Diese Gefahren sehen Entscheidungsträger im Internet

Cyber-Risiken aus Sicht von Politik und Wirtschaft

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In einer aktuellen Studie zur Cyber-Sicherheit in Deutschland wurden Entscheidungsträger aus Politik und Wirtschaft zu den größten Risiken der Digitalisierung für die Bevölkerung befragt – und dazu, was nötig wäre, um auf diese zu reagieren.

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Der Trend zur Digitalisierung hat unseren Alltag und die Unternehmenswelt nachhaltig verändert. Banken und Sparkassen werden später als andere Branchen erfasst, aber nicht weniger heftig. Im Bank Blog finden Sie aktuelle Studien zu diesem wichtigen Thema.

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Entscheidungsträger aus Politik und Wirtschaft in Deutschland schätzen die Gefahrenlage durch Cyber-Kriminalität als hoch ein. Das zeigen die Ergebnisse einer gemeinsamen Studie der Unternehmensberatung Deloitte und des Allensbach-Instituts. Hierfür befragte man über 400 Führungskräfte aus Unternehmen und mehr als 100 Abgeordnete aus Landtagen, dem Bundestag und dem Europaparlament.

Die größten Gefahren für die Deutschen im Netz

Als größtes Risiko sehen 77 Prozent Befragten den Datenbetrug im Internet. Mit 76 Prozent folgen Computerviren und Schadsoftware. Bei diesem zweiten Punkt aber unterscheiden sich Politik und Wirtschaft: 79 Prozent der Unternehmensvertreter sehen darin ein großes Risiko, die Abgeordneten nur zu 65 Prozent.

Digitale Wahlmanipulation ist ein Thema, dass in den vergangenen Monaten und Jahren an Bedeutung gewann – auch wegen vermeintlicher Einflussnahme durch Autokratien wie Russland auf Wahlen in den USA oder in Deutschland. 75 Prozent der Befragten sorgen sich um die Manipulation der öffentlichen Meinung durch beispielsweise Fake News.

Auf Platz vier folgt mit 63 Prozent etwa der Missbrauch von persönlichen Daten durch andere Nutzer in sozialen Netzwerken. Gleich danach stehen der Diebstahl von privaten Dateien und Informationen (62 Prozent) und Attacken auf wichtige digitale Infrastrukturen wie jenen von Krankenhäusern oder Stromnetzen (61 Prozent).

Die Gefahr eines Überwachungsstaates wird nicht befürchtet: Nur neun Prozent nennen dies als bedeutendes Cyber-Risiko. Wenig Angst besteht ebenso vor einer Verzögerung der Impfstoffproduktion während der Corona-Krise, die durch Cyber-Attacken ausgelöst werden könnte (12 Prozent).

Die größten Cyber-Risiken für die Menschen in Deutschland 2021

Die größten Cyber-Risiken für die Menschen in Deutschland 2021 aus Sicht von Entscheidungsträgern

Soziale Medien: Grundsätzlich eine gute Sache

Zudem zeigt die Umfrage, wie Politik und Wirtschaft generell zu sozialen Medien stehen: Die meisten Führungskräfte aus mittleren und großen Unternehmen (58 Prozent) und die Mehrheit der befragten Abgeordneten (60 Prozent) sehen in ihnen eher eine Chance als ein Risiko. Dennoch bewerten 86 Prozent der Abgeordneten Filterblasen als eine große oder sehr große Gefahr für die Demokratie.

Die Gefahr des Shitstorms

15 Prozent der Unternehmen berichten davon, dass ihre Unternehmen bereits Opfer eines Shitstorms geworden seien. Häufig seien davon große Unternehmen mit 1.000 und mehr Mitarbeitern betroffen. 22 Prozent hatten mindestens einen solchen Vorfall in der Vergangenheit.

Trotzdem würden nur 55 Prozent aller befragten Unternehmen systematisch verfolgen, was in den sozialen Medien über sie berichtet wird. Bei Unternehmen, die in Social Media eher Risiken als Chancen sehen, sei dies nicht so oft der Fall (40 Prozent).

Die Umfrage offenbart auch: Abgeordnete sind wesentlich häufiger von Shitstorms betroffen als Unternehmen. 49 Prozent der befragten Politiker waren schon mindestens einmal einem Shitstorm ausgesetzt. 68 Prozent der Abgeordneten halten sich auf dem Laufenden, was in den sozialen Medien über ihre Partei geäußert wird.

Cyber-Resilienz braucht technologische Unabhängigkeit

Die Mehrheit der Befragten hält es für notwendig, dass wichtige Schlüsseltechnologien für die Digitalisierung und Vernetzung von deutschen oder europäischen Unternehmen hergestellt werden. Damit wolle man die nationale Unabhängigkeit bewahren. 82 Prozent der Manager und 93 Prozent der Abgeordneten sind dieser Meinung. Das entspricht einer Steigerung gegenüber 2019 von elf Prozent unter den Unternehmen. Vier Prozent mehr sind es unter den Abgeordneten.

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Unzureichender Austausch von Politik und Wirtschaft

Knapp 80 Prozent der Abgeordneten und der Wirtschaftsvertreter seien zudem der Meinung, der Austausch zwischen Politik und Unternehmen reiche nicht aus. 68 Prozent der Unternehmensvertreter sehen ihre Bedürfnisse durch die Politik im Bereich der Cyber-Sicherheit ungenügend berücksichtigt. 58 Prozent der Abgeordneten fühlen sich weniger gut oder gar nicht gut über die Bedürfnisse der deutschen Wirtschaft informiert.

Auskünfte zu Fragen zur Cyber-Sicherheit erhielten die Abgeordneten aus ihrem eigenen Umfeld. Sie verlassen sich auf Informationen von Behörden, vom wissenschaftlichen Dienst des Bundestages oder aus den Fraktionen.

Manager fordern Zentralisierung staatlicher Stellen

71 Prozent der Unternehmensvertreter würden außerdem eine stärkere Zentralisierung staatlicher Stellen beim Thema Cyber-Sicherheit fordern. Insbesondere große Unternehmen mit 1.000 und mehr Mitarbeitern hielten eine zentrale Anlaufstelle für wichtig oder sehr wichtig.

Anders die Ansicht der befragten Abgeordneten: 48 Prozent meinten, die Zuständigkeiten seien gut zwischen Bundes- und Landesebene aufgeteilt, weitere 12 Prozent plädieren sogar für eine stärker föderale Organisation in diesem Bereich.

Gefahrenquelle Homeoffice: Einfallstor für Cyberattacken

Nicht zuletzt sei es auf die Corona-Pandemie zurückzuführen, dass die Bedeutung der Cyber-Sicherheit in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt ist, schreiben die Studienautoren: Der Siegeszug des Homeoffice erhöht die Angriffsfläche für Cyber-Kriminelle. Hier bedürfe es an wirksamen Schutz.

Auch 34 Prozent der befragten Wirtschaftsführer hätten angegeben, die Cyber-Sicherheit habe durch die Corona-Krise in ihrem Unternehmen an Bedeutung gewonnen. 82 Prozent der Wirtschaftsvertreter und 52 Prozent der Abgeordneten berichten zudem davon, dass spezielle IT-Sicherheitsmaßnahmen im Homeoffice getroffen wurden. Dazu gehören beispielsweise Schulungen, spezielle Sicherheitssoftware oder die Sperrung von Anwendungen für Mitarbeiter.

Das Risiko, das von Beschäftigten im Homeoffice selbst ausgeht, werde insgesamt als eher gering eingeschätzt: 71 Prozent der Führungskräfte aus der Wirtschaft und 84 Prozent der Abgeordneten hielten die Risiken für weniger groß oder sehen kein zusätzliches Risiko. Gleichzeitig hätten 34 Prozent der Wirtschaftsführer und 22 Prozent der Abgeordneten Zweifel am Risikobewusstsein ihrer Mitarbeiter.

Risiken durch Videokonferenztools beurteilen 67 Prozent der Wirtschaftsführer und 59 Prozent der Abgeordneten als weniger groß oder gar nicht groß. Allerdings bestünden bei 56 Prozent der Abgeordneten und bei 48 Prozent der Führungskräfte Vorbehalte gegenüber Videokonferenztools aus den USA – man fürchtet sich vor unzureichendem Datenschutz.

Die Studie „Cyber Security Report 2021“ können Sie hier direkt herunterladen.

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Über den Autor

Jannik Wilk

Jannik Wilk ist als freiberuflicher Redakteur für Der Bank Blog tätig. Er ist freier Journalist und Student in Heidelberg.

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