2020 – ein besonderes Jahr für Europas Banken

Perspektiven (nicht nur) für die privaten Banken

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Die für den Finanzsektor relevanten Themen kommen auch im Jahr 2020 über die europäische Ebene nach Deutschland. Hierzu zählen vor allem die Umsetzung von Basel IV, der Brexit wie auch das Thema Klimawandel und die damit verbundenen Fragen der nachhaltigen Finanzierung.

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Egal über welches Thema im nächsten Jahr auf politischer Ebene diskutiert wird, ein Ziel darf nie aus den Augen verloren werden – die Stärkung der europäischen Wirtschaft zur Sicherung von Arbeitsplätzen. Was sich auf den ersten Blick als absolut selbstverständlich liest, wird jedoch in der politischen Realität mitunter aus den Augen verloren.

Neue Eigenkapitalvorschriften Basel IV

Besondere Relevanz wird dies bei der Umsetzung der neuen Eigenkapitalvorschriften für Banken – besser bekannt als Basel IV – haben. Wenn dabei nicht auf die europäischen Besonderheiten Rücksicht genommen wird, wird es zu signifikanten Engpässen bei der Finanzierung der europäischen Wirtschaft kommen. Das Copenhagen Economics hat für diesen Fall einen Rückgang der für Investitionen zur Verfügung stehenden Mittel von rund 700 Mrd. Euro in den nächsten zehn Jahren berechnet. Und wenn diese Zahl für sich genommen schon beunruhigend ist, verschärft sie sich vor dem Hintergrund der für die Klimawende benötigten finanziellen Mittel um ein Vielfaches.

Bekämpfung des Klimawandels

So geht die neue Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen davon aus, dass die Kosten für die Bekämpfung des Klimawandels während dieser Legislaturperiode etwa eine Billion Euro betragen werden. Um diese gigantische Summe finanzieren zu können, sind private Gelder unerlässlich. Damit der Kapitalmarkt und insbesondere die Kreditwirtschaft ihrer Funktion als Intermediär nachkommen können, müssen klare Rahmenbedingungen vorgegeben werden, die Anreize schaffen und nicht bestrafend wirken.

Schaffung eines europäischen Kapitalmarkts

Helfen würde es auch, wenn wir endlich einen wirklichen europäischen Kapitalmarkt bekämen. Es ist erfreulich, dass die Kommission und die europäischen Finanzminister der Weiterentwicklung der Kapitalmarktunion inzwischen einen großen Stellenwert einräumen. Dies war überfällig. Die Kapitalmarktunion ist kein Nischenthema, sondern kann im besten Falle zu einer Wachstumslokomotive für die Europäische Union werden. Bis zum heutigen Tage ziehen sich sichtbare und unsichtbare Grenzen durch den europäischen Finanzmarkt. Unterschiedliche Regelwerke und getrennte Aufsichten behindern den Kapitalfluss. Deshalb ist der europäische Finanzbinnenmarkt bislang nur ein Möchtegernbinnenmarkt, der sein Potenzial bei Weitem nicht ausschöpfen kann.

Die Vorteile einer Kapitalmarktunion liegen auf der Hand: Anleger und Sparer hätten bessere Möglichkeiten, am Erfolg der europäischen Wirtschaft teilzuhaben. Gerade in einer Welt, in der Mini- und Negativzinsen zum Alltag zählen, brauchen die Menschen mehr Möglichkeiten, um rentabel fürs Alter vorzusorgen. Die Kapitalmarktunion könnte ein Rettungsring für Millionen verzweifelter Anleger sein.

Das Finanzierungsangebot für Unternehmen würde breiter werden. Das ist wichtig, denn der enorme Innovationsbedarf der europäischen Wirtschaft erfordert ein höheres Maß an Eigenkapitaleinsatz und Risikokapital als bislang.

Doch wir können das Bild noch größer zeichnen. Eine wirkliche Kapitalmarktunion erhöht die Finanzmarktstabilität in Europa; Risiken würden grenzüberschreitend und auf deutlich mehr Akteure verteilt als bislang. Eine vollendete Kapitalmarktunion würde den Kontinent damit resistenter gegen Finanz- und Konjunkturkrisen machen und seine finanzpolitische Souveränität stärken. In Zeiten, in denen einzelne Wirtschaftsmächte auf rustikale Interessenspolitik setzen, wäre dies ein wichtiges Signal.

Herausforderung Brexit

Losgelöst davon wird der Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU viele Herausforderungen mit sich bringen. Hier muss es vor allem darum gehen, der europäischen Wirtschaft Planungssicherheit zu bieten und einen ungeordneten Austritt zu vermeiden. Dabei dürfen die wenigen Chancen, die sich aus dem Brexit ergeben, nicht ungenutzt bleiben. So muss die Steigerung der Attraktivität des Finanzplatzes Deutschland entschlossen angegangen werden. Nicht nur die großen deutschen Unternehmen brauchen starke Banken, um international tätig zu sein. Vor allem die vielen mittelständischen Weltmarktführer, die sogenannten Hidden Champions, sind auf Banken angewiesen, die sie vollumfänglich unterstützen können.

Das Jahr 2020 wird für Deutschland und Europa ein besonderes. Nicht nur, dass zum ersten Mal ein Mitglied die EU verlassen wird, auch der internationale Wettbewerb verstärkt sich zunehmend. Hier gilt es die nötigen –vor allem digitalen – Rahmenbedingungen zu schaffen, damit Europa und seine Mitglieder ihr erreichtes Wohlstandsniveau halten können.

Eine besondere Verantwortung hat Deutschland dabei mit der Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr 2020. Der Bankenverband wird seine Expertise in diese Diskussion einbringen. Mit der Übernahme des Vorsitzes im Executive Committee der Europäischen Bankenvereinigung (EBF) bekommt unsere Stimme dabei auch auf Brüsseler Ebene mehr Gewicht.

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Über den Autor

Dr. Christian Ossig

Dr. Christian Ossig ist Hauptgeschäftsführer und Mitglied des Vorstands des Bundesverbandes deutscher Banken e. V. Er verfügt über langjährige Erfahrungen aus dem Kapitalmarkt- und Bankgeschäft. Als Geschäftsleiter und Managing Director der Bank of America in Frankfurt verantwortete er das Geschäft mit Finanzinstitutionen und der öffentlichen Hand und war in ähnlicher Funktion bei der Royal Bank of Scotland tätig. Daneben hat er sich beim IIF in Washington DC aus regulatorischer und aufsichtsrechtlicher und im Rahmen seiner Lehrtätigkeit an der Goethe-Universität Frankfurt aus akademischer Perspektive mit Finanzinstituten beschäftigt.

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