„Erfolgreich ist nur, wer ein klares Ziel konsequent verfolgt“

Interview mit Professor Dr. Franz Xaver Bea über Strategisches Management

Ist Strategisches Management in Zeiten schnellen und intensiven Wandels noch zeitgemäß? Anlässlich der Neuauflage seines Standardwerkes habe ich Prof. Dr. Franz Xaver Bea zu verschiedenen Aspekten von Strategie befragt. Bank Blog Leser haben die Chance, das Buch zu gewinnen.

Buchtipps und Leseempfehlungen für Bankmanager und -mitarbeiter

Die Bereitschaft zu lebenslangem Lernen ist als Bestandteil einer Karriere in Zeiten der Veränderung allgemein akzeptiert. Dass „Lesen bildet“ weiß schon der Volksmund. Obwohl wir alle tagtäglich viel zu viel lesen „müssen“, lesen wir wohl alle gleichzeitig auch viel zu wenig. Im Bank Blog finden Sie daher Hinweise und Empfehlungen auf interessante Bücher, die Ihnen neue Erkenntnisse und Ideen vermitteln sollen.

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Wir leben in einer Zeit spürbarer Veränderungen, deren Wirksamkeit immer schneller vonstatten geht. Gerade in solch turbulenten Zeiten den Wandels ist das Wissen um die eingeschlagene Richtung von hoher Bedeutung. Dennoch scheint strategisches Management immer weniger gefragt zu sein, wie ein Blick auf Google-Trends vermuten lassen könnte.

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Bei einem Vergleich mit den Suchbegriffen „Digitalisierung“ und „FinTech“ liegt das Thema – zumindest in Deutschland – abgeschlagen an dritter Stelle. Erstaunlicherweise sind Begriffe wie „Kostenmanagement“ und „Kostensenkung“ noch weniger gefragt.

Betrachtet man das Interesse im zeitlichen Verlauf, so stellt man seit 2004 einen deutlichen Rückgang – sowohl hierzulande als auch weltweit – fest. Vergleicht man das Interesse nach Ländern, so steht Deutschland beim Interesse an strategischem Management auf dem 34. und damit letztem Platz. Nummer 1 ist übrigens China, gefolgt vom Iran und Russland. Vielleicht sollte das zu denken geben.

Google-Suchanfragen: Strategisches Management

Google-Suchanfragen: Strategisches Management, Digitalisierung und FinTech im Vergleich.

Veränderung braucht Richtungsweisung

Vor kurzem ist die 10. Auflage des Buches „Strategisches  Management“ erschienen. Das 645 Seiten umfassende Werk behandelt alle wichtigen Bausteine des Strategischen Managements: Planung und Kontrolle, Information und Organisation, Unternehmenskultur sowie Leistungspotenziale. Anspruch der Autoren ist es, dem Leser den aktuellen Wissensstand in allen Bereichen des Strategischen Managements zu vermitteln.

Prof. Dr. Franz Xaver Bea - Universität Tübingen

Prof. Dr. Franz Xaver Bea ist emeritierter Professor an der Universität Tübingen und Lehrbeauftragter an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg.

Das habe ich zum Anlass genommen, mich mit Professor Dr. Franz Xaver Bea, einem der Autoren zu unterhalten. Der studierte Volkswirt ist emeritierter Professor für Planung und Organisation an der Universität Tübingen. Sein Koautor Dr. Jürgen Haas ist seit vielen Jahren bei der Deutschen Telekom in verschiedenen Bereichen des strategischen Managements als Führungskraft tätig und verbindet so Theorie und Praxis.

Erfolgreich ist nur jener Unternehmer, der ein klares Ziel konsequent verfolgt

Der Bank Blog: Zum Thema Strategie gibt es ja einige berühmte Zitate. So hat Michael E. Porter mal gesagt: “The essence of strategy is choosing what not to do.” Ganz so einfach ist es wohl nicht, oder?

Franz Xaver Bea: Strategien sind Maßnahmen zur Sicherung des langfristigen Erfolgs eines Unternehmens. Dies bedeutet, dass kurzfristiges Denken zu vermeiden und die lange Sicht ins Bewusstsein zu rücken ist. In diesem Sinne ist der Satz von Porter zu verstehen. Beispiel: Bei rückläufigem Absatz werden häufig Arbeitsplätze gestrichen, anstatt das Humanpotenzial für bessere Zeiten zu pflegen.

Der Bank Blog: Hand aufs Herz: Wir leben in einer Zeit schneller Veränderungen und steigender Bedeutung von Quartalszahlen. Welche Bedeutung hat Strategisches Management heute überhaupt noch?

Franz Xaver Bea: Gerade dann, wenn die Umwelt eines Unternehmens ständigen Veränderungen unterworfen ist, wäre es falsch, sich von kurzfristigen Quartalszahlen leiten zu lassen. Erfolgreich ist nur jener Unternehmer, der wie ein Schachspieler ein klares Ziel konsequent verfolgt. Eine Voraussetzung für den Erfolg bei turbulenter Umwelt ist allerdings, dass das Management über ein Gespür für Veränderungen verfügt (Wahrnehmung schwacher Signale) und auch eine Organisation praktiziert, die Flexibilität unterstützt (agile Organisation)

Es muss ein strategischer Fit praktiziert werden

Der Bank Blog: Ihr Buch ist mit 1,3 kg und 623 Seiten ein echtes Schwergewicht und verdeutlicht die Vielfältigkeit Strategischen Managements. Wenn Sie drei Dinge herausgreifen sollten, die für erfolgreiches strategisches Management besondere Bedeutung haben, welche wären dies?

Franz Xaver Bea: Die strategische Planung darf nicht isoliert betrachtet werde. Es muss vielmehr ein strategischer Fit praktiziert werden. Was heißt das? Die strategische Planung muss flankiert werden von einer flexiblen Organisation und einer innovativen Unternehmenskultur.

Dazu Joe Kaeser (Vorstandsvorsitzender. Siemens):“ Nicht die Strategie ist es, die den Unterschied macht, sondern die Kultur eines Unternehmens, seine Werte und wofür es steht“ (2014).

Buchtipp: Strategisches Management - Franz Xaver Bea, Dr. Jürgen Haas

Strategisches Management von Franz Xaver Bea und Dr. Jürgen Haas.

Der Bank Blog: Unternehmensstrategien waren und sind vielfach ein Tummelplatz für externe Berater. Ist das aus Ihrer Erfahrung sinnvoll?

Franz Xaver Bea: Ja, die Erfahrung zeigt, dass der Einsatz externer Berater Implementierungsbarrieren abbauen kann. Sie gelten als unabhängige und vor allem als unbefangene Experten (ohne Betriebsblindheit). In der Regel nehmen solche Berater im Rahmen des Implementierungsprozesses die Rolle des moderierenden Experten ein.

Strategieimplementierung wurde lange Zeit stiefmütterlich behandelt

Der Bank Blog: Ein weiteres bekanntes Zitat über Strategien stammt von Henry Mintzberg, dem berühmten kanadischen Professor für Betriebswirtschaftslehre und Management. Er soll einmal gesagt haben: „Management consultants and business planners share a dirty little secret. Ninety percent of all strategies fail to get implemented”. Ist dies tatsächlich so und woran scheitern Strategieumsetzungen?

Franz Xaver Bea: Fragen der Strategieimplementierung wurden im Vergleich zu jenen der Strategieformulierung lange Zeit recht stiefmütterlich behandelt. Zusammenfassend lassen sich folgende Gründe für die fehlerhafte Strategieimplementierung nennen:

  1. Visionen werden auf der oberen Führungsebene geboren. Für deren Umsetzung sind jedoch die mittleren und unteren Ebenen zuständig. Die Visionäre antizipieren i.d.R. die Implementierungsaufgaben nicht.
  2. Die Implementierung nimmt viel Zeit in Anspruch. In dieser Zeitspanne ändern sich i.d.R. die Voraussetzungen für den Erfolg einer Strategie. Dies kann zu einem Bruch zwischen ursprünglicher Vision und realem Implementierungsalltag führen.
  3. Die Implementierung einer Strategie führt zu einer Konfrontation mit den Betroffenen. Widerstände sind zu erwarten.

Der Bank Blog: Strategisches Management ist, wie Ihr Buch verdeutlicht, ein vielfältiges Themengebiet. Wie lauten Ihre Empfehlungen zur konkreten Vorgehensweise?

Franz Xaver Bea: Am Anfang steht die Zielbildung, denn wer keine Ziele hat, arbeitet für die Ziele anderer. Ihr folgt die Umweltanalyse. Ihre zentrale Aufgabe besteht in der Wahrnehmung von Chancen und Risiken. Das Ergebnis wird verglichen mit den Stärken und Schwächen eines Unternehmens.

Der strategische Planungsprozess wird schließlich abgeschlossen durch die Wahl einer passenden Strategie. Die Strategieimplementierung kann nur dann gelingen, wenn auch die Organisation und die Unternehmenskultur auf die gewählte Strategie ausgerichtet sind, kurzum wenn ein strategischer Fit herbeigeführt wird.

Banken sind gewaltigen Diskontinuitäten ausgesetzt

Der Bank Blog: Welche besonderen Herausforderungen sehen Sie für Banken und andere Finanzdienstleister?

Franz Xaver Bea: Banken und andere Finanzdienstleister sind gewaltigen Diskontinuitäten ausgesetzt. Vor allem die jüngere Kundschaft erledigt Bankgeschäfte zunehmend im Internet. Das Smartphone ersetzt immer mehr die Bankfiliale. Die Banken können an der zunehmenden Bedeutung der Digitalisierung und dem veränderten Verhalten der Nachfrager nichts Wesentliches ändern. Ihnen kommt vielmehr die Aufgabe zu, die technischen Veränderungen und das mit ihnen verbundene Verhalten der Nutzer rechtzeitig (d.h. wenn sie sich andeuten) zu erfassen und adäquat strategisch zu reagieren.

Ein Ansatzpunkt für die Wahl einer Strategie besteht darin, die mit der Digitalisierung verbundenen Schwächen zu nutzen. Was heißt das? Die individuelle Beratung ist beim Online-Banking nur schwach entwickelt. Diese Lücke kann geschlossen werden etwa mit einer Hilfe bei der Wahl der Vermögensanlage (ein Großteil des Vermögens ist in Deutschland unrentabel angelegt), durch Beratung bei der Nachfolgeregelung sowie bei Unternehmensgründungen in Form von Startups.

Organisation und Kultur müssen Strategie ergänzen

Der Bank Blog: Und weil aller guten Dinge drei sind, zum Abschluss noch ein Zitat, diesmal von Peter Drucker, der den bemerkenswerten Satz geprägt hat: „Culture eats Strategy for Breakfast“ Wie beurteilen Sie dies?

Franz Xaver Bea: Wie bereits ausgeführt, ist die strategische Planung zu ergänzen durch eine passende Organisation und vor allem durch eine passende Unternehmenskultur. Nur wenn dies gelingt, lässt sich eine strategische Vision in konkrete betriebliche Maßnahmen umsetzen. Dazu Louis Gerstner, CEO IBM von 1993 bis 2002: „I came to see, in my time at IBM, that culture isn’t just one aspect oft the game – it is  the game”.

Der Bank Blog: Vielen Dank für das Gespräch.

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Das Buch wird unter allen Lesern, die einen Kommentar abgegeben haben verlost. Der Gewinner wird per E-Mail benachrichtigt und muss innerhalb einer Woche seine vollständige Adresse mitteilen. Der Buchgewinn wird dem Gewinner dann direkt zugesendet.

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Über den Autor

Dr. Hansjörg Leichsenring

Dr. Hansjörg Leichsenring ist Herausgeber des Bank Blogs und der Finanzbranche seit über 30 Jahren beruflich verbunden. Nach Banklehre und Studium arbeitete er in verschiedenen Positionen, u.a. als Direktor bei der Deutschen Bank, als Vorstand einer Sparkasse und als Geschäftsführer eines Online Brokers. Als Experte für Strategien in den Bereichen Digitalisierung, Innovation und Vertrieb ist er gefragter Referent und Moderator bei internen und externen Veranstaltungen im In- und Ausland.

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9 Kommentare

  1. Avatar
    Torsten Hallstein am

    Wieder einmal ein sehr interessanter Artikel zu einem sehr empfehlenswerten Buch, das ich bereits aus einer älteren Auflag auszugsweise kenne. Als Mitarbeiter der Sparkassenorganisation kann ich leider nur bestätigen, dass das strategische Management – sofern überhaupt vorhanden – in den mir bekannten Sparkassen nicht ansatzweise das Thema Kultur und Organisationsgestaltung in die bisherigen Strategieprozesse integriert hat. Deshalb ein spannender Ansatz, der aufzeigt, das die digitale Transformation an der Spitze eines Unternehmens mit einer Vision beginnt und von dort aus systematisch zu einem Wandel der gesamten Organisation führen muss!

  2. Avatar

    Das komplette Buch scheint sehr wertvoll für eine intensive Auseinandersetzung mit dem strategischen Management zu sein.
    Besonders interessant sind für mich die Kapitel 5 zur Organisation und Kapitel 6 zur Unternehmenskultur.

  3. Avatar
    Peter Schäfer am

    Ich finde, in der heutigen schnelllebigen Zeit wird es immer schwieriger,
    strategische Ziele im Blick zu behalten. Hier muss ich immer an das Zitat von
    Søren Kierkegaard denken:

    Verstehen kann man das Leben nur rückwärts, aber leben muss man es vorwärts.

    Soll heißen: Strategische Zielsetzungen werden immer schneller von der Realität eingeholt und müssen
    permanent hinterfragt werden.

    Insofern interessiert mich sehr, was die Autoren Bea & Haas zu sagen haben.

  4. Avatar

    Als Leiter Digitalisierung einer kleinere Raiffeisenbank befasse ich mich derzeit intensiv damit eine Digitalisierungsstrategie für die Bank zu erstellen. Dabei fällt immer mehr auf, dass dem Haus ein strategisches Vorgehen unbekannt ist. Die Erkenntnisse aus dem Buch könnten dabei helfen, auf sachlich fundierter Basis, Veränderungen herbeizuführen.

  5. Avatar

    Schönes Interview und Referenz zu einem Standardwerk – Guter Beitrag!

    Bzgl. Gewinnspiel: Mich interessiert v.a. das Kapitel über Unternehmenskultur.

  6. Avatar

    Ein Interview auf den Punkt! Besonders interessiert mich die Verbindung des Dreiklanges Strategie, Kultur und Organisation vor dem Hintergrund der sich immer schneller verändernden Welt.

  7. Avatar

    Gerade in den aktuellen Zeiten ist es besonders wichtig, strategische Ziele zu formulieren und zu verfolgen und dabei klug auf Veränderungen zu reagieren – angesichts des Tempos der Veränderungen aber auch besonders herausfordernd.
    Umso mehr bin ich gespannt, welche Gedanken und Empfehlungen die Autoren zu diesem Thema haben.

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