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Test der Beratungsqualität in den Filialen von Banken und Sparkassen

Vom Zusammenbruch des Subprime-Marktes bis zur Digitalisierung

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Zu den Auswirkungen der Bankenkrise 2007

Die Finanzkrise im Jahr 2007

Nicht nur Banker waren fassungslos
© Shutterstock

Professor Leo Schuster, Emeritus der Katholischen Universität Eichstätt, hielt im Sommer 2015 an der Internationalen Universität in Venedig einen vielbeachteten grundsätzlichen Vortrag zu den Auswirkungen der Finanzkrise. Eine gekürzte Fassung stellt er hier vor.

Subprime Mortgage-Krise als Beginn der Bankenkrise

Die Subprime Mortgage-Krise ist beginnend mit dem Jahr 2007 wurde von den amerikanischen Banken verursacht. Es war spezifisch für die Niedrigzinsphase in den USA um das Jahr 2007, dass sogenannte Subprime Mortgages, also Immobilienkredite zur Neugeschäfts- und Volumensgenerierung auch an Kunden mit niedriger Bonität vergeben wurden, im Vertrauen darauf, dass diese Zinsen und Kapitaldienste erbringen konnten. Diese Kredite wurden vorwiegend von Investmentbanken gebündelt und verbrieft und dann an Hedge Fonds, Versicherer und Banken weltweit verkauft. Die wiederum vornehmlich amerikanischen Ratingagenturen vergaben für diese Papiere oft (in der Ex-post-Betrachtung ungerechtfertigterweise) „Triple A“-Noten.

Vom Zinsanstieg zur Lehman Pleite

Als das Zinsgefüge gegen Mitte des ersten Jahrzehnts vom FED angehoben wurde, konnten viele Schuldner ihre Hypotheken nicht mehr vereinbarungsgemäß bedienen, so dass infolge dessen eine Reihe von Banken in den USA, aber auch weltweit, notleidend wurde.

Die Krise des New Yorker Instituts Bear Stearns, einer führenden New Yorker Investmentbank, die mit Unterstützung durch das FED von JP Morgan Chase & Co übernommen wurde, war der erste große Warnschuss. In Deutschland betraf es zuerst die Mittelstandsbank IKB, dann vor allem auch Landesbanken, wie die Sachsen-LB, West-LB, Nord-LB, mit am schwersten die Hypo Real Estate sowie auch die Commerzbank, deren Überleben jeweils mit einer staatlichen Beteiligung gesichert werden musste.

Den Höhepunkt der Krise markierte die Pleite von Lehman Brothers am 15.9.2008. Im Laufe der nächsten Jahre wuchs sich die Bankenkrise zu einer weltweiten Finanzkrise und schließlich zu einer Wirtschaftskrise des Euroraums in den Jahren 2010/11 aus.

Folgen der Krise dauern an

Immerhin erst fünf Jahre nach der Krise wurde 2012 beschlossen, die Wirtschafts- und Währungsunion durch eine Bankenunion zu ergänzen, deren Ziel es war, Bankenkrisen gar nicht erst entstehen zu lassen. Maßgeblich hierfür war auch, dass in den ersten Jahren der Fokus in Gesamteuropa auf der Stabilisierung der einzelnen Banken durch teils massive staatliche Intervention lag – ein Zustand, der bei vielen Banken bis heute andauert. Der europäische Bankensektor hat sich von den Verwerfungen der Bankenkrise bis heute nicht erholt und befindet sich aufgrund der später aufzuzeigenden Marktregulierungen und Wettbewerbsveränderungen inmitten einer fundamentalen Transformationsphase.

Erkenntnisse aus der Bankenkrise

Durch die Vernetzung der Finanzmärkte im Rahmen der Globalisierung kann eine Bankenkrise dieses Ausmaßes nicht auf ein Land oder nur wenige Länder begrenzt bleiben. Der Kern der Bankenkrise bestand in einem bis dahin nicht gekannten Vertrauensschwund der Banken untereinander und in einem umfassenden internationalen Liquiditätsengpass.

Die unmittelbare Rettung vor einem totalen Kollaps war der Tatsache geschuldet, dass anders als in der Krise von 1931, Zentralbanken und Regierungen eingriffen und finanzielle Unterstützungen gewährten.

Unüberhörbar wurde der Ruf nach stärkerer Regulierung und Kontrolle der Banken, nicht zuletzt, weil man die vorangegangene Deregulierung im Bankwesen der angelsächsischen Länder für die Krise mitverantwortlich gemacht hat.

Man hatte auch erkannt, dass die bis dahin beinahe allmächtigen Ratingagenturen eine nicht unparteiische Rolle spielten und teilweise an den Strukturierungen der Produkte selbst teilgenommen hatten, die sie dann bewerteten. In der Hochzeit der Finanzkrise wurde auch hier die Frage laut, inwieweit diese privatwirtschaftlichen Einheiten der strengeren staatlichen Kontrolle bedürften. Inzwischen kann die EU bei Verstößen gegen EU-Recht die Lizenz entziehen. Daneben wird die Aufsicht über die Agenturen durch die Wertpapieraufsicht (ESMA) ausgeübt.

Konsequenzen aus der Bankenkrise

Staatliche Rettungsaktionen

Für die zum Teil existenzbedrohende Situation einiger Banken mussten Problemlösungen verschiedenster, aber auch zum Teil kompliziertester Art gefunden werden. Der wahrscheinlich spektakulärste Fall in Deutschland betraf die Hypo Real Estate (HRE), die als erste Bank nach 1949, um nicht in Konkurs zu gehen, vollständig verstaatlicht werden musste und in eine Kern- und eine Bad Bank aufgeteilt wurde. Zusätzlich wurde ein eigener Rettungsfonds für Banken und Bad Banks, der Finanzmarktstabilisierungsfonds (Soffin), gegründet, für deren Verbindlichkeiten letztlich der Steuerzahler haftet. Die zweitgrößte deutsche Bank, die Commerzbank, wurde neben mehreren Landesbanken ebenfalls von der Soffin unterstützt und im Zuge dessen teilverstaatlicht.

Schädigung von Ruf und Vertrauen

Zu den Narben aus der Bankenkrise gehört vor allem die Rufschädigung von Banken und Bankiers, die sich heute im Berufsranking auf einer der niedrigsten Stufen wiederfinden. Zu dieser öffentlichen Meinungsbildung hat insbesondere das wahrgenommene Verhalten des Investmentbanking, das als Mitauslöser der Bankenkrise im Kreuzfeuer der internationalen Kritik stand, beigetragen. Diese bezieht sich vor allem auf das bis dahin ungewohnte Marktverhalten, die historische Produktvielfalt, die aggressiven Absatzmethoden und schließlich die exzessiv hohen Gehalts- und Bonivergütungen.

Laotse über Vertrauen

Laotse über die Konsequenzen fehlenden Vertrauens

Von der Umwelt, aber auch den Banken selbst wird schon seit Jahren ein Kulturwandel, strikte Codes of Conducts und eine stringentere Berücksichtigung gesellschaftlicher Verantwortung in der Unternehmungspolitik gefordert. Dass die Vergangenheit mitunter andere Ausprägungen hatte, zeigt die Vielzahl an Gerichts-verfahren gegen deutsche und internationale Großbanken oder deren Mitarbeiter sowie die Vielzahl an internen Untersuchungen.

Die häufigsten Delikte im Bankensektor waren Manipulationen von Referenzzinsen, wie dem Libor, Geldwäsche, Missachtung von Wirtschaftssanktionen und Offenlegungsvorschriften sowie der Verkauf von Produkten, über die nicht oder nicht richtig informiert wurde, die Beihilfe zur Steuerhinterziehung etc.

Von der Krise zu den aktuellen Herausforderungen der Banken

Das Ende einer akuten Krise wird in der Regel markiert durch die Beruhigung bzw. Befriedung der relevanten Märkte. In der Folge lassen sich die drei nachfolgend beschriebenen Phänomene beschreiben, die zusammen den Schlüssel für die Zukunftsfähigkeit der Banken bilden.

Regulierung ersetzt Deregulierung

Die Regulierungsmaßnahmen nach 2012 sind eigentlich eine Reregulierung, nachdem vorher – vor allem in den angelsächsischen Ländern – das Bankwesen dereguliert worden war.

Die Konsequenz der Regelungsdichte bedeutet für Banken einen größeren administrativen und personellen Aufwand und höhere Kosten durch neue Unterlegungsvorschriften. Es muss sich zeigen, ob alle Banken diesem aufwändigen Regelwerk auf Dauer gewachsen sind oder ob Institute aus dem Markt ausscheiden werden oder es zu Fusionen kommen wird.

In einer teilweisen Regulierungsnische operieren alternative Kreditgeber, die sog. Schattenbanken, ohne Banklizenz und noch keinen speziellen Regulierungen unterworfen. Unter Schattenbanken werden Staatsfonds, Hedgefonds, Private Equity Gesellschaften, Geldmarktfonds, Zweckgesellschaften (sog. Conduits) verstanden, deren globales Volumen nach Schätzungen etwa 40% bis 50% des regulären Bankensektors ausmacht. Es ist auch nie abschließend untersucht worden, welchen Einfluss und welche Bedeutung sie auf die Entwicklung der Bankenkrise genommen haben.

Es bleibt abzuwarten, wann und inwieweit die Schattenbanken in der aufsichts-rechtlichen Behandlung den Geschäftsbanken gleichgestellt werden, wofür es bereits Anregungen und Vorschläge gibt. Bis dies der Fall ist, wird ihnen weiterhin das Image einer Blackbox und im Falle von Krisen das von Brandbeschleunigern anhaften.

Niedrigzinspolitik als latente Gefahr

Während die Regulierung in erster Linie den Handlungsraum der Banken beschränkt, ist die Niedrigzinspolitik als Nullzins- bzw. Negativzinspolitik eine echte Gefahr nicht nur für die Banken, Bausparkassen sowie Versicherungsgesellschaften, sondern für die gesamte Volkswirtschaft. Insbesondere im Retail Banking dürfte die Kombination aus geringem Zins und sprungfixem Kostenblock zu Problemen führen.

Niedrigzinsen, wie sie aus einer rein deutschen Perspektive derzeit von der EZB quasi verordnet werden, sind politische Preise, die den Mechanismus einer Markt-wirtschaft weitgehend aushebeln.

Keine der gängigen Zinstheorien ist für die Rechtfertigung einer Nullzinspolitik einschlägig. Es stellt sich sogar die Frage, ob das Vorenthalten eines Zinses, z.B. für Spareinlagen nicht sogar rechtswidrig ist und unter dem Rechtstitel des Betruges, der ungerechtfertigten Bereicherung etc. subsumiert werden kann. Immerhin verlangen die Banken für Ausleihungen weiterhin Sollzinsen, die für einen Dispo-Kredit bei 10 bis 15% liegen, woraus sich nach Treu und Glauben auch für den Anleger ein Anteil an der Zinsmarge ableiten ließe.

Kritisch zu beurteilen ist auch die neuere Praxis der Banken, mangelnde Zinsmargen mit einer Erhöhung der Kosten für Kontoführung zu kompensieren, womit die Konsequenzen der Nullzinspolitik völlig auf den Schultern der Sparer ausgetragen werden.

Digitalisierung als neue Herausforderung

Die generell alle Wirtschaftssektoren betreffende digitale Revolution stellt besonders für die Banken eine nicht nur kurzfristige Herausforderung dar sondern hat sich zu einer regelrechten Identitätskrise entwickelt. Diese erfordert, sich neu zu erfinden und die Geschäftsmodelle zu überdenken.

Bankmanagement im Zeitalter der Digitalisierung

Die Digitalisierung der Finanzdienstleistung stellt Bankmanager vor neue Herausforderungen
© Shutterstock

Schon bald können Smartphones die herkömmlichen Bankgeschäfte und damit auch Bankfilialen ersetzen. Zukünftig werden Internetgiganten wie Apple, Google, Amazon u. dgl. zu echten Konkurrenten der Banken aufsteigen. Sie verfügen über große Kundenstämme und technische Leistungsfähigkeit, wie Apple Pay, als mobiler Bezahldienst, PayPal als Online-Bezahlsystem mit 15 Mio. Nutzern in Deutschland, sowie Google und Facebook, die beide Banklizenzen haben.

Inzwischen versuchen die privaten Banken, Genossenschaftsbanken und Sparkassen in Deutschland mit „Paydirekt“ eine Antwort auf Bezahlsysteme im Internet wie PayPal, Giropay und Sofortüberweisung.de zu finden.

Während computergestützte Zahlungsverkehrsleistungen schon länger State of the Art sind, kommt die Anlageberatung und Vermögensverwaltung für Privatanleger mit Computerprogrammen durch spezielle Start-ups („Robo-Advice“) erst jetzt so richtig in Schwung.

Neue FinTechs erbringen Leistungen in der Vermögensanlage und auch der Kreditvermittlung (z.B. Mikrokredit). Als Beispiele seien genannt: Vaamo, Wikifolio und Ayondo. Interessant ist die in der Homepage von Ayondo getroffene Aussage: „Sie können mehr verlieren als nur ihre Kapitalanlage“. Risikoorientierung der Kunden scheint eine unabdingbare Notwendigkeit zu sein.

Filialbanken werden sich also Gedanken machen müssen, wie sie sich auch angesichts dieser Konkurrenzsituation und bezüglich ihrer teuren Filialen neu aufstellen. Prognosen gehen dahin, dass von den 31.000 Filialen in Deutschland etwa 11.000 in den nächsten zehn Jahren wegfallen werden.

The End of Banking?

„Bankgeschäfte sind unerlässlich, Banken sind es nicht“. Wenn man dieses Zitat, das Bill Gates zugeschrieben wird mit dem Titel einer neueren Bucherscheinung: „The End of Banking: Money, Credit and the Digital Revolution“ (Autor: Jonathan McMillan, 2014) in Verbindung bringt, sieht es wirklich nach dem Abgesang auf einen der ältesten Wirtschaftszweige aus.

Ein derartig verallgemeinerndes Verdikt scheint aber eher realitätsfern zu sein. Wahrscheinlicher ist eine Strukturbereinigung in den einzelnen Bankengruppen, z.B. bei den Sparkassen, Landesbanken und Genossenschaftsinstituten.

In der Tat können verschiedene Bankfunktionen, wie z. B. im Zahlungsverkehr, im standardisierten Kredit- und Anlagebereich sowie sicher auch einigen anderen Bankgeschäften, mit dem Handy oder Smartphone erledigt werden. In anderen Bereichen jedoch, vor allem bei komplexen sowie internationalen und Investmentbank-Geschäften wird man weiterhin auf die persönliche Beratung und Beziehungen eines Bank- und Finanzfachmanns angewiesen sein.

Dies ist zwar auch eine Generationenfrage, aber in erster Linie wohl ein Problem, das mit einschlägigem Fachwissen, Marktzugang, bzw. Erfahrung in wirtschaftlichen Fragen zu tun hat. Hinzu kommt, dass vielfältige Traditionen, zum Teil langjährige Beratungen ganzer Familien in finanziellen sowie Nachfolge- und Erbschafts-Fragen auf dem Kontakt zu einzelnen Banken aufgebaut sind.

Deshalb wird es Beides geben müssen, die von der Digitalisierung beherrschten Transaktionen vor allem im Mengengeschäft ebenso wie die nachhaltigen, persönlichen und vertrauensvollen Beziehungen. „The End of Banking“ ist dies jedenfalls nicht!

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Über den Autor

Prof. Dr. Leo Schuster

Prof. Dr. Leo Schuster studierte Wirtschaftswissenschaften an den Universitäten Erlangen/ Nürnberg, München und Wien. Seine Habilitation zum Thema „Macht und Moral der Banken“ war eine der ersten kritischen Auseinandersetzungen mit Geldinstituten. Von 1975 bis 1990 war er ordentlicher Professor und Direktor des Instituts für Bankwirtschaft an der Universität St. Gallen. Er war einer der ersten, die den Zusammenschluss Schweizerischer Großbanken vorhersah, was ihm nicht nur Freunde machte. 1990 nahm er einen Ruf als Ordinarius an den Lehrstuhl für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, Finanzierung und Bankbetriebslehre der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät Ingolstadt der Katholischen Universität Eichstätt an, deren Dekan er von 1991 bis 1993 war. Mit Beendigung des Sommersemesters 2000 trat Leo Schuster an dieser Fakultät in den verdienten (Un)Ruhestand.

2 Kommentare

  1. reiner tiroch am

    und das Vertrauen fehlt seit Juli 2007 bis heute weil man den Menschen anlügt, nur die Banken und Reichen rettet, Bargeldverbot will, wir bereits als Gläubiger der Banken gelten, Gesetze zur Zwangsenteignung von der FDP seit 3 Jahren schon geschrieben wurden, der Schulden.BIP der EU bei 450% liegt, Banken mit 5,1 Billionen gerettet wurden und dennoch Pleite sind. Bilanzsummen werden nicht korrigiert weil man danach Bezahlt wird. der Bankenhäuptling besitzt auch noch die Frechheit zu sagen, dass die Banken im Kern Gesund sind. die Regierung labert davon, dass der Bürger aussen vor sei. lol.

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