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Nachhaltigkeit: Verpflichtung und Chance für Banken

Eine Intervention aus gegebenem Anlass

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Nachhaltigkeit ist heutzutage in aller Munde. Ob im Rahmen von COP26, in den Verhandlungen zur Regierungsbildung, den Parteiprogrammen oder von den Zentralbanken und Aufsichtsbehörden ausgehend. Nachhaltigkeit scheint überall ein Thema zu sein.

Banken und der Kampf gegen den Klimawandel

Nachhaltigkeit und der Kampf gegen den Klimawandel bedeutet für Banken und Sparkassen gleichermaßen Verpflichtung und Chance.

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Kaum ein Vortrag oder Weihnachtsbrief, der nicht ohne Hinweis auf Nachhaltigkeit auskommt. Dies mag den einen oder anderen Banker zunehmend stören und führt immer wieder dazu, dass Finanzmarkt-Teilnehmer regelrecht abschalten, wenn das Thema Nachhaltigkeit aufkommt. Nicht Jeder fühlt sich gleichermaßen angesprochen. Zu Unrecht, wie ich finde. Und dies zumindest aus drei Gründen:

1. Klimawandel ist eine existenzielle Gefahr

Der Klimawandel stellt eine existenzielle Gefahr für unseren Planeten da. Dass diese Gefahr erst mittelfristig schlagend wird, bedeutet nicht, dass sie nicht ernst zu nehmen ist – sie muss zweifelsohne dringend adressiert werden. Nur mittels eines nachhaltigen Wirtschaftens, das Externalitäten adäquat internalisiert, wird es der Menschheit gelingen, die Gefahren der Erderwärmung mit all ihren negativen Konsequenzen zu begrenzen. Insofern, davon bin ich fest überzeugt, stellt der von uns Menschen verursachte Klimawandel das mit Abstand größte Risiko dar, dem wir uns gegenübersehen.

Existentielle Gefahren für die Menschheit stellen automatisch erhebliche ökonomische Risiken und damit deutliche Risiken für die Finanzstabilität dar. Insofern ist es nur folgerichtig, wenn die Bankenaufsicht auf eine Berücksichtigung dieser Risiken im Risikomanagement der Banken und Sparkassen besteht. Bei Versicherungen und Rückversicherungen ist dies aus naheliegendem Grund schon länger ein Thema.

2. Nachfrage der Investoren verlagert sich

Das Nachfrageverhalten der Investoren – ob privat oder institutionell – hat sich massiv zugunsten von nachhaltigen Finanzanlagen verlagert. Immer mehr Gelder jagen grüne oder andere ESG-kompatible Aktiva. Der Markt, der sich hier ausgebildet hat, ist inzwischen riesengroß, hat nahezu alle Bereiche des Wirtschaftens erfasst und wächst zudem rasant weiter. Die Renditen schließlich, die sich im Rahmen von grünen Emissionen erzielen lassen, sind im Vergleich zu klassischen Anlagen kompetitiv und für Emittenten attraktiv. Ein Asset Management ohne grünes Angebot ist heute gar nicht mehr wettbewerbsfähig.

Allein um sich diese Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten ist es unerlässlich, sich als Teilnehmer am Finanzmarkt aktiv mit nachhalten Anlagen zu befassen. Die aktuell diskutierten Fälle von „Greenwashing“ sprechen eine deutliche Sprache.

3. Transformation zur „grünen“ Volkswirtschaft

Unsere Volkswirtschaft steht vor einer signifikanten Transformation hin zu einem nachhaltigeren, grüneren Verhalten. Dies bedeutet für Banken und Sparkassen aber nicht nur Risiken, sondern gleichzeitig auch große finanzielle Opportunitäten.

Um diese ganz erheblichen Chancen wahrzunehmen gilt es, sich dem Thema der Nachhaltigkeit zu öffnen, die Gewinner dieser Transformation zu identifizieren und mit Krediten bzw. Kapitalmarkt-Geschäften zu finanzieren. Zusätzlich muss der Umbau bislang brauner Industrien bankseitig begleitet werden, damit die Transformation auch tatsächlich gelingt.

Nachhaltigkeit als Chance für Banken und Sparkassen

Insofern ist das Thema Nachhaltigkeit für Banken und Sparkassen nicht nur eine Verpflichtung, sondern gleichzeitig auch eine Chance. Diejenigen Häuser, die frühzeitig ihre sich aus dem Klimawandel ergebenen Risiken analysieren und quantifizieren, haben nicht nur Vorteile beim EZB-Stresstest  (den die BaFin in abgeänderter Form ja ebenfalls durchführt) – nein, sie positionieren sich damit auch, um die sich aus dieser Transformation ergebenen Opportunitäten bestmöglich und zu ihrem wirtschaftlichen Vorteil zu nutzen.

Es ist davon auszugehen, dass dieser Trend zur Nachhaltigkeit weiter anhält und staatlicherseits auf weitere Bereiche wie z.B. das Accounting ausgedehnt wird. Der „early bird“ kann also davon ausgehen, auch auf diesem Weg belohnt zu werden. Die geplante Ansiedlung des Sustainable Accounting Standards Board in Frankfurt wirft bereits ihre Schatten voraus. Ganz entscheidend ist eine einheitlich akzeptierte Taxonomie und harmonisierte Standards.

Wichtige Rolle der Finanzwirtschaft

Der Finanzwirtschaft kommt nun einmal eine besonders wichtige Rolle bei der Finanzierung der Unternehmen und Privathaushalte zu – insbesondere in kreditbasierten Volkswirtschaft wie der deutschen. Daher kann ihre Bedeutung für die anstehende Transformation überhaupt nicht hoch genug eingeschätzt werden. Genau aus diesem Grund konzentriert sich die Europäische Zentralbank auch auf solche Risiken in den Bankbilanzen, die auf ESG-Themen zurückzuführen sind. Dass viele Unternehmen ihrerseits noch nicht so weit fortgeschritten sind wie die Banken und Sparkassen, was die Einschätzung von Klimarisiken für ihre Geschäftsmodelle anbetrifft, stellt allerdings für die Finanzwirtschaft eine nicht zu unterschätzende Belastung dar.

Dem im Frühjahr des nächsten Jahres anstehenden Klima-Stresstest der EZB kommt also eine hohe Bedeutung zu. Umdenken in der Finanzwirtschaft, was das Thema Nachhaltigkeit betrifft, ist angezeigt. Die Politik einerseits und die EZB andererseits werden die Banken und Sparkassen nicht aus ihrer Pflicht entlassen. Aber zur Nutzung der immensen Chancen, die sich aus der Transformation unserer Wirtschaft ergibt, sollte sich jeder Finanzmarktteilnehmer mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigen. Es hat als Thema eindeutig eine strategische Dimension.

Über den Autor

Dr. Andreas Dombret

Dr. Andreas Dombret ist in einer Vielzahl von Ausschüssen sowie in verschiedenen ehrenamtlichen Funktionen tätig, u.a. als Global Senior Advisor für Oliver Wyman. Er war von 2010 bis 2018 Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank und u.a. für die Bereiche Banken- und Finanzaufsicht, Finanzstabilität und Märkte zuständig. Zuvor absolvierte er – nach Banklehre und Studium - verschiedene berufliche Stationen bei der Deutschen Bank, Rothschild und Bank of America.

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