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Tut Blockchain weh?

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CIOs im Technologie-Fieber

Banking mit einem Augenzwinkern

Lustiges, Humorvolles und mitunter auch Nachdenkliches für Banker
© Shutterstock

Blockchain ist einer der aktuellen Trends für Finanzdienstleistungen aus dem Bereich digitaler Technologie. Aber ist es auch ein Trend, der nachhaltig für Banken und Sparkassen sein wird? Auf jeden Fall ist es ein auch Thema für Humor im Banking.

Ich erinnere mich noch an meine erste Begegnung mit dem Ausdruck „Blockchain“. Es war ein unschuldiger Moment der Unachtsamkeit, als sich das Wörtchen in meinem Gehirn einnistete.

Ursprünglich hatte es den typischen Charme von all den verwaisten Anglizismen, die heute unsere Sprache bereichern. Irgendwie auf den ersten Blick hilflos in seiner Aussage und auf den zweiten Blick doch mehr als nachhaltig in seiner Fähigkeit, sich in den Gedankengängen moderner Banker festzusetzen.

Und so musste ich schon bald feststellen, dass Blockchain mehr war, als ein achtlos hingeworfenes Schlagwort. Es hatte die Widerstandsfähigkeit eines Grippevirus entwickelt und dieses Wort war definitiv gekommen, um zu bleiben. Denn, wie bei vielen Hypes üblich, würde es auch hier kein wirksames Allheilmittel geben. Nur die übliche Rosskur: Abwarten und Tee trinken.

„Aber in der Zwischenzeit können wir doch mit diesem Thema Spaß haben!“, raunte mir mein CIO zu. Er hatte sich schon infiziert, das konnte man deutlich sehen.

Blockchain-Technologie und Banking

Blockchain: Bedrohung oder Chance für die etablierten Banken?

„Lass uns völlig neutral über Blockchain philosophieren!“, schlug er unschuldig vor, doch seine geröteten Augen und seine raue Stimme verrieten das Fieber in ihm.

„Na gerne doch.“, spielte ich mit, mich in der Hoffnung wiegend, dass meine Grippeschutzimpfung vielleicht noch intakt und eine Ansteckung somit unwahrscheinlich war. Es müsste doch mit dem Teufel zugehen….

„Wir müssen vorbereitet sein.“, bellte er heiser in meine Richtung. „Blockchain macht uns Banken obsolet. Nix mehr mit Old-School! Stell Dir eine Welt vor, in der uns niemand mehr braucht. Alles ist nur noch virtuell und den Euro gibt es auch nicht mehr! Kein Cash. Keine Dollars. Nur noch Bitcoin!“

„Also, Du hast schon eine seltsame Vorstellung von Spaß.“, entgegnete ich ihm, während ich mir den Mundschutz anlegte. „Woher kommt Dein plötzliches Interesse? Und Deine neutrale Analyse in allen Ehren, ist die nicht etwas kurz gegriffen?“

„Von wegen!“, hustete mir der CIO etwas. „Die Szenarien sind erschreckend. Es ist wie bei einem Tsunami, der alles mit sich reißt. Praktisch bleibt kein Stein mehr auf dem anderen. Endzeit. Armageddon. Blockchain ist der globaler Killer für das klassische Banking.“

„Sagt wer?“

„Na, alle!“, stammelte er erschrocken über meine Unwissenheit.

„Aha. Und geht das ein wenig konkreter?“, presste ich hinter dem Mundschutz hervor.

„Natürlich. Meine Berater, zum Beispiel. Die sind ganz gaga wegen Blockchain. Alle Consultants setzen auf dieses Thema. National, international, global! Alle kommen zu dem Schluss, dass Blockchain unsere Welt verändern wird. Das kann doch kein Zufall sein.“

„Niemals!“, gestand ich ihm zu. „Aber wie sieht denn nun die konkrete Conclusio zu Blockchain aus Sicht der Berater aus?“

„Ganz einfach: wir Banken müssen uns neu erfinden. Wir müssen uns adaptieren. Unsere Infrastrukturen überdenken. Und uns an die veränderten Gegebenheiten anpassen. Dezentralisierung statt Monopolisierung. Es gibt keine Probleme, nur Herausforderungen. Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen. Carpe Diem! Yes, we can.“

Von den Schlagworten ermattet, wischte sich der CIO den kalten Schweiß von der Stirn. Er litt, das konnte ich deutlich sehen. Wie jeder gute Manager fieberte er mit, wenn es um die essentiellen Dinge in seinem Unternehmen ging. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Ich dachte angestrengt nach. War unsere Situation wirklich so kritisch? Standen wir am Abgrund und konnten die Gefahr noch immer nicht erkennen? Oder war Blockchain nur ein weiterer Trend, der zwar langsam, aber dafür umso sicherer viele Ressourcen der Finanzindustrie in Anspruch nehmen würde? Einfach weil er plötzlich da war?

„Schnell, bevor es zu spät ist.“, presste der IT-Chef zwischen den Zähnen hervor. Seine klammen Finger hatten meine Schultern gepackt und rüttelten mich unsanft. „Lass uns ein Blockchain-Projekt starten, nur ein klitzekleines Projekt. Eine Million sollte reichen. Oder zwei, maximal. Jedenfalls nicht mehr als drei. Nur ein Analyseprojekt. Bitte, bitte!“

„Meinst Du eine Million Euro oder schon Bitcoins?“

Ich bin mit Sicherheit kein Unmensch. Und wenn ein Kollege in Not ist, lass ich ihn nicht hängen. Meine Frage, in welcher Währung wir das Projekt budgetieren sollen, hätte ein harmloser Scherz sein sollen, doch sie traf den CIO mitten ins Herz. Sein waidwunder Blick glitt in die Ferne und wie in Trance wandte er sich von mir ab.

„Mach Du nur Deine Scherze. Doch wenn die FinTechs und Startups mit der neuen Technologie unsere Kunden übernehmen, wird Dir das Lachen schon vergehen. Dann wird das Wehklagen groß sein und man wird wieder einmal der IT die Schuld geben. Aber wir sind es ja schon gewohnt!“

Und etwas bockig setzte er noch nach: „Glaubst Du wirklich, ein renommierter Consultant akzeptiert Bitcoins als Bezahlung?“

Mit diesen Worten entließ er mich in eine unsichere Zukunft und entschwand im Dunkel der Gänge.

Tja, das war sie, die neue Ehrlichkeit. Am Ende des Tages waren wir wieder in unserer banalen Banker-Realität angelangt. Und diese Realität ist eine sehr technologiegetriebene. Wer heute auf das falsche Pferd setzt, ist morgen weg vom Fenster.

Unsere IT wird wohl ihr Analyse-Projekt bekommen. Auch wenn es ein paar Milliönchen kostet sollte. Wie heißt es so schön? Gefahr erkannt, Gefahr gebannt.

Und außerdem: in der Zwischenzeit geht es unserem IT-Chef schon viel besser.

Bankers have More Fun

Mehr von unserem Gastautor Michel Lemont gibt es in seinem Buch „Bankers have More Fun“ zu lesen. Garantiert nichts für humorlose Wesen.

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Über den Autor

Michel Lemont

Michel Lemont ist seit mehr als 35 Jahren in Bankenwesen tätig. Er war in verschiedenen Bereichen der Finanzindustrie tätig, unter anderem im Vertrieb, im Marketing und zuletzt im Umfeld des Zahlungsverkehrs. In seinen Aufgabenbereich fallen unter anderem regulatorische Themen, das Management von Zahlungsverkehrs-Infrastrukturen sowie die Arbeit in nationalen und internationalen Gremien im Bereich Payments. Ein besonderes Anliegen sind ihm Innovationen im Bankenbereich und das "Querdenken". Michel Lemont ist Autor des Buches „Bankers have more fun“ und betrachtet das Bankwesen gerne von der humoristischen Seite. Er ist verheiratet und Vater einer Tochter.

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