Für Payments beginnt ein neues Zeitalter

Zehn Herausforderungen für Payments und Zahlungsverkehr in 2020

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Finanzdienstleistungen gibt es seit vielen hundert Jahren. Manche sagen, viel habe sich in der Zeit nicht verändert und die letzte Innovation in Payments und Zahlungsverkehr sei der Geldausgabeautomat gewesen. Sie liegen falsch - 2020 könnte der Beginn eines neuen Zeitalters werden.

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Was erwartet Banken und Sparkassen im Jahr 2020?

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Das Buch „This Time is Different“ meiner Kollegen Carmen Reinhard und Kenneth Rogoff ist nach wie vor ein „must read“: Staaten steigen nach einer Zeit der Läuterung regelmäßig in neue Verschuldungswellen ein mit dem Argument, dieses Mal sei alles ganz anders und die erneute Verschuldung werde deshalb keine negativen Effekte haben. Aber genauso regelmäßig wird am Ende alles so schlimm wie beim letzten Mal.

Insofern sollte man mit dem Statement „this time is different“ rund um Finanzen vorsichtig umgehen. Doch für Payments ist die Aussage berechtigt: Ein neues Zeitalter hat begonnen! Sie werden vom Aschenputtel zur Prinzessin, zum Pivot-Element der wirtschaftlichen Aktivitäten. Der Markt bewertet dies entsprechend. Visa ist teurer als J.P. Morgan; Paypal ist fast so teuer wie die beiden Ex-Leuchttürme Goldman Sachs und Morgan Stanley zusammen.

Das hat den Nachteil, dass Payment-Anbieter sich nicht wie früher auf wenige Themen konzentrieren können.

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Im Live-Video-Event des Bank Blogs am 28. Oktober 2020, 11:00 Uhr berichten führende Experten über die aktuellen Entwicklungen bei Open Banking im Zeitalter der Corona-Pandemie.
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Innovation findet an so vielen Stellen parallel statt, so dass man als Anbieter in 2020 ein vielfältiges Portfolio von Aktivitäten exzellent steuern muss, und zwar jede für sich wie alle in ihrem Zusammenwirken.

Zehn Themenfelder im Bereich Payments

Es geht um zehn Themenfelder, von der Kundenschnittstelle bis in die Infrastruktur und von dringlich bis wichtig:

  1. Instant Payments sollten weiter in Richtung Selbstverständlichkeit forciert werden. Damit wird das elektronische Zahlen endlich wieder schneller als die „same day delivery“ von Amazon und anderen.
  2. Für E-Payments im E-Commerce, nun auch in der Variante Facebook Pay, braucht es mehr Mut der Deutschen Kreditwirtschaft: PayDirekt hätte mit einfachen Governance-Strukturen, schnellen Entscheidungen und attraktiven Konditionen immer noch eine gute Chance.
  3. Kontaktlose Zahlungen am physischen PoS werden zum „Renner“ und müssen gerade im Einzelhandel und Handwerk noch stärker vermarktet werden. Sie sind eine echte Alternative zum Bargeld und bieten nebenbei die Möglichkeit des papierlosen Kassenbons!
  4. Mobile Payments via Smartphone oder Smart Devices sind die natürlichen Folgeschritte. Mit Apple Pay bei Aldi ist der Durchbruch geschafft. Google hat erstaunlich spät reagiert. Und während sich der Markt sortiert, wird man leider mehrere Verfahren bedienen müssen – mit all dem verbundenen Schnittstellen-Aufwand. Es sei denn, dass PEPSI die Sache vereinfacht – siehe Punkt 8.
  5. „M2M“-Payments läuten bereits die nächste Welle der Automatisierung ein: Jeder Streaming-Dienst zahlt (fast) unmerklich für uns, das Auto demnächst auch, und viele weitere Dienste der Smart City. Die Industrie 4.0 folgt mit „pay as you go“ für Fertigungsmaschinen als Alternative zum Eigentum. Hier ist konzeptionelle Arbeit zu leisten, denn die Lastschrift ist dafür nicht das beste Verfahren. Die digitale Geldbörse bietet sich an – siehe Punkt 9.
  6. Die Umsetzung der PSD2 ist noch lange nicht in trockenen Tüchern, denn an den APIs hakt es, und zwar nicht allein aus technischen Gründen. Berlin Group und weitere Standardisierer bleiben aufgerufen, und anschließend wieder die Banken in der Umsetzung.
  7. In der T2-Migration mit Überführung auf die ISO 20022 sind alle Akteure enorm gefordert. Wie die internen Tests ab Juli 2020 ablaufen sollen, wenn die Infrastructure Connectivity erst in 2021 zur Verfügung steht, ist schwer vorstellbar. Zusätzliche Funktionalitäten in Test-Plattformen von SWIFT und anderen erscheinen notwendig.
  8. Im frühen Stadium befindet sich PEPSI, die Pan European Payment System Initiative mit ihrem zaghaften deutschen #DK-Ableger. Die EZB treibt das Thema, aber mehr Dynamik auch der Banken ist erforderlich. Denn wir brauchen dringend ein unabhängiges europäisches Payment Scheme.
  9. Wünsche nach Stable Coins und digitalem Zentralbankgeld erfordern ein Konzept. Denn es gibt definitiv einen Bedarf an stabilem E-Geld, z.B. für M2M-Zahlungen. Libra hatte als Vorreiter vom ersten Tag an keine Chance, denn US-FED und Treasury wollen den Dollar als Leit- und Reservewährung nicht geschwächt sehen. Eine Prognose: In wenigen Jahren werden wir den „Digi-Dollar“ und „Digi-Euro“ erleben!
  10. Die weitere Digitalisierung des Nicht-Euro-Zahlungsverkehrs sei nur unter diesem einen Punkt erwähnt: SWIFT und die Abwickler des dokumentären ZV provozieren alternative Lösungen, da sie relativ teuer und teilweise wenig transparent sind. Hier kann die Blockchain eine Alternative zur nicht vorhandenen Trusted Party sein und Effizienz schaffen. Aber sie ist nicht die Lösung für jedes Problem, schon gar nicht eine Alternative für den hocheffizienten Euro-Zahlungsverkehr.

Standardisierung als Querschnittsthema

Als „Querthema“ zu allen genannten Punkten wirken zunehmende Standardisierung, Schnittstellen-Bildung und damit die wachsenden Möglichkeiten des Outsourcing. Dass größere Abschnitte der Prozesskette bei einzelnen Akteuren konsolidiert werden, ist nur natürlich. Dass Payment-Anbieter wie Paypal via Pivot-Element „Zahlung“ in andere Finanzdienstleistungen wie Anlagen und Kredite einsteigen, ebenso.

Deshalb nochmals: Das Aschenputtel wird zur Prinzessin. This time is different!

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Über den Autor

Prof. Dr. Hans Gert Penzel

Prof. Dr. Hans-Gert Penzel ist geschäftsführender Gesellschafter des ibi research, Institut für Bankinnovation an der Universität Regensburg. Sein Institut analysiert und gestaltet IT-basierte Finanzinnovationen. Von 2004 bis 2010 war Herr Penzel Generaldirektor und CIO in der Europäischen Zentralbank. Davor hatte er in 13 Jahren mehrere C-Funktionen in der Vereinsbank, später Hypovereinsbank inne. Er begann seinen Berufsweg 1982 bei Hewlett Packard und wechselte 1985 fünf Jahre zu McKinsey & Company. Herr Penzel studierte VWL und Wirtschaftsinformatik in Mainz und Stanford; er promovierte in Software Engineering.

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