FinTech-Aktivitäten bleiben auf niedrigem Niveau

Analyse der FinTech-Finanzierungen im zweiten Quartal 2023

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Die FinTech-Euphorie ist weiterhin gebremst. Zwei aktuelle Studien zeigen, dass die Investitionen in Finanz-Startups im zweiten Quartal 2023 auf einem niedrigen Niveau verharren. Einem leichten Anstieg der M&A-Aktivitäten steht ein Rückgang bei den Finanzierungen gegenüber.

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FT Partners Research hat seine Studie zur Entwicklung der globale FinTech-Transaktionsaktivität im zweiten Quartal 2023 vorgelegt. Darin enthalten sind erneut viele umfangreiche Analysen von Finanzierungen privater Unternehmen, Börsengängen und M&A-Transaktionen.

Und auch CB Insights hat seine Analyse vorgelegt. Das globale Fintech-Ökosystem hat sich im zweiten Quartal 2023 demnach weiter verlangsamt, wobei Finanzierungen und Abschlüsse auf das Niveau von 2017 gefallen sind.

FinTech-Markt bleibt schwierig

Während mehrere schwierige Makrofaktoren im zweiten Quartal anhielten (Bankenkrise, Sorgen über Inflation und weitere Zinserhöhungen sowie Gerüchte über einen bevorstehenden Absturz von Gewerbeimmobilien), erholten sich die öffentlichen Märkte im Laufe des Quartals weitgehend.

Nach einem sprunghaften Anstieg der Finanzierungen im ersten Quartal 23 (angetrieben durch die Finanzierungsrunde von Stripe in Höhe von 6,5 Mrd. USD) gingen die weltweiten Finanzierungen für FinTech-Unternehmen im zweiten Quartal 23 im Vergleich zum Vorquartal um 48 Prozent auf 7,8 Mrd. USD zurück. Auch die Zahl der Geschäftsabschlüsse ging das fünfte Quartal in Folge zurück und erreichte 845. Die Mega-Finanzierungsrunden über 100 Mio. USD erreichen mit 2 Mrd. USD den niedrigsten Stand seit sechs Jahren.

Das Finanzierungsvolumen privater Unternehmen schrumpfte im zweiten Quartal 2023 gegenüber dem ersten Quartal 2023 weiter, blieb aber über dem Tiefstand, der im ersten vollständigen Quartal während der Corona-Pandemie verzeichnet wurde.

Entwicklung der globalen FinTech-Finanzierungen (2010-Q2/2023)

Entwicklung der globalen FinTech-Finanzierungen seit 2010.

Die Finanzierungen aus Mega-Runden über 100 Mio. USD fielen im zweiten Quartal 2023 um 78 Prozent auf 2 Mrd. USD – ein Tiefstand seit 6 Jahren. Mega-Runden machten im Quartal nur 26 Prozent der Gesamtfinanzierung aus, weit entfernt vom jüngsten Höchststand von 67 Prozent im Jahr 2021. Der größte Deal des Quartals ging an die Maklerplattform Clear Street, die eine Serie-B-Runde über 270 Mio. $ aufnahm.

Auch die Zahl der Mega-Runden sank auf den niedrigsten Stand seit 5 Jahren, nämlich um 20 Prozent gegenüber dem Vorquartal auf 12 Runden in Q2’23.

Die Aktivitäten in der Frühphase und bei kleineren Transaktionen waren hingegen weiterhin stark. Im Jahr 2023 haben Unternehmen in der Frühphase bisher 72 Prozent aller Deals erhalten – ein 5-Jahres-Hoch, wenn der Trend bis zum Ende des Jahres anhält.

FinTech-M&A mit leichtem Zuwachs

Nach sechs rückläufigen Quartalen in Folge ist das Gesamtvolumen der globalen FinTech-Deals in den Bereichen M&A und Börsengänge im zweiten Quartal 2023 gegenüber dem Vorquartal insgesamt leicht gestiegen, das ist aber vor allem auf einen Anstieg der M&A-Deals über 1 Mrd. USD zurückzuführen ist.

Im Bereich M&A war im zweiten Quartal ein Zuwachs zu verzeichnen. Insgesamt bleibt das Niveau jedoch niedrig. Ein kleinerer FinTech-Börsengang fand im zweiten Quartal statt, und, was noch wichtiger ist, CAB Payments schloss seinen Börsengang an der Londoner Börse in Höhe von 426 Millionen US-Dollar zu Beginn des dritten Quartals ab, was möglicherweise eine Rückkehr der FinTech-Börsengänge signalisiert.

Entwicklung der globalen FinTech-M&A-Deals (2020- Q2/2023)

Entwicklung der globalen FinTech-M&A-Transaktionen seit 2020.

Darüber hinaus scheint sich die Dynamik im Bereich FinTech M&A auch im dritten Quartal fortzusetzen, da mehr als die Hälfte aller Transaktionen über 500 Mio. USD im Jahr 2023 im Juni und Juli angekündigt wurden.

B2B-FinTechs gefragt

Trotz des Rückgangs der gesamten Finanzierungstätigkeit verzeichneten einige FinTech-Sektoren im zweiten Quartal einen Aufschwung. Während die Finanzierungen im Bereich Zahlungsverkehrs Quartalsvergleich um 75 Prozent  zurückgingen, stieg das Finanzierungsvolumen für den Sektor Financial Management Solutions im Vergleich zum Vorquartal um mehr als 80 Prozent, da die Investoren ihr Augenmerk auf B2B-FinTechs richteten.

Alle anderen Fintech-Sektoren – einschließlich Banking, InsurTech, WealthTech und Kapitalmärkte – verzeichneten Finanzierungsrückgänge. Die digitale Kreditvergabe verzeichnete mit einem Rückgang von 44 Prozent auf 1 Mrd. USD den größten Rückgang nach dem Zahlungsverkehr.

Auch der sich abzeichnende Fokus auf neue generative KI-Technologien bietet sowohl für FinTech-Startups als auch für etablierte Akteure zahlreiche Chancen und weckt das Interesse der Investoren.

Vier neue FinTech-Einhörner

Im zweiten Quartal 2023 erblickten vier neue FinTech-Einhörner das Licht der Märkte:

  • Quantexa (KI Plattform, UK), 1,8 Mrd. USD,
  • AlphaSense (KI Plattform, USA), 1,8 Mrd. USD,
  • com (KI eCommerce, USA), 1,2 Mrd. USD,
  • avenue one (PropTech Plattform, USA), 1,0 Mrd. USD.

Das entspricht dem Durchschnitt der letzten vier Quartale und ist weit von den Spitzenwerten in 2021 und 2022 entfernt, als pro Quartal zwischen 30 und 50 FinTech-Unicorns „geboren“ wurden. Die Gesamtzahl an FinTech-Einhörnern beträgt derzeit 334.

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Über den Autor

Dr. Hansjörg Leichsenring

Dr. Hansjörg Leichsenring ist Herausgeber des Bank Blogs und der Finanzbranche seit über 30 Jahren beruflich verbunden. Nach Banklehre und Studium arbeitete er in verschiedenen Positionen, u.a. als Direktor bei der Deutschen Bank, als Vorstand einer Sparkasse und als Geschäftsführer eines Online Brokers. Als Experte für Strategien in den Bereichen Digitalisierung, Innovation und Vertrieb ist er gefragter Referent und Moderator bei internen und externen Veranstaltungen im In- und Ausland.

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