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Konkurrenz durch FinTech und die Zukunft der Bankfiliale

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Interview mit Thomas F. Dapp (2)


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FinTech Start-ups im Vormarsch

Innovative FinTech Start-ups fordern die etablierten Banken und Sparkassen auf verschiedenen Geschäftsfeldern heraus
© Shutterstock

In einem ausführlichen Gespräch mit Thomas F. Dapp von Deutsche Bank Research habe ich über die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Finanzbranche gesprochen. Heute erfahren Sie seine Gedanken zur Bedrohung durch FinTech Unternehmen sowie zur Zukunft der Bankfiliale.

Vor einer Woche erschien der erste Teil meines Gesprächs mit Thomas F. Dapp zu den Herausforderungen für die Bankbranche durch die zunehmende Digitalisierung. Vor kurzem hatte ich diesen profilierten Experten zum Thema digitaler Strukturwandel im Finanzsektor auf einer Tagung in Hamburg getroffen und die Gelegenheit für ein ausführliches Gespräch über die aktuellen Trends und Herausforderungen der Finanzbranche genutzt.

Thomas F. Dapp

Thomas F. Dapp ist Analyst bei DB Research

Heute können Sie nun im zweiten Teil etwas zu seiner Einschätzung der Gefahr für die Banken durch FinTech Unternehmen und zur Zukunft der Bankfilialen erfahren.

Banken werden durch FinTech Unternehmen bedroht

Google für die Suche, Amazon fürs Einkaufen und wen fürs Banking?

Das klingt mir zu sehr nach Monopolbildung. Sowohl Google als auch Amazon haben durchaus Konkurrenz in ihren jeweiligen Sparten. Im Bereich „Banking“ sehe ich künftig sowohl Banken als auch Nicht-Banken als attraktive Anbieter von algorithmenbasierten Bankprodukten und -diensten. Aber die bestehenden Kuchenstücke für die Etablierten werden zumindest im Retailbereich mittelfristig schwer zu verteidigen sein.

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass eines der großen Technologie-Unternehmen (Google, Amazon, Apple, Facebook) ins Bankgeschäft eindringt?

Es stellt sich eher die Frage: „Wann werden die besagten Unternehmen ins Bankgeschäft eintreten?“ Einige digitale Ökosysteme haben sich schon eine E-Money-Lizenz besorgt und experimentieren durchaus erfolgreich, insbesondere im Bereich „Mobile Payment“.

Der Schritt zu einem erweiterten Angebot an Finanzdiensten (z.B. Kredite oder Anlageprodukte) ist da nicht mehr fern, wobei ich mir ziemlich sicher bin, dass nur einfach zu standardisierende und leicht zu automatisierende Dienste und Produkte durch die großen Internetakteure oder FinTechs angeboten werden. Denn in diesem Bereich können sie von den ökonomischen Kräften des Internets, also den Netzwerk-, Skalen- sowie Lock-In-Effekten optimal profitieren.

Das Internet bietet also gerade für die technologiegetriebenen Unternehmen eine ideale Plattform für künftiges Wachstum. Ein interessanter und vor allem lukrativer Markt für die großen Internetfirmen sind sicherlich auch die Entwicklungs- und Transformationsländer, wie Teile Asiens und Afrika. Hier wartet ein lukratives Geschäft mit internetbasierten Finanzdiensten auf die ersten Akteure.

Wachstumsmarkt FinTech Start-ups

Wie sehen Sie die Entwicklung der FinTech Start-ups?

Hier sehe ich viel Wachstumspotenzial. Aus volkswirtschaftlicher Sicht begrüße ich die Anstrengungen der FinTech-Szene, weil die Start-Ups durch ihre Innovationen für die notwendigen Impulse in der Finanzbranche sorgen. Zudem wirkt sich ein zunehmender Wettbewerb im Finanzmarkt positiv auf den Konsumenten aus, weil das Angebot vielfältiger wird und Preise bzw. Gebühren dadurch sinken. Die strengen Regulierungsmaßnahmen wirken auf die FinTech-Start-Ups allerdings eher bremsend, während die etablierten Banken trotz der hohen Anforderungen durch die Aufsichtsbehörden (noch) einen gewissen Schutz genießen.

Welche Chancen für die FinTechs sehen Sie?

Sind die anfänglichen Herausforderungen der Frühfinanzierungsphase gemeistert, was alles andere als leicht ist für Entrepreneure, sehe ich viel Potenzial für FinTechs. Ihre dahinterliegenden Geschäftsideen sind zwar oftmals nicht wirklich neu, aber ihre Wertschöpfungsprozesse sind nahezu vollständig digitalisiert und somit flexibel für kommende technologische Herausforderungen. Zudem sprechen sie ebenso wie viele digitalen Ökosysteme die Sprache des Internets: „Bequemlichkeit“ sowie „Alles aus einer Hand“ sind hier beliebte Aspekte.

Welches sind die Bereiche, wo man genau hinsehen sollte?

Aus Konsumentensicht rate ich bei einigen algorithmenbasierten Produkten und Diensten zu erhöhter Aufmerksamkeit. Bei einigen neuen Wettbewerbern im Finanzbereich sehe ich noch Optimierungsbedarf hinsichtlich des Umgangs mit personenbezogenen Daten (informationelle Selbstbestimmung/Datenschutz).

Zweifelsohne sorgt der Bekanntheitsgrad von IT-Sicherheitslücken durch die Veröffentlichung der Snowden-Dokumente im Juni 2013 nach wie vor als zusätzlicher Treiber für die stärker werdende Verunsicherung und das Gefühl, „nicht mehr alleine zu sein“ im Netz.

Künftig werden also nur jene Akteure im Netz erfolgreich sein, die den Konsumenten glaubhaft versichern können, dass insbesondere ihre (personenbezogenen) Daten weder an Dritte verkauft, noch für andere unternehmensfremde Zwecke verwendet werden. Traditionelle Banken haben diesbezüglich im Vergleich zu einigen Internetunternehmen beste Voraussetzungen.

FinTech Start-ups: Konkurrenz oder Partner?

Welche Bedrohung geht von den FinTech Start-ups für die etablierten Banken aus?

In der Finanzindustrie werden viele nützliche Finanzprodukte und -dienste in Form von Apps oder web-basiert erst allmählich von der eigenen Hausbank oder von einem vergleichbaren Akteur aus der Branche angeboten. Der Großteil dieser digitalen Dienste zählt aber seit mehreren Jahren zur Produktpalette von sogenannten Nicht-Banken. So gerät der Finanzsektor also nicht durch eigene, der Branche zugehörige Finanzdienstleister in Bedrängnis, sondern zunehmend durch technologiegetriebene Unternehmen, wie digitale Ökosysteme oder eben Fintech-Start-Ups.

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Beide Akteure drängen digital und mit hoher Dynamik in den Markt für leicht zu standardisierende Finanzprodukte und -dienste. Dadurch ändert sich das Wettbewerbsumfeld für etablierte Finanzhäuser mit der Konsequenz, dass sie mittelfristig stärker unter Druck geraten und Marktanteile verlieren könnten.

Erwarten Sie, dass es hierzulande Übernahmen von FinTech Start-ups durch Banken geben wird, ähnlich wie BankSimple in den USA?

Für einige Fintech-Start-Ups lohnt sich eine Kollaboration mit traditionellen Banken durchaus, weil dadurch bestimmte langjährige Erfahrungen im Bereich Regulierung oder Datensicherheit sowie relevante Infrastrukturen nicht selbst erbracht oder teuer eingekauft werden müssen. Für die etablierten Banken gilt das gleiche Kollaborationspotenzial bezüglich des routinierten Umgangs mit Internettechnologien und modernen Datenanalyse-Instrumenten. Hier haben nämlich die technologiegetriebenen Unternehmen im Netz die Nase vorn. Ich rate daher allen beteiligten Akteuren, unvoreingenommen über strategische Allianzen nachzudenken. Jeder Akteur bringt unterschiedliche komparative Vorteile mit, die bei den Verhandlungen als Trumpfkarten eingesetzt werden können. Durch strategische Allianzen werden unterschiedliche Kompetenzen gebündelt und können je nach Strategie einen maximalen Nutzen stiften.

Wie sehen Sie die Alternative „Kopieren“?

Die wenigsten Innovationen sind wirklich bahnbrechend. Ein Großteil der Innovationen findet zwischen bahnbrechenden Errungenschaften statt. Sie sind eher inkrementeller Art aber deswegen nicht weniger wertvoll und weisen Veredelungen oder marginale Verbesserungen von bestehenden Produkten, Diensten und Prozessen auf. So geschieht es auch im Finanzsektor. Die neuen Wettbewerber erfinden das Bankgeschäft nicht wirklich neu. Sie haben die Nase aber deshalb vorn, weil sie ihre Geschäftsmodelle von vornherein „digital“ denken, auf- und permanent ausbauen. Sie verstehen es, mit Hilfe moderner Datenanalysemethoden und den zahlreichen (vor allem personenbezogenen) Datensätzen einzelne Finanzdienste digital so zu individualisieren, dass sie insbesondere den internetaffinen Kunden einen höheren Nutzen stiften können. Hier sehe ich Aufholpotenzial bei traditionellen Banken.

Bankfilialen werden an Bedeutung verlieren

Werfen wir mal einen Blick auf den stationären Vertrieb: Wo sehen Sie die Zukunft der Filiale?

Die Digitalisierung der Finanzbranche wirkt sich natürlich auch langfristig auf das Personal und das bestehende Filialnetz aus. Durch den Einsatz moderner Informations- und Kommunikationstechnologien sowie durch die Verschmelzung der diversen Distributions- und Kommunikationskanäle werden viele Dienste standardisiert. Es werden folglich Synergien gehoben, die eine höhere Produktivität bei sinkenden Transaktionskosten erlauben. Das bedeutet, dass es auch vermehrt zur Automatisierung nicht wissensintensiver Dienstleistungen kommt. Dies hat zur Folge, dass weniger qualifizierte Mitarbeiter vermehrt durch künftige Technologien und moderne Analysemethoden ersetzt werden können. Als logische Konsequenz bzw. als Ergebnis einer Kosten-Nutzen-Analyse werden traditionelle Banken mittel- bis langfristig Personal im Bereich nicht-wissensintensiver Finanzdienste einsparen sowie ihr bestehendes Filialnetz ausdünnen bzw. die Filialfläche regionalspezifisch reduzieren.

Typische Bankfiliale als Point of Sale für den Bankvertrieb

Besipiel für eine deutsche Bankfiliale

Wie viele Bankfilialen wird es 2025 noch geben?

Experten erwarten bei einer Neugestaltung des Filialnetzes mittelfristig eine Reduzierung von bis zu 25% der heutigen Standorte. Zudem muss aber erwähnt werden, dass Deutschland zu den Ländern mit dem dichtesten Filialnetz zählt.

Wo sehen Sie Herausforderungen und Möglichkeiten, Filialen attraktiver zu gestalten?

Das Banking wird sich in den kommenden zehn Jahren stärker verändern als in den letzten, ohnehin schon turbulenten Dekaden. Wie die Bank der Zukunft aussehen wird, kann niemand exakt vorhersehen. Aber vieles läuft bereits in eine sehr internetgetriebene, virtuelle Richtung. Dies betrifft sowohl das eigentliche Bankgeschäft als auch die strategische Aufstellung in Bezug auf Arbeitsplätze und das Design von Filialen.

Langfristig könnten virtuelle dreidimensionale Hologramme in Form eines Avatars in manchen Flagship Stores der Banken die Kunden in Empfang nehmen und via Spracherkennung und moderner Datenanalyse die Kunden mit maßgeschneiderten Diensten und Produkten ansprechen. Zudem werden sich biometrische Erkennungsverfahren auf dem Massenmarkt durchsetzen und insbesondere auf digitalen Vertriebskanälen bisherige Identifikationsverfahren, die ausschließlich auf Wissen und Besitz basieren, ergänzen – vielleicht auch ablösen. In den großen Flagship Stores und den verbleibenden regionalen Filialen werden moderne Technologien zum Einsatz kommen, wie großflächige Touchscreens, flexible LED-Fassaden, digitale Schaufenster oder Arbeitsoberflächen, die dreidimensionale Hologramme im Raum projektieren können. Es wird vermehrt mit digitalen Raumlösungen experimentiert, die zu einer Verschmelzung zwischen realer und virtueller Welt führen werden.

Es wird aber auch Dinge geben, an die heute niemand denkt.

Herzlichen Dank für das ausführliche Gespräch
Das komplette Interview können Sie als PDF Dokument erwerben. Nutzen Sie dazu einfach den Laterpay Kaufprozess.

Vollständiges Interview mit Thomas Dapp zur Digitalisierung der Finanzdienstleistung

Vollständiges Interview mit Thomas Dapp zu den Herausforderungen durch die Digitalisierung der Finanzdienstleistung

Für Informationen und Hintergründe lesen Sie bitte den ausführlichen Beitrag zu Laterpay.

Bei Fragen und Problemen zu/mit LaterPay hilft der Laterpay-Kundendienst, viele Fragen werden auch im Help Center beantwortet.

 

Die Studien von Thomas Dapp zur Digitalen Gesellschaft sowie zur digitalen Revolution in der Finanzbranche finden Sie ebenfalls hier im Bank Blog.


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Über den Autor

Dr. Hansjörg Leichsenring

Dr. Hansjörg Leichsenring befasst sich seit über 30 Jahren beruflich mit Banken und Finanzdienstleistern. Nach Banklehre und Studium arbeitete er in verschiedenen Positionen, u.a. als Direktor bei der Deutschen Bank, als Vorstand einer Sparkasse und als Geschäftsführer eines Online Brokers.Aktuell bietet er Banken und Finanzdienstleistern Dienstleistungen im Bereich (Interims)Management und Beratung/Consulting an und vertritt die Firma Meniga, einen innovativen Anbieter von White-Label-Lösungen für Persönliches Finanz Management (PFM) im deutschsprachigen Teil Europas.Darüber hinaus hält er Vorträge bei internen und externen Veranstaltungen im In- und Ausland.

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