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„Digitaler werden, Sparkasse bleiben.“

Interview mit Helmut Schiffer, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Essen

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Digitalisierung ist auch für Regionalbanken ein wichtiges Thema. Darüber, wie Regionalität und Digitalisierung zusammenpassen und was für einen Erfolg notwendig ist, habe ich mich mit Helmut Schiffer, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Essen, unterhalten.

Digitalisierung als strategisches Thema für Regionalbanken

Auch für Sparkassen ist die Digitalisierung ein wichtiges strategisches Thema.

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Seit einigen Jahren hat der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) die „Digitale Agenda“ auf den Weg gebracht, um den Transformationsprozess der Sparkassen-Finanzgruppe gezielt voranzutreiben. Die Sparkasse Essen geht mit ihren Maßnahmen darüber hinaus und treibt so die Transformation zur digitalen Sparkasse voran. So produziert sie einen eigenen Podcast, bietet Online-Events wie einen digitalen Immobilienmarkt und Live-Streams direkt in die Klassenzimmer der Essener Schulen an.

Interview mit Helmut Schiffer, Sparkasse Essen

Darüber, was dies konkret bedeutet, habe ich mich mit Helmut Schiffer unterhalten. Er ist seit 2018 Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Essen. Zuvor war der Bankkaufmann und Diplom-Sparkassenbetriebswirt Geschäftsführer des Rheinischen Sparkassen- und Giroverbandes. Weitere berufliche Stationen waren bei der Sparkasse Mülheim an der Ruhr sowie der Sparkasse Bonn.

Helmut Schiffer - Vorstandsvorsitzender, Sparkasse Essen

Helmut Schiffer ist seit 2018 Vorsitzender des Vorstands der Sparkasse Essen.

Digitalisierung ist für uns eines der wichtigsten Themen überhaupt

Der Bank Blog: Welche Bedeutung hat die Digitalisierung in der Sparkasse Essen?

Helmut Schiffer: Digitalisierung ist für uns eines der wichtigsten Themen überhaupt, weil sie unsere Gesellschaft, die Wirtschaft und das Leben jedes Einzelnen tiefgreifend verändert.  Mit Blick auf unsere Mission „Wir fördern ein gutes Leben aller Menschen in Essen“ haben wir deshalb eine klar definierte Digitalisierungs-Strategie entwickelt. Diese ist in unserer Geschäftsstrategie und in unserem Leitbild, das wir 2018 neu erarbeitet haben, verankert.

Ausgangspunkt für die digitale Strategie ist unser zentrales Zielbild: eine beratungszentrierte Sparkasse, die sich im Vergleich zum Wettbewerb durch eine besondere persönliche Nähe zu den Menschen und regionale Kompetenz auszeichnet. Dabei arbeiten wir umfassend digital, hocheffizient und sind Teil eines analogen und digitalen Ökosystems.

Digitale Lösungen, Strukturen und Prozesse nutzen wir, um unseren Kunden das Leben einfacher zu machen und so die persönliche Nähe zu ihnen zu stärken. Ein wesentlicher Teil der digitalen Sparkasse ist unsere Filial-Familie mit stationären, digitalen und medialen Angeboten. Jeder Kunde kann dabei frei entscheiden, welchen Weg er zu uns nutzt.

Bedürfnisse der Kunden in den Mittelpunkt rücken

Der Bank Blog: Wie können Sparkassen die digitale Transformation schaffen?

Helmut Schiffer: Sparkassen werden dann erfolgreich sein, wenn sie immer wieder die Bedürfnisse ihrer Kunden in den Mittelpunkt rücken, wenn sie die Digitalisierung als ganzheitlichen Prozess verstehen und konkrete Digitalisierungsziele in ihre Geschäftsstrategie einbauen.

Digitalisierung funktioniert nicht ohne ein tiefgreifendes Verständnis für die Menschen und ihre Bedürfnisse. Genauso reicht es nicht aus, wenn einzelne Bereiche im Haus isoliert nebeneinanderher arbeiten. Digitalisierung gelingt nur als Gemeinschaftswerk aller Einheiten und Mitarbeitenden. Und auch auf der Ebene der Sparkasse-Finanzgruppe stellt ein  einheitliches Vorgehen aller Sparkassen einen wesentlichen Erfolgsfaktor für eine abgestimmte digitale Ausrichtung dar.

Eine digitale Sparkasse ist besonders zukunftsfähig

Der Bank Blog: Was macht eine digitale Sparkasse aus?

Helmut Schiffer: Eine digitale Sparkasse ist in Bezug auf die Digitalisierung besonders zukunftsfähig aufgestellt. Konkret bedeutet dies:

  • Der Vorstand hat ein einheitliches Verständnis über die Bedeutung von Digitalisierung im Haus hergestellt und dokumentiert.
  • Die strategischen digitalen Ziele sind klar definiert, messbar und operationalisierbar.
  • Die Digitalisierungsziele sind in bestehenden Zielsystemen verankert. Die Digitalisierungsstrategie ist Teil der bestehenden Geschäftsstrategie und mit den vorhandenen Teilstrategien verzahnt.
  • Die strategischen Ziele sind mit konkreten Maßnahmen unterlegt und in das Projektmanagement integriert.
  • Vorstand und Führungskräfte kommunizieren die digitale Strategie in den Teams und begleiten den Umsetzungsprozess.

Digitalisierungskoordinator für die Umsetzung der „Digitalen Agenda“

Der Bank Blog: Wie haben Sie das Thema Digitalisierung in der Sparkasse Essen verankert?

Helmut Schiffer: Für die gesamten digitalen Themen haben wir einen Digitalisierungskoordinator ernannt. Er ist verantwortlich für die hausindividuelle Umsetzung der so genannten „Digitalen Agenda“ der Sparkassen-Finanzgruppe und berichtet regelmäßig an den Vorstand. In seiner Rolle gibt er sowohl strategische als auch operative digitale Impulse und bringt diese zur Entscheidung.

Die fachliche Verantwortung für die Umsetzung verbleibt in den jeweiligen Bereichen. Um den Prozess ganzheitlich anzugehen, ist es aus unserer Sicht von zentraler Bedeutung, dass der Koordinator keine operative Verantwortung für die Umsetzung einzelner Themenfelder hat. Vielmehr ist es entscheidend, dass die relevanten Informationen der Sparkassen-Finanzgruppe bei den richtigen Leuten ankommen.

Digitaler werden, Sparkasse bleiben

Der Bank Blog: Wie verbinden Sie Digitalisierung und Regionalität?

Helmut Schiffer: Bei allem, was wir in Bezug auf die Digitalisierung tun, folgen wir konsequent dem Prinzip: „Digitaler werden, Sparkasse bleiben.“ Und dabei „Menschen verstehen, Sicherheit geben, Zukunft denken“. Unser Fokus liegt also auf der digitalen Weiterentwicklung unserer Sparkasse, ohne dabei die Menschen außen vor zu lassen und die bestehenden, durch Regionalität geprägten Werte unseres Geschäftsmodells zu vernachlässigen.

Filiale und Online-Services sind kein Widerspruch

Der Bank Blog: Filiale versus Online: Ein Widerspruch oder natürliche Ergänzung?

Helmut Schiffer: Für uns als Kreditinstitut, das dem Gemeinwohl verpflichtet ist und einen finanzwirtschaftlichen Versorgungsauftrag erfüllt, sind Filiale und Online-Services kein Widerspruch. Ganz im Gegenteil. Sichtbarkeit und persönliche Gesprächspartner im Stadtgebiet gehören im digitalen Zeitalter zum Markenkern unseres Hauses. Darin sehen wir einen wesentlichen Vertrauensfaktor. Deshalb wird die Sparkasse Essen auch in Zukunft flächendeckend vertreten sein und das größte Filialnetz in Essen anbieten.

Neben der Vor-Ort-Betreuung bieten wir unseren Kunden in unserer Filial-Familie eine Vielzahl von medialen und digitalen Wegen, über die sie ihre Bankgeschäfte einfach und schnell erledigen können. Dazu gehören die mediale Filiale, die digitale Beratungs-Filiale für Privatkunden und das BusinessCenter für Geschäftskunden.

Hinzu kommen die Internetfiliale, die Sparkassen-App und das Firmenkundenportal. Letztlich wählt der Kunde den Weg, auf dem er mit uns in Verbindung tritt. Wenn Kunden den Schwerpunkt auf den digitalen Kontaktweg legen, dann bedeutet dies im Umkehrschluss nicht, dass sie in einer Filiale vor Ort nicht mehr bedient werden.

Der Bank Blog: Vielen Dank für das Gespräch.

Über den Autor

Dr. Hansjörg Leichsenring

Dr. Hansjörg Leichsenring ist Herausgeber des Bank Blogs und der Finanzbranche seit über 30 Jahren beruflich verbunden. Nach Banklehre und Studium arbeitete er in verschiedenen Positionen, u.a. als Direktor bei der Deutschen Bank, als Vorstand einer Sparkasse und als Geschäftsführer eines Online Brokers. Als Experte für Strategien in den Bereichen Digitalisierung, Innovation und Vertrieb ist er gefragter Referent und Moderator bei internen und externen Veranstaltungen im In- und Ausland.

Vielen Dank fürs Teilen und Weiterempfehlen


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