Dinosaurier. Schon wieder!

Chinas neue Kryptowährung und die Zukunft der Banken

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Bill Gates verglich einst Banken mit Dinosauriern, die vom Aussterben bedroht seien. Läuten nun Kryptowährungen, wie sie von Facebook oder chinesisches Banken geplant sind, erneut den Untergang der Banken ein?

Sind Banken wie Dinosaurier vom Aussterben bedroht?

Von Bill Gates stammt der Satz, dass Banken Dinosaurier seien, die vom Aussterben bedroht sind.

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Ich hatte ein Bier!

Maximal zwei Gläser.

Mehr waren es nicht, versprochen!

Versetzen Sie sich einmal in meine Lage. Man wartet wieder einmal am Frankfurter Flughafen auf den Anschlussflug, welcher einen nach Hause bringen soll, und was passiert?

Das Flugzeug hat Verspätung.

Aber das ist nichts Außergewöhnliches für jemanden wie mich, der im Auftrag seiner Bank viel unterwegs sein muss. Tagesgeschäft sozusagen. Und da gehören Wartezeiten auf Flughäfen zur Routine.

Also gönnt man sich ein Bierchen in einer Lounge oder an einer der zahlreichen Bars in den Wartebereichen und lässt den Tag Revue passieren. Hier und da ergibt sich dann ein Pläuschchen mit dem Servierpersonal, mit Bekannten, die man gar nicht so selten ebenfalls an solchen Orten trifft oder Fremden, die geneigt sind, ihre Erfahrungen mit einem zu teilen.

An diesem Abend genoss ich die Ruhe und, wie ich schon zugab, mein erstes oder zweites Hopfengetränk.

Dino-Treffen an der Flughafenbar

„Entschuldigen Sie, ist der Platz neben Ihnen noch frei?“

„Selbstverständlich!“, antwortete ich automatisch und drehte mich zu dem Frager um.

Sie verstehen sicherlich meine Verwunderung, als ich einen ausgewachsenen T-Rex hinter mir stehen sah!

„Keine Sorge.“, versicherte mir der Dino, der wohl das Entsetzen in meinen Augen erkannte. „Ich bin nur ein einfacher Banker. So wie Sie auch!“

Ungemein elegant schaffte es mein neuer Bekannter, seinen massigen Körper auf den Barhocker zu hieven.

„Ob ich wohl einen Scotch mit etwas Wasser haben könnte?“, fragte der T-Rex den Barkeeper.

„Kommt sofort!“, antwortete dieser ohne jedes Erstaunen. Vermutlich waren Whisky trinkende Dinosaurier dieser Tage am Flughafen keine Seltenheit.

„Wie kommen Sie denn darauf, dass ich Banker bin?“, hielt ich die Konversation am Laufen.

„Schon mal in letzter Zeit in einen Spiegel gesehen?“, fragte er mich zurück.

Und da fiel es mir wie Schuppen von den Augen: meine Hände waren kleine Pranken und im Spiegel über dem Tresen sah ich das freundliche Grinsen eines Velociraptors.

„Oh!“, entfuhr es mir erstaunt, wenngleich nicht besonders einfallsreich.

Sterben die Banken aus?

„Nicht schon wieder Bill Gates? Der hat uns Banker ja schon vor Jahren als Dinosaurier dargestellt.“, fragte ich meine neue Bekanntschaft, die versuchte, das Whiskyglas mit seinen Krallen zu fassen.

„Nein, diesmal war es nicht Bill. Diesmal war es die PBoC.“

„Die People´s Bank of China?”, fragte ich ungläubig.

„Yep!”, meinte der T-Rex nur kurz angebunden und mühte sich weiter damit ab, sein Glas mit den Krallen zu fassen zu bekommen.

„Übrigens: mein Name ist Claus-Jürgen!“

„Sehr erfreut, Claus-Jürgen! Mein Name ist Michel.“

Wir schüttelten einander höflich und vorsichtig die Pranken, um uns mit den scharfen Klauen nicht zu verletzen.

„Freut mich, Michel. Ich hätte da eine große Bitte!“

„Welche denn, Claus-Jürgen?“

„Würdest Du mir mit meinem Scotch behilflich sein, Michel? Ich kriege das Glas nicht zu fassen!“

„Das ist doch unter Dinos Ehrensache.“, meinte ich lapidar und half so gut ich konnte.

„Ah. Das tat gut!“, entfuhr es Claus-Jürgen nach einem ordentlichen Schluck.

„Ich habe eine harte Woche hinter mir. Komme gerade von einer Studienreise aus China zurück.“, informierte mich der T-Rex knapp.

„Deswegen auch die People´s Bank of China?“, mutmaßte ich.

„Genau! Du hast von deren Krypto-Währungsprojekt gehört?“

„Natürlich.“, antwortete ich fachmännisch und wahrheitsgemäß.

Digitale Währungen auf dem Vormarsch

„Michel, was die Chinesen da vorhaben, lässt uns echt alt aussehen. Wie Dinosaurier eben. Während wir Banker uns mit Filialschließungen und einem Sparprogramm nach dem anderen blockieren, setzen die Chinesen voll auf eine digitale Währung. Blockchain-basiert, unabhängig vom Internet, also sogar offline verfügbar! Und schon jetzt gibt es in China rund 621 Millionen Mobile Payment User! Stell dir das vor.“

Ich überschlug kurz den Anteil der Mobile Payments an unserem Zahlungsverkehrsvolumen und das Lächeln meiner 80 strahlendweißen Velociraptorzähne verblasste.

„Hm.“, brummte ich kurz.

„Richtig: hm!“

Und während ich Claus-Jürgen half, den Rest seines Scotch zu leeren, versuchte ich reflexartig Argumente zu finden, warum wir, die Dinos, eher die Zukunft für uns reklamieren konnten als jene Utopisten, die in einem fernen Land an einer Cashless Society arbeiteten.

„Andererseits: möchtest du, dass der Staat ein Instrument in die Hand bekommt, das alle deine Bezahlvorgänge hundertprozentig nachvollziehbar macht? Der die totale Kontrolle über dein Konsumverhalten besitzt? Und dir schlimmstenfalls auch deine Digitale Währung sperren kann, wenn es ihm in den Kram passt?“

Nun war es an Claus-Jürgen, nachdenklich „hm“ zu sagen.

„Aber die PBoC verspricht kontrollierbare Anonymität. 100 prozentig!“, meinte er trotzig, sodass mir kein Gegenargument einfiel.

Mitten in die Stille des Nachdenkens informierte eine schnarrende Stimme aus den Lautsprecheranlagen über das bevorstehende Boarding meines Fluges.

„Kopf hoch, Claus-Jürgen!“, versuchte ich mich in Optimismus. „So schlimm wird es schon nicht werden!“

Was bedeuten Kryptowährungen für Banken?

Auch wenn ich genau wusste, dass Chinas neue Kryptowährung auf ein wesentliches Element des Finanzwesens verzichten würde, das bisher eben unverzichtbar war: auf die Banken selbst. Diese würden nämlich einfach durch Digital Wallets ersetzt werden.

Aber China ist weit weg und wir Banker haben in der Vergangenheit schon so manchen Sturm überstanden.

Während ich mich auf den Weg zu meinem Gate machte, entdeckte ich immer mehr Dinos, die hier am Flughafen geschäftig ankamen oder abreisten.

Ich musste zuversichtlich lächeln: die Zeit der Dinosaurier war noch lange nicht vorbei.

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Über den Autor

Michel Lemont

Michel Lemont ist seit mehr als 35 Jahren in Bankenwesen tätig. Er war in verschiedenen Bereichen der Finanzindustrie tätig, unter anderem im Vertrieb, im Marketing und zuletzt im Umfeld des Zahlungsverkehrs. In seinen Aufgabenbereich fallen unter anderem regulatorische Themen, das Management von Zahlungsverkehrs-Infrastrukturen sowie die Arbeit in nationalen und internationalen Gremien im Bereich Payments. Ein besonderes Anliegen sind ihm Innovationen im Bankenbereich und das "Querdenken". Michel Lemont ist Autor des Buches „Bankers have more fun“ und betrachtet das Bankwesen gerne von der humoristischen Seite. Er ist verheiratet und Vater einer Tochter.

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