Corona-Pandemie birgt Gefahr einer Bankenkrise

Ähnliche Dimensionen wie bei der Finanzkrise 2007-2009?

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Die COVID-19 Pandemie hat den europäischen Finanzmarkt schwer getroffen. Auch wenn die Ursachen der Krise keine ökonomischen sind wie bei der Finanzkrise, kann sie dennoch schwere Folgen für Bankensektor und Anleihemärkte nach sich ziehen.

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Eine aktuelle Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt, dass vor allem Großbanken die Folgen der Corona-Krise aufgrund ihrer Rolle als Staatsfinanziers zu spüren bekommen könnten. Aufgrund der steigenden Staatsverschuldung könne die Bonität der Länder sinken, was wiederum zu sinkenden Kursen der Anleihen führen würde.

Die daraus resultierenden Eigenkapitalverluste der Geldhäuser würden die Fähigkeit, Kredite an Unternehmen und private Haushalte zu vergeben, beeinträchtigen, was wiederum Druck auf die Erträge ausübe. Allerdings gebe es nach Ansicht der Studienautoren keine unbedingte Notwendigkeit, die Banken in der Krise zu stärken.

Die Auswirkungen des Coronavirus auf die Realwirtschaft

Im Mittelpunkt der wirtschaftspolitischen Debatte über die Covid-19-Pandemie stehe bisher die Realwirtschaft. Dort habe sich der Lockdown unmittelbar und schockartig ausgewirkt; der stationäre Einzelhandel sei weitestgehend unterbunden, Hotels und Gaststätten geschlossen und Lieferketten national wie international gestört gewesen. Einige Wirtschaftsbereiche – wie die Automobilbranche – hatten vorübergehend die Produktion sogar vollständig stillgelegt.

Banken und andere Finanzintermediäre – zum Beispiel Kreditversicherer – seien bisher allenfalls sekundär betroffen und politisch eher prospektiv von Interesse. Dabei werde zunehmend spekuliert, ob und in welchem Ausmaß es im weiteren Verlauf der Krise über eine Insolvenzwelle zu Belastungen des Bankensystems kommen könne.

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Die drei Transmissionskanäle des Corona-Schocks

Grundsätzlich seien drei Transmissionskanäle des Corona-Schocks auf die Banken beschreib- und unterscheidbar:

  1. Rating-Downgrade für europäische Staaten,
  2. Strukturelle Effekte
  3. Insolvenzen in Corona-betroffenen Branchen

1. Rating-Downgrade für bestimmte europäische Staaten

Steigen in dieser historisch einmaligen Krise die Staatsschulden, dann wäre ein Rating-Downgrade für bestimmte europäische Staaten (z.B. Italien oder Griechenland) möglich. Unter anderem, da Staatsanleihen nach wie vor nicht mit Eigenkapital zu unterlegen sind, könne daraus eine Wiederkehr der Banken- und Staatsschuldenkrise im Euroraum resultieren.

Das dürfte vor allem Großbanken betreffen. Anders als noch vor zwölf Jahren wirke dem jedoch die etablierte Bankenunion mit entsprechenden Eingriffs- und Stabilisierungsmöglichkeiten entgegen. Hinzu komme, dass die Einigung des Europäischen Rates am 20. Juli 2020 über den „Aufbaufonds“ insbesondere darauf abziele, die besonders von der Pandemie betroffenen Staaten der EU und deren Schuldentragfähigkeit zu entlasten.

2. Strukturelle Effekte

Es zeige sich, dass die Pandemie das private und berufliche Reiseverhalten der Menschen verändert. Dies machten Umsatzrückgänge und -verschiebungen im Tourismus deutlich. Besonders die Luftfahrtbranche ist betroffen, für das zweite Halbjahr werde allenfalls eine Auslastung von 30-40 Prozent des Vorkrisenniveaus erwartet; eine Normalisierung sei erst über mehrere Jahre hinweg erwartbar.

Da unklar ist, wie lange die Unterauslastung letztlich bestehen bleibe und welche strukturellen Effekte fortwirkten, könne es sein, dass Banken die Kreditausfallraten bei der Flugzeugfinanzierung und der Schiffsfinanzierung unterschätzt haben. Bei einer zu geringen Eigenkapitalunterlegung drohten Bilanzprobleme, die wiederum die auf diese Finanzierungen spezialisierten Großbanken und Anleihegläubiger treffen könnte. Eine breite Krise des Bankensystems sei darüber hinaus nach Einschätzung der Studienautoren allerdings nicht zu erwarten.

3. Insolvenzen in Corona-betroffenen Branchen

Besonders bedeutsam für das Bankensystem könnten besonders breit angelegte Insolvenzen in Corona-betroffenen Branchen sein, wie Landwirtschaft, Nahrungsmittel, Gastgewerbe, Tourismus, Messebau, Freizeit und Sport. Vor allem kleinere Unternehmen – auch der klassische Mittelstand – seien in diesen Branchen betroffen. Hinzu kämen gegebenenfalls Unternehmen in den Zulieferbereichen der Automobilhersteller, sofern die Nachfrage nachhaltig gering bleibe und der Strukturwandel zu neuen Antrieben nicht abreiße.

Die kleineren Unternehmen seien in der Regel eher die Kunden von Kreditgenossenschaften und Sparkassen als von Großbanken. Erstere trügen damit ein erhöhtes Risiko für umfassendere Kreditausfälle. Beide Bankengruppen besäßen aber eigene Aufsichts- und Sanierungssysteme wie die Institutssicherung als Haftungsverbund, der den Fortbestand von jedem der angeschlossenen Institute sichere. Insofern könne eine Insolvenzwelle im Verbund aufgefangen werden und dürfte die Konsolidierung im Volksbanken- und Sparkassensektor befördern.

Eine andere Ausgangslage als zur globalen Finanzkrise

Ein bedeutender Unterschied zur globalen Finanzmarktkrise sei, dass die Bankbilanzen aktuell nicht vernetzt seien. Damals hielten die Banken ähnliche Wertpapiere in ihren Bilanzen, so dass der Wertverlust eines Wertpapieres auch zu Wertverlusten bei ähnlichen Wertpapieren führte.

Da diese Assets zum Marktwert bilanziert werden mussten, übertrugen sich die Wertverluste auf das gesamte Bankensystem. Bei den aktuell befürchteten Insolvenzen sei dies nicht der Fall. Die Verluste aus einer Insolvenz bei einem Unternehmen trügen nur die Kreditgeber des betroffenen Unternehmens. Im Vergleich zur Globalen Finanzkrise wirke die aktuelle Krise dadurch mit einer viel geringeren Geschwindigkeit auf das Bankensystem und sei somit besser einschätzbar.
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Über den Autor

Pascal Brückner

Pascal Brückner ist freier Mitarbeiter des Bank Blogs für die Rubrik Studien und Research. Er studiert Psychologie an der Universität in Bamberg und ist in einer studentischen Unternehmensberatung aktiv.

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