Ukraine-Krieg bedroht Deutschlands Wirtschaft

Die kommenden Jahre könnten von Stagflation geprägt sein

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Der Krieg in Osteuropa führt in Deutschland zu einer Inflation, wie man sie dort lange nicht gesehen hat. Einer aktuellen Studie zufolge könnte es noch schlimmer kommen: Endet der Konflikt in der Ukraine nicht bald, könnte die deutsche Wirtschaft einer Stagflation anheimfallen.

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Deutschlands Wirtschaft könnte schon bald von einer Stagflation erfasst werden. Das geht aus einer Analyse der Unternehmensberatung Strategy& hervor. Demnach ist es wahrscheinlich, dass der Krieg in der Ukraine sowie dessen wirtschaftliche Folgen in den kommenden Jahren zu einer Kombination aus Stagnation und Inflation führen.

In der Studie skizzieren die Autoren fünf Szenarien für den Fortgang des Ukraine-Konflikts – sowie deren jeweilige wirtschaftliche Konsequenzen für Länder und Branchen. Hält der Krieg in Osteuropa an, rechnen die Experten etwa damit, dass das Wachstum des deutschen Bruttoinlandsproduktes (BIP) 2022 von den noch Anfang dieses Jahres prognostizierten 3,7 Prozent auf dann 2,0 Prozent fällt. Auf EU-Ebene würde dies ein BIP-Wachstum von 2,5 Prozent bedeuten – statt zum Jahresanfang vorausgesagten 4,0 Prozent.

In einem anderen Szenario geht es um den Fall, dass sich Russland mit befreundeten Staaten wie Belarus zu einem neuen Ostblock verbinden würde. Passiert dies, fallen die Prognosen der Studienautoren noch düsterer aus: In diesem Falle könnte das deutsche Wirtschaftswachstum im laufenden Jahr auf 1,6 Prozent und im EU-Durchschnitt auf 2,0 Prozent absacken.

Auch Asien bangt

Blickt man nach Fernost, sieht die Lage ähnlich aus: In China könnte das BIP-Wachstum in diesem Jahr statt 5,4 Prozent nur noch 4,9 Prozent betragen, sollte der Ukraine-Konflikt andauern – bei einer Neuauflage des Eisernen Vorhanges prognostizieren die Studienautoren 4,5 Prozent.

Am härtesten trifft der Ukraine-Krieg jedoch den russischen Aggressor selbst: Im Kreml muss man nach den Schätzungen der Analyse in diesem Jahr mit einer schrumpfenden Wirtschaft von mindestens -8,2 Prozent rechnen. Im schlimmsten Falle von bis zu -13,9 Prozent, je nach Szenario.

Diese Wirtschaftssektoren trifft der Krieg besonders hart

Für deutsche Unternehmen spiele branchenübergreifend der starke Preisanstieg bei Rohstoffen eine große Rolle. Die direkten Auswirkungen auf Lieferketten seien zwar auf einige Sektoren beschränkt, allerdings treffen Zweit- und Drittrundeneffekte nahezu alle Industriezweige.

Am stärksten beeinflusse der Krieg in der Ukraine die Landwirtschaft, die Lebensmittelbranche und den Energiesektor, wie es in der Studie heißt. Auch die Automobilindustrie seien stark betroffen. Industriefertigung und Chemie-Industrie müssen mit gestiegenen Rohstoffpreisen umgehen.

Finanzdienstleistern mit bedeutenden Geschäftszweigen in Osteuropa könnten nach Einschätzung der Experten große Auswirkungen spüren – auch wenn Banken und Sparkassen insgesamt weniger stark betroffen seien.

Das raten die Studienautoren den Unternehmen

Das Erfolgsmodell der Exportnation Deutschland basiere auf einer multipolaren Welt mit geringen Handelshindernissen. Eine Blockbildung mit der wirtschaftlichen Abkopplung einzelner Staaten würde deutsche Unternehmen vor gravierende Herausforderungen stellen.

Deutschlands Firmen raten die Experten einerseits, kurzfristig zu einzuschätzen, wie sich etwaige Sanktionen auswirken, und andererseits, mittelfristig zu beobachten, was sich in der Geopolitik tut – Investitionen sollten im Lichte der veränderten Situation überdacht werden. Zudem raten die Studienautoren zu einer Szenario-Planung, die Notfälle einschließt. Frühwarnsysteme könnten ebenfalls helfen, um rasch handlungsfähig zu sein.

Die Studie „Implications of the Russian government’s invasion of Ukraine“ können Sie hier direkt herunterladen.


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Über den Autor

Jannik Wilk

Jannik Wilk ist als freiberuflicher Redakteur für Der Bank Blog tätig. Er ist freier Journalist und Student in Heidelberg.

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