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High Noon im Payment-Land!

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Lucky Luke soll den Zahlungsverkehr der Banken beschützen

Banking mit einem Augenzwinkern

Lustiges, Humorvolles und mitunter auch Nachdenkliches für Banker
© Shutterstock

Im Wettstreit um den Erhalt der Vorherrschaft im Zahlungsverkehr, haben sich die etablierten Banken Hilfe im Kampf gegen FinTechs geholt. Lucky Luke, der Mann, der schneller zieht als sein Schatten, soll es für sie richten. Das gestaltet sich jedoch gar nicht so einfach wie gedacht.

Peng!

Lucky Luke blickte an sich herab und seufzte. Es hatte ihn schon wieder erwischt. Ihn, den schnellsten Colt südlich des Ärmelkanals. Ihn, der angeblich schneller zog als der eigene Schatten. Ihn, der immer auf der Seite des Gesetzes stand, was in diesem Duell zugegebenermaßen aber leider völlig irrelevant war.

Es war nicht das erste Mal, dass ihn ein Widersacher überraschte und mit einem dekorativen Loch in der flächigen Figur zurückgelassen hatte. Gut, er war nur eine Zeichentrickfigur und mit etwas Farbe und einem Papierflecken wäre der Schaden behoben, aber für sein Image waren solche Ereignisse reines Gift.

Selbst sein getreues Pferd Jolly Jumper, ein Schimmel so weiß wie frisch gefallener Schnee, wandte sich mit Grauen ab und trabte traurig in Richtung Stall.

So konnte es nicht weitergehen!

Lucky Luke, unterwegs im Auftrag der Banken

Lucky Luke, der Mann, der seinen Colt schneller zieht als sein Schatten, soll den Zahlungsverkehr der Banken retten
© Shutterstock

Lucky war in heiklem Auftrag unterwegs. Er sollte die klassischen Banken und ihre Claims im Zahlungsverkehr schützen, die diese deutlich sichtbar abgesteckt hatten. Doch die rebellischen Herausforderer, die FinTechs, wollten sich von ein paar hurtig zusammengenagelten Bretterzäunen nicht abhalten lassen. Sie fanden ihn überall. Auf jeder staubigen Hauptstraße in jedem Kaff, das Lucky Luke durchritt, standen sie plötzlich da, die jungen Wilden. Die ausladenden Hüte tief ins Gesicht gezogen, warteten sie auf ihn, der das Establishment verkörperte. Und jedes Mal, wenn die Uhr zwölf schlug, konnte er sicher sein, dass aus irgendeinem Saloon dieser Stadt ein Herausforderer treten würde, um ihn zu perforieren.

Manchmal rotteten sie sich auch zusammen und kamen zu viert oder zu fünft aus dunkeln Seitengassen, um sich mit ihm zu messen. In ihren schwarzen, knöchellangen Ledermänteln sahen sie aus, als kämen sie direkt aus der Matrix. Als wären sie nicht irgendein Payment-Startup Unternehmer sondern Keanu Reeves in einem billigen Western.

Der Witz dabei war: der Ausgang dieser Duelle war völlig unbedeutend. Es war egal, wer schneller schoss, denn am Ende stand dann doch wieder Sheriff Regulation da um Lucky Luke zu ermahnen, dass er doch fair sein sollte. Auch wenn er gerade erschossen wurde!

Hallo?

Ja, die Zeiten hatten sich geändert. Früher, als noch alles in Ordnung war, musste niemand um seine Claims fürchten. Und Lucky Luke hatte eine Waffe, die ihn schneller schießen ließ als alle anderen. Es war ein goldener Colt mit fein gearbeiteten Ziselierungen am Lauf und wertvollen Perlmuttgriffen. Ein Revolver, der sauteuer in der Anschaffung gewesen war und dessen Munition ebenfalls so manchen Silberdollar verschlang.

Niemand anderes hatte je eine so mächtige Waffe und Lucky nannte sie liebevoll: Infrastruktur. Kein Wunder, dass alle diesen Colt benutzen wollten. Darauf angesprochen wiegte Sheriff Regulation dann immer wieder gedankenschwer den massiven Kopf um letzten Endes nahezu Unverständliches in seinen mottenzerfressenen Bart zu knurren. Gerüchteweise nuschelte Regulation etwas von einem Level Playing Field, also faire Bedingungen für alle, doch so wirklich sicher konnte sich da niemand sein.

Also nahm man Lucky Luke die Kanone weg und die FinTechs durften auch mit Infrastruktur herumknallen. Da war es nur würdig und recht, dass Lucky manchmal mit seinen eigenen Patronen durchlöchert wurde.

Peng. Peng.

Die FinTechs schossen schon gewaltig schnell. Das musste Lucky, fair wie er nun einmal war, neidlos anerkennen. Da gab es nichts zu beschönigen. Noch während er sich mental auf den Showdown vorbereitete, pfiffen ihm bereits die ersten Instant Payments um die Ohren. Diesmal kamen sie von allen Seiten. Wo war die Ritterlichkeit der Branche geblieben, und wo war Sheriff Regulation und sein verdammtes Level Playing Field?

Peng. Peng.

Jetzt waren sogar Mobile Payments im Spiel! Lucky Luke kannte diese Munition, doch für ihn, den Retter der Banken und Waisen, war sie eine nur wenig bedeutsame Randerscheinung in der Munitionskammer. Man sollte sie im Patronengürtel vorrätig haben, aber entscheidenden Einfluss auf den Ausgang des Duells hatten sie nicht. Auch nicht die NFC-Zahlungen, die nun mit lautem Knallen Lucky Lukes feingezeichneten Körper lochten.

Was für ein High Noon. In Zukunft würde er einen großen Bogen um Brüsseltown machen, denn hier gab es für ihn nichts zu gewinnen. Die Sonne stand genau hinter Lucky Luke und warf seinen Schatten samtig schwarz auf den Sand der Hauptstraße. Dieser Schatten ähnelte heute mehr einer Scheibe Schweizer Käse denn einem Cowboy, mit all den Löchern in der Figur. Und doch: am Ende des Tages war all das Duellieren mit den FinTechs eher ein philosophischer Diskurs denn eine existenzielle oder gar tödliche Bedrohung. Es war ein klein wenig Hysterie, gepaart mit einem Hype, den alle Beteiligten, auch die Banken, mit wohligem Schauern auf die Spitze trieben.

Lucky Luke machte sich auf den Weg zu seinem Zeichner, um seine Wunden verarzten und die Löcher kunstvoll schließen zu lassen. Am nächsten Morgen würde er dann wieder aussehen wie neu, wenn man das jemals über einen Siebzigjähren, der er nun einmal war, sagen könnte.

Auch seine Auftraggeber, die Old Banks, hatten neuen Mut gewonnen. Der eine oder andere FinTech-Outlaw schien wohl Gefallen an einem äußerst großzügigen Angebot in Form eines mittelschweren Goldsackes gefunden zu haben und wechselte die Seiten. Aus Konfrontation war Kooperation geworden. Auch wenn dies nicht besonders heldenhaft erschien, so war es doch ein Modus Oerandi, mit dem alle leben konnten.

„Na bitte, es geht doch!“, brummte Sheriff Regulation zufrieden und machte sich auf den Weg, um andernorts für ein Level Playing Field zu sorgen.

Und Jolly Jumper war wieder stolz auf Lucky Luke.

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Über den Autor

Michel Lemont

Michel Lemont ist seit mehr als 35 Jahren in Bankenwesen tätig. Er war in verschiedenen Bereichen der Finanzindustrie tätig, unter anderem im Vertrieb, im Marketing und zuletzt im Umfeld des Zahlungsverkehrs. In seinen Aufgabenbereich fallen unter anderem regulatorische Themen, das Management von Zahlungsverkehrs-Infrastrukturen sowie die Arbeit in nationalen und internationalen Gremien im Bereich Payments. Ein besonderes Anliegen sind ihm Innovationen im Bankenbereich und das "Querdenken". Michel Lemont ist Autor des Buches „Bankers have more fun“ und betrachtet das Bankwesen gerne von der humoristischen Seite. Er ist verheiratet und Vater einer Tochter.

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