken und mit Anbieterkriterien und Risikoparametern gefütterte Datenbanken. So die Theorie.

In der Praxis ist dieser Prozess allerdings oft noch schwierig. Eine Hürde ist derzeit vor allem noch die automatische Prüfung der Kennzahlen im Hinblick auf ein verlässliches Rating beziehungsweise die sehr komplexe Anbindung an die Scoringmodelle der Bankpartner. Optimal lässt sich der Marktplatzgedanke erst dann darstellen, wenn alle Daten, etwa aus Bilanzen und Bonitätsprüfungen, über Schnittstellen automatisch eingelesen werden können. Im Endeffekt ist es deshalb häufig so, dass die Marktplätze die Kunden schon nach der Vorprüfung an ihre Partner weiterleiten und die Verhandlungen dann doch direkt zwischen dem Kunden und der Bank stattfinden.

Crowdlending: Kredit von jedermann

Ein anderes Prinzip verfolgen Crowdlending-Plattformen: Sie agieren zum einen als Mittelsmann für Finanzierungen durch professionelle Investoren, etwa Stiftungen und spezialisierte Fonds, die gegen eine entsprechende Rendite die Mittel zur Kreditvergabe bereitstellen. Zum anderen vermitteln sie klassische Crowdfinanzierungen, bei denen ebenfalls gegen eine entsprechende Rendite eine Vielzahl privater Geldgeber die Finanzierungssumme stemmt. Auch das eine oder andere Finanzierungsvorhaben, welches aus Sicht von Banken nicht ausreichend besichert ist, bekommt beim Crowdlending eine Chance

Eine Garantie für Finanzierungen gibt es aber auch beim Crowdlending nicht. Und die Kreditnehmer bezahlen die Risikobereitschaft der Geldgeber mit einem zumeist deutlichen Zinsaufschlag. Unternehmen, die auf eine Finanzierung durch private Anleger hoffen, müssen zudem bereit sein, ihr Finanzierungsvorhaben detailliert einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen.

Unternehmer bleiben skeptisch

Noch tun sich Online-Kreditmarktplätze in Deutschland denn auch eher schwer. Laut einer Befragung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte aus dem Jahr 2018 planen nur 2 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland, ihre Finanzierungen in Zukunft ausschließlich online abzuwickeln. Ein Drittel setzt demnach auf eine Kombination aus persönlicher und digitaler Abwicklung. Gerade komplexere Finanzierungsvorhaben werden wohl auf absehbare Zeit weiterhin im direkten Kontakt zum persönlichen Finanzierungsberater umgesetzt, zumal hier oftmals diverse Finanzierungsbausteine und Besicherungssituationen abzubilden sind.

Banken ziehen mit

Hier punkten dann doch wieder die klassischen Finanzierungsanbieter. Zumal auch diese damit begonnen haben, ihren gewerblichen Kunden rein digitale Prozesse zur Kreditaufnahme zu ermöglichen oder im komplexeren Segment erste Prozessschritte zu digitalisieren. Ein Vorreiter bei der digitalen Kreditvergabe ist die Postbank: Sie ermöglicht Ihren Kunden schon seit dem Frühjahr 2018 beim Business Kredit erstmals die voll digitalisierte Kreditaufnahme inklusive E-Signature und Videolegitimation. Die Auszahlung erfolgt dank des smarten digitalen Prozesses häufig schon einen Werktag nach Antragstellung.

Im Bereich der komplexeren Finanzierungsstrukturen bietet die Postbank ihren Kunden mittlerweile an, die Jahresabschlussunterlagen in einem gesicherten Verfahren direkt über den Steuerberater/Wirtschaftsprüfer in digitaler Form zu übersenden. Das verschlankt und beschleunigt den Prozess erheblich. Die nächsten Schritte zur Verbesserung der Kunden-Conveniance stehen kurz vor der Umsetzung.

Konditionen bleiben Trumpfkarte

Das Deutsche Kundeninstitut und die Zeitschrift „Euro am Sonntag“ kürten den Postbank Business Kredit kürzlich bei einem Vergleich von elf Kreditanbietern mit der Note „sehr gut“ zum besten KMU-Kredit. Nicht nur der voll digitale Prozess überzeugte die Tester, sondern auch, dass die Postbank „bei zwei der vier Musterfälle der günstigste Kreditgeber war“, heißt es in Ausgabe 45/18 von „Euro am Sonntag“. Das einzige Crowdlending-Angebot, das es in die Gesamtwertung schaffte, landete hingegen mit der Note „ausreichend“ abgeschlagen auf dem letzten Platz.

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Über den Autor

Reiner Ramacher

Reiner Ramacher ist Bereichsvorstand Firmenkunden bei der Postbank. Er verantwortet unter der Marke Postbank das Geschäft mit Unternehmen unterschiedlicher Größe, wobei ein Schwerpunkt auf dem deutschen Mittelstand liegt.

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