ESG: Eine Chance für Finanzdienstleister sich neu zu positionieren?

Neupositionierung in Sachen Nachhaltigkeit

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ESG ist in aller Munde – es gibt kaum einen Jahresbericht, ein Unternehmensporträt oder einen Kommunikationsplan, in dem nicht auf Nachhaltigkeit eingegangen wird. Aber ESG ist auch zunehmend Gegenstand von Kontroversen.

Nachhaltigkeit und ESG werden immer wichtiger für Banken

Nachhaltigkeit und ESG gewinnen an Bedeutung für die Finanzbranche.

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Kürzlich bezeichnete der Economist ESG als „drei Buchstaben, die den Planeten nicht retten werden“ und sprach von einem „Investitionswahn, der Milliarden von Dollar mit Versprechungen anlockt“. Das Magazin verweist auf die rasant steigende Nachfrage nach vermeintlich nachhaltigen Anlagen einerseits und die unüberschaubare Zahl potenzieller Ziele andererseits, die der Subjektivität zahlreicher ESG-Ratings unterliegen, die zudem leicht austauschbar sind.

Dabei steht außer Frage, und der Economist erkennt dies an, dass die Existenz von ESG auf sehr realen Fakten beruht und dass der regulatorische Druck, insbesondere von Seiten der Europäischen Union, die Fakten wieder stärker in den Fokus rückt. Das Thema ESG mit echten Inhalten zu füllen, liegt nun vor allem in den Händen der Unternehmen. Wenn es ihnen gelingt, ihre bestehenden Geschäftsmodelle selbstkritisch zu hinterfragen und im Sinne einer verbindlichen Nachhaltigkeitstaxonomie auszurichten, können sie sich am Markt (neu) positionieren – und günstige finanzielle Rahmenbedingungen für ihre Wachstumsziele nutzen.

Die Rolle der Banken

Hier kommen die Banken ins Spiel. Aber nicht nur als Finanzierungspartner. Denn wie keine andere Institution kennen sie die wirtschaftlichen Aktivitäten ihrer Kunden, seien es Unternehmen oder Privatpersonen. Im privaten Bereich lese ich dies daran ab, wie der Bankberater meine Steuererklärung analysiert und, darauf aufbauend, die Finanzierbarkeit meiner geplanten Investitionen bewertet. Nachhaltigkeitskriterien mögen hier, im privaten Umfeld, noch eine untergeordnete Rolle spielen – im Firmenkundengeschäft sollten sie längst im Vordergrund stehen.

Banken sind in der Lage, Dinge zu sehen, zu erkennen und offenzulegen, die für ihre Kunden oft nicht auf den ersten Blick sichtbar sind. Zu diesen oft unerkannten Dingen gehören die negativen externen Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft, die sich aus deren wirtschaftlichem Handeln ihrer Firmenkunden ergeben, und die daraus resultierenden regulatorischen oder Reputationsrisiken. Diese Einsicht ist dringend erforderlich. Denn spätestens seit der Veröffentlichung der Sustainable Finance Strategy durch die EU-Kommission im Juli 2021 sollten Nachhaltigkeitskriterien ein fester Bestandteil jeder Risikobewertung sein.

Mit der Corporate Sustainable Reporting Directive (CSRD) wendet sich der Gesetzgeber direkt an alle Unternehmen ab 500 Mitarbeitern, ab 2024 (rückwirkend für 2023) eine Nachhaltigkeitserklärung ihres Handelns abzugeben. Schneller und direkter als der Gesetzgeber können jedoch die Banken, die in ständigem Kontakt mit den Unternehmen stehen, die nachhaltige Transformation beeinflussen. Auf diese Weise können sie ihren Kunden, aber auch sich selbst, einen erheblichen Wettbewerbsvorteil verschaffen.

Report des Handelsblatt Research Institute

Wie Finanzdienstleister das Marktpotenzial von ESG für sich nutzen können, ist Gegenstand eines neu veröffentlichten Reports des Handelsblatt Research Institute (HRI): Erfolgsfaktor ESG: Eine Chance für Finanzdienstleister, sich neu zu positionieren? Autor ist Dr. Sven Jung, der sich seit Jahren mit der Zukunft des Banking beschäftigt. Sein Report wurde von ServiceNow in Auftrag gegeben.

Sven Jung sieht in ESG ein neues Geschäftsfeld für Banken, das durch innovative Angebote von der Nachhaltigkeitsberatung über Geschäftsmodellanalysen auf Basis des EBA-Prüfprozesses für Banken bis hin zu innovativen Beratungs- und Coachingleistungen belebt wird.

Klar ist: Die Nachfrage nach ESG-Dienstleistungen wird steigen. Denn je mehr der Gesetzgeber die Unternehmen zwingt, die Folgen ihres Handelns offenzulegen, desto größer ist der Anreiz für sie, korrigierend einzugreifen. Banken können ihre Kunden hier mit ihrer Marktexpertise unterstützen, die ihnen zugleich helfen kann, ein umfassendes ESG-Verständnis aufzubauen, und so einen erheblichen Mehrwert bieten. Dies gilt auch für das KMU-Segment, das noch nicht im Fokus des Gesetzgebers steht, aber sehr wahrscheinlich bei der Umsetzung wichtiger Maßnahmen Schritt für Schritt nachziehen muss.

Voraussetzungen für eine Neupositionierung

Um dieses Potenzial ausschöpfen zu können, müssen die Banken jedoch zunächst den Transformationsprozess bei sich selbst anstoßen. Auch hier liefert der HRI-Report wichtige Hinweise. Jung kommt zu dem Schluss, dass eine strategische Ausrichtung für eine Bank in jedem Fall die Basis ihres ESG-Engagements sein müsse. ESG erfordere einen Transformationsprozess mit einem ganzheitlichen Ansatz über das gesamte Unternehmen hinweg und nicht eine Vielzahl von Einzelmaßnahmen – sehr ähnlich wie bei der Digitalisierung.

„Die Transformation zu mehr Nachhaltigkeit beginnt nicht mit der Produktentwicklung, sondern mit einer klaren Nachhaltigkeitsstrategie und der Identifikation von Potentialen“, empfiehlt auch Dr. Andreas Gruber, Leiter Public Affairs & Nachhaltigkeit bei der Deutschen Kreditbank, im exklusiven Interview mit dem Handelsblatt, Teil des HRI-Reports.

Bei der Umsetzung der unternehmensweiten ESG-Strategie stößt man schnell auf die Notwendigkeit, alle Unternehmensbereiche mit geeigneter Technologie zu vernetzen. Denn erst die Vernetzung verschiedener Teams macht es möglich, abteilungsübergreifende Zusammenhänge zu verstehen und die Mitarbeiter in relevante Abläufe zu integrieren. Zudem ermöglicht das ganzheitliche Verständnis der Zusammenhänge dem Nachhaltigkeitsverantwortlichen festzustellen, wo die Bank aktuell steht und wie es um die definierten Nachhaltigkeitsziele momentan bestellt ist. So lassen sich Verbesserungspotenziale identifizieren, messbare KPIs festlegen und die entsprechenden unternehmensinternen Abläufe optimieren.

Hierfür wiederum ist eine gemeinsame Datengrundlage unerlässlich. Diese fehlt, solange verschiedene Bereiche mit unterschiedlichen Standards, Methoden und Metriken arbeiten. Auch hier zeigt sich der Wert einer übergreifenden Technologieplattform, die verschiedene Systeme, Abteilungen oder Ökosysteme und deren Daten miteinander verknüpft. Technologie wird so zu einem Enabler bei der Umsetzung strategischer ESG-Ziele sowie der nachweisbaren Zielerreichung.

Wo stehen die Banken punkto ESG?

Laut einer Bafin-Umfrage unter 399 Finanzdienstleistern zum Jahresende 2021 sind zwar Nachhaltigkeitsrisiken ein sehr präsentes Thema in deutschen Finanzunternehmen, allerdings haben ESG-Kriterien in den Geschäftsstrategien der befragten Finanzdienstleister meist noch keine hohe Priorität. Das deutet darauf hin, dass sie ein potenziell zukunftsträchtiges Geschäftsfeld bislang vernachlässigen und das Feld anderen Akteuren, wie etwa Beratern, überlassen.

Schade. Denn Banken können ihren Kunden dabei helfen, zu verstehen, wie sich bestehende und neue Geschäftsmodelle auf ihr Risikoprofil auswirken, wie sie eine falsche oder unpräzise Berichterstattung vermeiden können und vor allem dabei, ihre eigenen ESG-bezogenen Leistungen stetig zu verbessern.


Dokument als PDF herunterladenDer HRI-Report „Erfolgsfaktor ESG: Eine Chance für Finanzdienstleister, sich zu positionieren?“ steht hier zum kostenlosen Download bereit.

Über den Autor

Arndt Mielisch

Arndt Mielisch, MBA, ist Senior Marketing Manager bei ServiceNow. Sein beruflicher Hintergrund umfasst mehrere Technologieunternehmen, FinTechs und eine NGO im Umweltbereich. Sein besonderes Interesse gilt den Treibern, Mechanismen und erforderlichen Maßnahmen auf dem Weg zu einer CO2-neutralen Wirtschaft.

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