Banking ohne Bank durch die Blockchain-Technologie?

Wie Kreditinstitute dennoch weiterhin unschlagbar bleiben

Abonnieren Sie den kostenlosen Bank Blog Newsletter

Der Wettbewerb im Bereich Zahlungsverkehr nimmt zu. Durch Nutzung der Blockchain Technologie können Payments effizienter abgewickelt werden. Mit einer neuen Lösung können Banken ihr Terrain verteidigen.

Wie Banken auf Blockchain-Technologien reagieren können

Banken können Blockchain-Technologien zum eigenen Vorteil nutzen.

Partner des Bank Blogs

collectAI ist Partner des Bank Blogs

Die Ankündigung über die Kryptowährung Libra durch Facebook – bzw. die Libra Association – hat die Finanzwelt in Aufruhr gebracht, denn durch Libra könnten die theoretischen Konzepte einer Blockchain-basierten Lösung für den Zahlungsverkehr, ohne Einbezug einer Bank, Realität werden.

Zudem wurde deutlich, dass die Blockchain Technologie als veritables Instrument mittlerweile stark diskutiert wird. Zieht man in Betracht, dass damit jeder Facebook Nutzer Zugang zu elektronischem Zahlungsverkehr bekommt, bedeutet dies eine echte Bedrohung für Banken.

Für Payments braucht es keine Bank

Derweil sind andere Branchen am Konzipieren von Bezahlmöglichkeiten ohne das Mitwirken einer Bank. So hat Daimler verlauten lassen, dass es auf Basis der Blockchain ein Bezahlmodell zwischen Fahrzeugen und der Zapfsäule nach dem Tankvorgang testet. Noch ist die Commerzbank als Abwickler mit dabei, technisch notwendig ist dies jedoch nicht. Dieses Beispiel macht deutlich, dass Branchengrenzen immer weiter verschwimmen.

Gerade die Commerzbank zeigt, wie auf Basis der Blockchain Technologie die Zusammenarbeit mit Partnern anderer Industrien erfolgreich sein kann. Wenn nur noch der regulierte Bankbetrieb eine Barriere zum Einstieg in das Zahlungsverkehrsgeschäft darstellt und technische sowie prozessuale Fähigkeiten keine Unterscheidung mehr darstellen, werden diese Geschäftsbereiche disruptiert.

In Deutschland, respektive Europa, sind die aktuellen Payment-Systeme so weit ausgereift, dass der Wechsel zu einer Blockchain Lösung noch keine echten Vorteile bringen würde. In anderen Regionen der Welt und im internationalen Zahlungsverkehr sieht das jedoch ganz anders aus. So hat zum Beispiel auf den Philippinen nur jeder Sechste ein Bankkonto, wohingegen jeder Zweite registrierter Nutzer bei Facebook ist. Was beispielhaft für die Philippinen im Zahlungsverkehr skizziert wurde, gilt für nahezu jedes Entwicklungsland. Aktuell werden im Zahlungsverkehr die Service Level entwickelt, welche mittelfristig auch nach Europa kommen werden.

Von diesen zukünftigen Bezahlmöglichkeiten werden dann die deutschen Banken überholt werden. Jedoch ist es dann zu spät, um die neuen Standards in das Leistungsportfolio einzubinden. Die Banken müssen jetzt handeln!

Was bietet Blockchain den Banken?

Die Blockchain bietet Sicherheit, Transparenz und Kontrolle ohne kostspielige manuelle Prüfungen. Das ist der große Vorteil der Technologie. Der Bitcoin und andere Coins als Zahlungsmittel zeigen bereits heute, dass Blockchains in der Lage sind, verlässlich und günstig Transaktionen abzubilden. Genau hier können Banken ansetzen. Durch ihre Erfahrung, eine große Anzahl an Transaktionen in einem kurzen Zeitfenster abzuwickeln und die Möglichkeit, größere Summen von A nach B zu transferieren, sind Banken der perfekte Initiator einer solchen Lösung, mit einem großen Vertrauensvorsprung der Kunden.

Ein gutes Beispiel ist das Zahlungsverkehrssystem SWIFT. Das aktuelle Korrespondenzbanken-System im internationalen Zahlungsverkehr zeichnet sich durch eine geringe Kundenorientierung aus. Im internationalen Zahlungsverkehr werden hohe Transaktions-gebühren fällig. Zusätzlich ist eine einfache Transaktion durch eine hohe Durchlaufzeit gekennzeichnet und es haben weder Sender noch Empfänger Einsicht auf den aktuellen Stand der Zahlung im komplexen Prozess.

Hingegen bietet beispielhaft die auf der Blockchain basierende Lösung Ripple eine effizientere Lösung. Transaktionen in Echtzeit, mit niedrigen Transaktionsgebühren reduzieren zusätzlich das Settlement und Counterparty Risiko. Darüber hinaus ergibt sich durch die kurze Transaktionsdauer von wenigen Sekunden vollständige Transparenz über den Status der Zahlung.

Ein großer Hinderungsgrund einer aktuellen weiten Verbreitung der Blockchain Technologie ist, dass kein umfassendes internationales Rahmenwerk zur Anwendung der Technologie vorhanden ist. Verdeutlicht wird dies anhand des Gegenwinds verschiedener Staaten gegenüber Libra, was zum Rückzug unter anderem von Mastercard und eBay aus dem Konsortium geführt hat.

Was kann die Rolle der Banken in Zukunft sein?

Um erfolgreich wachsen zu können, müssen Banken die Rolle transportieren, welche sie glaubhaft verkörpern und differenzierbar macht. Diese Rolle lässt sich als treuhänderischer Intermediär beschreiben. In dieser Rolle werden Banken glaubhaft von ihren Kunden wahrgenommen und können auch in aktuell noch neuen Kundengruppen mit einem erweiterten Produkt- und Serviceangebot wachsen. Sie können als Anbieter einer Vielzahl von Leistungen auftreten.

Das bedingt aber, dass sie frühzeitig die Kundenschnittstelle besetzen und mit ihrer Marke die Rolle als vertrauenswürdiger Anbieter symbolisieren. Ziel muss sein, dass Banken Drittanbietern eine Möglichkeit bieten, mit ihren Bankkunden zu interagieren und nicht anders herum.

So erbringt die Bank zukünftig immer weniger Leistungen selbst, wird aber zum Orchestrator verschiedener finanzieller Leistungen rund um das Finanzbedürfnis der Kunden. Dabei bieten sie die Schnittstelle an, über welche dem Kunden eine Vielzahl an Leistungen angeboten werden.

Verteidigung der Relevanz

Wesentliches Erfolgselement – nicht nur für Banken – ist die Relevanz des Produktes. Entweder relevant im Sinne eines echten Alltagshelfers oder als wertstiftende Unterstützung zur Bedürfnisbefriedigung eines Kunden. Als degradierter Back-End-Dienstleister droht den Banken der Bedeutungsverlust. Die Blockchain gibt den Banken die Möglichkeit, ihr Terrain durch echte Kompetenz als Organisator der Finanzdienstleistungen für den Kunden im Zahlungsverkehr zu verteidigen.

Es ist an der Zeit zu handeln

Die positiven Reaktionen haben gezeigt, dass die Blockchain Technologie erfolgreich kommerziell genutzt werden kann. Produkte und Services im Zahlungsverkehr vollkommen neu zu denken, ist dabei die vielversprechende Strategie.

Wir empfehlen, mit der Blockchain die eigenen Prozesse und Wertschöpfungen schon heute neu zu definieren. Je früher mit ersten Erprobungen der Technologie begonnen wird, desto schneller wird der konkrete Nutzen messbar gemacht. So kann durch Weiterentwicklung der Technologie und Anpassung der Rahmenbedingungen ein First-Mover-Vorteil und somit ein Marktvorteil generiert werden.


Christian Angerer, Horváth & Partners

Christian Angerer

Christian Angerer ist Koautor des Beitrags Er ist bei Horváth & Partners im Competence Center Financial Industries tätig. In seiner Funktion als Competency Lead Custody Banking/Capital Markets kümmert er sich schwerpunktmäßig um die Herausforderungen bei Custody- und Transaktionsbanken sowie um das Thema sowie Performancemanagement bei Finanzdienstleistern.

 

Marcel Schmalisch – Consultant, Horváth & Partners

Marcel Schmalisch

Marcel Schmalisch ist Koautor des Beitrags. Er ist bei Horváth & Partners im Competence Center Financial Industries in seiner Funktion als IT Transformation und Blockchain Lead Financial Industries tätig. Dabei bewältigt er schwerpunktmäßig technologische und strategische Herausforderungen bei Kreditinstituten und Versicherungen.

Partner des Bank Blog - Horváth & Partners Management Consultants Partner des Bank Blog – Horváth & Partners Management Consultants


Mehr über das Partnerkonzept des Bank Blogs erfahren Sie hier.

Bitte bewerten Sie den Artikel mit Hilfe der Sternchen

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne Bewertung: 5,00 Stern(e) - 5 Bewertung(en)

Vielen Dank fürs Teilen und Weiterempfehlen


Mit dem kostenlosen Bank Blog Newsletter immer informiert bleiben:

Über den Autor

Moritz Meyer

Moritz Meyer arbeitet bei Horváth & Partners im Team Strategie, Innovation und Vertrieb für Banken und beschäftigt sich mit den Herausforderungen der Digitalisierung im Bankgeschäft, vor allem der Integration neuer Technologien. Während seines Studiums der Betriebswirtschaftslehre und Finance in Bayreuth und Glasgow sammelte er relevante Industrieerfahrung, u. a. bei der Commerzbank.

Anzeige

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Der Bank Blog Premium

Noch kein Premium-Leser?

>>> Hier klicken <<<

Der Bank Blog Premium

Noch kein Premium-Leser?

>>> Hier klicken <<<

Bank Blog Newsletter abonnieren

Bank Blog Newsletter abonnieren