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Der Nährboden für FinTech ist gut bereitet

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Interview mit Frank Niehage, CEO der FinTech Group AG


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Die FinTech Group will Deutschlands führendes Unternehmen für Innovationen im Finanzsektor werden. Mit dem CEO der Gruppe, Frank Niehage, habe ich über die aktuellen Entwicklungen in der Finanzbranche und seine Strategie gesprochen.

Digitalisierung und Banken

Die Digitalisierung schreitet voran und erfordert Investitionen in IT und mobile Technologien

Die FinTech Group AG beschreibt sich selbst als einen führenden europäischen Anbieter innovativer Technologien im Finanzsektor. Im Direct Brokerage hat sie 200.000 Privatkunden und ist im B2B-Bereich wichtiger Technologie-Partner deutscher und international tätiger Banken und Finanzunternehmen. Sie verfügt nicht nur über eine europäische Vollbanklizenz sondern auch über eine eigene moderne, modular aufgebaute IT-Infrastruktur, die ihr günstige Kosten und Flexibilität sichert. Ende März hat sie für 2016 das beste Ergebnis ihrer Firmengeschichte bekanntgegeben. Der Jahresüberschuss lag mit 12,3 Mio. EUR (Vj. -2,2 Mio. EUR) über den Schätzungen der Analysten. Ausschlaggebend war neben dem organischen Wachstum bei der Tochter flatex das neuaufgestellte B2B-Geschäft mit attraktiven neuen, langfristigen Mandaten.

Interview mit Frank Niehage, FinTech Group AG

Der CEO der FinTech Group AG ist seit 2014 Frank Niehage. Er war zuvor für Goldman Sachs und die Bank Sarasin tätig. Begonnen hat er seine Karriere bei UBS und Credit Suisse. Mit anderen Worten, der gelernte Jurist kennt das Bankgeschäft ziemlich gut. Das Manager Magazin bezeichnete ihn vor kurzem als Enfant terrible der Finanzindustrie, was in Zeiten der digitalen Transformation keine schlechte Voraussetzung sein muss, das Ziel zu erreichen, aus der FinTech Group ein innovatives Milliardenunternehmen zu machen.

Frank Niehage, FinTech Group AG

Frank Niehage, CEO der FinTech Group AG, im Gespräch mit dem Bank Blog

Flatex-Kunden akzeptieren Strafzinsen überwiegend

Der Bank Blog: Eine aktuelle Frage zu Beginn: Viele Banken beklagen sich über die anhaltende Niedrigzinspolitik der EZB. Seit dem 15. März nehmen Sie von Ihren Flatex-Kunden einen Strafzins in Höhe von 0,4 % auf Einlagen. Wie haben die Kunden reagiert?

Frank Niehage: Wir haben im Vorfeld über drei Monate rund 10.000 unserer Kunden zu ihrer Einschätzung der Zinslandschaft und der Frage von Negativzinsen befragt. Über 75 Prozent haben Verständnis für unseren Schritt geäußert. Wir belasten nicht mehr und nicht weniger als das, was die EZB uns belastet. Zudem haben wir unseren Kunden verschiedene Alternativen aufgezeigt.

In der Folge ist ein dreistelliger Millionenbetrag wegverfügt worden, vor allem von Kunden, die Geld bei uns geparkt hatten ohne Wertpapierumsätze zu tätigen. Einige Kunden sind auch weggegangen. Dennoch haben wir im März netto wieder 2.000 neue Kunden dazu gewonnen. Die meisten unserer Kunden halten uns weiter die Treue. Sie verfügen über ein gutes Finanzwissen und sind überzeugt von unserem ehrlichen und transparenten Preismodell das wir seit nunmehr über zehn Jahren nachhaltig anbieten. Es zeigt sich wieder einmal, dass Ehrlichkeit und Transparenz einen hohen Wert haben.

Moderne IT ist Schlüssel zum Erfolg in der Finanzbranche

Der Bank Blog: Sie haben bei der Vorstellung Ihres Jahresergebnisses ausgeführt, dass Sie davon ausgehen, „dass wir uns erst am Anfang der Disruption des traditionellen Bankgeschäftes befinden und diese Entwicklung daher noch viele Jahre anhalten wird.“ Welche konkreten Entwicklungen sehen Sie für die kommenden Jahre?

Frank Niehage: Banken stehen aktuell insbesondere vor der Herausforderungen, den hohen Ergebnisdruck beherrschbar zu machen. Dahinter verbergen sich drei Ursachen:

  • Erstens hat das anhaltende Niedrigzinsumfeld dazu geführt, dass Banken im Treasury wenig bis gar kein Geld mehr verdienen.
  • Zweitens kostet die Erfüllung der steigenden regulatorischen Anforderungen viel Geld.
  • Drittens erfordert der Trend zur mobilen Digitalisierung hohe Investitionen.

Institute mit schlechten und inflexiblen IT-Strukturen sind davon stärker betroffen als solche mit guter und flexibler IT. Gerade in diesem Bereich steckt für viele Banken aber noch viel nicht ausgeschöpftes Potential zur Effizienzsteigerung und Ergebnisverbesserung.

Der Bank Blog: Sie wollen „Deutschlands führendes Unternehmen für Innovationen im Finanzsektor“ werden. Ihre Mission lautete bislang „Building Europe’s FinTech Champion“. Nun soll sie durch das Wortspiel „We got IT” ersetzt werden. Welche USP können Sie Ihren Kunden anbieten?

Frank Niehage: In unserem neuen Slogan „We got IT” spiegelt sich die Grundlage unseres Erfolgs wieder: Automatisierte, IT-gesteuerte Prozesse für den gesamten Wertschöpfungsprozess. Um nur ein Beispiel zu geben: Wir führen zehn Mio. Wertpapiertransaktionen pro Jahr aus, ohne ein einziges Blatt Papier in die Hand nehmen zu müssen. Auch Faxe werden vollständig digital verarbeitet. Eine Konto- oder Depoteröffnung können Kunden bei uns vollständig papierlos und ohne Medienbruch durchführen.

Und für die Transaktionen, bei denen noch eine Unterschrift des Kunden erforderlich ist, haben wir gerade beim Europäischen Patentamt eine entsprechende E-Signatur-Lösung angemeldet, die auf einem Joint Venture mit unserem koreanischen Partner Finotek basiert.

Indem wir die genannten Erfolgsfaktoren in unserem B2C-Geschäft erfolgreich praktizieren, können wir auch unseren B2B-Partnern gegenüber eine nachhaltige und unter Beweis gestellte Value Proposition anbieten.

Zudem gehören die Prozesse zu 99 Prozent uns selbst. Wir haben eigene Source Codes und ein eigenes modular aufgebautes Kernbankensystem, d.h. wir sind bei notwendigen Anpassungen nicht auf einen externen Provider angewiesen, sondern machen alles selbst. Von unseren rd. 460 Mitarbeitern sind rd. 250 IT-Fachleute, damit haben wir gegenüber anderen geringere Grenzkosten in diesem Bereich. Mit anderen Worten: Wir sind unabhängig und autark in dem was wir tun. Das ist längst nicht bei jedem Wettbewerber und schon gar nicht bei allen im Markt tätigen Banken oder Brokern so.

Für unsere bestehenden und neu hinzu kommenden B2B-Kunden bieten wir so die Grundlage für eine umfassende, komplett digitalisierte Banking-Infrastruktur an. Beispiele sind die IKB, die Pfandbriefbank oder das Bankhaus Obotritia, das von uns die Aktionärsbank gekauft hat und uns zukünftig als Outsourcing-Dienstleister nutzen wird.

Aufbau einer digitalen Bank für Rocket Internet

Der Bank Blog: Sie sind dabei, für Rocket Internet eine europäische digitale Bank aufzubauen. Wie weit sind Sie damit schon gekommen?

Frank Niehage: Das ist richtig, wir sind Outsourcing-Partner von Rocket Internet. Rocket betreibt kein eigenes Bankgeschäft, sondern nutzt unsere Infrastruktur und unsere Banklizenz. Das Geschäft steht soweit. Mit Zinsgold werden Einlagen gesammelt und über deutsche und europäische Kreditplattformen (z.B. Funding Circle) investiert.

Der Bank Blog: Bestehen hier nicht potentielle Interessenkonflikte, z.B. falls Rocket auf die Idee käme, einen eigenen Online Broker an den Markt zu bringen?

Frank Niehage: Erstens bin ich davon überzeugt, dass Wettbewerb immer das Geschäft belebt. Zweitens: Die Märkte in Deutschland und Europa sind so groß, da ist für jeden noch ein Platz frei. Drittens: Wir arbeiten bereits heute vertrauensvoll mit Banken zusammen, die eigene Brokerage-Aktivitäten haben, denken Sie nur an die Deutsche Bank oder die Commerzbank, die bei uns Leistungen im B2B-Bereich in Anspruch nehmen.

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Im Brokerage kalkulieren wir mit internen Kosten pro Transaktion in Höhe von 1,25 Euro. Damit sind wir Kostenführer. Bei mittelständischen Banken liegen die Kosten pro Order zwischen 20 und 100 Euro. Und eine reine Online Bank wie die comdirect hat acht Euro Orderkosten. Wir berechnen fünf Euro börslich und 5,90 Euro außerbörslich. Daran sehen Sie, dass es für neue Anbieter extrem schwierig sein dürfte, uns hier den Markt streitig zu machen, zumal man die notwendige Transaktionsmasse erst einmal aufbauen muss.

Mobile Payment bietet Chancen

Mobile Payment mit dem Smartphone

Mobile Payment ist die Zukunft des Bezahlens
© Shutterstock

Der Bank Blog: Mit kesh bieten Sie eine White-Label Endkundenlösung für Mobile Payment an. Welche Bedeutung hat kesh in Ihrer Geschäftspolitik und wie beurteilen Sie die Aussichten für eine Verbreitung von Mobile Payment in den kommenden fünf Jahren?

Frank Niehage: Sicherlich hat man in diesem Bereich nicht auf uns gewartet. Im Rahmen unserer GuV nimmt das Thema aber auch eher eine Nachkommastelle ein. Fairerweise muss man hinzufügen, dass kesh erst im Zuge der Übernahme der XCOM in unser Portfolio eingeflossen ist und wir zu dem Thema vorher keinen Bezug hatten. Im Zahlungsverkehr mit Endkunden liegt zudem kein Schwerpunkt unserer Aktivitäten.

Allerdings ist kesh eine tolle, technologisch ausgereifte Lösung und wir schauen immer wieder, in welche unserer B2B-Lösungen es sich sinnvoll integrieren lässt. Und da bieten sich durchaus einige Möglichkeiten, so z.B. im Rahmen des Joint Ventures mit unserem koreanischen Partner. Die asiatischen Märkte sind für das Thema sehr viel aufgeschlossener als unser Heimatmarkt. Technologische Lösungen aus Deutschland genießen dort mitunter sogar ein höheres Ansehen als bei uns, denken Sie nur an den Transrapid.

innovative mobile Identifikation durch E-Signatur

Der Bank Blog: Durch das mit Finotek eingegangene Joint Venture erhalten Sie Zugriff auf innovative mobile Identifikationslösungen. Wo sehen Sie hierfür Marktpotentiale und wie wollen Sie diese erschließen?

Frank Niehage: Unsere E-Signatur-Lösung bietet eine biometrische Identifikationslösung für die mobil-basierte elektronische Signatur. Mit ihr ist es möglich, Kreditanträge oder das Onboarding neuer Kunden in kürzester Zeit fallabschließend zu bearbeiten. Wir wollen dies im B2C-Bereich bis zum Sommer einführen, d.h. unsere Kunden können dann überall da, wo noch eine Unterschrift benötigt wird, eine elektronische Unterschrift leisten. Das ist ja nach europäischem Recht seit Mitte letzten Jahres zulässig (Stichwort: eIDAS).

Im zweiten Schritt werden wir dies im B2B-Bereich als White-Label-Lösung vermarkten. Dabei sehen wir nicht nur andere Banken in Deutschland und Europa als Zielgruppe sondern auch sonstige Finanzdienstleister sowie andere Branchen, in denen mit Online-Unterschriften gearbeitet werden kann und soll.

Offen für Zukäufe – vor allem im Online Brokerage

Der Bank Blog: Sie haben vor kurzem die Möglichkeit von Zukäufen angedeutet. Sehen Sie diese eher in etablierten Unternehmen oder wenden Sie sich auch FinTech-Startups zu?

Frank Niehage: Grundsätzlich schauen wir uns natürlich alles an, was Sinn machen könnte. Wir wollen unsere Wertschöpfungskette laufend erweitern und wenn dazu ein Baustein passt, den wir so noch nicht haben, aber gerne hätten, dann kämen sowohl Startups als auch Unternehmen wie XCOM in Frage. Noch mehr interessiert uns aber ein Ausbau unserer Kundenbasis im Wertpapiergeschäft, da wir vorhaben, unsere Transaktionszahlen in den nächsten Jahren zu verdoppeln. So haben wir z.B. bei OnVista mitgeboten, fanden das aber letztlich zu teuer.

Ebenso schauen wir uns „Distressed Situationen“ an, also Wettbewerber die z.B. nicht so günstig produzieren, ungünstigere Kundengewinnungskosten aufweisen oder in der IT oder im Management nicht so gut aufgestellt sind wie wir. Dort prüfen wir, ob wir das Ganze durch eine Übernahme, Fusion oder strategische Beteiligung effizienter und erfolgreicher machen können.

Der Bank Blog: Sehen Sie denn in Deutschland noch Kandidaten?

Frank Niehage: In Deutschland sind wir bei den Trading-intensiven Kunden mit 40-50 Transaktionen im Jahr ohnehin schon einer der führenden Anbieter. Und in Österreich haben wir nach der Schließung von Brokerjet ebenfalls eine starke Position am Markt. Wenn sich dort Opportunitäten ergäben, würden wir diese sicherlich nutzen, aber viel wichtiger für unser Wachstum sind andere Länder und Märkte, die wir mit unserer europäischen Banklizenz erschließen können und wollen.

FinTech hat in Deutschland guten Nährboden

Der Bank Blog: Zum Schluss interessiert mich Ihr Blick als CEO der FinTech-Group auf FinTech-Startups in Deutschland. Welche Zukunft geben Sie der Branche?

Frank Niehage: Mit dem FinTech-Hub in Frankfurt, dem IoT-Center in Berlin sowie zahlreichen Initiativen, Labs, Plattformen, Inkubatoren, Akzeleratoren und sonstigen Initiativen ist der Nährboden in Deutschland bereitet. Einige erfolgreiche FinTechs sind ja auch Partner der FinTech-Group, etwa Zinspilot, Auxmoney, OptioPay, CrossLend, Savedo.

Das Umfeld bietet ausreichend Infrastruktur, Hilfestellung und regulatorisches Verständnis, damit sich mehr FinTech-Firmen bei uns ansiedeln können. Per se ist das positiv zu bewerten. Vom Status eines Silicon Valley sind wir aber sicherlich noch 20 Jahre entfernt und nicht alles, was in Amerika gut funktioniert, ist deswegen automatisch auch für uns gut und umsetzbar. Profitieren werden wir sicherlich durch den Brexit-Effekt, in dessen Folge der eine oder andere überlegen wird, ob London noch der optimale Standort ist.

Ich bezweifle allerdings, dass am Ende alle FinTech-Startups das Licht am Ende des Tunnels sehen werden. Nicht alle mit einer tollen Idee werden zum Zug kommen. Und auch bei denen besteht dann noch ein Unterschied zwischen der Idee und deren Umsetzung in ein nachhaltig erfolgreiches und profitables Geschäft. Das gilt allerdings für alle Startups, auch solchen in anderen Branchen.

FinTech-Startups helfen, bestimmte Themen disruptiv zu begleiten und der Endkunde kann sich über mehr Wettbewerb und Transparenz und in der Folge über bessere Leistungen, mehr Komfort und günstigere Preise freuen. Und das ist ja nicht das Schlechteste.

Der Bank Blog: Vielen Dank für das Gespräch.


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Über den Autor

Dr. Hansjörg Leichsenring

Dr. Hansjörg Leichsenring befasst sich seit über 30 Jahren beruflich mit Banken und Finanzdienstleistern. Nach Banklehre und Studium arbeitete er in verschiedenen Positionen, u.a. als Direktor bei der Deutschen Bank, als Vorstand einer Sparkasse und als Geschäftsführer eines Online Brokers.Aktuell bietet er Banken und Finanzdienstleistern Dienstleistungen im Bereich (Interims)Management und Beratung/Consulting an und vertritt die Firma Meniga, einen innovativen Anbieter von White-Label-Lösungen für Persönliches Finanz Management (PFM) im deutschsprachigen Teil Europas.Darüber hinaus hält er Vorträge bei internen und externen Veranstaltungen im In- und Ausland.

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