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PSD2 und Open Banking: Chancen für Banken im digitalen Finanzökosystem

Inkrementelle oder disruptive Innovation?

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Rückblick auf die Finovate Europe 2014

Bericht von der Finovate Europe 2014

Finovate Europe 2014

Neue und vor allem radikale Ansätze suchte man bei der diesjährigen Finovate leider weitgehend vergebens. Inkrementelle Innovationen herrschten vor, sofern man überhaupt von Innovation sprechen konnte.

Inkrementell versus disruptiv

Inkrementelle Innovationen bewirken die stetige und schrittweise Verbesserung von bestehenden Produkten, Dienstleistungen, Prozessen oder Geschäftsmodellen.

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Disruptive (oder radikale) Innovationen sind grundlegend und erschaffen etwas völlig Neues. Sie verändern Geschäftsmodelle und mischen ganze Branchen auf. Denken Sie z.B. an den iPad oder das iPhone von Apple. Auch Banken und Sparkassen waren und sind davon betroffen. Beispiele hierfür sind das Direct Brokerage, die Gründung von Direktbanken oder die neuen Ansätze im Zahlungsverkehr.

Finovate Europe 2014 – Best of Show

Der Andrang war nach Angaben des Veranstalters so groß wie nie zuvor. 67 Unternehmen stellten an ihren Ständen sowie im Plenum in jeweils sieben Minuten ihre neuesten Errungenschaften einem fachkundigen Publikum vor. Dabei sind Live Demos gefragt, Folien mehr oder weniger verboten, in jedem Fall verpönt. Etwas „Show“ ist natürlich auch gefragt. Am Ende durften die Teilnehmer (nicht jedoch die Aussteller) abstimmen und neun Firmen erhielten die begehrte „Best of Show“ Auszeichnung.

Die Ausstellungshalle der Finovate Europe 2014

Blick in die Ausstellungshalle der Finovate Europe 2014

Auch wenn ich bei einigen die Nominierung nicht nachvollziehen konnte, möchte ich es nicht versäumen, die Gewinner zu nennen. In alphabetischer Reihenfolge waren dies:

  • Backbase für ihr out-of-the-box Tool für eine mobile Kreditkontoeröffnung.
  • BehavioSec für eine mobile Anwendung, die Biometrie und Verhaltenserkennung kombiniert.
  • Dynamics für eine neue Kartentechnologie.
  • Etronika für eine Multikanallösung bei BANKTRON.
  • MISYS für eine generationsübergreifende digitale Bankanwendung.
  • Luxoft für iStockTrack, eine App, die Nutzern ermöglicht, ihre Investments im Überblick zu behalten.
  • Tink für eine mobile PFM Lösung.
  • Toshl für eine PFM mit der Finanzen Spaß machen sollen.
  • YourWealth für ihre MoneyHub Technologie, die Nutzen einen kompletten Finanzüberblick ermöglichen soll.

Neun Trends

Der Natur der Veranstaltung nach lag der Schwerpunkt der Präsentationen auf den digitalen Vertriebskanälen. Keine der vorgestellten Ideen bezog übrigens explizit den Vertriebskanal Filiale mit ein.

Folgende Schwerpunkte konnte man an der Finovate beobachten:

  1. Persönliches Finanz Management liegt unverändert im Trend, auch wenn einige Banken noch immer nicht davon überzeugt scheinen. Elf der 67 Präsentationen entstammten diesem Gebiet. Dass es dabei um mehr geht als nur schöne Grafiken zeigt u.a. die Weiterentwicklung von Meniga zur aktiven Nutzung der Daten, die von Forester als Revolution des Marketing bezeichnet wird.
  2. Mobile Banking geht über die reinen Transaktionen hinaus. U.a. wird die in jedem Smartphone enthaltene Kamera mit eingebunden.
  3. Die Suche nach Alternativen zum Passwort geht weiter. Insbesondere wurden einige biometrische Verfahren vorgestellt.
  4. Die automatisierte Online „Selbstberatung“ für die Geldanlage wird weiterentwickelt und enger mit dem Thema „Sparen“ verknüpft.
  5. Customer Experience steht im Vordergrund. Nur wenige der Anbieter befassen sich mit dem Back-End. Das kundenorientierte Front-End steht bei den meisten im Blickpunkt.
  6. Kunden werden vermehrt einbezogen. Durch die Nutzung z.B. von Crowdsourcing wird versucht die Idee der sozialen Netzwerke für die Finanzdienstleistung weiterzuentwickeln.
  7. Bitcoins waren zumindest bei einigen Präsentatoren trendy, die NFC Technologie dagegen nicht.
  8. Noch immer stehen die Themen Schecks und Karten offensichtlich hoch im Kurs.
  9. Auch das Thema P2P-Payment ist nicht tot zu kriegen.

Bewertung

Eigentlich war ich voller Vorfreude nach London gereist. Normalerweise sind immer einige echte Überraschungen und Neuerungen dabei. Diesmal fehlten sie, nicht nur nach meinem Gefühl.

Mit Bezug auf die Eingangszeilen: Inkrementelle Innovation überwog die disruptiven Elemente. Tröstlich dabei war es auch nicht, dass der Schlüssel zum Erfolg bei Innovationen immer in der entsprechenden Führung liegt und nicht in der Lösung selbst.

Letztlich sind beide Innovationsformen notwendig und sinnvoll, gerade in Zeiten dynamischer, sich schnell wandelnder Märkte und neuer Wettbewerber stoßen inkrementelle Innovationen jedoch an ihre Grenzen. So bleibt zu hoffen, dass 2015 wieder einige bahnbrechende Ideen vorgestellt werden.

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Über den Autor

Dr. Hansjörg Leichsenring

Dr. Hansjörg Leichsenring befasst sich seit über 30 Jahren beruflich mit Banken und Finanzdienstleistern. Nach Banklehre und Studium arbeitete er in verschiedenen Positionen, u.a. als Direktor bei der Deutschen Bank, als Vorstand einer Sparkasse und als Geschäftsführer eines Online Brokers.

Als Experte für Digitalisierung, Innovation und Vertrieb hält er Vorträge bei internen und externen Veranstaltungen im In- und Ausland und bietet Banken und Finanzdienstleistern Dienstleistungen im Bereich (Interims)Management sowie Beratung/Consulting an.

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1 Kommentar

  1. Hallo Herr Leichsenring,

    ich kann meiner Erleichterung bzgl. des Abschluss Ihres Artikels „mehr inkrementell, denn disruptiv“ kaum Ausdruck geben. Die Themen sind wirklich hinlänglich bekannt und in dieser Form kaum für grundlegende Veränderungen geeignet.

    Beste Grüße

    Mario Alves

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