Wie wäre es mit einer Pop-up-Filiale?

Neue Impulse für den stationären Vertriebskanal

Facebook hat in England kürzlich fünf Pop-up Cafés eröffnet. Der Handel nutzt das Konzept der Pop-up-Stores schon länger. Auch für Banken und Sparkassen stecken vielfältige Möglichkeiten in diesem interessanten Vertriebskanal.

Facebook Café in England als Vorbild für Banken

Können die englischen Facebook Cafés Vorbild für Banken und Sparkassen sein?

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Pop-up-Stores sind im Einzelhandel oder in der Gastronomie eine bewährte Vertriebsform, um in innovativer und effizienter Form Marketing und Umsatz anzukurbeln. Dahinter verbergen sich kurzzeitig geöffnete Läden, die – oft sogar unangekündigt – an ungewöhnlichen Orten „aufpoppen“ und nach kurzer Zeit wieder verschwinden.

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Spezielle Ziele von Pop-up-Stores sind:

  • Aufmerksamkeit und Stärkung der Marke,
  • Steigerung der Bindung zu Bestandkunden,
  • Ertragssteigerung,
  • Präsentation neuer Produkte,
  • Neukundengewinnung sowie
  • Marktforschung und Test von neuen Konzepten.

Der Handel nutzt dafür z.B. leerstehende Geschäftsräume, um in einem begrenzten Zeitraum Lagerverkäufe durchzuführen oder – und hier wird es für Banken besonders relevant – neue Geschäfts- und Verkaufskonzepte zu testen. Auch bei besonderen Marketingkampagnen können Pop-ups eine Rolle spielen.

Pop-up-Cafés als vertrauensbildende Maßnahme

Facebook hat kürzlich mehrere Pop-up-Coffeeshops in verschiedenen Städten Großbritanniens eröffnet. Kunden erhalten dort kostenlose Getränke, wenn sie an einer Datenschutzüberprüfung teilnehmen. Ziel ist es, die Benutzer mit ihren Facebook-Datenschutzeinstellungen vertraut zu machen und so das Vertrauen in Facebook zu festigen bzw. nach den Datenskandalen der letzten Zeit wieder zurückzugewinnen.

Nun ist es mehr als zehn Jahre nach der Finanzkrise sicherlich reichlich spät, ein Bank-Café zu eröffnen und damit um das verlorengegangene Vertrauen der Kunden und Anleger zu werben. Aber warum nicht ein temporäres Finanz-Café, um über die Möglichkeiten einer modernen Vermögensanlage zu informieren?

Bankbesuch als soziales Erlebnis

Bankbesuche können ein soziales Erlebnis sein. Zu beobachten ist dies bei Einladungen zu besonderen Veranstaltungen, an denen sich die regionale oder überregionale High Society in den Räumen einer Bank oder Sparkasse trifft.

Mit Pop-up-Stores lässt sich dies auf die „normale“ Kundschaft übertragen. Für den Erfolg eines Pop-up-Stores gilt der Grundsatz, je exklusiver, überraschender und innovativer, desto höher ist der Umsatz. Dabei stehen Pop-up-Stores oft im Zusammenhang mit Guerilla Marketingaktionen und verbinden so auch die Offline mit der Online-Welt.

Pop-ups können aber auch als Gegengewicht zum Onlinetrend wirken. Gerade für Banken und Sparkassen ist dies ein wertvoller Aspekt. Auch zielgruppenspezifische Konzepte lassen sich so gut testen, indem man einen bestimmten Ort wählt. So hat die Unicredit z.B. eine Pop-up-Filiale auf dem Gelände einer Universität eröffnet, um dort bei Studenten Flagge zu zeigen.

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Pop-up Filiale der UniCredit an der Bocconi-Universität in Mailand

Die Pop-up Filiale der UniCredit an der Bocconi-Universität in Mailand.

Inszenierung für Bankprodukte

Wie mache ich aus einem langweiligen Telefon einen Markenhype? Apple hat es mit dem iPhone vorgemacht. Und auch langweilige Finanzprodukte könnten durch spezielle Inszenierungen und neue, ungewöhnliche Beratungserlebnisse für Kunden attraktiver gemacht werden. Vor allem aber könnten neue Bankservices so mit viel höherer Aufmerksamkeit vorgestellt, getestet und vermarktet werden.

In den USA haben bereits einige Banken Pop-ups getestet, u.a. für die Vorstellung neuer Mobile Banking Produkte, neue Schalterkonzepte sowie neuer Kassenterminals.

Pop-up Filiale der PNC-Bank in den USA

Die Pop-up Filiale der PNC-Bank kann mit einem Lastwagen von einem Ort zum anderen transportiert werden.

Werbung für die Offline-Welt

So wie Offline-Shopping gegenüber Online-Shopping einen sozialen (und emotionalen) Mehrwert bietet, muss auch das Filialbanking einen Mehrwert gegenüber digitalem Banking bieten. Pop-up-Filialen könnten hier ein wert- und nutzenstiftender Ansatz sein.

Selbst Internetkonzerne haben bereits mit Pop-up-Konzepten experimentiert, z.B. Amazon im Weihnachtsgeschäft, um Ware sichtbar und anfassbar zu machen. Inzwischen hat Amazon in den USA beschlossen, die Pop-up-Stores zu schließen und dafür eine Vielzahl fester Verkaufsstandorte zu eröffnen. Aliaba hat in Fashion Popups neue digitale Technologien getestet. Künstliche Intelligenz und Augmented Reality sollen den Kunden neue Wege zu Mode ermöglichen.

Erfolgsfaktoren für Pop-up-Filialen

Pop-ups sind nur für einen eng begrenzten Zeitraum geöffnet und stehen meist im Zusammenhang mit einem bestimmten Thema. Entscheidend für den Erfolg sind

  • ein geeignetes Thema,
  • die Wahl des richtigen Ortes,
  • der richtige Zeitpunkt/Zeitraum,
  • ein attraktives Design sowie
  • das begleitende Marketing.

Pop-up-Filialen sind einen Versuch wert

Pop-up-Filialen sind ein innovatives Konzept mit begrenzten und überschaubaren Kosten und Risiken. für Banken und Sparkassen. Vor allem sind sie Events. Sie ermöglichen es Banken, schnell zu testen, zu bewerten und anzupassen und so sicherzustellen, mit den Anforderungen und Trends der Kunden Schritt zu halten.

Sie sind bestens geeignet, um neue Kundengruppen zu erschließen oder neue Produkt- oder Vertriebskonzepte auszuprobieren. Sie schaffen erhöhte Aufmerksamkeit im Rahmen bestimmter Marketingaktionen und bieten so eine attraktive und flexible Möglichkeit, dem stationären Vertriebskanal Bankfiliale neue Impulse zu verleihen.

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Über den Autor

Dr. Hansjörg Leichsenring

Dr. Hansjörg Leichsenring ist Herausgeber des Bank Blogs und der Finanzbranche seit über 30 Jahren beruflich verbunden. Nach Banklehre und Studium arbeitete er in verschiedenen Positionen, u.a. als Direktor bei der Deutschen Bank, als Vorstand einer Sparkasse und als Geschäftsführer eines Online Brokers. Als Experte für Strategien in den Bereichen Digitalisierung, Innovation und Vertrieb ist er gefragter Referent und Moderator bei internen und externen Veranstaltungen im In- und Ausland.

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