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Was ist das „Next Big Thing” im Banking?

Auf der Suche nach neuen Geschäftsmodellen

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Seit einigen Jahren suchen Banken und Sparkassen nach Innovationen und neuen Geschäftsmodellen, die ihnen mehr Wachstum und Ertrag ermöglichen. Bislang ist noch niemand wirklich fündig geworden. Ein Blick zurück und nach vorn.

Cartoon: Suche nach dem Next Big Thing im Banking

Banken auf der Suche nach neuen Geschäftsmodellen.

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Ertragsrückgänge durch Negativzinsen und zunehmenden Wettbewerb sorgen in der Bankenbranche seit Jahren für eine intensive Ausschau nach neuen oder ergänzenden Geschäftsmodellen, die Kunden- und Ertragswachstum versprechen. Steigende Kosten und notwendige Investitionen in neue Technologien und Compliance erhöhen die Dringlichkeit bei der Suche fündig zu werden.

Doch das „Next Big Thing“ im Banking bleibt bislang aus. Möglicherweise gibt es dieses überhaupt nicht und die Suche ist von vornherein vergebens. Oder es wurde längst entdeckt aber noch nicht umgesetzt…

Die „Next Big Things“ der Vergangenheit

Lassen Sie uns einen Blick auf einige nationale und internationale Neuerungen, Innovationen und Schlagworte der Vergangenheit und Gegenwart werfen. Soweit vorhanden und zuzuordnen sind Entstehungszeitpunkt und Urheber der Konzepte und Lösungen erwähnt:

  • Geldautomat (1967): Der Geldausgabeautomat ermöglicht den Bezug von Bargeld losgelöst von Öffnungszeiten einer Bank. Der ehemalige US-Notenbankchef Paul Volcker bezeichnete ihn 2009 als wichtigste Finanzinnovation der letzten 20 Jahre, die das Leben der Menschen wirklich bereichert hätte.
  • Euroscheckkarte (1968): Wesentlich mitinitiiert vom damaligen Deutsche Bank Vorstand Eckart van Hooven ermöglichte die Einführung der Euroscheckkarte erstmals das für den Zahlungsempfänger garantierte internationale bargeldlose Bezahlen durch eine Kombination aus Scheck und Karte. Seit 1991 kann mit der Kombination aus Karte und Geheimzahl bezahlt werden (electronic cash). Damit verlor der ec-Scheck an Bedeutung und Ende 2001 seine Garantiefunktion. Der Name ec-Karte ist allerdings heute noch gebräuchlich. Böse Zungen bezeichnen die ec-Karte als die letzte große Innovation im Retail Banking.
  • BTX-Banking (1980-2005): Abwicklung von Bankgeschäften von zu Hause aus via Bildschirmtext. Das Verfahren galt als wenig sexy, dafür sehr sicher.
  • Online Banking (ca. 1999): Abwicklung von Bankgeschäften im Internet am heimischen PC.
  • FinTech (ca. 2007): Allgemein wird darunter die Kombination von Finanzdienstleistung und Technologie verstanden. Im speziellen sind FinTechs Startups, die Lösungen für Finanzdienstleistungen über digitale Technologien bereitstellen.
  • Mobile Banking (ca. 2012): Abwicklung von Bankgeschäften im Internet von zuhause oder unterwegs am Smartphone oder Tablet-PC.
  • Transformative Banking (Gartner 2015): Kombination traditioneller Geschäftsmodelle mit innovativen, disruptiven, digitalen Technologien um direktere und relevantere Wege der Interaktion mit dem Kunden zu finden.
  • Banking Ökosysteme (ca. 2015): Schaffung eines Systems offener Schnittstellen im Banking nach dem Vorbild großer digitaler Ökosystem.
  • Exponential banking (2017): Bankgeschäfte, die auf exponentielle Technologien (Künstliche Intelligenz, Big Data, Internet der Dinge, Nanotechnologie etc.) zurückgreifen, um Informationen über Kunden und die Kontaktmöglichkeiten zu den Kunden exponentiell zu erweitern. Ziel ist eine Vervielfachung der Qualität und Vielfalt der angebotenen Dienstleistungen und damit verbunden eine exponentielle Geschäftsausweitung. Der Begriff wurde von Francisco Gonzalez, ehemaliger CEO der BBVA geprägt.
  • Empathic banking/Empathetic Banking (2017): Über ein besseres Verständnis des Kunden, seines Kontexts und insbesondere seiner Emotionen müssen Finanzinstitute ihr Angebot in Echtzeit auf die spezifischen Kundenbedürfnisse ausrichten. Das Konzept wird aktuell durch die Corona-Krise mit neuem Leben befüllt.
  • Banking as a Platform (BaaP) (ca. 2017): Unterteilung der Wertschöpfungskette von Finanzdienstleistungen in drei Teile – Produkt, Prozess und Anbieter – und Konzentration auf einen davon. Für die anderen beiden wird mit anderen zusammengearbeitet um Kunden eine breite Palette von Dienstleistungen anzubieten.
  • Open Banking (ca. 2018): Die Öffnung von Banken für Finanzprodukte anderer Finanzdienstleister im Zuge von PSD2.
  • Banking as a Service (BaaS) (ca. 2018): End-to-End-Prozess, der die Gesamtausführung einer über das Internet bereitgestellten Finanzdienstleistung sicherstellt. Ein solcher digitaler Bankdienst ist auf Abruf verfügbar und funktioniert innerhalb eines festgelegten Zeitrahmens.
  • Open X (2019): Die Erweiterung von Open Banking durch nahtlose Schnittstellen und gemeinsame Nutzung von Kundendaten. Der Begriff wurde durch Capgemini ins Spiel gebracht.
  • Conversational Banking (ca. 2018): Nutzung digitaler Kommunikations- und Interaktionsmöglichkeiten mithilfe menschlicher und nicht-menschlicher Unterstützung auf Messaging-Plattformen über text-, voice- oder videobasierten Dialog. Ein besonderer Fokus liegt auf der Kombination von Mobile Banking und Künstlicher Intelligenz.
  • Lifestyle Banking (ca. 2018): Vertiefung der Kundenbindung über den mobilen Kanal und Aufbau einer ständigen Präsenz im Leben der Menschen. Daraus soll eine Bindung als Partner, Wegweiser und Assistent resultieren. Die Schaffung einzigartiger Kundenerlebnisse steht hier im Vordergrund.
  • Hyperpersonalisierung (ca. 2020): sie soll Banken mithilfe von Echtzeitdaten die Generierung kundenspezifischer Erkenntnisse für ein maßgeschneidertes Angebot von Finanzprodukten und eine Steigerung der Kundenloyalität ermöglichen.
  • Transformational Banking (Finastra 2021): Die Kombination moderner Technologie, Datenanalyse und ein plattformbasiertes Ökosystem für einen digitalen Ansatz, der Effizienz mit erstklassigem Kundenerlebnis verbindet.
  • Vertical Banking/Nischen Banking (2021): Konzentration auf eine bestimmte eng definierte Zielgruppe, der ein hochgradig personalisiertes Bankingerlebnis angeboten wird. Neben demografischen geht es dabei auch um psychografische Merkmale. Insbesondere Neobanken versuchen sich darüber zu differenzieren, da Digitalisierung alleine kein Alleinstellungsmerkmal mehr ist.

Buzzword oder Trend?

Spätestens seit 2015 stellt sich die Frage, ob die genannten Begriffe echte Neuerungen und Trends oder lediglich Buzzwords darstellen. Insbesondere in den letzten Jahren hat die Flut neuer Begriffe fast inflationäre Ausmaße angenommen, ohne dass sich an den Herausforderungen im Banking, geschweige denn an deren Lösungen etwas geändert hätte.

Vergessen wird bei der Suche nach dem nächsten großen Ding häufig, dass für eine wirkliche Geschäftsmodelländerung eine umfassende Transformation notwendig ist. Diese umfasst insbesondere folgende Elemente:

  • Eine Veränderung des Geschäftsmodells im engeren Sinne,
  • Eine Fokussierung auf die (Neu)Gestaltung des Kundenerlebnisses,
  • Die Weiterentwicklung interner Strukturen und Abläufe,
  • Die (Weiter-)Entwicklung (digitaler) Produkte und Dienstleistungen sowie
  • Die Etablierung einer Kultur und Struktur, die Veränderungen, Kreativität und Innovation ermöglichen.

All das im Rahmen der bestehenden aufsichtsrechtlichen Regeln, die für Kreditinstitute gelten. Und unzweifelhaft werden Banken weiterhin Bank bleiben wollen. Dass die Vorteile dieser Einordnung trotz allen Beschwerden über Regulierungen überwiegen, zeigt sich alleine schon am Aufstieg der Neobanken, also FinTechs, die sich freiwillig der Regulierung unterwerfen. Das relativiert die Diskussionen um die Suche nach neuen Geschäftsmodellen. Es geht letztlich nicht um eine Neuausrichtung, sondern um sinnvolle Ergänzungen.

Das einzig wahre nächste große Ding im Banking

Ein Punkt fehlt in der Liste: „Customer Centric banking“ – Kundenzentrierung im Bankgeschäft. Um 2012/2013 war das ein großes – von allen namhaften Unternehmensberatungen gepushtes – Thema im Banking. Dabei ist das Thema Kundenorientierung so alt wie die Banken selbst. Ohne Kunden und deren Bedarf gäbe es die Institution Bank nämlich gar nicht.

Kundenorientierung und Kundenzentrierung stellen zwar keine neuen Konzepte dar sind jedoch etwas, was Banken und Sparkassen seit Jahrzehnten propagieren, aber bislang noch nie konsequent umgesetzt haben.

Das Next Big Think im Banking: Der Kunde und sein Bedarf im Mittelpunkt des Denkens und Handelns!

Wie wär’s?

Über den Autor

Dr. Hansjörg Leichsenring

Dr. Hansjörg Leichsenring ist Herausgeber des Bank Blogs und der Finanzbranche seit über 30 Jahren beruflich verbunden. Nach Banklehre und Studium arbeitete er in verschiedenen Positionen, u.a. als Direktor bei der Deutschen Bank, als Vorstand einer Sparkasse und als Geschäftsführer eines Online Brokers. Als Experte für Strategien in den Bereichen Digitalisierung, Innovation und Vertrieb ist er gefragter Referent und Moderator bei internen und externen Veranstaltungen im In- und Ausland.

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